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Skitouren im Reallife – Jamtal

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…oder was passiert,wenn digitale Bloggerpersönlichkeiten im Jamtal aufeinandertreffen.

Nachdem bereits alle anderen Blogger ihren Artikel geschrieben haben, ich aber klausur- und arbeitsbedingt,sowie aufgrund meiner Fortbildung zum Klettertrainer, erst heute dazu komme, kann ich nahezu nichts mehr Neues über unsereTourendaten berichten. Allerdings werde ich mich bemühen den Lesern trotzdem noch etwas auf unser Abenteuer mitzunehmen. 🙂

Wie alles begann…

Bereits im letzten Jahr hatte Erika von ulligunde.com eine Reihe guter Bergblogs angeschrieben, ob wir uns nicht einmal kennenlernen und gemeinsam auf Tour gehen wollen. Ich musste nicht lange überlegen als die Email von ihr mit dem Vorschlag zum Skitourengehen und Meet-and-Greet aufblinkte. Sicher überlege ich bei sympathisch-hübschen weiblichen Profilbildern auch kürzer als bei denen des gleichen Geschlechts, aber daran lag es diesmal nicht nur. 😉

Auch die Zusagen von Casi von www.hochtourist.at, Wu von wusaonthemountain.at und Mario vom alpin-blog.com kamen schnell. Leider konnte Wu seine bessere preußische Hälfte nicht mitbringen. Ich bin mir ja fast sicher, dass die Ausrede mit London falsch war. Er wollte wahrscheinlich nur für das nächste Bloggertreffen die Spannung hochhalten, welches Gesicht meist hinter den kreativen Artikeln seines Blogs steckt. 😉

In den nächsten Wochen wurde dann fleißig geplant, gemailt, Urlaub eingereicht, gebangt ob dem Wetter, gehofft auf gute Lawinenlage und schließlich erleichtert festgestellt, dass alles bestens werden wird.

Der Plan war, dass wir uns am Freitagabend auf der Jamtalhütte im – wer hätte es erraten – gleichnamigen Jamtal in der Silvretta treffen. Da Dennis erst im kommenden Winter mit dem Skifahren beginnen wird und die Touren mit dem Board eher nicht machbar waren, sich für mich als Flachlandtiroler die Anreise aber lohnt, motivierte ich noch Siggi, liebevoll „Power-Opa“ genannt, und wir fuhren bereits Donnerstagabend nach der Arbeit gen Garmisch, um in Siggis Wohnung die erste Nacht zu verbringen und Freitag bereits eine Tour angehen zu können. In Mainz steppte aufgrund der Altweiberfastnacht der Bär und auchSiggi kannte als Wahlgarmischer natürlich eine entsprechende Partykneipe. So kames, dass wir nach 4,5 Stunden Autofahrt etwas müde und unverkleidet zwischen lauter prallen Frauen und steinhageldichten Männern einTheaterstück der besonderen Art im traditionell bayrischen Faschingsstil beobachten und belauschen konnten.

 

Freitag – Hohe Köpfe (2608m)

Um 7 Uhr klingelte der Wecker und Siggi verwöhnte mich gleich mit Cappuccino und Nutellabrot. Ein schnelles Frühstück und etwas Packzeit und wir saßen schon im Auto Richtung Galtür. Der sonnige Tag versprach eine tolle Tour und kurz vor Galtür entschieden wir uns zu parken und die 1100 Höhenmeter auf die Hohen Köpfe (2608m) aufzusteigen. Der Weg führt vom Parkplatz Valzur/Friedrichshafener Hütte erst einen Waldweg entlang, welchen man bei guter Schneelage immer wieder über Serpentinen hoch zur Friedrichshafener Hütte abkürzen kann. Trotz der Tatsache, dass definitiv die Farbe grün mehr als die Farbe weiß überwiegte, dachten wir beide keineswegs daran, nicht die Abkürzung zu nehmen und verfluchten uns kurz später für diesen Übermut und das ständige abschnallen und tragen der Skier im unteren Teil der Tour.

Nachdem man sich so bis zurWaldgrenze durch das Dickicht geschlagen hat, gelangt man aufschöne freie Hänge, welche bis zur Friedrichshafener Hütte ansteigen.

Siggi einsam zu den Hohen Köpfen

Die Hütte lässt man rechterhand liegen und spurt einen Bergrücken, welcher in etwas steilere, aber sichere Hänge übergeht, bis zum Gipfel hinauf. Auf dem Gipfel überraschte uns der starke Wind, so dass wir nicht all zulange nach den obligatorischen Gipfelfotos blieben.

Aussicht Hohe KöpfeSiggi und ich auf Hohe Köpfe

Siggi entschloss sich auch noch ein Wettrennen mit seinem rechten Ski zu liefern, was er wohl aufgrund seines Alters kläglich verlor und fluchend mit einem Ski den Hang abfuhr. Dank des Windes war der Gipfelhang mittlerweile wieder unverspurt und so genoss ich es,schön meine Kurven in den Pulver zu zaubern. Ihr müsst nicht neidisch werden, der Pulver hielt nur ungefähr 200hm an, um dann in Bruchharsch und Sulzschnee überzugehen. Viel zu schnell waren dennoch diese 1100hm vorbei und wir wieder am Auto. Wir fuhren das kurze Stück nach Galtür, tranken einen Kaffee und schliefen 30 Minuten im Auto. Anschließend sattelten wir erneut die jetzt schweren Rucksäcke. Der Weg zur Jamtalhütte führt eine gefühlte Ewigkeit ins Tal hinein und erst auf dem letzten Metern der zehn Kilometern bis zur Hütte wird es etwas steiler. Ich denke mir bereits jetzt, dass die Skatingeinheit am Sonntagnachmittag ja spaßig werden kann.

Panorama Jamtal

Siggi und ich waren nach Casi und Nico die zweite Gruppe unseres wilden Haufens und wenig später kamen auch Erika und Wu gegen 20:30 Uhr auf der Hütte an. Pünktlich zum Nachtisch stieß auch Mario zu uns, der nach der Arbeit von der Bielerhöhe noch ins Jamtal gequert war.

Beieinem so bunt zusammengewürfelten Haufen ist man ja anfangs vielleicht etwas skeptisch, ob der Sympathie und wir hatten dazu auch noch Deutsche und Österreicher, Wiener und Salzburger, Bayern und Franken am Start. Na das kann ja was werden dachte ich mir. Schnell war aber klar, dass es vorallem eins wird-endswitzig! Wu, unsere Schneefräse, Casi die Diva, Nico der Bruchpilot, Siggi der Power-Opa, Vino Mario Rosso und Erika das Nesthäkchen. Wir scherzten und lachten bis zur Hüttenruhe und verzogen uns dann in unser luxuriöses Lager. Die Jamtalhütte ähnelt im Übrigen eher einem modernen Alpenhotel als einer rustikalen Berghütte. Richtig weiche Lager, Frühstückbuffet, 3-Gang-Abendessen, Kletterhalle, zwei Eistürme vor der Tür zum Eisklettern und vieles mehr lädt auch den komfort verwöhnten Skitourist zum längeren Verweilen ein.

Samstag -Vordere Jamtalspitze (3178m)

Wir hatten uns um 8:30 Uhr zum Abmarsch verabredet, allerdings hatten die Akademiker ihre Viertelstunde einkalkuliert. Nur blöd,dass wir nicht alle Akademiker waren. 😉

Also versprachen wir Besserung für den kommenden Tag. Von der Hütte stapften wir gemütlich oder sagen wir besser zügig Richtung Jamtalferner.

Zügig geht es aufwärts

Hier teilt sich der Weg auf und wir folgten den rechten Spuren in Richtung Dreiländerspitze und Vordere Jamtalspitze. Wu, die Schneefräse, spurte ohne auch nur annähernd zu schnaufen und wir alle – insbesondere ich als Flachlandtiroler – hatten Mühe zu folgen. An einem windgeschützten Platzerl teilten wir uns dann auf. Wu sprintete zur Dreiländerspitze hoch während wir uns Richtung Vordere Jamtalspitze aufmachten.

Im Nebel Richtung Jamtalspitze

Nach einer weiteren halben Stunde standen wir dann endgültig am Fuße einer gut 40 Grad steilen Rinne und packten die Ski an den Rucksack, um diese steilen 50hm zu Fuß durch den guten Trittfirn zurückzulegen.

Flo im Aufstieg Jamtalspitze

Anschließend folgte eine leichte und etwas ausgesetzte Gratquerung und wir standen unterhalb eines kleinen Gendarm. Herr Vino Rosso bildete bereits die Vorhut und verkündete von der Front „Das ist nichts gscheits bei dem Nebel und Wind“. Wir entschlossen also für 50 hm zum Gipfel über ausgesetzten eisigen Blockgrat nicht Kopf und Kragen zu riskieren und querten in das Joch zwischen Vorderer und Hinterer Jamtalspitze. Hier schnallten wir die Skier wieder an und tasteten uns mal nach Gefühl, mal nach GPS durch das White-Out, in dem wir mittlerweile steckten.

Jamtalferner

Dadurch konnten wir die Abfahrt auch nur bedingt genießen… pünktlich am Ende dieser riss dann aber der Himmel auf und es kam die Sonne zum Vorschein. So ein Mist! Casi und Mario entschieden sich dann noch für die Gamsspitze und wir schickten Wu im Eiltempo hinterher, den wir im Gletscherbecken angetroffen hatten. Wir restlichen vier gaben dagegen unser bestes, den anderen die leckere Knoblauchsuppe weg zu essen und über Bloggerrelation, Klettern und Bergsteigen zu philosophieren. Der Abend war dann wie gewohnt kurzweilig und ich hatte kurzeitig die Befürchtung, dass ich nach dem guten 3-Gänge Menü oder aufgrund der ganzen bildlichen Schilderungen von Wus Stories über urinmarkierte Mont-Blanc-Überschreitungen, biwakierende Rentner, deutschem Fallobst auf der Zugspitze oder einfach dem netten Dialekt der Ösis vorLachen platzten würde. Nico und Siggi debattierten währenddessen übers Segeln und Casi gab sein bestes eine Woche nach Hüttenwiedereröffnung den gesamten Skiwasservorrat der Saison aufzutrinken. Er scheiterte kläglich und gab kurz vor dem ertrinken nach 25 Skiwassern auf. 😉

Sonntag –Ochsenkopf (3057m) und noch ein 3000er

Um 7:30 Uhr klingelte der Wecker. In unterschiedlicher Geschwindigkeit fanden sich dann alle Mannen und unser Nesthäkchen beim Frühstück ein. Es wurde sich mit Vollkornbrot, verschiedenen Müslisorten, frischer Wurst und noch besserem Käse sowie Kaffee gestärkt und heute schafften wir es dann auch pünktlich wie geplant um 9 Uhr alle aufgefellt und abmarschbereit zu sein, sogar ich… 😉

Fast geschaft - Ochsenscharte

Gemütlich ging es dann wieder über das Gletscherbecken bis zum ansteilenden Ende dieses Talkessels.

Los gehts mit Erika

Hier bogen wir nun in einer eigenen Spur mit unserer Schneefräse rechts Richtung Ochsenscharte (einem Übergang zur Bieler Höhe) ab. Stetig ansteigend liefen wir teils in diversen Spitzkehren den bis zu 35 Grad steilen Hang hinauf und kamen nach gut 2,5 Stunden alle in der Ochsenscharte an.

Zustieg OchsenscharteUlligunde am fachsimpeln

 

Von hier ging es noch drei steile Spitzkehren bis zum Felsdurchsetzten Grat, wo wir ein Skidepot einrichteten und schließlich dann die letzten 50 hm in leichter Kletterei über den Felsgrat auf den Gipfel des 3000ers hochstiegen.

kleine Felspassage am OchsenkopfHier gehts knietief runterCasi souverän

Nachdem es der erste gemeinsame Gipfel war auf dem alle gleichzeitig standen, wurde hier auch ausgiebig fotografiert, gerastet undgequatscht, bis wir schließlich wir wieder zu unseren Skiern abstiegen.

Aussicht OchsenkopfBloggerrelation Ochsenkopf

Leider trennten sich nun auch unsere Wege. Casi und Nico zog es Richtung Bieler Höhe zu ihrem Auto, Mario wollte noch auf die Dreiländerspitze und Siggi, Erika, Wu und ich mussten Richtung Jamtalhütte, um unser Zeug zu holen und ins Tal abzufahren. Bei strahlendem Sonnenschein genossen wir von der Ochsenscharte abwärts eine unverspurtePowderabfahrt und dachten nicht nur einmal darüber nach, noch mal aufzufellen und wieder aufzusteigen.

Zöpfle flechten

Die Abfahrt von der Jamtalhütte gestaltete sich wieder sehr skatinglastig und Siggi und ich verfluchten nicht nur einmal diesen endlos langen Weg. Skating mit 12 kg Rucksack ist gar nicht so unanstrengend, wie wir feststellen mussten.

Tschüß Jamtal

Den Abend ließen wir dann mit Pizza und Weizen beieinem sehr guten Italiener in Garmisch ausklingen und genossen anschließend die weichen Betten in Siggis Wohnung.

Montag, Seefelder Spitze (2221m)

Voller Spannung standen wir am Montag um 7 Uhr auf und der erste Blick ging – wie sooft – direkt aus dem Fenster. Schließlich ist man als Bergsteiger meist gespannt, ob die Wettervorhersagen auch eintreffen und man sich nicht in einem lokalen, durch die Wetterfrösche auf dem Radar übersehenen, Nebelbatzen wieder findet. Der Blick direkt auf die in rot glühende Alpspitze verriet mir aber gleich, dass der Tag super werden sollte und so beeilten wir uns mit dem Frühstück und saßen gegen kurz nach 8 Uhr im Auto Richtung Seefeld.

Morgenerwachen über der Alpspitze

Aufgrund der Tatsache, dass wir heute noch zurück nach Mainz wollten und außerdem die Schneeverhältnisse nicht die besten waren, entschlossen wir uns kurzer Hand auf die Seefelder Spitze aufzusteigen.

Seefelder Spitze

Wir folgten also am Rande der Piste bergauf bis zum Seefelder Joch, welches wir nach 1,5 Stunden erreichten. Von dort querten wir den Grat entlang in einer guten halben Stunde auf den Gipfel der Seefelder Spitze, wo wir abseits des Pistenrummels unsere Pause machten.

Siggi - Seefelder SpitzeFlo am Gipfel

Nachdem wir die steilen Hänge begutachtet hatten, uns dann aber aufgrund der Lawinenstufe, den geringen Schneemengen und der Sonneneinstrahlung auf den Südhang gegen diese 35-40 Grad steile Abfahrt entschieden hatten, ging es der Aufstiegsspur folgenden zurück ins Skigebiet, wo wir dann noch einige Pistenkilometer genossen. 😉

Mir liegt die Bergwelt zu FüßenGipfelpanorama Seefelder Spitze

Fazit:

Das verlängerte Wochenende war mit knapp 5000 Höhenmetern und etlichen Kilometern sportlich ein sehr gutes, das Wetter meist top und es war mir eine besondere Freude einmal ein paar richtig gute Bergblogger kennen zu lernen. So wie wir uns verstanden haben, trotz sprachlicher Barrieren, bin ich mir sicher, dass wir suchtbesessen wieder mal das ein oder andere Abenteuer gemeinsam angehen werden und dann bin ich vielleicht nicht wieder der letzte, der seinen Beitrag dazu ins Netz stellt.

Allen genannten Blogs danke ich nochmals für die geile Zeit! Bis bald!

In diesem Sinne „Mögt euch net zu sehr und bleibt stets im Training!“

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Flo
Flo

1 Comment

  1. […] geht es zum Frühstück und auch die Abmarschzeit um 8:30 Uhr halten wir mehr oder weniger so wie letztes Jahr ein. Ein Blick in den Himmel verspricht gutes Wetter, aber auch bitterkalte, zweistellige […]

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