Gutenbergmarathon 2014 – Eilmeldung
11. Mai 2014
Ein Liebster Award für die Abenteuersuechtigen
3. Juni 2014

Gutenberg Marathon Mainz 2014

Gutenberg-Marathon 2014

Gutenberg-Marathon 2014

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Seid vorgewarnt, dieser Artikel zum Gutenberg Marathon ist um einiges länger als üblich, aber schließlich haben wir an diesem Tag auch jede Menge erlebt.

Gutenberg Marathon 2014 – Idee und Training

Logo Gutenberg Marathon Mainz 2014

Die Idee zur Teilnahme am Gutenberg Marathon in Mainz kam mir Ende Oktober 2013, nachdem wir den Gelita Trail Marathon in Heidelberg erfolgreich als Dreier-Staffel beenden konnten (der Artikel folgt bald…). Das Training für mein Teilstück und natürlich auch die Teilnahme am Lauf selbst hatten mir so viel Spaß gemacht, dass ich spontan beschloss, mich für meinen ersten Halbmarathon anzumelden. Zeitlich schien der Gutenberg Marathon noch weit genug entfernt zu sein, um meine Kondition und vor allen Dingen meine Knie entsprechend zu trainieren. Und außerdem, was liegt näher, als dieses Ziel in seiner Heimatstadt zu verwirklichen, wo einen Freunde und Verwandte anfeuern können…

Also begann ich nahtlos nach dem Trail Marathon mit dem Training für Mai 2014. Das ein oder andere Mal fragte ich mich allerdings, was ich hier überhaupt tue, z. B. immer wieder dann, wenn ich mit heftigen Knieschmerzen einen Lauf abbrechen und ein Mal sogar mit dem Bus zurück in die Mainzer Innenstadt fahren musste. Also hieß es nach zahlreichen Trainingsläufen erst einmal, die Knie auskurieren, bevor ich wieder eine Runde wagen konnte. Aber fast immer konnte ich von Mal zu Mal meine Trainingsstrecke weiter ausdehnen. Von anfangs nur rund 3,5km im August 2013, also zu Beginn des Trainings für den Trail Marathon, steigerte ich mich bis Ende April auf recht problemlos zu laufende 15,5km, also gut das Viereinhalbfache.

Wer meinen Trainingsverlauf verfolgen möchte, kann das auf meinem Profil bei MapMyTracks tun.

Die eigentlich anvisierten 18km im Training oder sogar die benötigten 21 schaffte ich vor dem Halbmarathon zeitlich leider nicht mehr, weshalb ein wenig Unsicherheit blieb. Konditionell machte ich mir eigentlich keine Gedanken, aber ob vor allen Dingen mein linkes Knie die längere Strecke so ohne weiteres weg steckt, da war ich mir noch nicht ganz sicher.

In einem Artikel las ich noch vor kurzem, dass wohl immer mehr Läufer schon prophylaktisch Schmerzmittel schlucken, um nicht von Schmerzen beim Lauf gehemmt zu werden. Wenn ihr mich fragt, ist das Betrug am eigenen Körper, denn schließlich möchte man eben diesen ja so trainieren, dass er nicht nur konditionell, sondern eben auch physisch in der Lage ist, die anvisierte Strecke zu schaffen. Da ich aber auf der anderen Seite den Lauf auch nicht wegen Knieschmerzen abbrechen wollte, entschied ich mich dafür, mir zwei Ibuprofen einzustecken, die ich dann im Falle des Falles während des Laufes einnehmen könnte, falls es nötig werden würde.

Der Tag davor – Pasta-Party und letzte Vorbereitungen

Am Tag vor dem Gutenberg Marathon müssen Läufer ihre Startunterlagen abholen was sich nur allzu gut mit der obligatorischen Pasta-Party verbinden lässt. Außerdem findet in der Rheingoldhalle zusätzlich noch die Marathonmesse statt, bei der es die neusten Trends im, aus und um den Laufsport zu sehen und auszuprobieren gibt. Auf dem Weg dort hin konnte ich glücklicherweise sogar noch unsere Team-T-Shirts für den Lauf aus der Packstation holen. Diese hatten wir noch ganz kurzfristig anfertigen lassen, um am Sonntag auch als Team Abenteuersuechtig erkenntlich zu sein. Natürlich konnte ich nicht anders, als mein Shirt schon beim Nudeln essen Probe zu tragen, ganz zur Freude von Nadine und Uli, mit denen ich dort war. Flo hatte seine Unterlagen wegen einer Lernphase schon früher abgeholt, zumal er sich noch ummelden musste, da er sich recht spontan entschieden hatte mich zu unterstützen, und Luciano und Toto waren auch schon früh morgens dort gewesen.

Angekommen in der Rheingoldhalle schlenderten wir also erst einmal über die Messe und begutachteten alle nötigen und unnötigen Helferlein, die es zum Laufen so gibt. Das ging los bei praktischen Dingen wie einem Gürtel, um die auch während dem Laufen notwendigen Habseligkeiten wie Schlüssel usw. zu verstauen, bis hin zu durchsichtigen, halbwegs regenfesten Jacken, knallig neon-farbenen Hosen und Oberteilen oder gefühlt hunderte verschiedene Laufschuhe.

Die Läufermesse in der Rheingoldhalle

Nachdem wir also einmal mehr oder weniger alle Stände passiert hatten, erreichten wir den großen Saal und damit auch die Pasta-Party. Für mich als Ersttäter, was den Gutenberg Marathon angeht, war es fast ein wenig ernüchternd hier, hatte ich mir doch eine richtig gute Atmosphäre und ein gewisses „Miteinander“ vorgestellt. Im Saal standen unzählige Reihen von Tischen und Stühlen, es waren mehrere Theken aufgebaut und kleinere Grüppchen suchten sich ihre Plätze möglichst weit weg von den anderen, fast wie im Bus 🙂
Wir ließen uns aber nicht davon abhalten, unsere gute Laune nach außen zu tragen, suchten uns einen netten Platz in der nähe der Essens- und Getränke-Theken und machten es uns erst einmal gemütlich. Die Nudeln waren zwar nichts Besonderes, aber das dazugehörige, alkoholfreie Weizen schmeckte dafür umso besser. Außerdem durchstöberten wir auch gleich mal unsere Läufertaschen, die wir zusammen mit den Startunterlagen bekommen hatten. Darin fanden sich neben allerlei Unterlagen und Broschüren auch eine stylische, grüne Mütze 😉 und ein Schwamm, den wir aufgrund des Wetters aber gar nicht brauchten. Dazu aber später mehr…

Pasta-Party Team-Shirt: check, alkfreies Weizen: check - alles roger!

Im Anschluss an das fürstliche Mahl, die Portionen waren tatsächlich ziemlich üppig, durchstöberten wir nochmals den ein oder anderen Stand auf der Messe und ich muss gestehen, dass ich mich auch zu dem einen oder anderen Spontankauf habe hinreißen lassen 🙂 Wie ich später erfuhr hatte auch Flo in Form neuer Laufschuhe ein Schnäppchen gemacht.

Sonntag, 11.05.2014 – Jetzt wird es ernst!

Der Wecker klingelte um sieben Uhr, damit ein spärliches, aber dennoch stressfreies Frühstück noch möglich war. Zwei Scheiben Vollkornbrot und eine Banane später waren wir schon fast auf dem Weg zum Treffpunkt an der Rheingoldhalle. Dort angekommen mussten wir erst einmal suchen, bis wir uns alle gefunden und unsere Läuferbeutel abgegeben hatten dauert dann doch bei rund 15.000 Läufern seine Zeit. In den Beuteln kann man Wechselklamotten für nach dem Lauf und diverse andere Dinge verstauen und von den Organisatoren aufbewahren lassen, während man sich selbst die Seele aus dem Leib rennt.

Vor dem Start - Der Blick nach vorne... ... und nach hinten.

Der Start war für 9:30 Uhr angesetzt und je mehr die Zeit auf diese Marke zuging, desto aufgeregter wurde ich. Eigentlich wollte ich mich auch noch mal kurz mit Luciano und Toto treffen, die auch mitlaufen würden, aber das haben wir in all den Menschenmassen gar nicht mehr geschafft und auch die beiden Mädeln Nadine und Uli haben wir schon direkt nach der Beutelabgabe verloren. Also liefen Flo und ich uns noch kurz ein paar hundert Meter ein und suchten uns einen halbwegs guten Platz zwischen den anderen zigtausend Läufern. Ob wir in unserem Startblock standen? Keine Ahnung, aber war glaube ich auch egal, denn das hätte eh kein Mensch überprüfen können. Da eh schon klar war, dass Flo schneller als ich unterwegs sein würde, vereinbarten wir, dass er im Ziel mit einem alkoholfreien Siegerweizen auf mich warten würde. Sollten wir uns dort nicht sehen wenn ich ankomme, meinte Flo noch scherzhaft, dann würde er womöglich nicht den Halbmarathon, sondern 2/3 oder sogar den kompletten laufen…

Wenige Augenblicke später tönte der Countdown aus den Lautsprechern und der Moderator machte noch einmal mächtig Stimmung! Ich habe selten, vor allen Dingen abseits von jeglichen Gipfeln, eine solche Gänsehaut und einen solchen kalten Schaue auf dem Rücken gespürt. Tausende Läufer, die nur auf diesen einen Moment warten, nämlich dass die Uhr beginnt zu laufen und damit auch sie selbst. Als es soweit war, dauerte es noch einige Augenblicke, bis wir uns auch tatsächlich in Bewegung setzen konnten, denn natürlich brauchte diese gewaltige Menschenmenge vor uns auch ihre Zeit, um nach und nach loszulaufen.

Voller Zuversicht auf eine gute Zeit.

Wirklich genau in dem Moment, in dem ich mit einem unglaublich breiten Grinsen, wahnsinniger Vorfreude und einem Gefühl von fast übermenschlicher Motivation die Startlinie passierte, begann auch der Platzregen und durchnässte meine Klamotten, Schuhe und mich selbst innerhalb kürzester Zeit einmal komplett bis auf die Knochen. Versteht mich nicht falsch, ich bin durchaus kein Schönwetter-Läufer, denn Regen, Kälte und auch Schnee haben mir während meiner Trainingszeit wenig ausgemacht, aber zumindest die ersten paar Kilometer war das kühle Nass bei rund 12°C Außentemperatur und dünnen, kurzen Klamotten nicht gerade das Angenehmste 🙂 Die beste Möglichkeit war wohl, und das tat ich auch, diesen Umstand so weit wie möglich auszublenden und mich auf das Laufen zu konzentrieren und darauf, beim Überholen anderer Läufer niemanden über den Haufen zu rennen, was auch gar nicht mal so leicht war. Glücklicherweise stellte sich eben dieser Regenguss nach kurzer Zeit als doch recht angenehm heraus und es machte sogar richtig Spaß, durch das vom grauen Himmel herab fallende Wasser und die sich am Boden bildenden Pfützen zu laufen.

Gerade während der ersten paar Kilometer überkam mich immer wieder dieser besagte eiskalte, aber mehr als nur positive Schauer auf dem Rücken. Ich konnte es fast nicht glauben, dass ich nach all den Problemen, die mir meine Knie in den letzten Jahren bereitet hatten tatsächlich hier auf der Straße laufe und hoffentlich erfolgreich meinen ersten Halbmarathon abschließen werde. Dazu kamen noch die sogar bei diesem Sauwetter doch zahlreich erschienenen Zuschauer, die den Streckenrand säumten und uns Läufer mit ihren Zurufen, Rasseln und allerlei anderen Krach machenden Dingen anfeuerten. Selbst jetzt, beim Schreiben dieser Zeilen breitet sich in mir ein wohliges Gefühl aus, wenn ich an diese Momente denke…

Den exakten Streckenverlauf könnt ihr euch am Ende des Artikels ansehen. Wir haben hier einmal den Plan der Stadt Mainz bekommen und zwei GPS-Files von Gpsies.com, da leider mein Handy gesponnen hat und ich somit keinen eigenen Track aufzeichnen konnte.

Die Strecke bis kurz vor Kilometer fünf lief sich echt super. Es regnete zwar die ganze Zeit wie aus Eimern, aber am Straßenrand standen jede Menge Zuschauer, die uns anfeuerten, das pusht natürlich enorm. Als wir jedoch ins Mombacher Industriegebiet kamen ging die Zuschauerdichte schlagartig gen null und auch „landschaftlich“ gibt es durchaus schönere Flecken, um laufen zu gehen. Glücklicherweise mussten wir hier nur rund 1,2km bewältigen und schon kamen wir Richtung Ortskern Mainz-Mombach, wo auch entsprechend mehr Menschen standen und uns anfeuerten.

Auf dem Rückweg Richtung Innenstadt führte uns die Strecke an der alten Lokhalle vorbei, dann wieder zurück auf den Kaiser-Karl-Ring und ab in die Neustadt. Hier erwartete uns wieder jede Menge Publikum, weitere Bands am Straßenrand und zumindest für meinen Geschmack eine schönere Lauferei als durch das Industriegebiet und Mombach. Mittlerweile kamen wir auch der 10km-Marke immer näher, die für mich eine besondere Bedeutung hatte. Meine vorsorglich eingepackte Ibuprofen war ja noch da und ich hatte mir die 10km-Marke für die Entscheidung gesetzt, ob ich sie nehmen oder ohne weiter laufen würde. Mein linkes Knie zwickte zwar ein klein wenig, aber dennoch entschied ich mich gegen die Tablette, aus zweierlei Gründen.

  1. War ich der Meinung, dass mein Knie den Rest auch ohne Schmerzmittel überstehen würde. Nach dem Lauf dürfte es ja durchaus auch ein bisschen weh tun, denn dann würde ich ja eh ein paar Tage Pause einlegen, was das Laufen betrifft.
  2. Empfinde ich, das kann aber natürlich jeder sehen, wie er möchte, die prophylaktische Einnahme von Schmerzmitteln, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen irgendwie als Betrug am eigenen Körper, denn wie eingangs schon geschrieben, will ich mich ja entsprechend fit trainieren und nicht durch Schmerzmittel oder anderes Zeug aufputschen.

Ebenfalls bei rund 10km schloss ich auf die beiden Pacemaker für die 3:30h Marathonzeit auf. Die Pacemaker sind Läufer, die den anderen als Richtwert für ihre anvisierte Zielzeit dienen sollen. 3:30h Stunden für den kompletten Marathon wären ja quasi exakt von mir geplanten 1:45h für den halben, also war ich erst mal erleichtert, trotz ausgefallenen Handys und Stoppuhr rein nach Gefühl eine gute Geschwindigkeit gelaufen zu sein. Ich klemmte mich also zu den anderen Läufern und Läuferinnen hinter die Pacemaker und lief in diesem Tempo vermutlich einen guten Kilometer mit, bis ich mich dazu entschied, etwas mehr Gas zu geben, denn letztendlich musste ich ja nur darauf achten, nicht allzu weit hinter die Pacemaker zu geraten… das sollte machbar sein. Also zog ich das Tempo etwas an und staunte nicht schlecht, als ich kurz darauf auch ein paar mir bekannte Gesichter am Straßenrand entdeckte, die mich mit Namen anfeuerten 🙂

Weiter ging es durch die Neustadt, fast bei mir daheim vorbei und dann über ein längeres Stück Kaiserstraße letztendlich hinüber in die Altstadt. Auf der Kaiserstraße wurde ich, ganz zu meiner Verwunderung, sogar von einem dort platzierten Moderator auf einem LKW-Anhänger mit vollem Namen angefeuert. Scheinbar lief ich dort über eine Matte, in der mein Chip und der damit verknüpfte Name ausgelesen wurde… Sehr cool jedenfalls und es zauberte ein breites Grinsen in mein Gesicht und einen kleinen Motivationsschub in meine Beine. Zwischenzeitlich hatte es immer einmal wieder zumindest für ein paar Minuten aufgehört zu regnen, aber als ich auf die Große Bleiche einbog, hatte ich zeitweise das Gefühl, dass wir mit Wassereimern beworfen werden, so sehr schüttete es. Ich ließ mich davon aber nicht bremsen, denn schon seit einiger Zeit hatte ich mich erstens an den Regen gewöhnt bzw. fand ihn zweitens schon fast angenehm und auch die Kälte macht einem, hat man sich erst einmal warm gelaufen, nichts mehr aus. Die nächste wirklich schöne Etappe war der Lauf vorbei am Theater und hinüber in die Augustinerstraße, eine schmale und sehr schöne Straße in der Altstadt von Mainz. Auch hier wurde uns von überall zugejubelt und so erreichte ich gefühlt nur wenige Minuten später das Kino. Von hier aus ging es auf zur mehr oder weniger wohl gefürchtetsten Etappe des Gutenberg Marathons, hinaus nach Weisenau über die Wormser Straße. Ich kenne relativ viele Leute, die in Mainz schon den halben oder auch den ganzen Marathon gelaufen sind und was man über dieses Stück immer wieder hört ist, dass man sich hier wirklich sehr motivieren muss, das Stück zu schaffen. Erstens stünden hier wohl sehr wenige Zuschauer an der Straße und zweitens geht es gute zwei Kilometer Richtung Weisenau, immer in dem Wissen, dass man exakt diese Strecke auch wieder zurück laufen muss, ebenfalls nicht gerade der schönste Teilabschnitt.
Ich muss sagen, dass zu meiner Überraschung recht viele Zuschauer dort waren, vielleicht auch eben deshalb, weil dieser Streckenabschnitt bei den Läufern scheinbar so unbeliebt ist. Ich empfand es als positiv und bin den Leuten dankbar, die genau hier Posten bezogen haben. Der zweite Punkt traf auch mich glücklicherweise nicht zu. Konditionell fühlte ich mich quasi perfekt und auch mein Knie schmerzte schon seit einer Weile nicht mehr. Dazu kam noch das Wissen, dass nach dieser Passage nur noch gut ein Kilometer bis ins Ziel zu laufen war. Zwischendurch kam mir sogar noch Flo auf der gegenüberliegen Spur entgegen und auf meine Zurufe hin entdeckte er mich auch. Übrigens sah er zu diesem Zeitpunkt für die ca. 17 zurückliegenden Kilometer noch echt frisch aus. Nach meiner Kehrtwende in Weisenau gab ich auf dem Rückweg Richtung Innenstadt noch einmal mehr Gas, um dann auf dem letzten Kilometer noch mal zu einen Endspurt anzusetzen.

Beim Zieleinlauf hätte ich fast heulen können, das Gefühl, das mich in diesem Moment erfasste ist eigentlich unbeschreiblich! Nach gut neun Monaten Training, so vielen Schmerzen und Strapazen, Läufen auf der Straße, im Wald und auf Radwegen, bei Sonne, Regen und Schnee hatte ich es endlich geschafft. Ich war im Ziel meines ersten Halbmarathons angekommen und noch dazu in meiner Heimatstadt. Und obendrein hatte ich all meine selbst gesteckten Ziele übertroffen. Mein Knie trug mich brav durch’s Ziel und das sogar noch gut unter meinen gewünschten 1:45h, nämlich mit einer Zielzeit von 1:41:05h.
Und als wollte mich Petrus nach all dem Regen für meine persönliche Bestleistung noch belohnen, rissen kurz vor dem Ziel noch die Wolken auf und abgesehen von völlig durchnässten Läufern und einem nassen Straßenbelag hätte man denken können, es wäre das beste Wetter während des Halbmarathons gewesen.

Dennis kurz nach seinem Lieleinlauf.

Im Ziel suchte ich kurz nach Flo, aber als ich ihn nach ein paar Minuten nicht finden und auch auf dem Handy nicht erreichen konnte, ging ich davon aus, dass er seine scherzhafte Drohung wahr gemacht hat und eine weitere Distanz laufen würde und kümmerte mich um mein leibliches Wohl. An der Rheingoldhalle hatten die Organisatoren und Helfer verschiedene Stände mit Getränken und Snacks aufgebaut. Also genehmigte ich mir eine Apfelsaftschorle und eine Laugenbretzel und genoss den Augenblick der, wäre es nach mir gegangen, hätte ewig dauern können.

Nachdem ich mich umgezogen hatte, traf ich mich noch mit Jörg und Bine, die ich zwar auf der Strecke leider nicht gesehen hatte, die aber am Ziel auf der Brücke am Rathaus warteten. Beim Treppe hoch laufen hätte ich mir allerdings am liebsten ein paar neue Beine gewünscht, denn jetzt schmerzten nämlich sowohl meine Muskeln, als auch mein linkes Knie ganz ordentlich 🙂 Keine fünf Minuten später kamen auch Nadine und Uli nacheinander ins Ziel und gesellten sich oben auf der Brücke zu uns. Zwischenzeitlich hatte es, wie sollte es auch anders sein, schon wieder angefangen zu regnen und nachdem wir nicht mehr liefen, wurde es auch relativ schnell kalt.

Auch Nadine und Uli sind im Ziel angekommen.

Nachdem drei von uns vier im Ziel angekommen waren, blieb uns natürlich nur noch eines zu tun, auf unseren 2/3 bzw. Marathonen zu warten. Noch wussten wir ja nicht, für was sich Flo entschieden hatte, denn sicher war nur, dass er noch nicht im Ziel angekommen war. Also vertrieben wir uns die Zeit mit alkoholfreiem Weizen, ein paar Snacks und nachdem sich Jörg und Bine verabschiedet hatten, machten wir es uns in der Rheingoldhalle halbwegs gemütlich, wärmten uns ein bisschen auf und fachsimpelten über die vergangenen Stunden, denn schließlich war es für uns alle drei der erste Halbmarathon.

Eine Weile später rief dann auch Flo an und teilte mir mit, dass er nun ebenfalls an der Rheingoldhalle angekommen sei, nachdem er sich spontan für den kompletten Marathon und damit für 42,195km entschieden hatte. Wie schon eingangs erwähnt, Flo ist was das Laufen angeht irgendwie nicht klein zu kriegen und selbst nach dieser Distanz sah er noch den Umständen entsprechend fit und fröhlich aus.

Nachdem wir also alle wieder im Start/Ziel angekommen waren, musste natürlich noch ein Siegerfoto her:

Das komplette Team hat es geschafft!

Da wir natürlich alle recht fertig waren, machten wir uns auch bald auf den Heimweg, um den restlichen Tag auf der Couch zu verbringen, denn nun war nur noch eines wichtig: Entspannung!
Im kommenden Jahr werde zumindest ich mit Sicherheit wieder beim Gutenberg Marathon an den Start gehen, entweder mit verbesserter Zielzeit, oder, ganz vielleicht, auch einer größeren Distanz. Man wird sehen…

Und nachdem ich nun meine Sicht zum Besten gegeben habe, darf Flo’s natürlich nicht zu kurz kommen:

Eigentlich wollte ich am Halbmarathon in Mainz ja gar nicht teilnehmen. Nachdem ich bereits 2010 hier meinen ersten Halbmarathon gelaufen war und die Strecke – insbesondere das mittlerweile etwas gekürzte Teilstück nach Weisenau – alles andere als schön fand, hatte ich für mich beschlossen, dass es soviel schönere Halbmarathonstrecken in Deutschland gibt. Und tatsächlich durfte ich in den nächsten Jahren so schöne Strecken wie an der Weinstraße oder in Berlin kennenlernen.
Nachdem allerdings Dennis in Mainz seinen ersten Halbmarathon laufen wollte, weitere Arbeitskollegen und Freunde ebenso mitliefen und ich zudem ganz gut im Training war, entschloss ich mich mit etwas Überredung doch, spontan auf einer der typischen Tauschbörsen noch eine Laufgenehmigung aufzutreiben.
Am Abend vor dem Halbmarathon philosophierte ich noch bei Süßkartoffeln, Rindersteak und Gemüse mit Kati über die Taktik für den nächsten Tag und meinte noch scherzhaft zu ihr „Ach eigentlich könnt ich auch mal ‚nen Marathon laufen so zum Training für die Berge.“
Nach einer ruhigen Nacht gab es dann am Sonntagmorgen ein ausgiebiges Frühstück mit Bananen und Erdbeeren (man muss ja auf die glykämische Last seiner Lebensmittel achten) und dazu 4 Spiegeleier und einen Kaffee. Frisch gestärkt liefen wir dann gemeinsam mit Katis Mutter (die auch ihren ersten Halbmarathon laufen wollte; meinen Glückwunsch für das erreichen des Ziels an dieser Stelle) und trafen uns wenig später mit den anderen.
Die Zeit bis zum Startschuss verflog und sofort war ich mit Fokus meine persönliche Halbmarathonbestzeit (1:36:33) zu schlagen auf der Strecke. Dicht hinter mir folgten Herr Regen und Frau Wind und ich dachte mir „Bei so einem Dreckswetter laufe ich sicher keinen Marathon.“ Die ersten Kilometer gingen zügig von den Füßen und ich hatte mir nach 3-4 Kilometern dann auch endlich die Stelle im Feld erkämpft, die meinem Tempo entsprach. Kurz vor Kilometer 10 gab‘s dann das erste Gelpack und parallel dazu stürzte gleich meine Uhr ab. Ich fluchte kurz, da ich nun keinen Überblick über meine Zeit mehr hatte und sagte mir dann „naja dann läufst halt einfach noch etwas schneller, dann sollt‘s scho‘ passen.“ Die nächsten Kilometer gestalteten sich unproblematisch und im abwechselnden Rhythmus zum „High 5“ mit den Kindern am Wegrand, dem trinken an den Labestationen und dem futtern von einem weiteren Gelpack grüßte mich ein gut gelaunter Dennis auf der Gegenspur und riss mich dann erstmal aus meinem „Tunnel“. Irgendwo zwischen Kilometer 18 und 20 ist dann bei mir auch der Entschluss gereift, dass wenn ich meine persönliche Bestzeit unterboten hatte, es einfach mit dem Marathon mal probieren werde. Den letzten Kilometer meines ersten der zwei Halbmarathone an diesem Tag zog ich dann nochmals etwas an und passierte bei 1:33:47 die Zwischenziellinie. Sehr gut, Ziel geschafft…weiter geht’s!
Spätestens bei Kilometer 24 auf der Theodor-Heuss-Brücke dachte ich mir allerdings „Boarrrrrr, hab ich da echt noch Bock drauf“. Nachdem dann aber sogar die Sonne herauskam, die Strecke durch die Wohngebiete von Mainz-Kastel recht schön war und vereinzelt die Leute einem immer wieder motivierende Sprüche zuriefen, zog ich es einfach weiter durch. Bei Kilometer 28 zwickte dann langsam der erste Muskel und ich futterte ein weiteres Gelpack. Bereits vorher hatte ich für mich entschieden, dass (did not finish) keine Option sein würde und 2/3 auch net. Wenn scho‘ quälen, dann richtig!
Es regnete wieder und diesmal freute ich mich sogar über die leichte Erfrischung. Mein Tempo war gemütlich, schließlich hatte ich nach meinem ersten Tagesziel dieses auch gedrosselt. Bei Kilometer 31 musste ich dann doch nochmal ein Klo am Wegrand aufsuchen, um dann nach dem weiterlaufen noch mehr schmerzen in den Oberschenkeln und Waden zu verspüren. Jetzt machte sich doch langsam bemerkbar, dass ich fast nie mehr als 20 km Strecken laufe und ein Marathon aus dem Stehgreif nicht so ohne ist. Das nächste „Boarrr“ folgte und ich versuchte mich immer wieder neu zu motivieren und lief einfach. Spätestens bei Kilometer 35 fühlte ich mich wie Forest Gump, ohne zu denken einfach laufen, laufen und nochmal laufen. Ich war mittlerweile in einem so schwarzen Lauftunnel, dass ich nicht mehr viel um mich rum registrierte und fast gegen einen Baum lief, als zwei Arbeitskollegen mich mit „Auf geht’s Flo“ anfeuerten. Irgendwann kam dann das Schild Kilometer 40 und ich war richtig stolz. So weit war ich am Stück noch nie gelaufen, jetzt kommt gleich das Ziel. Die letzten Kräfte wurden mobilisiert, ein letztes „Boarrr lauf!“ an mich selbst gerichtet und nach 3 Stunden 37 Minuten hatte die Qual ein Ende und ich wurde beim Zieleinlauf sogar mit Namen angekündigt. Im Ziel gab es dann die Medaille und ich konnte es noch gar nicht fassen, dass ich spontan meinen ersten Marathon in einer doch halbwegs vernünftigen Zeit gelaufen bin. Dennis und Co beglückwünschten mich für meine Leistung und nicht zu selten wurde ich als „Spinner“ bezeichnet. Das Glück und die Zufriedenheit über die abgelieferte Leistung an diesem Tag habe ich allerdings erst abends nach einer heißen Dusche und im Bett so richtig klar wahrgenommen. Geil war’s und jede Qual Wert auch wenn man direkt nach dem Lauf zu sich sagt: „Nie wieder“…
…aber wir Läufer wissen es ja besser, laufen ist ja ähnlich einer Sucht und wir sind schließlich alle etwas masochistisch.

Streckenpläne bzw. GPS-Tracks:

Streckenplan Gutenberg Marathon (mit freundlicher Genehmigung der Stadt Mainz).

Streckenplan

Die beiden nachfolgenden GPS-Tracks sind leider nicht unsere eigenen, da bei uns die Technik nicht so wollte, wie wir. Diese haben wir von GPSies.com

Streckenverlauf des Halbmarathons:

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Streckenverlauf des Marathons:

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Dennis
Dennis
Flachlandtiroler und Bergliebhaber! Im normalen Leben IT’ler, ab und an auch Klettertrainer, aber am liebsten selbst in den Bergen unterwegs. Ob im Fels oder Eis ist eigentlich egal, Hauptsache rauf da!

2 Comments

  1. […] spätestens beim Überlaufen der Ziellinie hatte mich das Laufffieber gepackt, ich war infiziert! Hier ist übrigens unser Artikel zu meinem Halb- und Flo’s Marathon […]

  2. […] für mich, der mittlerweile vierte Halbmarathon und der dritte in Mainz (hier die Artikel von 2014 und 2015). Dass ich alles andere als gut vorbereitet war, das war mir schon länger klar, aber […]

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