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Fontainebleau – in der Wiege des Boulderns

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Nachdem – wie ich auf Arbeit regelmäßig feststelle – viele von der doch noch recht neumodischen Sportart Bouldern noch nichts gehört haben, möchte ich einführend das ganze mal kurz erläutern.

Bouldern ist abgeleitet vom englischen boulder (= Felsblock) und bezeichnet das Klettern ohne Kletterseil und Klettergurt an Felsblöcken, Felswänden oder in der Halle in Absprunghöhe. Gerade Ende der 90er Jahre und in Deutschland seit gut 10 Jahren ist diese Sportart immer mehr am kommen und es sprießen hier zu Lande die Boulderhallen wie Tulpen aus dem Boden (z.B. baldige Neueröffnung einer der größten Boulderhallen Deutschlands, der Boulderwelt Frankfurt). Die Boulder werden meist auf einer Schwierigkeitsskala von FB (Fontainebleau) 2a bis 8b+ bewertet.

Bereits seit dem Roland, Chris und ich letztes Jahr im Tessin zum Bouldern waren, wollten wir daher einmal in die Wiege des Boulderns nach Fontainebleau fahren. Bereist seit Beginn des 20. Jahrhunderts klettern dort die „Locals“ oder auch „Bleausards“ genannt auf die skurrilen Sandsteinfelsformationen, welche überall und in tausendfachen Variationen im Wald herumliegen.

In unserem Kletterurlaub auf Mallorca fasste ich dann mit Roland den Entschluss, dass wir wenn es wieder kälter wird und die Tage kürzer werden, zum Saisonabschluss nach Fontainebleau fahren. Nachdem dann mit den zwei Brückentagen vor dem 3. Oktober auch ein schöner 5 Tagesslot gefunden war, konnten die Planungen starten. Schnell waren mit Chris, Dennis und Christine auch drei weitere Mitreisende gefunden und das Auto voll besetzt.

Es wurden Crashpads gestapelt, Zelte geschnürt, Lebensmittel gekauft, Campingsachen gepackt, Outdoorkleidung gestopft, Mützen getragen, Schuhe geschnürt und Magnesia gerichtet…und so sah danach unser T5-VW Bus aus.

Schwer bepackt...

Samstag, 29.09.2012

Von Nürnberg nach Bleau sind es doch insgesamt knapp 800 Kilometer und so hatten Roland und Chris dann am Samstag doch eine relativ lange Anreise. Nach insgesamt 6 Stunden Fahrt von Mainz aus kamen wir dann auch auf unserem Campingplatz in Grez-Sur-Loing an. Wir nutzten das letzte Tageslicht um unsere zwei Zelte und das Versorgungszelt aufzubauen und machten uns dann an den gemütlichen Teil des Abends – das Kochen und Bier trinken sowie im Lichte der Gaslampe das Boudergebiet für morgen heraussuchen. Roland hatte insbesondere die Gebiete sehr gut vorbereitet und einige Vorschläge für die Tage parat. Hier nochmals danke für diese Arbeit.

Sonntag, 30.09.12

Am ersten Tag wollten wir unsere Muskeln und Finger in dem Gebiet Rocher de Princes aufwärmen. Das Gebiet versprach Boulder von allen Schwierigkeitsgraden bis 6c+. Allerdings stellten sich die Blöcke, welche wir suchten als sehr einsam dar. Anstatt eines Crashpades in der Hand hätte ich hier lieber eine Machete gehabt, um den teils brusthohen Farn in diesem Uhrzeitdschungel zu beseitigen.

Irgendwie schlugen wir uns durch die Vegetation unseren Weg und kamen an zwei echt coolen Blöcken an, wo wir schnell die Crashpads auslegten und uns in einer 3-4 warm boulderten, um dann gleich zwei überhängende 5c’s anzugehen. Roland gelang bereits beim zweiten Versuch die tolle Linie und auch Dennis und ich konnte diese bald meistern.Christine und Chris versuchten sich währenddessen in einer etwas leichteren 4c.

Wie beim bouldern üblich verbringt man die Zeit zwischen den einzelnen Versuchen und Linien mit Essen, Quatschen, Kaffee trinken und den üblichen Motivationsrufen an den gerade Bouldernden. Gegen 15 Uhr entschlossen wir uns dann nochmals das Gebiet zu wechseln und zu einigen Blöcken zehn Kilometer entfernt zu fahren. Der Zustieg verlief hier über einen sehr sandigen Pferdeweg und wir liefen natürlich erstmal an den Blöcken vorbei, welche sich in Fontainebleau auch häufig im Dickicht verstecken. Auch in diesem Gebiet wurde wohl schon lange nicht mehr gebouldert und daher mussten wir die meisten Boulder erstmal wieder putzen, sprich die Ausstiege auf den Blöcken von Moos und Laub befreien. Uns gelangen dann noch einige schöne Boulder im 4. und 5. FB-Schwierigkeitsgrad.

Gegen 19 Uhr machten wir uns dann bei einbrechender Dunkelheit, müde und hungrig Richtung Zeltplatz auf und ließen dort den Abend bei Geschnetzeltem mit Reis und Salat und ein paar Bier ausklingen, bevor wir gegen 23 Uhr in unsere bitterkalten Schlafsäcke schlüpften. Wie es nun mal sonniges Herbstwetter mit sich bringt sind die sternklaren Nächte dann meist bereits sehr kalt.

Montag, 1.10.12

Nachdem wir uns mit selbstgemachten Cappuccino (auch beim campen geht die Welt nobel zu Grunde ;-)), frischem Baguette und Pane a chocolate gestärkt hatten, entschlossen wir uns heute in eines der Top 10 Bouldergebiete von Bleau und zwar nach La Éléphant zu fahren. Anzumerken ist hier allerdings, dass in unserem Führer hier vollkommen falsche Parkkoordianten für das Gebiet angegeben sind, welche einfach auf einem großen Acker 30 Kilometer entfernt von dem Gebiet enden. Also hier am besten nach der Beschreibung fahren, welche zu den richtigen Blöcken führt. Der Zustieg in das Gebiet beträgt keine 5 Minuten und dann steht man auf einer wahnsinnig tollen Sandebene mit hunderten Blöcken. Den namensgebenden ca. 7 Meter hohen La Éléphant bestiegen wir natürlich als erstes bevor wir uns an anderen einzelnen Bouldern versuchten.

Während Roland und Chris sich entschieden einzelne Probleme anzugehen, entschlossen Christine, Dennis und ich einen der berühmten Parcours von Bleau zu machen. Bleau ist dafür bekannt, dass hier ähnlich wie in der Halle zusammenhängende Kletterparcours in verschiedenen Schwierigkeitsgraden existieren. Wir entschlossen uns für den mittelschweren orangenen Parcours. Dieser Parcours ist durchaus empfehlenswert, vereint er doch eigentlich alle Klettertechniken von Piazzen, über Finger-, Hand- und Körperrisse bis zu Wandkletterei. Allerding ist der Parcours aufgrund der Enge der Felsblöcke auch sehr schwer bis gar nicht abzusichern. Man sollte den Schwierigkeitsgrad also halbwegs beherrschen! Nach gut 2 Stunden hatten wir die ersten 10 Boulder des Parcours durch (von insgesamt 43) und entschieden uns abzubrechen, um noch einige andere Einzelprobleme mit den anderen beiden zu lösen. Man braucht also als nicht ganz ortskundiger Boulderer durchaus seine Zeit für so einen Parcours. Die Kulisse hier ist allerdings echt beeindruckend und ich kann nur jedem empfehlen hier einmal einen Parcours zu machen.

Nachdem wir uns nach dem Parcours noch etwas an einigen anderen Bouldern vergnügten ging auch dieser Tag sehr schnell zu neige und wir mussten uns wie die Wiesel beeilen, um noch bis 19:30 Uhr zu einem Supermarkt zu kommen, damit wir abends auch etwas zu essen hatten. Uns gelang wie sooft eine Punktlandung um 19:25 Uhr, welche nicht gerade zur Freude der französischen Angestellten war. 🙂

Dienstag, 2.10.12

Nachdem es nachts das regnen angefangen hatte und der morgen auch von Nieselregen und grauen Wolken geprägt war, schielten wir gegen 9 Uhr das erste Mal aus den Zelten. Schnell entschlossen wir uns doch nochmal zu schlafen und die Situation gegen 10:30 Uhr erneut zu begutachten. Mist! Es wurde nicht besser. Nach einem heißen Espresso und einer Lagebesprechung war demokratisch entschieden, wir warten das vorhergesagte Sonnenloch zwischen 12 und 16 Uhr ab, packen dann schnell zusammen und gehen noch eine Runde in 95.2 bouldern, bevor wir uns auf die Heimreise machen, da wir keine Nacht mehr im Regen verbringen wollten.

Nach der gestrigen Erfahrung mit den Koordinaten wurde diesmal nach Beschreibung navigiert und das klappte wunderbar. Allerdings war es dafür in 95.2 schwieriger die richtigen Blöcke zu finden, da das ganze Gebiet eigentlich aus einer riesigen Sandwüste mitten im Wald besteht, von welcher etliche Wege abgehen. Im blauen und weißen Parcours boulderten wir dann noch etwas, merkten allerdings alle recht schnell, dass nach zwei langen Tagen die Kräfte doch langsam am Ende waren. Es gelangen uns dennoch ein paar 5er und eine 6a sowie 6b.

Gegen 17 Uhr fuhren wir dann wieder alle etwas kaputt, aber sehr glücklich nach dem Erlebten, wieder gen Heimat wo wir gegen Mitternacht ankamen. Für Roland und Chris ging es dann sogar noch weiter nach Nürnberg.

Fontainebleau ist definitiv eine Reise wert und wir werden sicher bald einmal wieder kommen. Hier gibt es mehr Probleme als es Leben zum Lösen gibt. 😉

 

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Flo
Flo

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