Alex kämpft sich nach oben
Eis Total 2017 – Dicke Arme, purer Genuss
16. Februar 2017
Everest und Lhotse im Abendrot
Von Khote in eisige Höhen zum High Camp
10. März 2017

Eine Planänderung jagt die nächste

Skitouren, ganz klar!

Als Robert und ich uns das zweite Dezember-Wochenende blocken steht eines fest. Wenn das Wetter passt und genug Schnee liegt, dann gehen wir auf Skitour.

Je näher das besagte Wochenende kommt, desto klarer wird uns leider aber: Genug Schnee für ’ne Skitour? Keine Chance!

Also müssen wir improvisieren.

Auf ulligunde.com hatte ich schon vor knapp zwei Jahren über Ihre Winterbegehung des Hindelanger Klettersteig gelesen. Schon damals, da konnte ich noch gar nicht Skifahren, haben mich die Idee und der Artikel gepackt. Im Winter über einen verschneiten Klettersteig gehen, Ski oder Board auf dem Rücken und dann abfahren. Geil!

Irgendwie fühlen wir uns mit dem Gedanken an den Hindelanger aber nicht ganz wohl. Den Klettersteig kennen wir schließlich beide noch nicht. Den Mindelheimer Klettersteig, der ebenfalls im Allgäu liegt, kenne ich aber schon von unserer Begehung im Sommer.

Für Ski, das zeigt sich in den beiden Tagen vor dem besagten Wochenende, reicht der Schnee nicht aus. Sollten wir stattdessen Schneeschuhe leihen und einpacken? Letztendlich entscheiden wir uns gegen derartige Hilfsmittel. Hoffentlich schaffen wir es „nur“ in unseren Bergstiefeln und mit Steigeisen bewaffnet…

Auf der Fiderepaßhütte oder auch „Die große Schneeschmelze“

Am frühen Abend kommen wir in Oberstdorf an. Unser erster Weg führt uns in ein Sportgeschäft. Dort kann man sich außerhalb der DAV-Geschäftszeiten den Schlüssel zum Winterraum der Fiderepaßhütte abholen. 50€ Pfand und einen Döner später machen wir uns auf den Weg ins Kleinwalsertal. Am Parkplatz in Mittelberg checken wir noch mal kurz unsere Rucksäcke, danach starten wir mit dem Hüttenzustieg.

Schon nach wenigen Metern schalten wir unsere Stirnlampen aus. Der sternenklare Himmel und der hell strahlende stehende Vollmond, mehr braucht es gar nicht, um den Weg zu finden. Gefühlt wird es immer wärmer. Wir öffnen die Jacken und ich kremple die Hose so weit wie möglich rauf. Da wir sonst nichts mehr vorhaben lassen wir uns Zeit und kommen etwa 2:20 Stunden später an der Fiderepaßhütte an.

Einsam und dunkel liegt sie da, weit genug weg von den Hängen, sodass sie vor Lawinen sicher ist. Wir sind allein hier oben, da brauchen wir wenigstens auf niemanden Rücksicht nehmen. Direkt nach unserem Einzug beginnt die Hausarbeit.

Draußen füllen wir einen großen Topf bis zum Rand mit Schnee. Nachdem das Feuer im Ofen brennt wird der Schnee geschmolzen und Wasser für Tee gekocht. Ganz langsam wärmt sich der Winterraum auf und wir können die Daunenjacken ausziehen.

Lange bleiben wir an diesem Abend nicht wach. Erstens ist es im Bett und unter mehreren Decken einfach gemütlicher als auf den Holzbänken und zweitens müssen wir morgen früh raus.

Winterbegehung Mindelheimer Klettersteig

Die Zuspätkommer / Wer zu spät kommt verpasst den Sonnenaufgang

Als der Wecker um sechs klingelt gruselt es uns beim Gedanken ans Aufstehen. Also dösen wir noch ein paar Minuten vor uns hin. Später als geplant schälen wir uns aus unseren Betten und legen die Decken wieder ordentlich gefaltet hin. Es folgt ein spärliches Frühstück. Trockenes Brot mit etwas Wurst und Käse, das muss reichen. Nachdem wir den Winterraum wieder hergerichtet und unsere Sachen gepackt haben starten wir gegen viertel nach sieben.

Der Weg ist gut zu erkennen, Schnee liegt hier oben nicht viel. Zuerst Richtung Süden, dann Richtung Osten steigen wir zur Fiderescharte auf. Leider sind wir zu spät dran, um noch den Sonnenaufgang zu fotografieren. Bei dem tollen Wetter wären das sicher geniale Bilder geworden.

Schnee liegt hier oben übrigens so gut wie keiner. Im Gegenteil! Es wird wärmer und wärmer, Daunenjacken werden gegen Hardshells getauscht. Und wir haben noch überlegt, ob wir uns Schneeschuhe ausleihen sollten 😛

Damit ich wenigstens etwas Abwechslung habe sind wir in entgegengesetzter Richtung zu meiner Sommerbegehung unterwegs.

Mit wenig Schnee über den Mindelheimer Klettersteig

Wir steigen ein und erklimmen den 2320m hohen, dritten Schafalpenkopf. Die erste C-Stelle des Klettersteig ist kein Problem und schnell überwunden. Schnee liegt, wie gesagt kaum und so kommen wir zügig voran. Es dauert nicht lange und wir passieren die Leiternbrücke. Keine schwere Stelle, aber mit viel Luft unter den Füßen. Manch einer wird das nicht mögen, aber man muss halt rüber. Es folgt eine leichte, überdachte Rampe (A/B) ein Stück hinab. Das stellt aber kein Problem dar, denn der Fels ist trocken und griffig.

Wir gehen weiter, klettern ein Stück ab und erklimmen den 2. Schafalpenkopf (2302m). In unseren dicken, schweren Bergstiefeln sind wir definitiv overquipped, balancieren aber sicher über den Klettersteig. Die Sohlen meiner Stiefel greifen perfekt, egal ob auf Fels oder Schnee. Eigentlich sind wir ja davon ausgegangen, dass wir die ganze Zeit mit Steigeisen an den Füßen laufen, jetzt wären mir ein paar Turnschuhe fast lieber.

Zwischen uns und dem nächsten Gipfel liegt ein längeres Stück Gehgelände. Trotz unseres späten Starts liegen wir gut in der Zeit, also gönnen wir uns eine Pause. Es ist Mitte Dezember und wir sitzen mit hochgekrämpelten Ärmeln und vom Schweiß feuchten Rücken da. Wir genießen die Sonnenstrahlen auf unseren Gesichtern. Eigentlich ein perfekter Tag, wenn wir uns nicht eigentlich viel, richtig viel Schnee gewünscht hätten.

Nach unserer Rast geht es weiter, schließlich will der erste Schafalpenkopf (2272m) auch noch bezwungen werden. Nach noch mehr Gehgelände folgt leichte 2er-Kletterei durch einen engen Spalt und kurz darauf stehen wir oben auf dem Gipfel. Von dort aus dauert es nicht mehr lange und wir stehen in der Kemptner Scharte.

Der Mindelheimer Klettersteig wäre geschafft, jetzt liegt nur noch der Abstieg zurück ins Tal vor uns.

Abstieg zurück nach Mittelberg

Als wir die Kemptner Scharte erreichen, kommt uns eine Gruppe aus dem Wildental entgegen, die zur Mindelheimer Hütte wollen. Sie sind die ersten anderen Menschen, die wir an diesem Tag sehen. Nachdem Bevor wir über deren Aufstiegsroute ins Wildental absteigen, ziehen wir uns die Steigeisen an. Der Weg ist recht steil und das Tal liegt die meiste Zeit des Tages im Schatten. Deshalb liegt hier noch einiges an Schnee. Erst dem Weg folgend steigen wir ab. Auf etwa 1920m verlassen wir den Weg und steigen abseits weiter ab. Eine Rampe mit jeder Menge Schnee lädt förmlich dazu ein, noch mal Tempo zu machen.

Im Wildental angekommen staunen wir nicht schlecht. Eine zentimeterdicke Eisschicht liegt über nahezu jeder Stelle. Zum ersten Mal wären wir ohne unsere Steigeisen aufgeschmissen. Wir folgen dem gefrorenen Bach, der uns zur Hinteren Wildenalpe bringt und dort finden wir des Rätsels Lösung. Ein Wassertrog sorgt dafür, dass bei sommerlichen Temperaturen ein Winter-Wonderland entstanden ist. Ab hier können wir ohne Steigeisen weiter. Der Wanderweg zurück ins Tal ist leicht zu gehen und gegen 16 Uhr erreichen wir das Auto.

Fazit

Der Mindelheimer Klettersteig ist einfach immer wieder eine Reise wert. Ob im Sommer oder im Winter, der Steig macht Spaß und die Linienführung direkt auf der Grenze zwischen Deutschland und Österreich ist wirklich toll.

In unserem Fall hätten wir die Steigeisen nicht gebraucht, allerdings findet man für eine Winterbegehung wenig Informationen über die aktuellen Verhältnisse. Mit Steigeisen solltet ihr aber vermutlich bei allen Verhältnissen den Klettersteig meistern können.

Fakten zur Tour

Mittelberg -> Fiderepaßhütte: ~6km, ~2:30h
Fiderepaßhütte -> Kemptner Scharte: ~4,5km, ~6h
Kemptner Scharte -> Mittelberg: ~6km, 2:45h

Anreise, Zustieg und weitere Infos findet ihr im Topo auf Bergsteigen.com und auf der Webseite der Gemeinde Oberstdorf.

GPS-Tracks

Zustieg (Link)
Mindelheimer Klettersteig und Abstieg (Link)

Warnung

Offiziell gilt der Mindelheimer Klettersteig während der Wintermonate als „nicht begehbar“. Zwar ist er nicht geschlossen, aber er wird z. B. nicht gewartet. Wir übernehmen keine Gewähr, dass der Steig begehbar ist!

Selbstverständlich ist eine solche Tour im Winter auch deutlich schwieriger und immer abhängig von den aktuellen Begebenheiten! Bitte beachtet das, bevor ihr euch unnötig in Gefahr bringt!

Dennis
Dennis
Flachlandtiroler und Bergliebhaber! Im normalen Leben IT’ler, ab und an auch Klettertrainer, aber am liebsten selbst in den Bergen unterwegs. Ob im Fels oder Eis ist eigentlich egal, Hauptsache rauf da!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.