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Deutschlands höchster Berg – Zugspitze über das Höllental

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Liebe Freunde des Alpinismus und alle anderen Leserinnen und Leser,

der höchste Gipfel Deutschlands übt auf viele eine magische Anziehungskraft aus: Wanderer, Bergsteiger, Skifahrer und asiatische Touristen zieht es immer wieder auf den mit Seilbahnen sowohl von Deutschland als auch von Österreich erschlossenen Berg. Wer unberührte Bergnatur sucht, ist hier sicher fehl am Platze. Aber dazu später mehr.

Bereits mit 12 Jahren versuchte ich das erste mal über die Partnachklamm und das Reintal, damals sicher noch eher als Wanderer und mit meinen Eltern, die Zugspitze zu besteigen. Damals ging es innerhalb von drei Tagen über die Reintalangerhütte (damals noch von Charly betrieben, seit 2010 ist Simon der alleinige Pächter; der Kuchen ist aber sicher immer noch eine Reise wert :-)), hinauf über den ewig andauernden Schotterhatsch zur Knorrhütte. Der Gipfeltag war dann allerdings von schlecht Wetter getrübt und wir kamen nur bis zum Müncher Haus. Spätestens da schwor ich mir irgendwann das berühmteste Gipfelkreuz Deutschlands, und sicher auch eins der schönsten, in den Händen zu halten.

Es sollte 14 Jahre dauern in welchen ich unzählige Male auch als Skifahrer oder nur an den Eibsee am Fuße des Berges zurückkehrte. Daher fehlte mir eigentlich nur noch die Besteigung des Berges als Bergsteiger und so entschloss ich mich mit Phil recht spontan an einem schönen Frühherbstwochenende die Tour über das Höllental, die auf jedenfall zu einem Alpenklassiker zählt, anzugehen.

Am 7.09.2009 früh um 5 Uhr ging es noch im Dunkeln bei bester Laune und mit viel Vorfreude von Wintersdorf Richtung Garmisch los.

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Wir erblicken das erste Mal unser Ziel. Die Zugspitze rechts, welche über den Jubiläumsgrat (auch das ist noch ein Wunschziel für mich!) mit der Alpspitze verbunden ist (links).

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Nach einem Zwischenstop in der Bäckerei Stefan Nuß (Zugspitzstr. 112, 82467 Garmisch-Partenkirchen), welche ich auf meinen ganzen Alpentrips über Garmisch seit Jahren ansteuer und nur empfehlen kann, ging es bei traumhaften Wetter gegen 10 Uhr am Parkplatz in Hammersbach los.

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Ich, gesattelt und gestärkt. 😉

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Warnung bitte beachten: Gerade im August/September ist der Höllentalferner meist bereits recht aper und die Randkluft doch 1 bis 2 Meter breit. Daher auf jedenfall mindestens Grödel wenn nicht sogar Steigeisen einpacken. Ohne diese kommt man da – wie wir am nächsten Tag sehen durften – nicht hoch. Der Pickel kann allerdings – wenn man nicht absoluter Sicherheitsfanatiker ist – getrost zuhause bleiben.

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Über die wunderschöne und naße Höllentalklamm (Eintritt 3 €) geht es dann in knapp zwei Stunden zur Höllentalangerhütte (Höhendifferenz von Hammersbach aus: ca. 630 hm).

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Auf der Höllentalangerhütte wurde dann erstmal das viel zu enge Matratzenlager, Phil und ich teilten uns ca. 60 cm durchgelegenen Stoff, bezogen. Wer denkt wir hatten eine intime Zeit irrt. Wir waren ca. 30 Leute auf engstem Raum. Spätestens jetzt wusste ich, wie sich die Sardinen fühlen müssen. 😉 Danach gabs dann ein Mittagessen und in der Sonne wurde die Route des nächsten Tages begutachte (rote Linie).

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Gestärkt entschlossen wir uns den Nachmmittag noch für die Besteigung der Südlichen Riffelspitze (2263m) zu nutzen. Schließlich war das Wetter ein Traum. Dabei erkundeten wir gleich den Beginn des Weges für den nächsten Tag.

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Nach ca. 2,5 Stunden waren die 1000 hm gemeistert und der Gipfel erreicht. Wir konnten ganz alleine (im Gegensatz zum nächsten Tag :-)) die wundervolle Aussicht auf die umliegenden Wettersteinberge sowie den Eibsee genießen.

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Nach einer kurzen Rast ging es wieder durch grüne Wiesen und Gamsherden hinab zu unserem Nachtlager – der Höllentalangerhütte.

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Der Wecker klingelte am 08.09.2009 um 5 Uhr morgens. Noch müde von der letzten Nacht, in welcher wir beide bei den Mengen an menschlichen Geräuschen nur unruhig geruht haben (so muss es im Mittelalter in klösterlichen Schlafsälen gerochen und geklungen haben ;-)), wurde ein eher spartanisches Frühstück eingenommen. In der Morgendämmerung ging es dann um 6 Uhr Richtung Zugspitze los. Der Weg führt zuerst ca. eine Stunde durch den Talgrund des Höllentals bis zum Einstieg in den Klettersteig über die berüchtigte „Leiter“.

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Über den ersten Klettersteig (Schwierigkeit max. B/C) geht es dann über die Schlüsselstelle – das legendäre „Brett“ – auf das Hochplateau des Höllentals. Hier nahmen wir natürlich als alte Geocacher auch gleich den Cache „Zugspitze – Timberline Cache“ (GC1C21) mit, welchen Phil nach einiger Suche – wir wollten schon aufgrund der Zeit aufgeben – dann doch noch in einer Tüte abseits des Weges entdeckte.

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Auf dem Hochplateau geht es über die Seitenmoränen des ehemaligen Gletschers durch Schotterfelder hoch zum Höllentalferner. Auch wenn der Weg vom Ende des Klettersteiges bis zum Ferner nur ca. 1 Stunde gedauert hat, hat er sich trotzdem wie eine Ewigkeit angefühlt. 🙂 Am Ferner wurde dann gegen 09:30 Uhr ein zweites Frühstück eingelegt und die Steigeisen angelegt.

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Anschließend sind ca. 200 hm auf dem Höllentalferner bis zur Randkluft im Übergang zum Klettersteig, welcher dann die letzten 500 hm zum Gipfel führt, zu meistern. Aufgrund des ausgeaperten Ferners sind Steigeisen ein Muss, die Spalten allerdings so gut erkennbar, so dass man auch ohne Seil und Pickel den Aufstieg gut meistern kann. Mit einem beherzten Sprung überwindet man die Randkluft zum Klettersteig.

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Die Spur durch den Ferner…gleicht eher einer Autobahn an diesem wunderschönen Spätsommertag.

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Schlangestehen im Klettersteig (Schwierigkeit C)…zum Glück konnten wir später einige überholen.

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Mitten im Klettersteig. Man erkennt sehr gut den bereits zurückgelegten Weg. Ganz am Ende des Talgrundes unser morgendlicher Starpunkt – die Höllentalangerhütte.

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Vom Gipfelgrat erhält man nochmals wunderschöne Tiefblicke auf den Eibsee…und wir finden unseren zweiten Cache für heute – „Der Berg ruft“ (GCQKNB).

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Nach gut sechs Stunden und ca. 1500 hm kommen wir gegen 14 Uhr am Gipfel (2962m) des höchsten Berges Deutschlands, der Zugspitze, an. Wir genießen mit einigen anderen, teilweise auch mutigen und verrückten Flipfloptouristen, die Aussicht und begaffen mal ganz anders die Touristen am Münchner Haus.

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Das lustigste an diesem Tag erreignete sich allerdings bei dem obligatroischen Gipfelweizen. Wir saßen am Tisch von drei korpulenten, älteren Damen, die uns bereits nach Ankunft (gut wir stiegen auch in voller Klettersteigmontur und mit Steigeisen am Rucksack über das schützende Geländer auf die Aussichtsplattform des Münchner Hauses :)) mit großen Augen musterten. Nach einer Weile traute sich die eine Dame dann wohl doch uns zu fragen wo wie her kommen. Darauf ich „Na von ganz da hinten unten“, worauf mir erwidert wurde „Ja aber da ist doch total steil, Schnee und ne glatte Felswand! Seid’s ihr da hochgeklettert? Müsst ja früh losgegangen sein“. Phil meinte nur keck in seiner typischen Art „Klar, ist doch net so steil und ham halt so sechs Stunden für die 1500 hm gebraucht.“ Dies brachte uns nur ungläubige Blicke und den Respekt eines Himalaya-Besteigers entgegen. Bei uns führte dies vor dem Hintergrund, dass an diesem Tag ca. 80 Leute den selben Weg genommen haben, zu einem regelrechten Schmunzelkonzert. 😉

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Nachdem Phil’s Knie dann doch etwas schmerzten und meine Erkältung sich bemerkbar machte, entschieden wir uns für sündhaftteuere 25 €/Person mit der Bahn den Abtsieg anzutreten und traten dann die Heimfahrt nach Fürth an. Alternativ kann man hier entweder über die Wiener Neustädter Hütte ( zum Eibsee) oder aber über das Reintal die ca. 2000 hm absteigen.

Fazit: Eine tolle, empfehlenswerte Tour, welche Kondition sowie absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordert, allerdings dann zum reinsten Genuß wird. An schönen Tagen sollte man das Wochenende meiden, da man hier sonst sicher nicht der einzige ist. Die Tour ist auch gut innerhalb eines Tages machbar, wenn man den Abstieg mit der Bahn einplant. Andernfalls wird sie zu einer Mördertortur. Immerhin sind von Hammersbach bis zum Gipfel ca. 2300 hm zu meistern, welche es auch gilt wieder abzusteigen.

Viele Grüße

Flo

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Flo
Flo

2 Comments

  1. […] zwei Hüttenübernachtungen schöner Marsch für mich. 2009 war ich dann abermals zu Fuß über das Höllental auf der Zugspitze und spähte verschmitzt auf den Jubiläumsgrat, welcher damals auch noch etwas […]

  2. […] einfach interessanter) wieder in die Berge. Es führte mich erstmals über das Höllental auf die Zugspitze . Damals reifen zwei Träume. Den ersten habe ich mir letztes Jahr mit der Besteigung des Mont Blanc […]

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