Sonne, Eis und Spaß – eine Hochtourenwoche in den Westalpen / Wallis
15. August 2012
Alpines Sportklettern im Tannheimer Tal
18. September 2012

Kletterurlaub auf Mallorca – Heißer Fels und coole Routen

Plattenkletterei an der Mail Wall auf Mallorca

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Was tun, um dem noch teils wechselhaften Wetter im Mai zu entfliehen und in der Sonne zu klettern? Na klar, man organisiert einen Kletterurlaub auf des Deutschen liebster Ferieninsel Mallorca. Unsere Gruppe war acht Mann bzw. Frauen stark. Mit von der Partie waren Eva, Isa, Bine, Chris, Tobi, Roland, Flo und ich.

Urlaubsvorbereitungen

Klettern am Ballermann?

Die Idee kam mir bereits im Januar. In der Klettern las ich einen Artikel über das Sportklettern auf Mallorca und spontan war klar, dass ich da mal hin will. Eigentlich bin ich ja alles andere als ein Fan der Baleareninsel. Von Ballermann halte ich nichts und auf das 17. Bundesland und seinen „Ruf“ hatte ich bisher keine Lust. Dazu aber später mehr.

Jedenfalls, so viel stand für mich fest, wollte ich auf der Insel vor der spanischen Küste Kletterurlaub machen. Also ging es nun darum, Gleichgesinnte zu finden. Die Gruppe war dann die oben beschriebene. Im Anschluss folgte die konkrete Planung. Wir würden eine schöne Unterkunft, günstige Flüge, zwei Mietwagen und Informationen zum Klettern auf Mallorca benötigen.

Eine nette Bleibe

Ein tolles und preislich akzeptables Ferienhaus fanden wir im Objekt EML669 in Manacor, einem kleinen Dorf in der Nähe von Inca. Das liegt recht zentral auf Mallorca und hat den Vorteil, dass wir in alle Richtungen etwa gleich weit/lang fahren. Maria, unsere Vermieterin, sprach zwar leider recht schlecht Englisch und kein Deutsch. Sie war aber sowohl beim Einzug, als auch bei der Rückgabe des Hauses extrem nett, hilfsbereit und es gab keinerlei Probleme. Von unserer Seite aus also eine absolute Empfehlung! Bilder gibt’s entweder über den Link oben oder etwas weiter unten, dann auch selbst gemachte. Die sehen aber im Endeffekt genauso aus wie die von der Webseite, denn das Haus war wirklich toll!

Günstige und zeitlich passende Flüge fanden wir schließlich bei Neckermann mit AirBerlin. Positiv sei hier schon mal das Gepäcklimit von 23kg pro Person bei AirBerlin erwähnt, was natürlich beim Klettern mit jeder Menge Material enorm praktisch ist.

Abzocke beim Mietwagen vermeiden!

Unsere beiden Mietwagen buchten wir über cardelmar.de beim Vermieter centauro. Die beiden Ford Fiesta kamen auf rund 107€ pro Woche und Auto. Plus die erste Tankfüllung (71€) und 20€ für einen zweiten Fahrer pro Auto.

Wichtig: Bucht euer Fahrzeug unbedingt mit Vollkasko inkl. Glas- und Unterbodenversicherung und komplett ohne Selbstbeteiligung! Außerdem dokumentiert jeden noch so kleinen Mangel am Auto bei der Übernahme. Was man so liest, zocken die Verleiher einen gerne ab und versuchen, einem Schäden unterzujubeln die vorher schon bestanden. In unserem Fall lief alles bestens! Sowohl cardelmar, als auch centauro würde ich jederzeit wieder nutzen. Mehr dazu noch im Beitrag vom letzten Tag.

Zu klären war jetzt noch die Materialverteilung. Bei acht Teilnehmern empfiehlt es sich natürlich, dass das benötigte Equipment aufgeteilt wird. Gesagt, getan! Flo kümmerte sich während meines Kurses „Alpines Sportklettern“ um die Verteilung des Materials. So fehlte nichts, aber wir hatten auch nicht alles doppelt und dreifach dabei.

Für die Gebiets- und Routenauswahl bietet sich hier übrigens der Topoguide von Rockfax an, den wir auch genutzt haben.

Alles gebucht? Gepäck gepackt? Dann kann’s ja schon fast losgehen! Nur noch warten auf den 25.06.! 🙂

Samstag 26.05. – Ankunft auf Mallorca und Sektor „Les Perxes“

Am Vorabend haben wir noch gemeinsam gegrillt und unser Flug verließ Nürnberg um kurz nach fünf morgens. Nach nur rund drei Stunden Schlaf klingelte schon der Wecker. Wir quälten uns aus unseren Betten, um uns von Flo’s Vater zum Flughafen bringen zu lassen. Check-In und Flug verliefen problemlos, um kurz nach sieben landeten wir in Palma de Mallorca.

Ein Shuttle-Bus brachte uns in zehn Minuten zum Autoverleiher. Der Plan war, erst mal in Ruhe frühstücken zu gehen und ein paar Dinge für den ersten Tag einzukaufen. Also fuhren wir nach Inca und suchten uns ein nettes Café.

Das Ferienhaus konnten wir erst um 17 Uhr beziehen. Also kauften wir in der benachbarten Markthalle noch ein paar Kleinigkeiten für den Tag ein und fuhren zuerst zur „Hairpin Wall“ im Sektor „Las Perxes„. Direkt an der Straße gelegen und nur gut eine Viertelstunde Autofahrt von Inca aus war die Wand der perfekte Einstieg in unseren Kletterurlaub. Drei Routen im Grad 5 (Curving Groove, Central & Right) waren ideal, um sich in der heißen Nachmittagssonne aufzuwärmen. Währenddessen machte es sich Bine oben am Standplatz bequem. Während sie ihrer Leidenschaft, dem Fotografieren nachging, erklommen wir nach und nach die drei Routen.

Roland, Tobi und ich klettern noch „Pocket (6a+)“, eine schöne und mit 27 Metern doch recht lange Route im rechten Wandteil. Zum Schluss stiegen wir dann noch in „The Hard One (7a)“ ein. Aufgrund der ungewohnt hohen Temperaturen und der Nachmittags-Sonne gar nicht mal so einfach…

Im Anschluss machten wir uns auf den Weg nach Alaro, wo wir unser absolut geniales Ferienhaus bezogen. Hier mal ein paar Bilder:

Danach kauften wir noch im Supermarkt in Inca für die nächsten Tage ein. Nach dem Abendessen auf unserer Terrasse machte ich mich noch mal auf den Weg zum Flughafen. Chris‘ Flieger aus Dresden kam erst am späten Abend an.

Sonntag 27.05. – Sektor „S’estret“

Flo’s erste Amtshandlung an diesem Tag war, Isa am frühen Morgen vom Flieger abzuholen. Somit wäre unsere Truppe dann auch vollständig und wir frühstückten gemeinsam.

Schatten am Vormittag im Sector Cuarentón

Im Anschluss besuchten wir den „Sector Cuarentón“ im Gebiet „S’estret„. Der Sektor liegt bis zum Nachmittag im Schatten, weshalb auch einige Spanier auf die Idee kamen, dort zu klettern. Es wurde also etwas voller und wir wechselten uns gerade in den leichten Routen etwas ab. Wir starteten mit den zahlreichen Routen im Grad 5 und 5+ und nach dem Aufwärmen ging es für ein paar von uns in die wirklich schöne Route „Red Stain (6b+)“.

Leider waren die Routen schon etwas speckig und vollgechalked. Wir hatten so unsere Probleme, bei der Hitze bis zur Umlenkung zu kommen, aber irgendwie ging’s dann doch.

Während sich die anderen in der Route „Virgin (6a)“ austobten stiegen Roland und ich noch mal in eine der Top 50 Routen, „Kum Laude (7a)“ ein. Wir mussten jedoch unvollendeter Dinge abbrechen. Die Route war uns einfach zu kniffelig und es war schlicht und ergreifend zu heiß. Ein weiteres Problem: Der erste Haken oberhalb des Daches, welches auch gleichzeitig die Crux (Schlüsselstelle) bildet, war so dermaßen verrostet, dass man dort tunlichst nicht stürzen sollte. Um dort kein Risiko einzugehen seilten wir lieber ab.

Danach kletterten wir noch die wirklich schöne und harte, aber auch äußerst Fingerkuppen unfreundliche „Mexicans Forever (6c+)“. Oberhalb des Sinters kommt man sich tatsächlich vor als würde man versuchen, sich an einem Nagelbrett festzuhalten. Links von „Mexicans Forever“ existiert übrigens noch eine Neutour, die zumindest noch nicht im Rockfax-Führer (Ausgabe 2011) gelistet ist. Roland und ich bewerteten sie mit etwa 6a bis 6b, eine wirklich als außerordentlich schön Route.

Krawattenknotenstraße und Port des Sóller

Unser Heimweg führte uns diesmal nicht über die Autobahn, sondern Teile der Westküstenstraße. Diese schlängelt sich durch die Gebirgsketten im Norden von Mallorca. Wer Haarnadelkurven und tolle Aussichtspunkte mag kommt hier mehr als nur auf seine Kosten! Zwischendurch machten wir noch eine Rast in Port des Sóller, um uns den Hafen anzuschauen und ein Eis zu essen. Danach ging es weiter Richtung Heimat und zum wohlverdienten Abendessen auf unserer Terrasse.

Montag 28.05. – Sport- und Mehrseillängenklettern in „Sa Guiba“

Für den Montag hatten Flo und ich uns etwas ganz Besonderes rausgesucht. Es ging nach „Sa Guiba“ in den „Sector Bomberos„.

Vorab: „Sa Guiba“ gehört wohl zu den abwechslungsreichsten und größten Klettergebieten auf Mallorca!

Von leichten über harte Sportkletterrouten bis hin zu diversen Mehrseillängen, hier ist für jeden etwas dabei! Hier wollten wir auch unsere erste gemeinsame Mehrseillänge klettern. Dafür hatten wir uns die „La ley del deseo (5+)“ mit ihren sechs Seillängen ausgesucht. „La ley del deseo“ gehört zu den Top 50 Routen auf der Insel und endet in ihrer letzten Seillänge in einer anderen Route, was uns noch zum Verhängnis werden sollte, dazu später aber mehr.

Die anderen sechs unserer Gruppe machten es sich in den beiden gegenüberliegenden Sektoren „Sector Princesa“ und „Sector Potaje Espanol“ in den zahlreichen Sportkletterrouten gemütlich. Übrigens auch dieser Sektor soll wirklich toll sein, also ebenfalls eine Empfehlung von unserer Seite bzw. den anderen!

Unsere erste Mehrseillänge – Fehlplanung par excellence

Wir stiegen um genau 10:45 Uhr in die „La ley del deseo“ ein. Eigentlich hatten wir geplant, gegen 14:45 Uhr auf dem Gipfel zu stehen, um dann den einstündigen Abstieg über einen Wanderweg anzutreten. Aber wie schon angedeutet, es kam anders…

Wir hatten vereinbart, dass ich die ersten beiden Seillängen vorsteige. Leider driftete ich gleich zu Beginn etwas zu weit nach rechts ab und geriet in „Sonrisa vertical (6a)“. Eine schöne Route, aber doch etwas schwieriger als geplant. Vor allem Flo, der mit Rucksack auf dem Rücken nachsteigen musste, hatte ordentlich zu kämpfen.

Am zweiten Standplatz endete „Sonrisa vertival“ glücklicherweise und wir konnten wieder die „La ley del deseo“ klettern. Durch den unplanmäßigen Ausflug hatten leider reichlich Zeit verloren. Im Wechsel stiegen wir die nächsten Seillängen vor und schon hatten wir mit dem nächsten Problem zu kämpfen.

Kommunikation? Ja gerne, aber wie?

Die Kommunikation bei dem recht starkem Wind und über teils 40 Meter Höhenunterschied klappt nicht immer so gut klappt, wie man sich das vorstellt und wünscht. Die anderen sechs hatten hingegen mehr oder weniger ihren Spaß daran. Denn unten im Tal bzw. der gegenüberliegenden Wand verstanden sie jedes unserer Worte, als würden wir neben ihnen stehen. Und das während wir uns die Seilkommandos zubrüllten und dennoch von Zeit zu Zeit kein Wort verstanden. Dazu kam noch die gleißende Mittagssonne, die die Konzentration auch nicht unbedingt steigerte.

Unsere leider zu schlechte Vorbereitung machte sich bemerkbar, als es an die letzten Seillängen ging. Im Kletterführer steht, dass man die letzte, leichte Seillänge der Route „Albahida (Guiba Normal) (4+)“ klettern sollte. Die lag links unserer Route und führt oben auf den Felskopf.

Ich hatte uns bereits in Deutschland eine Kopie der Seite mit „unserer“ Tour erstellt, damit wir uns besser zurecht finden. Nur leider nicht von der anderen Route, über die wir aussteigen sollten. Den Führer hatten selbstverständlich die anderen mit unten beim Sportklettern…

Wir kletterten also auf gut Glück weiter. Ich im Vorstieg ins Ungewisse, nie sicher, ob wir in einer Route kletterten oder nicht. Sicherungen gab es nämlich leider kaum welche 🙁

Oh fuck, wie komme ich hier wieder runter?!

Letztendlich kamen wir dann doch noch heil am Routenausstieg an. Dort wartete gleich die nächste Überraschung. Wir fanden uns am Beginn eines ca. 200 Meter langen und an der schmalsten Stelle ca. einen Meter breiten Gipfelgrats. Diesem mussten wir laut Topo Richtung Gipfel  und einer Aussichtsplattform folgen. Von dort führt ein Wanderweg hinab hinab ins Tal. Da so ein Grat für mich eine absolute Premiere war durfte nun Flo sein die Führung übernehmen. Ganz ehrlich, mir ging zwischenzeitlich ,salopp ausgedrückt, der Arsch auf Grundeis! Rechts und links ging es zwischen 150 und 200 Meter hinab ins Tal und wir balancierten auf Gesteinsschuppen Richtung Gipfel.

Aber ich würde den Artikel ja nicht schreiben, hätten wir nicht auch diese Herausforderung gemeistert. Gegen sage und schreibe 18 Uhr(!), also drei Stunden später als geplant, auf dem Gipfel und genossen den grandiosen Ausblick. Erst nach ein paar Minuten konnte ich den Moment so richtig genießen, so lange schlotterten mir noch etwas die Knie. Ich musste erst realisieren, dass ich endlich wieder festen und vor allem ebenen Boden unter den Füßen hatte!

Danach folgten wir dem besagten Wanderweg noch eine gute Stunde hinab ins Tal zum Parkplatz. Dort warteten die anderen bereits auf uns. Hungrig und fertig machten wir uns auf den Heimweg.

Alles in allem haben wir eine tolle, ganztägige Tour erlebt, mit Höhen und Tiefen. Unser Fazit lautet jedoch, dass gerade in Mehrseillängen eine gute Vorbereitung schon die halbe Miete ist. Natürlich kann aber dennoch jederzeit etwas Unvorhergesehenes passieren.

Dienstag 29.05. – Pausentag in La Palma

In einer Woche Kletterurlaub braucht’s auch mal einen Pausentag. Also schliefen wir aus und frühstückten in aller Ruhe. Am hauseigenen Pool entspannten wir uns danach etwas. Gegen Nachmittag wollten wir noch die Hauptstadt der Insel La Palma erkunden und machten uns auf den Weg. Eine schöne Altstadt mit vielen netten, kleinen Gassen und Fußgängerzonen, imposanten Bauwerken. Insbesondere ist hier die Kathedrale zu erwähnen! Jede Menge einladende Cafés warten hier auf Gäste.

Wir machten es uns in einem Hinterhof-Café gemütlich, bevor wir Richtung Hafen schlenderten. Dort bestaunten wir noch ein paar der Ozeanriesen, die in der Ferne vor Anker lagen.

Danach gingen wir wieder zurück in die Altstadt und suchten uns ein nettes Tapas-Restaurant. Dort läuteten wir gemütlich den Abend ein, aßen und tranken.

Kurzer Abstecher an den Ballermann

Im Anschluss daran stand, ganz touri-like ein kurzer Besuch in El Arenal bzw. am Ballermann an. Eher unspektakulär und abschreckend mit all den betrunkenen Touristen wirkte es auf uns. Wir begnügten uns damit, ein mal die Strandpromenade auf und ab zu laufen, bevor wir uns wieder auf den Heimweg machten. Auf der Schinkenstraße wird man dabei ständig mit Fritz angesprochen und gefragt, ob man in diesem und jenem Club nicht ein Bier trinken will. Super nervig!

Isa am Ballermann 6

Mittwoch 30.05. – „La Creveta“ & „Gorg Blau“

Am Mittwoch war für Flo und mich „Thailand-Revival-Tag“. Wir trugen spaßeshalber unser Fullmoon-Outfit zum Klettern auf. Wundert euch also bitte nicht über unsere „tollen“ Klamotten, die knappen und bunten Höschen. Lachen ist übrigens erlaubt! 🙂

Plattenkletterei im Nord-Osten von Mallorca

Im Nord-Osten der Insel findet sich „La Creveta“ und der Sektor „Main Wall„. Das liegt ganz in der Nähe von Port de Pollenca.

Der Zustieg ist etwas abenteuerlich. Man muss hier erst mal ein Stück 2er-Gelände abklettern oder abseilen, um an die Wand zu kommen. Dafür bietet sich danach mit 28 Routen eine stattliche Auswahl an unterschiedlichen Routen. Hier dominiert Reibungskletterei bei einem wirklich sagenhaften Ausblick. Allerdings liegt die Wand ab dem späten Mittag in der prallen Sonne, dann wird es auch Ende Mai schon richtig heiß!

Viel Platz zum Sichern gibt es hier nicht, teilweise steht sogar zwischen oder fast in Büschen. Dennoch macht der Sektor unheimlich Spaß.

Ein paar aus unserer Gruppe begannen mit den leichteren und aber als sehr lohnend beschriebenen Routen im linken Wandteil „Lord of the Rings (4+)“, „Coordina coordinator (4+)“ und „Curset (4+)“. Roland und ich im starteten im mittleren Wandteil mit „Ca magre, puces (6a+)“ und „Therapia de grupo (6b+)“, beides wirklich schöne Routen! Auch „Krilin (6a+)“ und „Hyperion (6a)“, die wir im Anschluss noch kletterten, sind sehr empfehlenswert.

Die meisten von uns waren für heute fertig, also beschlossen wir, die Gruppe zu teilen. Bevor wir uns auf den Weg machten, konnten wir es uns aber nicht entgehen lassen, ein paar lustige Bilder auf den Brüstungen der Aussichtspunkte zu machen. Den einen oder anderen Touristen haben wir damit wohl eher erschreckt.

Dicke Arme im Gorg Blau

Eva, Roland und ich fuhren noch ins „Gorg Blau“ im „Sector Es Torrente„. Die anderen machten sich auf den Heimweg um einkaufen zu gehen und zu kochen.

Endlich Schatten, denn hier klettert man nur morgens in der Sonne!

Eigentlich wollten wir zuerst die Route „Luisa en la repisa (5)“ klettern, da der Einstieg recht außergewöhnlich über ein paar alte Metallstufen an einer Betonmauer verläuft. Leider war die aber schon besetzt. Da es in diesem Sektor nicht viele leichte Routen gibt, mussten wir mit „Auxo es L’Habana (6b+)“ starten. Eine wirklich äußerst tolle, aber extrem pumpige Route an schönen Griffen, aber auch recht schwer für den Grad. Wer den Grad klettern kann, sollte sich aber definitiv daran versuchen!

Danach kletterten wir uns noch in „Only for Women (6b+)“. Ebenfalls sehr schön und schwer, mit einem extrem fingerlastigen Start. Tipp: Passt am zweiten Haken auf. Festhalten ist extrem schwierig und wackelig. Roland schaffte die Route, ich musste leider oberhalb des zweiten Hakens aufgeben. Da es nun schon so gut wie dunkel war, machten wir uns auch langsam auf den Heimweg.

Donnerstag 31.05. – „Puig de Garrafa“ im Westen Mallorcas

Für den Donnerstag entschlossen wir uns, das Gebiet „Puig de Garrafa“ ausprobieren. Es liegt ganz im Westen von Mallorca und kann mit aktuell 78 Routen in sieben Sektoren aufwarten.

Wir begannen mit den drei Routen „Duck (5+)“, „Pineapple (6a)“ und „Cheers (6a)“ im „Sector Duck„. Alle top bewertet und auch ich kann sie nur empfehlen! Sie eignen sich prima zum Aufwärmen für die schwierigeren Routen. Aber auch für nicht ganz so starke Kletterer sind sie einfach Klasse!

Im „Sector Corral“ ging es weiter. Hier lässt sich übrigens in der Höhle prima und schattig Pause machen! Ein paar von uns vergnügten sich in den Routen „Macaco (6a)“, „Puta guiri (6a+)“ und „Erectus (6a)“. Roland, Flo, Eva und ich hatten uns ein ganz besonderes Schmankerl ausgesucht. „El cant del loco (6c)“ ist eine wirklich schwierige Route mit harten Zügen direkt nach dem Einstieg. Überhaupt sind die Clip-Positionen durchweg recht wackelig. Ist 6c realistisch, sollte man die Route aber auf jeden Fall ausprobieren!

Freitag 01.06. – Port de Sóller & Deep Water Soloing in „Cala Sa Nau“

Die Aussicht von der Wand bei Port de SollérAn diesem Tag würden wir getrennte Wege gehen. Ich wollte auf Mallorca definitiv „Deep Water Soloing“ machen, da mir das 2011 in Thailand schon unglaublich viel Spaß gemacht hat. Bine, Isa, Tobi und Chris entschlossen sich dazu, mich zu begleiten. Eva, Roland und Flo verschlug es nach „Port de Sóller„.

Mittlerweile ist das Hotel oben auf dem Felskopf fertig, sodass das Klettern wohl verboten ist (Quelle). Das war den dreien aber nicht ganz klar, weil es wohl auch nicht ausgeschildert war. Schade eigentlich, denn die beiden Top 50 Routen „El mar del amor (6a)“ und „Patito feo (6b)“ waren wohl trotz dem sehr speckigen Fels laut Flo durchaus einen Ausflug wert! 🙁 Nach ein paar Routen entdeckten die drei noch ein wundervolles Restaurant. Dazu später mehr.

Deep Water Soloing in Cala Sa Nau

Währenddessen vergnügten wir uns in der „Virgin Area“ bei „Cala Sa Nau“ mit DWS. Der Sektor ist perfekt für Anfänger geeignet und um sich ohne großes Risiko daran zu gewöhnen. Das Wasser ist tief genug, damit man ohne großes Risiko auch etwas höher klettern kann. Der Fels ist senkrecht bis leicht überhängend, so verletzt man sich im im Falle eines Sturzes nicht so schnell.

Außerdem gibt es dort leichte Routen, der Sektor ist daher auch für Kletterneulinge zu empfehlen.

Für alle Routen außer „Virgins Are Only Human (6a+)“ muss man erst einmal ca. fünf Meter von der Klippe ins Wasser springen. Dann schwimmt man zum Einstieg und klettert wieder nach oben zum Ausstieg. „Virgins Are Only Human„, „Gen Lock (6a)“, „Coldron (5)“ und die leichteren Routen „I Tell Thee (4+)“ und „Frogger (4+)“ sind allesamt wirklich empfehlenswert. Deshalb wurden es bei jeden auch mehrere Versuche pro Route.

Beim DWS haben wir außerdem die Bekanntschaft eines sehr netten Pärchens aus Köln gemacht. Mit den beiden haben wir den Tag gemeinsam am Fels/Meer verbracht und jede Menge Spaß gehabt. Im Anschluss haben sie uns sogar noch auf ein Feierabendbier in unserer Casa besucht.

Ihr wollt mehr zum Thema Deep Water Soloing wissen? Dann lest euch unseren Artikel dazu durch.

Den perfekten Zeitpunkt abgepasst

Samstag 02.06. – Sa Calobra, Port des Sóller und Abreise

An unserem Abreisetag mussten wir zuerst das Haus wieder auf Vordermann bringen, denn um zehn Uhr mussten es übergeben. Das verlief völlig stressfrei und so konnten wir uns danach auf den Weg machen. Wir wollten noch etwas die Insel erkunden. Klettern wollte niemand mehr, denn die Finger waren durch 🙂

Über die Krawattenknotenstraße fuhren wir von Inca aus also Richtung Norden nach „Sa Calobra„. Das ist ein kleines Dorf im Nord-Westen der Insel mit einer wunderschönen und einsamen Bucht. Zumindest wenn man früh genug dort ist wie wir gegen 10:15 Uhr. Denn ab etwa halb zwölf fährt ein Reisebus nach dem anderen in das Tal und von Einsamkeit und Idylle kann ganz und gar nicht mehr die Rede sein!

Glücklicherweise waren wir bereits auf dem Weg zurück zum Auto, als dieses Spektakel begann. Auf dem Rückweg Richtung Krawattenknoten wurden uns eben diese Reisebusse noch zum Verhängnis. Einer schnitt Flo in einer Kurve und ihm blieb nichts anderes übrig, als so weit nach rechts auszuweichen, dass die komplette Seite unseres Fiesta von vorne bis hinten einen dicken Kratzer abbekam.

Unser Frühstück war bereits einige Zeit her und langsam meldete sich der Hunger wieder. Flo schlug vor nochmals nach Port de Sóller zu fahren. Eva, Roland und Flo hatten beim gestrigen Kletterausflug ein wahnsinnig tolles Restaurant mit einer wundervollen Dachterasse namens Cafe Nautilus entdeckt. Das Essen und die Aussicht ist echt toll, das Personal sehr freundlich. Von unserer Seite: Daumen hoch!

Ein letzter Beusch in Palma de Mallorca

Durch einen mautpflichtigen Tunnel kamen wir schnell wieder nach Palma de Mallorca. Die letzten Stunden bis zum Abflug wollten wir dort genießen. So waren wir zumindest schon mal in der Nähe des Flughafens. Wir entspannten etwas in der Nähe der Kathedrale und schlenderten durch die Fußgängerzone. Zähne knirschend machten wir uns auf den Weg zu centauro, um die Autos abzugeben. Wir sind ja schon fast davon ausgegangen, dass es mit dem demolierten Auto trotz Vollkasko Probleme geben würde. Aber was wir erlebten, beeindruckte uns tatsächlich sehr. Absolut stressfrei klappte die Übergabe. Der Kommentar der Mitarbeiterin war in etwa: „Sie haben Vollkasko ohne Selbstbeteiligung, also alles kein Problem. Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Heimflug.“

Der Rest des Tages verlief dann eher unspektakulär. Wir wurden mit dem Shuttlebus zurück zum Flughafen gebracht und vertrieben uns am Gate die Zeit mit zahlreichen anderen Fluggästen. Unser Flieger nach Nürnberg startete pünktlich und von dort aus machten wir uns direkt auf den Weg nach Mainz.

Fazit Kletterurlaub auf Mallorca

Mallorca ist eine tolle Insel mit schier unendlich vielen Möglichkeiten zum Klettern!

Ob Sportklettern, Deep Water Soloing oder Mehrseillängen, für jeden ist was dabei. Egal, ob man im vierten oder neunten UIAA-Grad unterwegs ist, hier findet jeder etwas! 

Der ideale Reisezeitpunkt ist Frühling oder Herbst. Selbstverständlich kann man das ganze Jahr nach Mallorca fliegen, aber im Sommer und Winter ist es zu heiß bzw. zu kalt zum Klettern. Auch ein Zeitraum außerhalb der Hauptsaison bietet sich hier an.

Für die Pausen- oder Regentage gibt es genug zu sehen, auch ohne einen Abstecher an den Ballermann machen zu müssen. Palma de Mallorca ist eine schöne Stadt und ein Besuch muss eigentlich sein. Andernfalls bieten sich Wanderungen, Biken oder entspannen in einer der nicht so überlaufenen Buchten an.

Aufpassen muss man bei den Autovermietern! Hier liest man im Netz Geschichten von Abzocke und untergeschobenen Schäden. Wir haben hier zum Glück genau gegenteilige Erfahrungen gemacht. Am besten sorgt man vor, indem man die Bewertungen im Netz studiert sowie die Komplettversicherung mit allem drum und dran und ohne Selbstbeteiligung wählt.

Solltet ihr noch Fragen zu einem Kletterurlaub auf Mallorca haben, dann dürft ihr euch gerne an uns wenden.

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Dennis
Dennis
Flachlandtiroler und Bergliebhaber! Im normalen Leben IT’ler, ab und an auch Klettertrainer, aber am liebsten selbst in den Bergen unterwegs. Ob im Fels oder Eis ist eigentlich egal, Hauptsache rauf da!

8 Comments

  1. Mensch, da werden wieder Erinnerungen wach. 🙂 Was war das ein toller Urlaub und ein super geplanter Urlaub durch Euch.
    Auch wenn ich das nächste Mal für das Fotografieren etwas verändern werde. 😉

    Ach, was mir noch einfällt, der zweite Name auf dem Ballerman war „Helmut“ den fand ich noch schlimmer- *lach*

    Ich freue mich schon auf den nächsten Urlaub mit Euch!

    Eure Bine

  2. felix sagt:

    toller Bericht, danke für die Infos. weiterhin schöne Kletterurlaube!

    eventuell noch ein paar Worte über die Absicherungen verlieren…

    Felix.

    • dennis sagt:

      Hallo Felix,

      danke für deinen Kommentar, wir werden die Anregung in Zukunft berücksichtigen. Was Mallorca betrifft, so sind dort eigentlich alle Sektoren, die wir beklettert haben, bestens abgesichert. Mit wenigen Ausnahmen, die aber im Topo von RockFax auch so angegeben sind, braucht man keine zusätzlichen, mobilen Sicherungsgeräte.

      Gruß
      Dennis

  3. Felix sagt:

    Hey, danke für Infos.
    sehr schön geschrieben. Für uns gehts nächstes Jahr im April dahin. 🙂

    auf dann noch schönes Klettern

    vlg
    Felix

  4. […] quasi 13 Meter hoch zu bouldern. Es hatte schon fast was vom Deep Water Soloing in Thailand oder Mallorca, aber natürlich nicht ganz so spektakulär und statt Wasser eben mit besagtem Airbag unter der […]

  5. […] wäre beispielsweise unsere erste gemeinsame Mehrseillänge auf Mallorca. Eine tolle Tour, bei der wir aber so ziemlich jeden organisatorischen Fehler gemacht haben, den […]

  6. […] Ich selbst habe DWS bereits 2011 in Thailand und 2012/2013 auf Mallorca ausprobiert, die Berichte dazu findet ihr hier bzw. hier. […]

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