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Mindelheimer Klettersteig für Flachlandtiroler

Elena unterwegs auf dem Mindelheimer Klettersteig. Im Hintergrund die Fiderepaßhütte.

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Bergurlaub mit der Flachlandtirolerin, ob das gut geht?

Richtiger Bergurlaub mit der Freundin

Urlaub in den Bergen ist für mich das Größte! Meer? Brauche ich nicht oder nur selten. Den wohlverdienten Urlaub gemeinsam mit der Freundin in den Bergen zu verbringen ist deshalb umso schöner. Was planst du aber für den gemeinsamen Bergurlaub, wenn deine Freundin noch nie in den Bergen war? Schließlich willst du sie nicht überfordern, gleichzeitig aber tolle Touren machen.

Vor einer Weile waren wir schon mal auf dem Mittelrhein-Klettersteig in Boppard unterwegs. Der ist mit B angegeben und hat so gut geklappt, dass ich meiner Süßen einen Klettersteig Kategorie C ohne zu Zögern zugetraut habe.

Von kleinen und großen Klettersteigen

Klettersteig ist aber nun mal nicht gleich Klettersteig. Wenige Meter über dem Boden im Seil zu hängen und die Option, jederzeit abbrechen und den Rest wandern zu können ist das eine. Im Gebirge mit Aussicht auf ferne Gipfel und entsprechenden Tiefblick und längere Touren, die sich nicht einfach abbrechen lassen das andere. Insofern hatte ich zwar ein gutes Gefühl, aber der Mindelheimer Klettersteig (Details auf Bergsteigen.com) war dennoch so etwas wie ein test piece.

Der Steig wartet gleich mit mehreren C-Stellen auf. Er verläuft meist exakt auf der Grenze zwischen Deutschland und Österreich über die drei Gipfel der Schafalpenköpfe. Dabei ist nicht nur die Routenführung sehr interessant. Er bietet eine wunderschöne Aussicht und sehr abwechslungsreiche Passagen. Langeweile kommt während der Überschreitung also schon mal nicht auf. Abgesehen davon kann man ihn in beide Richtungen begehen.

Auf ins Kleinwalsertal

Die Tour zum Mindelheimer Klettersteig startet in Mittelberg im schönen Kleinwalsertal. Nachdem wir das Auto in der Nähe des Gasthofes Schwendle geparkt und die Rucksäcke geschultert haben, machen wir uns auf die Socken. Wir sind leider viel zu spät dran und telefonisch erreiche ich niemanden auf der Mindelheimer Hütte. Insofern fällt ein Statusupdate für’s Hüttenteam leider aus. Mit einem leicht mulmigen Gefühl laufen wir Richtung Hütte, immer in der Hoffnung, dass unsere Lagerplätze nicht anderweitig vergeben werden.

Übernachtung auf der Mindelheimer Hütte

Hüttenzustieg bei gefühlt 40° im Schatten

Wir folgen dem beschilderten Wanderweg Richtung Innere Wiesalpe auf 1300m. Nach gut 20 Minuten und 1,7km erreichen sie. Die Sonne brennt vom Himmel und wir werden gebraten, mitten hier auf dem Wanderweg! 🙂 Hier muss man sich auch entscheiden, in welche Richtung man den Mindelheimer Klettersteig begehen will. Schlägt man den Weg Richtung Fiderepaßhütte ein, würde man den Mindelheimer Klettersteig quasi rückwärts begehen. Soll übrigens auch sehr schön sein! Vielleicht was für eine zukünftige Tour… (Link zur Winterbegehung mit Robert).

Wir wandern weiter Richtung Mindelheimer Hütte. Im Wildental passieren wir einen kleinen Bach, langsam wird es steiler. Bis zur Kemptner Scharte auf 2108m geht es nur noch im Zick-Zack hinauf. Von der Scharte aus ist der Rest des Weges bis zur Mindelheimer Hütte leicht und schnell erledigt. Gegen viertel vor sieben treffen wir nach etwa 940m im Aufstieg auf der Hütte ein. Unsere Lagerplätze sind noch frei, sogar ein warmes Abendessen bekommen wir auch noch. Meine Sorgen waren also unbegründet. Die Welt ist noch in Ordnung.

Der Mindelheimer Klettersteig – Ich würde sagen: Es läuft!

Raus aus den Federn…

Ich bin es von meinen Hochtouren mit Flo ja gewohnt, vor allen Dingen im Urlaub früh aufzustehen. Für Elena war das schon eine kleine Umstellung. Nichts desto trotz kommen wir beide prima aus dem Bett, als um sieben der Wecker klingelt. Die Rucksäcke sind schnell gepackt, das Frühstück können wir in aller Ruhe genießen. Die meisten der Hüttengäste sind offensichtlich Wanderer. Es macht nicht den Anschein, dass viele von ihnen auf den Mindelheimer Klettersteig wollen. Es kommt Hoffnung auf, dass es nicht allzu voll wird.

und ab an den Fels!

Um kurz nach acht treten wir vor die Tür und machen uns auf den Weg. Zuerst wieder rauf zur Kemptner Scharte. Von dort aus weiter zum Kempterle (Kemptner Köpfle), dessen 2193 Meter hohen Gipfel wir uns natürlich nicht nehmen lassen. Das ist mit einer leichten Klettereinlage ist das schnell erledigt. Alternativ wäre es auch über eine Art Weg gegangen, aber wir sind ja Kletterer 🙂

Auf dem Klettersteig lassen wir uns Zeit. Wichtig ist nur, dass wir gut und sicher voran kommen, denn schließlich ist der Tag definitiv lang genug.

Über leichte A- und B-Stellen gelangen wir um kurz nach halb zehn zum Gipfel des ersten der drei Schafalpenköpfe (2272m). Es folgt eine IIer-Kletterstelle (abklettern) und etwas Gehgelände, dann nehmen wir auch den den zweiten Schafalpenkopf ins Visier. Bisher läuft es prima, der Klettersteig ist leicht und Elena kommt sowohl mit der Höhe als auch dem Tiefblick prima klar. Wieder lassen wir die A- und B-Stellen zügig hinter uns und staunen nicht schlecht. Auch eine andere Gruppe ist fasziniert von dieser Erscheinung. Da thront ein Geißbock majestätisch auf einem Podest und beobachtet gelassen das Treiben der Bergsteiger unter sich. Wir kraxeln weiter und erreichen um kurz vor elf den mittleren der drei Gipfel (2302m).

Hier haben wir uns erst einmal eine Pause verdient, denn der schwierigste Teil liegt noch vor uns. Jetzt erst mal stärken! Nach der Pause klettern wir die B-Stellen in einem Kamin ab und stürzen uns auf das erste Stück C-Klettersteigs. Ein kleiner Überhang, der mit ein wenig Klettererfahrung jedoch schnell und leicht zu überwinden ist.

Ein Stück vor uns sehe ich eine Stelle, wegen der ich mir aus der Ferne vielleicht ein klein wenig Gedanken mache. Auf dem Weg zum dritten Schafalpenkopf passiert man eine Leiterbrücke. Die ist zwar ebenfalls nur mit A/B angegeben, aber natürlich hat man an solchen Stellen keinen festen Boden unter den Füßen. Dafür einen freien Blick nach unten. Ich bin gespannt, wie sich mein Mädel dort schlägt. Aber auch die Leiter ist kein Problem und wir passieren sie. Auch die nächste C-Stelle auf dem Weg zum dritten und letzten Schafalpenkopf (2320m) macht keine Probleme.

Weil wir zeitlich immer noch voll im Zeitplan sind, gönnen wir uns zehn oder fünfzehn Minuten Rast und genießen unseren gemeinsamen Gipfelmoment. Herrlich ist es hier oben und wir sind schon etwas stolz darauf, den Mindelheimer Klettersteig bisher so easy gemeistert zu haben. Es sind recht wenige Gruppen unterwegs und die meiste Zeit sind wir allein und können die Einsamkeit voll auskosten!

Abstieg Richtung Festmahl

Natürlich ist jede Tour erst dann vorüber, wenn alle wieder heil unten im Tal angekommen sind. Bis ins Tal ist es aber noch ein Stück und weil im Abstieg zur Fiderepaßhütte noch mal ein Stück C-Klettersteig abgeklettert werden muss, machen wir uns auf die Socken. Eine halbe Stunde später stehen wir an der Fiderescharte (2210m). Die Hütte können wir schon sehen und beinahe könnte man meinen, den Duft der Speisen von der Terrasse bis hier herauf zu riechen. Von der Scharte bis zur Hütte sind wir schnell abgestiegen. Dort angekommen schmeißen wir die Rucksäcke auf den Boden und schälen unsere Füße aus den Bergstiefeln. Jetzt brauchen wir erst mal eine richtige Pause!

Belohnung muss sein

Wer hart arbeitet, der hat sich auch eine Belohnung verdient! Beim Schmökern in der Speisekarte würden wir am liebsten gleich alles bestellen. Am Ende wird es für jeden ein großes Skiwasser und einen leckeren Gemüseteller. Aaaaah, wie gut ein einfaches Essen schmecken kann, wenn man es sich erarbeitet hat.

Nach dem Essen machen wir uns mit müden Knochen und langsam schmerzenden Füßen an den steilen Abstieg. Etwas mehr als 900 Höhenmeter im Abstieg sind noch zu bewältigen. Wir benötigen 1:45h, bis wir platt und wieder einmal geschwitzt am Auto ankommen.

Fazit zum Mindelheimer Klettersteig

Kurzum: Der Mindelheimer Klettersteig ist eine traumhafte und nicht allzu schwierige Tour!

Natürlich sollte man ein gewisses Maß an Trittsicherheit mitbringen! Nicht die komplette Strecke ist abgesichert. Teils müssen leichtere Stücke frei begangen werden. Wer bereits beim Anblick von Abgründen oder schmaleren Wegen ein mulmiges Gefühl bekommt, sollte aber erst einmal üben. Ein klein wenig Mut braucht ihr also schon. Alles in allem ist der Klettersteig aber auch für Nicht-Profis empfehlenswert!

Nehmt auf jeden Fall genug Wasser mit, auf dem Grat gibt es keine Möglichkeit zum Nachfüllen! Außerdem seid ihr der Sonne schutzlos ausgesetzt, also entsprechend gut und oft eincremen.

Topo der Tour

Wir haben uns nach dem Topo auf Bergsteigen.com gerichtet. Anreise, Zustieg, der Mindelheimer Klettersteig selbst und auch alles andere sind dort kompakt aber ausführlich genug beschrieben. Mehr braucht es eigentlich nicht!

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Dennis
Dennis
Flachlandtiroler und Bergliebhaber! Im normalen Leben IT’ler, ab und an auch Klettertrainer, aber am liebsten selbst in den Bergen unterwegs. Ob im Fels oder Eis ist eigentlich egal, Hauptsache rauf da!

5 Comments

  1. Sabrina sagt:

    Also aus Erfahrung kann ich sagen, das Bergurlaub mit der Freundin bzw. in meinem Fall mit dem Freund immer die besten sind! 🙂 Klingt nach einem tollen Tag und einem tollen Klettersteig! 🙂

    LG

    • Dennis sagt:

      Da sagst du was Wahres, Sabrina!
      Der Urlaub war einfach super und sicher nicht der letzte in den Bergen. Und beim nächsten Mal schaffen wir es vielleicht auch bis rüber ins Salzburger Land 😉

      LG
      Dennis

  2. […] mit einzubauen. Zwischen unserem Besuch auf der OutDoor in Friedrichshafen und unserer Begehung des Mindelheimer Klettersteiges sollte es passieren: Wir würden uns, hängend an jeweils einem Tandem-Master mit einem großen […]

  3. […] Irgendwie fühlen wir uns mit dem Gedanken an den Hindelanger aber nicht ganz wohl. Den Klettersteig kennen wir schließlich beide noch nicht. Den Mindelheimer Klettersteig, der ebenfalls im Allgäu liegt, kenne ich aber schon von unserer Begehung im Sommer. […]

  4. […] stand also mehr oder weniger vor dem gleichen Problem wie im vergangenen Jahr (Mindelheimer Klettersteig für Flachlandtiroler). Zugegeben, ein Luxusproblem. Denn was gibt es Schöneres, als mit der Herzallerliebsten auf […]

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