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Die Suche nach Schnee – Frühjahrs-Skitouren im Montafon und am Arlberg

Eine wunderschöne Bergkulisse auf dem Weg Richtung Mehlsack

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Gibt’s irgendwo noch dieses… Schnee?

Draußen scheint bereits die Sonne, der Frühling ist längst da! Drin sitzen Flo, Robert und ich und überlegen am Telefon, was wir am Wochenende machen sollen. Wo finden wir noch genug Schnee für die letzten gemeinsamen Skitouren der Saison? Der Winter hat sich ja ganz schön feiern lassen, da ging bisher leider nicht allzu viel, vor allem für uns Nordlichter Robert und mich.

Im Dezember musste unsere geplante Skitour ausfallen. Die Alternative war eine Winterbegehung des Mindelheimer Klettersteigs (zum Artikel). Selbst die Tour war nur mit wenig Schnee und Eis gesegnet und wir haben geschwitzt. Im Januar wollten Robert und ich während unseres Skiurlaubs in Sölden die eine oder andere Skitour gehen. Aber bei Lawinenwarnstufe 3 war uns die Sache dann leider zu heiß und wir blieben auf der Piste.

Auf in’s Montafon

Letztendlich entscheiden wir uns für’s Montafon. Erstens ist es für uns alle gut zu erreichen und zweitens hat Flo den Tipp bekommen, dass dort noch genug Schnee liegt und definitiv noch was gehen wird! Also nur keine Experimente wagen und lieber dem Insider vertrauen!

Nach dem einen oder anderen Zwischenstopp erreichen wir St. Gallenkirch im Montafon. Unsere nette Pensions-Mutti empfiehlt uns noch ein gutes Restaurant in der Nähe und schon sind wir auf dem Weg Richtung Nahrungsaufnahme. Nach deftigen Käsespätzle und alkoholfreiem Radler steht noch das Packen für den morgigen Tag an. Schnell sind die notwendigen Sachen in die Rucksäcke geschmissen und wir hauen uns in die Betten.

Der frühe Vogel fängt ja bekanntlich den Wurm und deshalb klingeln unsere Wecker so früh, dass wir noch in Ruhe frühstücken können und dennoch zur ersten Fahrt der Vermuntbahn an der Talstation sind.

Skitour von der Bielerhöhe auf die Schneeglocke

Die Vermuntbahn (~30€ hin und retour) bringt uns rasch nach oben auf die vom Tal aus nicht zugängliche Silvretta Hochalpenstraße. Mit einem Bus werden wir von dort aus in atemberaubendem Tempo durch einen Tunnel gefahren. Der ist gefühlt nur drei Zentimeter breiter als unser Gefährt selbst, aber der Fahrer kennt ihn wohl wie seine Westentasche. Kurze Zeit später stehen wir, gemeinsam mit gefühlt 100 anderen Tourengehern, auf der Bielerhöhe.

Vor uns eröffnet sich das beeindruckende Bergpanorama der Silvretta mit diversen Gipfeln zwischen 2700 und bis über 3000m.

Über den Silvretta Stausee folgen wir einer Langlaufloipe zügig den in südwestlicher Richtung verlaufenden Spuren. Wir passieren die drei Lobspitzen rechts von uns. Immer parallel zum Klostertaler Bach und vorbei an der Klostertaler Umwelthütte steigt die Spur sanft an. Vorbei an der Hütte drehen wir Richtung Süden und dann Südosten ab.

Gegen den Wind

Ab etwa 2600m steilt es ordentlich an und wir gehen in Spitzkehren weiter. Die Steilheit ist kein Problem. Dafür aber der kräftige Wind, der uns entgegen bläst und der Triebschnee, der die Steigfelle unter den Ski mehr oder weniger nutzlos macht. Es fühlt sich an wie ein Schritt nach vorne und zwei zurück. Mit Harscheisen wäre es wohl besser gegangen, aber die liegen leider im Tal und da liegen sie gut. Und nicht nur einmal ducke ich mich um dem starken Wind zu entfliehen. Gefährlich ist es nicht, aber man hat ständig das Gefühl, gleich umgepustet zu werden.

Auf knapp 3100m wird es dann zum Glück wieder flacher und wir kommen wieder zügiger voran. Flo und ich laufen etwas voraus bis wir am Pausenplatz unterhalb einer Steilwand ankommen. Hier warten auch diverse andere Tourengeher. Kurze Zeit später erreicht uns Robert und wir stärken uns erst mal.

Gipfelsturm

Robert entscheidet sich gegen den Gipfel, also stapfen Flo und ich los. Die Ski lassen wir am Depot liegen. Die letzten 120 Höhenmeter sind wieder steil. Über geschlagene Stufen im Schnee steigen wir auf, danach kommen wir auf einen relativ breiten Grat, dem wir bis zum Gipfel folgen.

Hui, ist es hier oben auf 3223m ungemütlich! Es ist so windig und ungemütlich, dass wir außer für einen kurzen Glückwunsch und ein Gipfelfoto gar nicht länger hier bleiben wollen. Also sehen wir zu, dass wir schnell wieder absteigen und uns wieder zu Robert gesellen, der am Skidepot auf uns wartet.

Abfahrt mit Langlauf-Einlage

Nach dem Abfellen geht’s zurück Richtung Bielerhöhe. Im oberen, flachen Teil läuft’s angenehm leicht. Etwas weiter unten im steileren Bereich müssen wir aufpassen, die richtige Spur zu erwischen und nicht in zu steiles Gelände zu kommen. Prompt kommen wir etwas zu weit links raus und korrigieren die Linie. Insgesamt folgen wir während der Abfahrt aber unserer Aufstiegslinie.

Als wir den Silvretta Stausee wieder vor uns liegen sehen, nehmen wir noch mal ordentlich Anlauf. Durch die komplette Ebene schieben, das will schließlich keiner von uns. Ganz über den See schaffen wir es aber leider nicht und so versuchen wir uns noch mal im Skating-Stil wie beim Langlauf. Klappt eigentlich ganz gut, vielleicht sollte ich Langlaufen auch mal ausprobieren 🙂

Wenn die Abfahrten nur mal genauso lange dauern würden wie der Aufstieg, das wär’s! 3:45 Stunden haben wir bis auf den Gipfel gebraucht. Vom Skidepot aus bis zurück runter zur Bielerhöhe waren es aber gerade mal eine knappe Stunde… inklusive Langlauf.

Nach einer ausgiebigen Pause in der prallen Sonne und mit einer kühlen Erfrischung brachte uns der Bus wieder zurück zur Bahn und zurück ins Montafon.

Den Abend lassen wir wieder in „unserem“ Restaurant ausklingen, bei leckerem Essen, alkoholfreiem Weizen und den typischen Männergesprächen.

Planänderung

Zurück auf unserem Zimmer steht eine schwierige Entscheidung bevor. Schon seit etwa zwei Jahren steht der Arlberger Winterklettersteig auf meiner Wunschliste. Eigentlich wollten wir eben diesen Winterklettersteig am nächsten Tag machen. Aber leider mussten wir feststellen, dass man hierfür mindestens ein Tagesticket für’s Skigebiet von St. Anton braucht. Über 50€ für eine Halbtagestour ist uns allen dann aber doch zu viel und so schmieden wir andere Pläne.

GPS-Track

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Skitour auf den Mehlsack

Am Sonntagmorgen machen wir uns direkt nach dem Frühstück auf den Weg Richtung Arlberg. Aber statt nach St. Anton ins überteuerte Skigebiet zu fahren, biegen wir kurz vorher ab und fahren nach Zug, einem Ortsteil von Lech am Arlberg. Zumindest das Wetter scheint heute auf unserer Seite zu sein. Am Himmel scheint die Sonne und die Temperaturen lassen auch an Frühling denken.  Am Ortsende von Zug parken wir, fellen auf und laufen hinunter zur Loipe. Die verläuft parallel zum Bach Lech und ihr folgen wir. Nach gut einem Kilometer auf der Loipe queren wir über eine Brücke den Lech und folgen einer anderen weitere 700 Meter.

Lawine, so weit das Auge reicht

Als wir die Langlaufloipe verlassen und mit dem Aufstieg beginnen staunen wir nicht schlecht. Wir queren in einen gigantischen Lawinenkegel. So weit das Auge reicht nur Lawinenkegel! Teils bis zu zehn Meter hohe und fast unüberwindbare Schneemoränen hat die Lawine geschaffen.

Über den brettharten Schnee steigen wir langsam auf. Ich hoffe zwischenzeitlich immer wieder, dass die Sonne später alle Bereiche unserer Abfahrt erreicht, damit es etwas angenehmer wird. So würde die Abfahrt definitiv keinen Spaß machen!

Aber erst einmal arbeiten wir uns stetig und vergleichsweise flott nach oben. Immer ein gutes Stück über uns sehen wir eine andere Gruppe, die von weiter rechts durch den Lawinenkegel quert und langsam holen wir auf.

Machen wir weiter, oder kehren wir um?

Auf knapp 2200m befindet sich ein wunderschöner Pausenplatz. Den haben auch die anderen bereits entdeckt und so kommen wir kurz ins Gespräch. Wenige Augenblicke nach mir kommen auch Flo und dann Robert an. Man überlegt, ob die Verhältnisse weiter oben besser werden und, dass man doch auch einfach hier in der Sonne sitzen bleiben könnte 🙂 Flo wäre es wohl tatsächlich am liebsten, wenn wir einfach noch etwas entspannen und dann abfahren würden, aber da lege ich mein Veto ein! Bei den wenigen Skitourentagen im Jahr will ich Gipfel sehen!

Während unserer Pause kommen aus einem steileren Stück über uns zwei Tourengeher abgefahren. Die beiden erzählen uns, dass die Verhältnisse oben tatsächlich viel besser sind und sich der Aufstieg lohnt. Das war’s, was ich gebraucht habe, um die beiden anderen zu überzeugen. Nach ein paar Minuten steigen wir wieder auf die Ski und weiter auf.

Auf knapp 2300m trennen sich mehr oder weniger unsere Wege. Flo gibt etwas Gas, während Robert und ich es etwas ruhiger angehen lassen. Irgendwann drücke ich dann auch noch mal auf die Tube, um den Gipfel noch rechtzeitig vor unserer festgelegten Umkehrzeit von 14 Uhr zu erreichen. Während ich auf Flo aufschließe fällt Robert leider weiter zurück und schickt irgendwann eine SMS, dass wir den Gipfel ohne ihn in Angriff nehmen sollen.

Sieben Sonnen am Himmel über dem Mehlsack-Gipfel

Um zehn vor zwei erreichen wir den Gipfel. Mit hochgekrempelten Ärmeln, die Mützen vom Morgen stecken in den Hosentaschen. Es ist warm, richtig warm und wer schon mal auf Skitour im Frühjahr war der weiß, dass man dabei ähnlich ins Schwitzen kommt, wie bei einem Dauerlauf.

Am Gipfel treffen wir auch die Gruppe vom Pausenplatz wieder, man kommt ins Gespräch, scherzt etwas herum und wir machen gegenseitig Gruppenfotos. Es ist so schön hier oben und so mild, dass wir es uns erst einmal auf unseren Rucksäcken gemütlich machen und entspannen.

Um kurz vor zwei machen wir uns wieder auf den Weg, denn schließlich haben wir nicht nur die Abfahrt noch vor uns, sondern auch noch die mehrstündige Heimfahrt nach Freiburg bzw. Mainz.

Nur wenige Minuten nach zwei und etwa 30 Meter unter dem Gipfel treffen wir doch noch Robert. Der arme Kerl hat sich allein weiter Richtung Gipfel gekämpft und musste nun zum zweiten Mal an diesem Wochenende unverrichteter Dinge wieder abfahren. Zum Glück ist der Gute da nicht so verbissen wie ich und hat die Tour deshalb trotzdem total genossen.

Panorama

Abfahrtspaß par excellence

Auf der Abfahrt folgen wir die meiste Zeit unserer Aufstiegsspur. Lediglich direkt am Treffpunkt mit Robert und um den Pausenplatz herum kürzen wir zwei mal ab.

Wir lassen’s entspannt laufen und eines kann ich euch sagen, das war entspannt! Kurze und lange Schwünge können wir durch den Firn ziehen, bei strahlendem Sonnenschein und herrlicher Ruhe hier oben.

Im oberen Teil des Lawinenkegels, den wir ab etwa 2000m wieder queren, läuft es noch prima. Weiter unten geht unsere Abfahrtspur aber in den schmalen Teil über. Zwar ist der Schnee auch hier etwas angetaut, aber vernünftige Kurzschwünge sind hier leider trotzdem nicht möglich. Wir schlagen uns also irgendwie durch. Trotzdem sind wir auch die nächsten 500hm schnell abgefahren, wir brauchen vom Gipfel bis zurück zur Loipe gerade einmal eine knappe halbe Stunde.

Zurück an der Brücke über den Lech fülle ich noch mal kurz meine Wasserreserven auf. Bei der Hitze trinkt man doch recht viel und so sind Trinkblase- und Flasche bereits leer, der Rachen aber trocken.

Mein Tipp: Seit Ende letzten Jahres nutze ich für längere Touren den BeFree Wasserfilter (Affiliate Link) und bin super zufrieden damit! Der ist sehr kompakt, passt in jede Tasche und filtert das Wasser in den meisten Gebieten, sodass man guten Gewissens aus Bächen trinken kann. Einen guten Artikel zum Thema Wasseraufbereitung beim Wandern und was zu beachten ist findet ihr übrigens bei bei Alex von BergReif.de

Der Kuchen-Schock oder auch „Das ist kein Scherz…“!

Zurück am Auto stellen wir Ski und Felle erst mal zum Trocknen in die Sonne. Wir parken direkt am Café Klösterle und da wir uns nach den beiden Tourentagen nicht direkt wieder verabschieden wollen beschließen wir, uns dort noch was zu gönnen.

Gönnen trifft es dabei leider tatsächlich! Flo, der schon bestellt hat, als Robert und ich ankommen, bekommt kurz darauf einen wahnsinnig lecker aussehenden Mohnkuchen.

Als die Kellnerin wieder kommt frage ich nach dem Preis und sie meint „Acht Euro“. Ich staune, lache und meine zu ihr, der Witz wäre gut. Als sie mich todernst anschaut und mir sagt, dass das kein Scherz sei bin ich verunsichert. „Ach egal“ denke ich mir und bestelle ein Stück, noch eins vom Rhabarberkuchen und einen Milchkaffee. Als später die Rechnung kommt dann die Ernüchterung. Der Mohnkuchen liegt tatsächlich bei acht Euro! Ok, die restlichen Sachen waren im Preis dann wieder halbwegs ok.

Dennoch: Wenn ihr mal in Zug seid, geht beim Klösterle vorbei! Eine tolle Aussicht draußen auf der Terrasse, die Kuchen und einer der besten Kaffees, die ich bisher getrunken habe erwarten euch dort. Man lebt ja schließlich nur einmal 🙂 

GPS-Track

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Skitouren im Montafon – unser Fazit

Im Montafon kann man sich in Sachen Skitouren austoben, das ist vermutlich jedem klar! Vor allen Dingen für „Nordlichter“ wie Robert und mich, die eine weitere Anfahrt zu bewältigen haben ist das Montafon ein attraktives Skitouren-Ziel!

Pensionen findet man recht problemlos und wennkle man übers Internet nichts G’scheites oder Günstiges mehr findet, dann ruft man bei der Touristeninfo an und bekommt geholfen.

Von der Bielerhöhe aus gehen zig Skitouren ab und auch übernachten kann man hier oben. Das hätten wir wohl auch gemacht, wäre der ursprüngliche Plan nicht gewesen, den Winterklettersteig in St. Anton zu machen.

Ach ja, wo wir dabei sind: Dass man für den Klettersteig ein normales Tagesticket für über 50€ zahlen muss ist eine Frechheit! Ok, dass St. Anton zu den teuersten Skigebieten gehört weiß man eigentlich, aber warum gibt’s da keine attraktive Lösung für den Winterklettersteig, wenn sie den schon einrichten?

Der Mehlsack bei Zug, den wir stattdessen gemacht haben ist bei guten und sicheren Verhältnissen eine klare Empfehlung! Hier ist wenig los, die Tour schön zu gehen und die Abfahrt einfach herrlich! Aber bitte nur bei wirklich sicheren Lawinenverhältnissen! Bei ’nem oberen Zweier oder Dreier würden wir hier nicht rauf gehen und der gigantische Lawinenkegel gibt uns da leider Recht. Die Lawine ist wohl kurz unterhalb des Gipfels (2652m) abgebrochen und bis runter auf etwa 1600m gekommen. Und auch die Breite des Kegels war alles andere als klein.

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Dennis
Dennis
Flachlandtiroler und Bergliebhaber! Im normalen Leben IT’ler, ab und an auch Klettertrainer, aber am liebsten selbst in den Bergen unterwegs. Ob im Fels oder Eis ist eigentlich egal, Hauptsache rauf da!

1 Comment

  1. Norbert sagt:

    Langlaufen kann ich Euch nur empfehlen. Oberhalb Freiburg z. B. die Stübenwasenspur bis rüber zum Feldberg.
    Hält bis ins höhere Alter fit … 🙂

    Die Skitour durchs Klostertal auf die Schneeglocke war eine meiner ersten. Wunderschöne Genusstour abseits der Modegipfel um die Wiesbadener Hütte und dem dortigen Trubel. Es müssen nicht immer 4000er sein …
    Danke für den schönen Bericht!

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