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Die Watzmann-Überschreitung: ein Klassiker der Gratwanderung

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Die Watzmann-Überschreitung gilt neben dem Jubiläumsgrat wohl als die schönste und anspruchsvollste Gratüberschreitung in Deutschland und stellt sicher auch generell in den Ostalpen für den Normalbergsteiger eine größere Herausforderung dar. Als Bergsteiger muss man sie sicher einfach erlebt haben . Mit einer Bergwanderung hat diese Tour allerdings nichts mehr zu tun. Ein Klettersteig ist sie mit Sicherheit auch nicht, dazu mangelt es der Tour an der durchgängigen Versicherung besonders heikler Stellen. Einer Kletterei, wenn auch im unteren Schwierigkeitsbereich II und besonders anspruchsvoll erst auf dem Abstieg, wenn man schon etwas erschöpft ist, kommt diese Tour wohl am nächsten.

Im Juli 2010 entschied ich mich gemeinsam mit zwei Jungs, Christoph und Gregor, diese Tour anzugehen. Plan war eigentlich, dass wir uns gegen 9 Uhr in Nürnberg treffen, um dann gemeinsam gen Süden nach Berchtesgarden zu fahren. Die zwei Jungs hatten allerdings eine Autopanne und so kamen wir erst gegen 12 Uhr in Nürnberg los. Zwei Autotausche und fünf Stunden später kamen wir um ca. 17 Uhr am Parkplatz an der Wimbachgriesbrücke an.

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Der Aufstieg auf das Watzmannhaus – ca. 1300 Höhenmeter höher und 8 km entfernt – bereitete mir dann aufgrund der fortgeschrittenen Zeit (es waren nur noch knapp drei Stunden bis es rabenschwarze Nacht war) doch etwas kopfzerbrechen. Im Team wurde ich dann aber überzeugt und so “rannten” wir dann auch bei durchwachsenem Wetter (siehe Bild) mit Gepäck in 2 Stunden und zwanzig Minuten auf das Watzmannhaus, wo wir in der Abenddämmerung (BIld) schließlich srschöpft aber glücklich ankamen. Beim Aufstieg erblickten wir auch zum ersten Mal die Watzmannfrau in ihrer vollen Schönheit. 😉 (Anmerkung zu der Aufstiegszeit: Wir waren zu dieser Zeit sehr gut im Training, daher stellt dies sicher keine Richtzeit dar. Normal sind eher 3-4 Stunden für den Aufstieg auf das Watzmannhaus)

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Ich konnte es mir natürlich als Geocacher nicht nehmen lassen den nahegelegenen Cache (GCYRH0) noch in dem Abendrot zu heben. 🙂

Nach einer etwas unruhigen Nacht im Schnarchlabor gemeinsam mit 30 anderen Patienten, schwante mir schon beim ersten morgendlichen Ausblick aus dem Lagerfenster nichts gutes. Und so sah es dann vor der Hütte aus…

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Sichtweite ca. 50 Meter, Wolkendecke bei geschätzen 1600 Metern und wir standen mitten in der Suppe. Schließlich fing es dann auch noch das regnen an…wir hatten somit ein typisches Gebirgstief erwischt. Na Spitze, erstmal einen Kaffee auf diese Aussicht! Die Überschreitung war bei diesem instabilen Wetter unmöglich oder würde einem Himmelfahrtskommando ähneln. Wir beratschlagten uns kurz im Team und entschieden uns nicht mit Zeus Mächten anzulegen, sondern aus Trainingszwecken wieder ins Tal abzusteigen. Schließlich mussten wir die Parkuhr nachstellen und auch der Kuchen im Stadtcafe wurde uns wärmstens empfohlen und zur Verlockung. Zwinkerndes Smiley  Eingepackt in Regenklamotten stapften wir bergab in den dichten Nebel…

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Nach 1,5 Stunden war der Abstieg in strömendem Regen gemeistert und beim Aufstieg blieben wir dann noch auf einer Alm bei einem Bier und “Almspringen” (eine Art Hindernislauf welchen der sehr unternehmerisch begabte Almjunge gegen einen kleinen Oblus erfunden hat) hängen.

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Der Nachmittag und Abend wurde dann bei Uno und Tee verbracht und in der Hoffnung, dass am nächsten Tag das Wetter “aufreissen” würde, gingen wir um 2130 Uhr ins Bett.

Am nächsten Tag war uns der Wettergott  gut gewogen und wir konnten bei stabilem Wetter mit leichten Cumuluswolkgen die Überschreitung angehen. Wir hatten zwar die Befürchtung (welche sich später bewahrheitete), dass es ab 2600 Metern reingeschneit hatte, aber etwas Risiko muss man ja bekanntlich beim Bergsteigen immer eingehen und so ging es um 6 Uhr im frühsten Morgengrauen am Watzmannhaus los. Der Sonnenaufgang auf halber Höhe zum Hocheck war einmalig…

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Gregor kurz vom ersten Gipfel, kein Kaiserwetter, aber Köingswetter wie es sich für die Besteigung eines versteinerten Königs gehört (die Watzmannsage kann man hier nachlesen)

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Der erste Gipfel, das Hocheck mit 2651 m, war nach ca. 1,5 Stunden schnell erreicht.

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Ab hier wurde das Klettersteigset angelegt und es ging auf dem luftigen Grat entlang, welcher nicht immer gut abgesichert ist und teilweise freie Blockletterei im II. Grad verlangt. Hier einige Impressionen. Die Stellen waren bei dem Schnee abunzu sehr heikel.

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Nach ca. 1 Stunde hatten wir die Mittelspitze (2713 m) erreicht. Auch hier musste ich gleich noch im Schnee nach dem Geocache (GCYRH1) suchen, was sich als gar nicht so ungefährlich herausstellte.Bis zur Mittelspitze war es schon anspruchsvoll, danach wurde es allerdings noch etwas luftiger und schwieriger. Man bewegt sich teilweise erheblich an der zeitweise sehr schmalen Gratkante und das ohne jegliche Sicherung. Wer also sich grade so bis zur Mittelspitze traut, der sollte hier dann lieber wieder umkehren. Bilder sagen bekanntlich mehr als tausend Worte… 🙂

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Nach ca. 1400 Höhenmetern (durch das auf und ab am Grat) und 5 Stunden war die Südspitze 2712 m – leider zog es langsam wieder zu – erreicht.Kurz zeigt sich aber doch der türkisblaue Königssee.

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Eine kurze Rast und etwas Parfüm (Gregor unser Model Zwinkerndes Smiley) und es ging an den 2000 Höhenmeter langen Abstieg. Bei der Tourenplanung sollte man dies auf jedenfall beachten. Die Meisten haben hier oft Probleme, da sie den Abstieg unterschätzen, der nicht gerade unheikel ist und absolute Trittsicherheit verlangt, da es keine Sicherungen gibt.

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Blick von kurz unterhalb der Südspitze ins Wimbachgries…

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Kurze rast nach den ersten 700 Höhenmetern

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Das Wimbachgries, eine einzige Steinwüste.

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Nach knapp drei Stunden und ein paar schmerzenden Knien mehr erreichten wir bei Sonnenschein die Wimbachgrieshütte.

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Hier genehmigten wir uns dann auch das verdiente “Gipfelweizen” und ein frühes Abendessen bevor wir uns auf den letzten Hatscher 13 Kilometer talauswärts machten (das Stück ist nach 1400 Aufstiegshöhenmeter und 2000 Abstiegshöhenmeter nochmal echt der Graus! Wer sich dies also sparen möchte kann auch in diesem Naturfreundehaus übernachten. Allerdings gilt unbedingt vorreservieren).

Kaum zu glauben, dass wir da heute bereits oben waren! 🙂

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Nach zwölf Stunden (9 Stunden Tour und 3 Stunden Pause v.a. auf der Wimbachgrieshütte ;-)) erreichten wir kaputt aber sehr zufrieden unser Auto und begaben uns für eine Nacht in eine bereits vorreservierte luxuriöse Ferienwohnung.

Am nächsten Tag ging es dann weiter Richtung Ötztal. Unser nächstes Ziel hieß Wildspitze, aber das ist ein anderer Bericht…

Beste Bergsteigergrüße

Flo

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Flo
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