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DAV-Kurs Alpines Sportklettern – Mehrseillängen im Tannheimer Tal

Angekommen am Standplatz sichern wir die Nachsteiger

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Für das verlängerte Wochenende um Christi Himmelfahrt hatten Eva und ich uns für den DAV-Kurs „Alpines Sportklettern“ bei der Sektion Frankenthal angemeldet. Mit der Sektion hatten Flo und ich bereits zwei weitere Kurse in diesem Jahr absolviert. Leider musste Eva jedoch kurzfristig jobbedingt passen. Also fuhr ich alleine mit ins Allgäu, um mich in die hohe Kunst des Mehrseillängenkletterns einweihen zu lassen. Die Einkaufs- und Packliste war unglaublich lang und nachdem alles besorgt und im Rucksack verstaut war, konnte es also losgehen.

Alpines Sportklettern ist das sportliche Klettern in alpiner Umgebung. In der Regel sind die Routen gut mit Bohrhaken ausgestattet, benötigen aber durchaus auch zusätzlich Absicherung mittels Friends und Keile.

Mittwoch – Auf geht’s Richtung Tannheimer Tal

Mit Matthias, einem der beiden Trainer hatte ich vereinbart, dass er mich in Mannheim am Hbf einsammelt. Von dort aus wollten wir dann zusammen Richtung Alpen aufbrechen. Auf dem Weg nach Karlsruhe, wo wir noch Julia, eine weitere Teilnehmerin abholen mussten ereilten uns Neuigkeiten. Die meisten der ursprünglich acht Teilnehmer hatten aus mehr oder weniger nachvollziehbaren Gründen abgesagt. Wir waren daher nur noch drei Kursteilnehmer und zwei Trainer.

Von Mannheim ging es also nach Karlsruhe und von dort aus Richtung Ulm und Allgäu. Schnell waren wir in Österreich und erreichten das Tannheimer Tal.

Dummer Fehler: Ich hatte mich nicht gut genug um den Wetterbericht gekümmert! Ich wurde etwas stutzig als ich erfuhr, dass zumindest für den heutigen und den darauf folgenden Tag jede Menge Neuschnee gemeldet war!

Es war ja „schon“ Mitte Mai und ich nahm an, dass das Wetter schon nicht so schlecht werden würde. Deshalb hatte ich Winterjacken daheim gelassen. Die wärmsten Klamotten, die in meinem Rucksack zu finden waren, war der Satz Skiunterwäsche und mehrere Fließpullover.

Klettern im Schnee

Je weiter wir nach Süden kamen, desto mehr Schnee fiel vom Himmel und angekommen in Nesselwängle befürchtete ich bereits das Schlimmste. Als wir beim Aussteigen aus dem Auto fast Knöchel tief im Schnee standen, waren die Füße alsbald kalt und nass. Da hilft nur eins: Raus aus den Turnschuhen, rein in die wasserfesten Bergstiefel und los ging es mit dem Aufstieg.

Für mich als Novizen in Sachen Berge war es äußerst angenehm, dass das Gimpelhaus, die Hütte auf der wir übernachten wollten, eine Materialseilbahn hat. Wir schmissen unsere Rucksäcke rein und sie wurden nach oben gebracht hat. An der Hütte auf 1659 m ü. NN angekommen trafen wir auf Sebastian. Der Münchner war der dritte Teilnehmer im Bunde, schon vor uns angekommen und aufgestiegen. Dirk, der zweite Trainer sollte erst am nächsten Morgen zu uns stoßen.

Das Hüttenteam bereitete uns trotz der späten Stunde noch einen kleinen Snack. Wir aßen, tranken noch ein Bier und verkrochen uns dann alle müde und voller Vorfreude auf den nächsten Tag ins Bettenlager.

Da wohl die meisten Kletterer, Bergsteiger und Wanderer erst am Folgetag anreisen wollten war das Lager erstaunlich leer und wir konnten uns unsere Schlafplätze noch aussuchen.

Alpines Sportklettern im knietiefen Schnee

Am Donnerstag war früh aufstehen angesagt. Direkt runter zum Frühstück, denn Dirk war schon da und wartete auf uns. Nachdem wir fertig waren, wurden schnell die Rucksäcke gepackt, dann ging es los. Ab nach nach draußen in den Schnee. Es hatte in der Nacht noch mal ordentlich geschneit und Gamaschen wären eigentlich durchaus von Vorteil gewesen. Nur hatte die leider keiner von uns dabei 🙂

Sportklettern statt Mehrseillängen

Die von unseren Ausbildern ausgewählten Touren fast alle noch schneebedeckt. Die Voraussetzungen für unsere ersten Mehrseillängen waren also alles andere als optimal. Aus diesem Grund entschieden sich unsere beiden Trainer Matthias und Dirk dazu, dass wir uns erst mal mal im Sportklettergarten „Thomaswändle“ auf 1860 m ü. NN austoben sollten. Der Aufstieg war aufgrund des ganzen Schnees und der doch recht steilen Hänge nicht der leichteste. Auf der anderen Seite waren wir dann aber bei der Ankunft an der Wand wenigstens schon aufgewärmt. Wir richteten uns unsere Standplätze ein, sicherten die Rucksäcke und legten sofort los. Der Fels war allerdings noch so kalt, dass nicht wirklich viel Freude aufkommen konnte. Außerdem waren wir ja nicht in die Alpen gefahren, um Sportklettern zu klettern…

Und es geht doch! Meine erste Mehrseillänge

Zu unserer Freude wurde das Wetter jedoch im Laufe des Vormittags schlagartig besser, sonniger und wärmer. Es wurde einfach richtig schön! Also verließen wir nach zwei oder drei Routen den Klettergarten und wechselten an den Hochwiesler Ostsporn. Dort versuchten wir uns im „s’Binchen“ (6+). Dirk und ich starteten in einer Zweierseilschaft und Julia, Basti und Matthias nach uns in einer Dreierseilschaft.

Zwischendurch wunderte ich mich immer mal wieder, wie mir bei strahlend blauem Himmel Wasser auf den Kopf tropfen kann. Zumindest bis ich an den Busch vom Bild oben kam, dem warmen Tauwetter sei Dank wurde aus dem Schnee schnell wieder Wasser. 🙂 Wieder unten angekommen mussten wir noch mit unseren Kletterschuhen durch den Schnee zurück zum Einstieg. Dort hatten wir unsere Bergstiefel, Rucksäcke usw. liegen lassen. Danach ging es auch schon zum Abendessen zurück auf’s Gimpelhaus. Hier noch ein Bild mit dem herrlichen Panorama im Hintergrund:

Mittlerweile bestes Wetter und eine tolle Aussicht!

Der zweite Kurstag

Genussklettern am Hochwiesler

Für den Freitag war ein ganz besonderes Schmankerl angedacht. Die „Via Anita“ im UIAA-Schwierigkeitsgrad 5. Fünf Seillängen ging es für Matthias und mich in einer Zweierseilschaft schön steil und mit genug Bohrhaken (ohne überbohrt zu sein) nach oben. Und das in schönster Kletterei und sehr abwechslungsreich! Für Einsteiger ins Mehrseillängenklettern oder Genusskletterer also genau das richtige. Genau aus diesem Grund ist die Route leider auch recht stark frequentiert. Glücklicherweise mussten wir nicht lange warten, bis wir einsteigen und genießen konnten.

Oben angekommen mussten wir ein riesiges, schrofiges (grasiges) Stück nach unten zum Beginn der Abseilpiste laufen. In Kletterschuhen ohne Profil. Da das Gras noch teils vom Schnee bedeckt oder vom geschmolzenen Schnee noch recht feucht war, kein leichtes Unterfangen. Da wir keinen Absturz riskieren wollten entschieden wir uns dazu, dass ich am Seil vor gehe, während Matthias mich von oben sichert. Auf dem Weg sollte ich mobile Sicherungen einbauen und ihn dann vom Standplatz aus nachsichern.

Abseilen Deluxe

Das hat soweit auch alles wunderbar funktioniert, sodass wir kurz darauf beide am Standplatz der Abseilpiste ankamen. Nun galt unsere Vorfreude der Abseilpiste. Die ist nämlich alles andere als gewöhnlich! Zuerst geht es gut zehn Meter auf nur leicht abschüssigem Gelände nach unten. Dann über einen Bauch und plötzlich findet man sich frei hängend rund 40 Meter über dem nächsten Felsabsatz wieder. Diese 40 Meter müssen dann eben auch frei abgeseilt werden, ohne jeglichen Kontakt zur Wand. Ein wirklich tolles Erlebnis für alle, die mit dem Abseilen keine großen Probleme haben!

Unten angekommen genehmigten wir uns eine Pause. Auch unsere Dreierseilschaft, bestehend aus Julia, Basti und Dirk meisterte die Abseilstrecke problemlos. Also machten uns auf den Weg zurück zum Einstieg und dann zur Hütte. Das Wetter hatte übrigens in den letzten 24 Stunden so sehr umgeschlagen, dass wir in dünnen Klamotten, ohne Skiunterwäsche unterwegs waren. Wo gestern noch knietief Schnee lag saßen wir nun gemütlich im Gras am Fuß der Abseilpiste.

Damit war der offizielle, zweitägige Teil des Kurses übrigens beendet. Folgen sollten noch zwei Tage „Spaßklettern“ in der gleichen Gruppe. Danke an dieser Stelle noch mal an unsere beiden tollen Trainer Matthias und Dirk!

Samstag – Wirklich oben bist du nie

Nach dem erfolgreichen Kursende wollten wir das Wochenende noch nutzen. Das Gelernte sollte direkt weiter geübt und verinnerlicht werden. Bisher waren wir immer in der gesamten Gruppe unterwegs, aber heute teilten wir uns das erste Mal auf. Wir entschieden uns für unterschiedliche Felsen und Routen. Die Wahl der Dreierseilschaft, bestehend aus Julia, Basti und Matthias fiel auf „Till Ann“ (5-) in der Westlichen Zwerchwand, Dirks und meine auf „Wirklich oben bist du nie“ (6+) am Gimpel-Südostvorbau. Die Tour ist durchgehend im Grad 6/6+ angesiedelt, aber subjektiv nicht so schwer und vor allen Dingen wunderschön zu klettern! Alle Standplätze sind mit mit Umlenkringen ausgestattet, man kann also jederzeit den Rückzug antreten, sollte es nötig sein. Abgesehen vom „Notfall“ sollte man jedoch aus Rücksicht auf die eventuell nachfolgenden Seilschaften nicht über die Route abseilen! Für den geplanten Weg zurück nach unten sollte man die Abseilpiste nutzen.

Der Einstieg ist etwas tricky und nicht ganz ungefährlich, vor allem wenn das Gras auf dem abschüssigen Gelände nass ist. Dafür ist der Fels noch schön rau und nicht so speckig wie in manchen Klassikern.

Die Kletterei war, wie schon erwähnt, klasse! Oben angekommen gönnten wir uns erst mal eine kurze Pause und genossen den Ausblick. Ein paar Meter über Schrofen stiegen wir zum Fixseil ab, welches zur Abseilpiste für unsere und die beiden benachbarten Touren führt. Da dort drei Touren enden und dementsprechend viel Verkehr herrscht, sollte man zusehen, dass man die Abseilstelle möglichst zügig wieder frei macht.

Hier noch mal ein Bild mit der groben Linie „Wirklich oben bist du nie“, von meiner Seite aus eine klare Empfehlung für alle, die sich eine Sechser-Route zutrauen.

Zurück auf dem Gimpelhaus warteten wir noch eine Weile, bis die drei anderen unserer Gruppe mit ihrer Tour fertig waren und ankamen, dann stand das verdiente Feierabendbier an und ein kleiner Snack, der uns noch bis zum Abendessen durchbringen sollte. Matthias löste noch seine Wettschulden vom Friends-und-Keile-Kurs bei mir ein und zahlte mein Siegerweizen. Zum Schluss verabschiedete sich Dirk, er trat noch am gleichen Abend die Heimreise an.

Sonntag – Noch mal Gas geben

Die Finger waren noch nicht vollends durch, deshalb wollten wir auch sonntags noch mal klettern.

Paradies (6+)

Für den letzten Tag unseres Alpenwochenendes hatten wir folgende Aufteilung ausgemacht: Julia und Basti, sowie Matthias und ich in zwei Zweierseilschaften. Matthias und ich entschieden uns für eine recht kurze Tour, schließlich mussten wir ja noch zurück nach hause fahren. Für uns ging es zuerst wieder an den Gimpel-Südostvorbau, genauer gesagt in die Tour „Paradies“ (6+, 130 m Kletterlänge). Eine schöne und homogene Tour mit vier normalen und einer sehr kurzen Seillänge und einem tollen, äußerst luftigen Quergang.

Memory (6+/7-)

Da wir mit „Paradies“ recht schnell fertig waren, beschlossen wir spontan, noch eine zweite Tour zu klettern. Nach einer kurzen Pause wechselten wir an die nur rund 400 Meter entfernte Zwerchwand (Ostteil) in die Route „Memory“ (6+/7-).

Hundert Meter Kletterlänge in vier Seillängen lagen vor uns, für die keinerlei mobile Sicherungsgeräte notwendig sind. Die Route ist schön zu klettern, meiner Meinung nach aber nicht ganz so schön wie „Wirklich oben bist du nie“. Auch wenn es Spaß gemacht hat, mal eine etwas „knackigere“ Route zu klettern, da geht mir der Genuss vor.

Die Tour geht übrigens nicht bis ganz oben auf den Felskopf, sondern endet etwa 65 Meter darunter. Direkt am letzten Standplatz beginnt die Abseilpiste. Auch hier sollte nicht über die Route abgeseilt werden, aus Rücksicht auf nachfolgende Seilschaften. Leider mussten wir jedoch vor dem letzten Standplatz abbrechen und schon früher abseilen. Wir hatten leider durch die Pause und das Warten, bis wir in die Tour einsteigen konnten, leider zu viel Zeit verloren.

Das Ende

Nach unserer Rückkehr zur Hütte und dem Treffen mit den anderen beiden packten wir die Rucksäcke zusammen. Unser Gepäck kam mal wieder in die Materialseilbahn, dann rannten wir mehr oder weniger hinunter ins Tal. Für die rund 500 Höhenmeter brauchten wir nur knappe 20 Minuten, waren dann aber auch dementsprechend geschwitzt. 🙂 Wir verabschiedeten uns von Basti, der wieder nach München fuhr.

Unser Plan war, noch kurz im Nachbardorf den See zu testen, um uns etwas abzukühlen. Das fiel uns aber deutlich schwerer bei den tiefen Wassertemperaturen. Man denke daran, dass es auch im Tal zwei Tage zuvor noch geschneit hatte… Also sprangen wir kurz in den See, und schlüpften in frische Klamotten. Über die Autobahn düsten wir zurück nach Karlsruhe, von dort ging es für mich mit dem Zug zurück nach Mainz.

Fazit

Anstrengend war es, mein erstes Kletterwochenende in den Alpen!

Aber Spaß hat es gemacht! Wir haben jede Menge gelernt, um zukünftig auch ohne Ausbilder die besser abgesicherten Mehrseillängen der Alpen unsicher machen können. Schöne Routen sind wir geklettert, die meisten davon kann ich nur weiterempfehlen.

So hoch über dem Boden zu hängen, die Luft unter dem Hintern, das ist einfach was ganz anderes als beim Sportklettern in nur einer Seillänge. Außerdem sind Hüttenübernachtungen schon was Cooles, das Feeling passt einfach zum Klettern.

Schade, dass weder Flo, noch Eva Zeit hatten. Aber schauen wir mal, die eine oder andere Mehrseillänge ist schon in Planung 🙂

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Dennis
Dennis
Flachlandtiroler und Bergliebhaber! Im normalen Leben IT’ler, ab und an auch Klettertrainer, aber am liebsten selbst in den Bergen unterwegs. Ob im Fels oder Eis ist eigentlich egal, Hauptsache rauf da!

4 Kommentare

  1. […] oben bist du nie” (6+) ausgesucht. Ich bin diese Route bereits während meines Mehrseillängen-Kurses letztes Jahr geklettert und hab Flo so oft davon erzählt, dass er sie auch mal klettern wollte. […]

  2. […] Weiter hoch ging es nicht und so folgte wiederum der nächste logische Schritt, ein Kurs im Mehrseillängenklettern. Ein super Gefühl ist das, in der x-ten Seillänge am Fels zu hängen, hunderte Meter Luft unter […]

  3. […] was jeder einzelne an Material hat und Flo kümmerte sich dann während meines Kurses „Alpines Sportklettern“ um die Verteilung, also die Festlegung, was jeder einzupacken hat, damit es an nichts […]

  4. […] ein Trip in die Alpen geplant. Es sollte ins Tannheimer Tal gehen, wo ich im Mai schon meinen DAV-Kurs „Alpines Sportklettern“ gemacht hatte und seitdem von den schönen Routen dort […]

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