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Hochtour auf das Bishorn – unser erster Pärchen-4000er

Blick auf die Walliser Prominenz

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Sechs Wochen sind mittlerweile vergangen, seit wir das Bishorn im Schweizer Kanton Wallis bestiegen haben. Sechs Wochen, in denen die Erinnerungen nicht verblasst sind, sondern noch so intensiv wie in diesem magischen Moment.

Das Geburtstagsgeschenk

„Ich möchte mal einen richtigen Berg mit dir besteigen. Also so einen mit Schnee und Eis im Sommer. Einfach, um deine Begeisterung für’s Bergsteigen richtig nachempfinden zu können“, sagte meine Freundin irgendwann letztes Jahr mal zu mir.

„Nichts leichter als das“, dachte ich mir und so bekam sie zu ihrem Geburtstag im Januar ihren ersten 4000er von mir geschenkt.

Vorbereitung ist das halbe Leben

Die Planungen für's Bishorn schreiten voranAuf der Suche nach der passenden Tour

Ich stand also mehr oder weniger vor dem gleichen Problem wie im vergangenen Jahr (Mindelheimer Klettersteig für Flachlandtiroler). Zugegeben, ein Luxusproblem. Denn was gibt es Schöneres, als mit der Herzallerliebsten auf Hochtour zu gehen? Aber dennoch, was machst du mit jemandem, der bisher noch nicht viel in den Bergen unterwegs war? Welche Tour geht, wie lang und wie anspruchsvoll darf es werden, damit Spaß und Genuss an erster Stelle bleiben?

Klar, eine objektiv leichte Hochtour sollte es werden. Auf einen Bergführer wollten wir beide verzichten, den Trip allein als Pärchen durchziehen. Außerdem war es mir wichtig, dass wir uns vernünftig akklimatisieren können, damit sie hoffentlich keine Probleme mit der Höhe bekommt.

Planänderung

Zuerst hatte ich ans Breithorn bei Zermatt (Wikipedia) gedacht. Dort war ich schließlich schon mal oben (zum Blogartikel) und der Berg ist mit F+ (Erläuterung auf Wikipedia) sehr einfach zu besteigen. Auf der anderen Seite ist die Tour, wenn man sie komplett zu Fuß machen möchte, alles andere als schön. Durch’s Sommer-Skigebiet aufsteigen und vorbei am Klein-Matterhorn mit seiner Seilbahn. Von dort aus dann in einer langen Schlange wie die Ameisen auf den Gipfel. 4000m, klar, aber schön ist eigentlich anders.

Dann brachte mich Flo auf die Idee mit dem Bishorn (Wikipedia). „Schau dir das doch mal an“, hatte er gesagt und sofort nach den ersten Mausklicks gefiel mir die Idee besser und besser.
Komplett vom Tal zu erlaufen. Keine ratternden Bergbahnen, keine Skifahrer, alles eher ruhig und ursprünglich. Und ganz nebenbei wäre das Bishorn für mich sogar noch ein weiterer 4000er auf der Liste. Klingt eigentlich fast zu schön, um wahr zu sein und doch schien es so zu stimmen.

Da wir hier im Rhein-Main-Gebiet nicht die Möglichkeit haben, Trainingstouren zu unternehmen, belief es sich für Elena auf’s Kondi-Training. Mehrfach pro Woche Lauftraining oder auch mal mit dem Rad, das musste einfach ausreichen.

Wallis, wir kommen!

Nach einem kleinen Zwischenstopp in Freiburg kommen wir Samstagabend in Zinal an. Der Campingplatz ganz am Ende des Dorfes ist tatsächlich so nett, wie man im Führer und im Netz liest. Jetzt muss es schnell gehen, denn so langsam schreit der Magen. Also zügig das Zelt aufstellen und den Gaskocher anwerfen. Nudeln mit Pesto, wohl DAS Essen schlechthin für Zeltübernachtungen. Macht nix! Es geht schnell, schmeckt und die Kohlenhydrate können wir für die nächsten beiden Tage eh gut gebrauchen.

Nach dem Essen kümmere ich mich um das Material. Checkup, dass alles eingepackt wird, was wir so brauchen und im Tal bleibt, was wir nicht benötigen. Steigeisen, Eispickel, Daunenjacken, nicht gerade der typische Sommerurlaub für einen Mitteldeutschen 🙂

Nachdem die Sonne hinter den umliegenden Gipfeln verschwindet, wird es schnell kalt. So verkriechen wir uns zeitig ins Zelt und die warmen Schlafsäcke. Der Schlaf lässt dann natürlich nicht lange auf sich warten.

Hüttenzustieg und der erste Gletscherkontakt

Wandern durch mehrere Vegetationsstufen

Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen ins Auto und schultern die Rucksäcke. Um viertel nach neun laufen wir los. Der Hüttenzustieg ist mit fünf Stunden angegeben, wir müssen uns also nicht stressen. Es ist schön, die verschiedenen Vegetationsstufen zu durchlaufen. Aus dem grünen Val d’Anniviers mit seinen bunten Blumen, durch das alpine Ödland bis hinauf zur Hütte am Rande des Turtmanngletschers. Inklusive mehrerer Pausen brauchen wir tatsächlich ziemlich genau die angegebene Zeit. Als wir um viertel nach zwei und 1500 Höhenmetern auf der Cabane de Tracuit ankommen sind wir etwas platt. Wir checken ein, trinken was und verkrümeln uns für ein Mittagsschläfchen ins Lager.

Gletscherkurs light

Nach einer Stunde klingelt der Wecker und wir schälen uns aus unseren Hüttenschlafsäcken. Wieder rein in die Klamotten und runter ins Materiallager. Mit geschultertem Rucksack gehen wir rüber zum Gletscher. Für mich Standard, für Elena der erste Kontakt mit einem Gletscher überhaupt. Ich zeige ihr, wie man auf Steigeisen läuft. Obwohl die Spaltensituation hier auf dem Turtmanngletscher super entspannt ist, lernt sie auch, wie sie sich im Notfall mit einer Eisschraube sichern kann. Für mich hieße ein Spaltensturz in dem Fall Selbstrettung. Beides gibt ihr ein wenig Sicherheit und hilft, die Zweifel zu zerstreuen, die sie bisher noch etwas geplagt haben.

Über den uns umgebenden Gipfeln hängen Wolken und hüllen den Tête de Milon und das Bishorn in weiße Watte. Hoffentlich sieht es morgen etwas besser aus!

Pünktlich zum Abendessen sind wir wieder auf der Tracuit. Wir stärken uns mit Suppe, Nudeln und Schokokuchen zum Nachtisch, gönnen uns 0,5er Rivella für sechs Franken das Stück. Man lebt ja schließlich nur einmal 🙂

Nach dem Abendessen verziehen wir uns bald wieder ins Bettenlager. Der Wecker wird um fünf Uhr klingeln, da können ein paar Stunden Schlaf nicht schaden.

Der große Tag – Der erste Viertausender

Schlecht geschlafen? Egal, raus aus den Federn!

Der Wecker reißt mich unerbittlich aus dem Schlaf. Nicht, dass ich nicht eh schon mehr schlecht als recht gepennt hätte… Mehrmals nachts wurde ich wach. Einmal aufgrund eines seltsamen Traums, der mir klar machte, dass sich mein Unterbewusstsein wohl doch mehr Gedanken um die bevorstehende Verantwortung als Führer macht als ich es mir eingestehen wollte. Klar, das Bishorn ist eine leichte Tour und objektive Gefahren gibt es wenig. Aber mit einem geliebten Menschen dessen erste Hochtour zu gehen, ihn zu führen und die Verantwortung für sein Wohlergehen und seine Sicherheit zu übernehmen, das ist schon noch mal was anderes.

Wir schnappen uns die fast fertig gepackten Rucksäcke und das übliche Morgenritual beginnt. Frühstücken (oder bei Elena eher runterwürgen), den Körper stärken und auf Arbeitstemperatur bringen. Der morgendliche Run auf’s Bad und die Toilette, danach ab ins Materiallager und raus an die frische Luft.

Los geht’s!

Es ist sechs Uhr, als wir vor die Hütte treten. Der Himmel ist wolkenlos und es verspricht, ein perfekter Gipfeltag zu werden! Hinüber zum Gletscher sind es nur ein paar Minuten. Wir seilen uns an und befestigen die Steigeisen an unseren Bergstiefeln. Als eine der letzten Seilschaften betreten wir den Turtmanngletscher. Wir wollen uns keinen Stress machen und den anderen Seilschaften ganz entspannt folgen. Es liegt eine gute Spur, in der wir gemütlich und sanft aufsteigen. In der Nordwest-Flanke des Bishorns steilt es etwas auf und wir werden langsamer. Allmählich macht sich bei Elena die Höhe bemerkbar, aber trotzdem kommen wir noch gut voran. Wir gehen einfach ganz gemütlich weiter und legen hier und da eine kurze Pause ein. Mittlerweile ist es auch so warm geworden, dass wir die Hardshell-Jacken im Rucksack verstaut und die Ärmel nach oben geschoben haben.

Mit steigender Höhe wird der Ausblick auf die umliegenden Gipfel und Täler immer schöner. In manchen liegt noch der morgendliche Nebel, ein fast mystischer Anblick.

Elena ist zwar ganz schön fertig, aber ans Aufgeben denkt sie glücklicherweise nicht. Langsam steigen wir also weiter, während uns die ersten Seilschaften bereits wieder entgegen kommen. Es dauert nicht mehr lange, bis wir vor der letzten Hürde stehen. Die letzten schätzungsweise 15 Meter bis auf’s Bishorn sind eine Steilstufe mit I/IIer-Kletterei im Eis. Als wir dort ankommen steigen gerade zwei Seilschaften von oben ein. Wir warten also ab und als der Weg frei ist, steige ich hinauf und baue eine Fixpunkt-Sicherung für Elena auf. So kann sie gesichert und ohne Angst die letzten Meter überwinden.

Endlich – Bishorn Gipfel

Schnaufend wie eine Dampflokomotive (okay, vielleicht übertreibe ich auch ein wenig 😉 ) schlägt sie ihren Eispickel auf dem Gipfel ins Eis und macht den letzten Zug. Hier stehen wir nun, auf dem Gipfel des Bishorns, auf 4153 Meter über dem Meeresspiegel. Ziemlich genau vier Stunden haben wir gebraucht von der Cabane de Tracuit bis hier herauf. Zwar eine Stunde länger als im Führer angegeben, aber dennoch ist es noch früh genug, damit wir uns nicht stressen müssen. Und überhaupt haben wir gerade ganz andere Dinge im Kopf, als Stress!

Wir stehen hier oben, wir genießen den Erfolg! Den Erfolg über den eigenen, inneren Schweinehund. Wir haben’s geschafft als sozusagen Pärchenaktivität hier oben zu stehen. Und das auch noch ganz alleine, denn andere Seilschaften sind zumindest derzeit nicht hier oben.

Höhere Gipfel? Die gibt es in dem Moment nicht, denn wir stehen gefühlt auf dem Dach der Welt und sind deren Könige!

Wir küssen und umarmen uns. Kaum zu glauben, wir haben’s tatsächlich geschafft! Hätte mich früher mal jemand gefragt, ob ich es für realistisch halten würde, mal mit meiner Freundin zum Bergsteigen zu gehen, ich hätte ihn für verrückt erklärt.

Nebenan steht das Weisshorn mit seinen 4505 Metern. Ein Berg wie aus dem Bilderbuch, gefühlt zum Greifen nahe und doch noch so weit weg! In diesem Moment schwöre ich mir, den Berg in nächster Zukunft auch noch anzugehen.

Endlich Zeit für mein Männerspielzeug!

Bevor wir uns an den Abstieg machen muss ich natürlich noch mein neues Spielzeug ausführen. Das Ergebnis seht ihr hier:

Zurück zur Tracuit

Nach gut 35 Minuten machen wir uns langsam wieder auf den Abstieg zur Hütte. Ich baue wieder die Fixpunkt-Sicherung auf und sichere Elena hinunter auf die Schulter unterhalb des Gipfels. Danach klettere ich selbst ab und wir gehen wieder Richtung Nordwest-Flanke. Der Abstieg geht zügig vonstatten, ohne uns aber zu stressen. Eine zweite Drohnen-Session wird eingelegt, bevor wir nach insgesamt 6:45 Stunden wieder auf der Tracuit-Hütte ankommen.

Da die anderen Seilschaften schon abgestiegen sind, ist der Aufenthaltsraum fast leer. Lediglich ein paar Seilschaften, die den Dienstag als Gipfeltag nutzen wollen, sind bereits dort und vertreiben sich die Zeit.

Abstieg ins Tal

Nach zwei weiteren Rivella packen wir unsere Sachen ein, die wir auf der Hütte zwischengelagert haben und machen uns an den Abstieg zurück nach Zinal. Es ist erst kurz nach 14 Uhr und so ist uns klar, dass wir immer noch alle Zeit der Welt haben. Außer dem Abendessen steht heute sowieso nichts mehr auf dem Plan.

Wir verlassen die Hütte und steigen den Felsriegel hinab zurück auf den Wanderweg. Erst steil geht es bergab, dann wieder etwas flacher. Es wird aber schnell so warm, dass wir dringend aus unseren langen und warmen Hosen raus müssen. Uns kommen zahllose Seilschaften entgegen, Gipfelaspiranten für den morgigen Tag.

Auf ca. 2500 Meter füllen wir an einem Bach noch mal unsere Wasserreserven auf und legen eine weitere Pause ein. Ab hier wird auch die Umgebung wieder deutlich farbenfroher. Die ersten bunten Blumen sind wieder zu sehen. Außerdem können wir schon unser Ziel sehen, Zinal. Dort unten wartet nicht nur unser Zelt, sondern auch eine leckere Pizza für schlappe 23 Schweizer Franken auf uns, die wir uns später noch gönnen werden.

Unser Fazit

Das Bishorn ist ein leichter aber schöner Viertausender! Was ich besonder reizvoll finde, ist die Ursprünglichkeit des Berges. Der Gipfel will vom Aspiranten selbst erarbeitet werden, ohne technische Hilfsmittel wie Bergbahnen. Dabei ist der Hüttenzustieg von Zinal aus eine schöne Wanderung und daher überhaupt nicht lästig, sondern ein Startgeplänkel für den Gipfelsturm auf’s Bishorn. Einzig die kurze Klettereinlage kurz unter dem Gipfel erfordert ein wenig mentale Stärke. Mit Fixpunktsicherung von oben ist das aber auch kein Problem.

Für mich war es tatsächlich die perfekte Wahl für die erste Hochtour mit meiner Freundin. Die Spaltensitution auf dem Turtmanngletscher ist sehr entspannt, die wenigen, die es dort oben hat, sieht man gut. Selbstverständlich bleibt immer ein Restrisiko, weshalb ich darauf hinweisen möchte, dass ihr wissen solltet, was ihr auf einem Gletscher tut bzw. zu tun habt!

Die Cabane de Tracuit ist ein modernes Bollwerk dort oben auf dem Fels. Schon von weitem sichtbar und fast etwas unnatürlich und charmlos ist sie von innen dafür umso schöner. Natürlich fehlt etwas der Hüttencharme einer Schönbielhütte, aber die Tracuit ist perfekt durchdacht und überraschend gemütlich. Man liest öfter von einem unfreundlichen Hüttenteam, das können wir so überhaupt nicht bestätigen.

GPS-Tracks

Zustieg Zinal -> Cabane de Tracuit

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Tracuit -> Bishorn -> Tracuit

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Abstieg Tracuit -> Zinal

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Unsere Ausrüstung

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Dennis
Dennis
Flachlandtiroler und Bergliebhaber! Im normalen Leben IT’ler, ab und an auch Klettertrainer, aber am liebsten selbst in den Bergen unterwegs. Ob im Fels oder Eis ist eigentlich egal, Hauptsache rauf da!

2 Kommentare

  1. Norbert sagt:

    Erinnert mich an die 80er. Meine Ehefrau musste damals ähnliches durchmachen … 🙂
    Das Bild mit Deiner Freundin am Seil und Dom, Täschhorn, Alphubel und Rimpfischhorn im Hintergrund ist gelungen …
    … gut ihr seit zwar von Westen aufs Bishorn … aber was solls … 🙂
    Viel Erfolg für Euch beim 2. Viertausender!

    • Dennis sagt:

      Danke dir, Norbert.
      War eine schöne Tour und für’s nächste Jahr werde ich auch wieder was planen. Man muss es ja ausnutzen, wenn die Freundin Spaß an Hochtouren gefunden hat 🙂

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