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Ein Klassiker der Ostalpen – der Jubiläumsgrat

Der Jubiläumsgrat

Der Jubiläumsgrat

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Der Jubiläumsgrat – ein Traum wird wahr!

Ein zehnjähriger Junge steht in Garmisch in der Fussgängerzone. Sein Opa erzählt ihm wunderbare Geschichten über alpine Abenteuer und wagemutige Bergsteiger. In der Hand hält der junge ein Eis, Vanille und Erdbeere, welches durch die Sonne immer weicher wird. Der Junge hat weniger Augen für sein Eis als für die spannenden Geschichten seines Opas. Gerade erzählt er ihm über den tollkühnen und schönen Jubiläumsgrat zwischen Zugspitze und Alpspitze – den Jubiläumsgrat. Der Junge denkt sich, wie toll das wäre, wenn er auch einmal ein guter Bergsteiger und Kletterer werden würde, aber wahrscheinlich würde er diesen Grat niemals gehen. Das Eis tropft auf meinen Schuh, der kleine Junge war ich vor rund 20 Jahren. Damals ging es für mich mit meinen Eltern erstmals über das schöne Reintal auf die Zugspitze. Seinerzeit ein sehr langer und mit zwei Hüttenübernachtungen schöner Marsch für mich. 2009 war ich dann abermals zu Fuß über das Höllental auf der Zugspitze und spähte verschmitzt auf den Jubiläumsgrat, welcher damals auch noch etwas über meinem insbesondere psychischen Können lag.

23.07.2013

An diesem Tag konnte ich mir dann einen Kindheitstraum erfüllen. Es ging nur nicht am Vortag direkt von Hammersbach über das Höllental auf die Zugspitze (was ich 2009 nicht gemacht habe), sondern am Folgetag bogen wir auch bei perfekten Wetterbedingungen links auf den Jubiläumsgrat ab. Der Grat ist zuerst noch ein sehr ausgesetzter Wanderweg, der allerdings sehr schnell zu einer eher alpinen Klettertour im II. UIAA-Grad wird und dies nahezu ohne jegliche Sicherung und Sicherungsmöglichkeit. Eine stabile Psyche, absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit muss also vorausgesetzt werden. Außerdem sollte der Grat nur bei stabilen Wetterbedingungen gemacht werden, da man sonst schnell unfreiwillig Blitzableiter spielen kann.

Für Dennis und mich startete der Tag um 04:45 Uhr mit einem spärlichen Frühstück. Wie sooft bei meinen Touren musste ich mich zwingend die paar Bissen Müsli mit einer lauwarmen Portion Tee oder Kaffee herunterzuspülen. Ich kriege aufgrund der Uhrzeit und auch der Anspannung vor den großen Touren einfach nie viel in meinen Magen. 😉 Dennis hingegen hatte regen Appetit. Um 5:30 Uhr waren wir dann fertig und begaben uns mit Klettersteigset, Rucksäcken und für den Notfall einem Seil bewaffnet in Richtung Zugspitzgipfel, welchen man vom Münchner Haus kommend quasi noch überschreiten muss, um auf den Jubiläumsgrat zu gelangen. Dabei erlebten wir einen tollen Sonnenaufgang mit wundervollen Eindrücken von der Zugspitze ohne Touristenscharen, eine absolute Seltenheit.

Das Klettersteigset ist am Einstieg bereits angelegt, doch bis es zum Einsatz kommt sollten wir erst einmal etliche Stellen in freier Kletterei und schwindelerregender Höhe meistern.

Langsam und stetig liefen wir mal aufrecht, mal auf allen Vieren und kletterten die Gratschneide mal links, mal rechts liegend über die Felsen zur ersten Schlüsselstelle, der glatten Rinne. Dies ist eine 3- (UIAA). Dennis sicherte mich zur Sicherheit nach unten und seilte dann ab.

Schließlich ging es in wunderschöner freier Gratkletterei dann in vier Stunden weiter bis zum Grathüttl, der Biwakschachtel nach der Inneren Höllentalspitze. Die Verhältnisse waren bis hierhin super und der Fels immer trocken sowie alle Schneereste nahezu weggetaut.

Der Weg ist nicht immer bestens markiert und wird in Nebel sicher schnell heikel, da das Wetter aber top war, fanden wir eigentlich immer recht schnell die klare Linie. Nur an einer Stelle verstiegen wir uns und mussten etwas heikel im unteren vierer Gelände wieder queren.

Am Grathüttl stellten wir fest, dass wir gut in der Zeit lagen und erlaubten uns eine etwas längere Pause mit einer tollen Aussicht auf die umliegenden Gipfel des Wettersteingebirges. Wir dachten, nun wird es ja etwas leichter und es gibt ab jetzt ein paar mehr Drahtseilversicherungen. Schließlich sind wir bis hier unter höchster Konzentration alles frei gegangen. Doch der Weg vom Grathüttl zum Einstieg der Vollkarspitze, der zweiten Schlüsselstelle, zieht sich dann doch sehr.

Ob dies nun an unseren schwindenden Kräften aufgrund der Anstrengungen der letzten zwei Tage lag oder einfach an den unzähligen Grattürmchen die man immer wieder über- oder umklettern muss und vor jedem denkt „Jetzt hab ich`s aber geschafft, der nächste ist die Alpsitze.“, werden wir wohl erst bei einer erneuten Begehung rausfinden können. 😉 Auch hielten sich die versicherten Stellen weiterhin in Grenzen. Als Entschädigung wird man allerdings immer wieder mit tollen Aussichten und Tiefblicken belohnt!

Die Volkarspitze selbst ist seit einem Bergsturz vor einigen Jahren wesentlich schwieriger und mittlerweile ein Klettersteigstück der Schwierigkeit D.

Aber auch dieses meisterten wir zügig und konnten danach dann um den Hochblasen herum in die Grieskarscharte absteigen. Hier mussten wir auch das einzige Schneefeld der Tour queren. Der Weg von der Grieskarscharte zur Alpspitze zieht sich dann gefühlt von den knapp 7km die man mittlerweile in den Knochen hat nochmal etwas. Dennoch standen wir nach gut 8 Stunden gegen 13:50 Uhr auf dem Gipfel der Alpspitze.

Nachdem wir noch genug Zeit hatten, die Bahn vom Osterfelderkopf nach Garmisch zu erreichen, gönnten wir uns eine ausgiebige Pause auf dem Gipfel, genossen die Gespräche mit anderen und aßen eine Kleinigkeit. Unsere Trinkvorräte waren zu diesem Zeitpunkt bereits aufgebraucht, da man auf dem ganzen Jubiläumsgrat kein Wasser findet und so trieb uns dann eher der Wille und die Lust auf eine große Radlermaß zügig über die Alpspitz-Ferrata, einen sehr leichten Einsteigerklettersteig, in einer guten Stunde die letzten 700 Höhenmeter runter zum Osterfelderkopf. Dort entspannten wir dann unsere müden Knochen endgültig, löschten unseren Durst mit einer Radlermaß und stießen auf die tolle und anstrengende Tour an. Anschließend ging es dann für teure 17 Euro pro Person mit der Bahn hinunter nach Garmisch. Arm dran ist derjenige, der hier die letzte Bahn um 17:30 Uhr verpasst und dann auch noch diese 1200 Höhenmeter absteigen muss. Dann wird die Tour schnell zur Mammutaufgabe und Qual. Im Tal nahm uns dankeswerterweise ein älterer Wanderer mit seinem Auto mit nach Hammersbach, wo wir schnell zusammenpackten und uns dann für eine heiße Dusche in eine Pension in Partenkirchen begaben.

Mit der Tour erfüllte sich für mich ein lang ersehnter Traum und unsere Tourenliste ist um einen weiteren Klassiker der Ostalpen reicher. Die Tour selber ist sicher für jeden alpinen Bergsteiger ein wahrer Genuss, wenn denn das Wetter stabil ist und die Kondition und mentale Belastbarkeit vorhanden sind, da man über weite Strecken frei klettern muss und kaum Sicherungsmöglichkeiten hat. An manchen Stellen ist der Grat kaum 50cm breit und es geht auf beiden Seiten mehrere 100 Meter runter. Ein Sturz hätte hier fatale Folgen! Die Länge von rund 8km und ettliche Höhenmetern  (ca. 800hm) bringen den ein oder anderen sicher ins Schwitzen. Ein Notabstieg ist nur sehr schwer möglich, einzig die Grathütte bietet etwas Schutz. Wenn aber alles stimmt wie bei uns, dann ist der Jubiläumsgrat eine wundervolle noch recht einsame hochalpine Bergtour mit herrlichen Aussichten und schönen alpinen Herausforderungen, die ich jedem nur empfehlen kann!

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Flo
Flo

5 Kommentare

  1. […] der Alpen und eben diesen hatten wir uns als Ziel gesetzt. Doch nach der Begehung des Jubiläumgrats brauchten wir vor dem nächsten Projekt eine Pause, deshalb gönnten wir uns einen freien Vormittag […]

  2. […] An dieser Stelle waren wir durchaus geschafft, waren doch gerade Flo und ich bereits seit halb sechs zu Fuß unterwegs. Selbstverständlich ließen wir es uns nicht nehmen, trotz des enormen Andrangs am Gipfelkreuz,  denn natürlich wollten auch die Touristen, die mit der Bahn hier herauf gekommen waren den Gipfel “besteigen”, ein Gruppen-Gipfelfoto zu machen und fielen uns glücklich und vor allen Dingen stolz in die Arme. Der nächste Programmpunkt war schnell beschlossen, denn mit schmerzenden Füßen, leeren Mägen und Durst lebt es sich schlecht. Deshalb nahmen wir in Deutschlands höchstem Biergarten Platz und taten etwas für das leibliche Wohl. Ich glaube, ich habe selten ein Radler so genossen wie in diesem Moment und auch die Gullaschsuppe war grandios! Die letzte Bahn ins Tal fuhr um 17 Uhr und so lange ließen wir es uns noch zu fünft auf der Terrasse des Biergartens gut gehen, bevor Bine, Silvy und Dirk wieder den weg nach unten antraten und Flo und ich  zurückblieben, um auf dem Münchner Haus zu übernachten. Also schauten wir uns etwas auf der Zugspitze um, sowohl auf der deutschen, als auch auf der österreichischen Seite, genossen das Abendessen und gingen früh ins Bett, denn schließlich hatten wir für den kommenden Tag noch eine ganz besondere Tour geplant… dazu aber mehr hier. […]

  3. Dank der FB-Aktion von Luca Hammer hab ich hier hereingeschaut. Ihr weckt sehnsüchtige Erinnerungen an meine eigenen Zugspitzabenteuer, an den Jubiläumsgrad traue ich mich aber sicher nicht.
    viel Spaß bei neuen Touren und herzliche Grüße aus Halle an der Saale
    Katrin

    • dennis sagt:

      Hallo Katrin,

      danke für deinen Kommentar, es freut uns immer, wenn wir unseren Lesern Anregungen geben oder eben auch mal Sehnsüchte wecken können 🙂 Der Jubi ist, zugegebenermaßen, nicht gerade leicht, aber eine wirklich atemberaubende Tour, die man mit genug Übung schon schaffen kann.
      Ich habe eben auch mal einen Blick auf deinen Blog geworfen, du bist ja auch gut unterwegs. Zum Thema Geocaching haben wir hier auch noch ein paar Artikel. Vielleicht ist ja was für dich dabei…

      Viele Grüße
      Dennis vom Team Abenteuersuechtig.de

  4. […] (1, 2) sollte es sein, denn zumindest hinunter bin ich diesen Klettersteig nach unserer Überschreitung des Jubiläumsgrats schon gegangen. Equipment habe ich ja genug für zwei, also packte ich eine große Tasche und […]

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