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Alpines Sportklettern im Tannheimer Tal

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Vom 31.08. bis 02.09. war mal wieder ein Trip in die Alpen geplant. Es sollte ins Tannheimer Tal gehen, wo ich im Mai schon meinen DAV-Kurs „Alpines Sportklettern“ gemacht hatte und seitdem von den schönen Routen dort schwärme.

Eben diese Schwärmerei hat dann auch Flo angesteckt, ebenso Christine und Max, mit denen wir zwei weitere Kurse über den DAV-Frankenthal gemacht hatten. Nach gefühlt 100 Emails bezüglich Packliste usw. waren dann die organisatorischen Kleinigkeiten geklärt und wir beobachteten voller Sorge den Wetterbericht für das avisierte Wochenende.

Freitag, 31.08.2012

Direkt nach der Arbeit sollte es losgehen, als Treffpunkt wurde ein Mitfahrerparkplatz in der Nähe von Heidelberg ausgewählt, wo Christine und Max bereits warteten, als wir ankamen. Also wurde der Bora von Max‘ Eltern beladen und los ging es, schließlich hatten wir noch rund 350km Autofahrt vor uns. Ohne größere Staus und Zwischenfälle erreichten wir gegen halb zehn Nesselwängle, den Talort von dem aus wir auf das Gimpelhaus aufsteigen mussten. Eigentlich wollten wir auf der Tannheimer Hütte übernachten, leider war diese aber eine Woche vorher bei meinem Reservierungsversuch aber bereits ausgebucht. Zwischenzeitlich hatte es übrigens ganz stattlich angefangen zu regnen, deshalb wurden erst mal die wetterfesten Jacken ausgepackt, bevor es an die rund 500m Aufstieg ging. Bis wir oben ankamen verging rund eine Stunde und Rucksäcke wie Hosen wurden ordentlich nass.
Angekommen auf der Hütte bezogen wir unser Bettenlager und ließen den Abend bei einem Feierabendbier ausklingen, bevor wir ins Bett gingen und hofften, dass das Wetter am nächsten Tag mitspielen würde.

Samstag, 01.09.2012

Der Wecker klingelte um acht Uhr, als wir jedoch aus dem Fenster sahen, welches Wetter sich uns draußen bot, drehten wir uns in unseren Schlafsäcken noch mal herum und verschoben das Aufstehen um eine Stunde nach hinten. Beim Frühstück besprachen wir dann die weitere Vorgehensweise, wir aßen in aller Ruhe und wollten dann später an den Hochwiesler laufen um zu schauen, wie das Wetter direkt am Fels ist.

Der Blick rüber zur Tannheimer Hütte Der Hochwiesler in Wolken

Leider spielte uns Petrus immer noch einen Streich, denn je weiter wir Richtung Wandfuß nach oben kamen, desto dichter wurden die Wolken und desto weniger sahen wir. Dennoch beschlossen wir, in die „Via Anita (5)“ einzusteigen. Der Plan war, die ersten beiden Seillängen zu klettern und zu schauen, wie es bei nassem Fels klappt und dann notfalls abzubrechen und wieder abzuseilen.

Netter Ausblick hinunter ins Tal :) Christine sichert Max im Vorstieg

Die erste Schlüsselstelle befindet sich direkt in der zweiten Seillänge, einer mit 5+ (A0) angegebenen Stelle, was bedeutet, dass man dort z. B. eine Bandschlinge als Fußschlaufe einbauen muss, um die Stelle zu überwinden. Es dauerte zwar länger, als bei meiner ersten Begehung im Mai, aber letztendlich konnte ich die Schlinge einbauen, die Crux schaffen und kam am Standplatz an, um Flo nachzusichern. Währenddessen stieg Christine die erste Seillänge vor und sicherte Max nach. Leider konnten die beiden die besagte 5+-Stelle nicht meistern, brachen die Tour ab und stiegen wieder zum Gimpelhaus ab, um sich noch etwas im Boulderraum unter’m Dach auszutoben, während Flo und ich durch Wolken und an nassem Fels hoch dem Ausstieg entgegen kletterten.
Der Fels war teilweise wirklich komplett durchnässt und wir waren überrascht, wie gut man mit seinen Kletterschuhen auch an nassem Fels auf Reibung treten kann. Eigentlich mag ich ja den Blick nach unten an den Wandfuß oder sogar bis ins Tal, wenn ich sehen kann, wie hoch wir bereits sind und dennoch war die Kletterei an diesem Tag etwas ganz Besonderes. Ein Blick nach unten zeigte nämlich nur eins und zwar eine dichte, graue Wolke, inmitten der wir uns befanden.

Aussicht? Heute leider nicht.

Je weiter wir nach oben kamen, desto nasser wurde es und gegen Ende der Route nieselte und regnete es noch, sodass wir froh waren um unsere wetterfesten Jacken. Außerdem „verkletterten“ wir uns im Nebel noch ein mal, kamen dummerweise in in der letzten Seillänge der „Ausstiegsvariante Alte Südwand (5+)“ heraus und das nicht einmal am Standplatz, dafür aber mit komplett ausgegebenem Seil. Es war also kein Seil mehr übrig, um nach dem Standplatz zu suchen, deshalb machte ich an zwei großen und stabilen Felsköpfeln Stand und holte Flo nach. Von dort aus ging es gerade über einen grasigen Abhang zu einem Sicherungspunkt an einem Notfallkasten, Flo ging vor und sicherte mich dann nach. Dort angekommen ging es für mich auch gleich weiter, den Hang hinab, was aufgrund des nassen Grases eine äußerst rutschige Aktion wurde, allerdings gibt es auf dem Grat glücklicherweise bereits ausgelatschte Spuren, denen man folgen und so das Risiko minimieren kann.

Flo sichert mich von oben den Hang hinab Da unten ist die Abseilstelle

An der Abseilstelle, knapp 60 Meter entfernt, angekommen machte ich mich wiederum daran, Flo nachzusichern und danach alles zum Abseilen vorzubereiten. Vor uns lagen 45 und 35 Meter Abseilpiste, von den ersten 45 Metern ca. 35 ohne jeglichen Kontakt zur Wand, also ein ganz besonderes Highlight. Dazu kam an diesem Tag noch die Tatsache, dass wir den Boden nicht mal ansatzweise sehen konnten.

Flo mitten in der Abseilpiste

Unten angekommen ging es auch direkt zurück zur Hütte und unter die Dusche. Danach machten wir uns auf den Weg zur Tannheimer Hütte, wo wir zu Abend essen wollten, weil keiner von uns bisher dort war. Hier sollte auch der wirklich lustige Teil des Abends beginnen…
Wir schnappten uns den letzten freien Tisch, bestellten das obligatorische Feierabendbier und zwei Pfannen Käs’spätzle. Es sollte sich herausstellen, dass die Spätzle die wohl mit Abstand besten sind, die wir je gegessen haben und das Team der Tannheimer Hütte nicht nur schnell ist, sondern auch noch super freundlich und lustig.

Die besten Käsespätzle der Welt :)

Marion und ihre beiden Jungs tranken mit uns und den Nachbartischen, ließen es sich nicht nehmen, hier und da für einen Plausch auch mal Platz zu nehmen und trugen ganz maßgeblich zu der einzigartigen Stimmung auf der Hütte bei. Am Nachbartisch saß eine Gruppe älterer Herren aus der Gegend von Baden-Baden, die nach dem Essen begannen, aus ihren mitgebrachten Gesangsbüchern ein Volkslied nach dem anderen zu trällern. Es sollte nicht lange dauern, da hatten auch wir eines der Bücher und trugen unseren Teil zur Stimmung bei, indem wir lautstark und voller Elan mit sangen 🙂
Ursprünglich war der Plan, direkt nach dem Essen den Heimweg anzutreten, tatsächlich kam es aber wieder völlig anders. Nach diversen Schnäpsen, Bier, Almdudler usw. wankten wir erst gegen halb zwölf Richtung Gimpelhaus. Leider, leider soll die Tannheimer Hütte wohl 2013 abgerissen und größer wieder aufgebaut werden. Wir hoffen, dass sie dadurch nicht an Charme verliert und Marion mit ihrem Team auch die neue Hütte bewirten wird, denn der Abend war einfach absolut genial und wird sicher noch lange Gesprächsthema bei uns sein. Danke dafür, auch an die Badener-„Jungs“, mit denen wir so viel Spaß hatten!

Unsere Freunde aus Baden-Baden

Sonntag, 02.09.2012

Heute sollte das Wetter mal so richtig mitspielen, denn bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen begannen wir den Aufstieg zur Zwerchwand.

Posieren für's Gruppenbild Blick auf die Zwerchwand

Als Abschlusstour hatten wir uns die Route „Till Ann (5-)“ in der Zwerchwand ausgesucht, die „leider“ doch recht beliebt ist und es von daher häufiger vorkommt, dass man etwas warten muss, bis man in die Tour einsteigen kann. So erging es auch uns, deshalb gönnten wir uns erst mal eine Pause am Wandfuß und genossen ein zweites Frühstück und die herrliche Aussicht hinunter ins Tannheimer Tal.

Der Ausblick vom Wandfuß ins Tannheimer Tal

Beim Einstieg hat man die Wahl zwischen der normalen 4 und einer Variante im Schwierigkeitsgrad 6, welche wir uns vornahmen. Die Tour ist wirklich Klasse und mit 5- mehr oder weniger für jedermann zu schaffen. Mit 60m Halbseil ist es sogar möglich, immer zwei Seillängen am Stück zu klettern, so spart man sich mehrere Standplätze und vor allen Dingen Zeit. Wichtig: Mit 50m Halbseil klappt das nicht, also bitte vorsichtig sein!

Standplatz gebaut? Dann kann's ja weiter gehen

Oben angekommen hatten Flo und ich noch etwas Zeit, bis Christine und Max ankamen, da die beiden aufgrund der Seillänge jeden Standplatz bauen mussten. Wir saßen also oben auf dem Gipfel, genossen die Aussicht in die umliegenden Täler und das Wolkenspiel, denn vom übernächsten Tal aus schwappten immer wieder Wolken über einen Bergkamm in das benachbarte Tal, was wirklich spektakulär aussah.

Flo am Ausstieg der Till Ann Dennis genießt das gute Wetter auf dem Gipfel Das Wetter wird schlechter

Nachdem Christine und Max oben angekommen waren mussten wir auch ziemlich direkt wieder abseilen, da das Wetter schlechter wurde. Also wurden die Seile an der Abseilpiste eingebaut und es ging wieder nach unten.

Auch Max genießt kurz seinen Gipfelerfolg Während Dennis die Seile zum Abseilen einbaut

Hier noch mal der Hinweise, dass die Abseilpiste, welche im Panico-Führer als die anspruchsvollere ausgegeben wird zwar nicht wirklich schwer ist, aber dafür sehr unschön. Die Standplätze sind unserer Meinung nach nicht logisch gesetzt und beim nächsten Mal würden wir definitiv die Abseilpiste durch die Zwerchscharte wählen.
Zurück am Wandfuß zogen auch schon dichte Wolken auf, sodass wir unsere Sachen schnappen, die Seile aufnahmen und uns sofort an den Abstieg zum Gimpelhaus machten.

Langsam wird's ungemütlich

Nach einem Germknödel und ein paar Minuten Pause ging es dann an den Abstieg zurück nach Nesselwängle, ins Auto und ab auf die Autobahn nach hause. Es war mal wieder ein super Wochenende mit viel Action und jeder Menge Spaß.

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Dennis
Dennis
Flachlandtiroler und Bergliebhaber! Im normalen Leben IT’ler, ab und an auch Klettertrainer, aber am liebsten selbst in den Bergen unterwegs. Ob im Fels oder Eis ist eigentlich egal, Hauptsache rauf da!

1 Comment

  1. Max sagt:

    Hey Jungs,

    nun habe auch ich die Via Anita am 01.11.2013 endlich erobert! 😀
    Aber so richtig einfach hat sie es mir wieder nicht gemacht…nach der ersten Abseil-Strecke verklemmte sich das Seil beim Abziehen und ich durfte die kompletten 40 Meter, größtenteils im Überhang, hochprusiken! Anstrengende Nummer… ab jetzt werde ich beim Abseilen noch mehr auf Seil-Ordnung achten 😉
    Immerhin konnte ich die 5+ A0 Stelle frei klettern 🙂

    Ihr solltet unbedingt mal dort hoch, wenn die beiden Hütten schon zu haben…Zelten zwischen Gimpel und Hochwiesler ist ein Hochgenuss!

    Ich hoffe wir gehen bald mal wieder zusammen auf Tour…z.B. auf die Ehrenbichler Alm! Ich suche derzeit noch Skitourenstiefel…dann kanns mit dem Winter losgehen!

    Viele Grüße ausm Ländle!
    Max

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