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Deep Water Soloing (DWS)

Dennis in "Gen Lock"

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Dennis in "Gen Lock"

Deep Water Soloing oder auch Psicobloc wird beschrieben als die reinste Form des Kletterns. Kein Gurt, kein Seil, keine Sicherungsmöglichkeiten. Nur du und der Fels und unter dir ein gigantisches, natürliches Crashpad, nämlich das Meer (oder auch ein See).

Draußen wird es immer kälter und kälter, da packt man sich entweder warm ein und macht es sich daheim auf dem Sofa bequem oder man flüchtet in wärmere Gefilde. Der Winter ist die ideale Zeit für einen Urlaub in der Nähe des Äquators oder gar auf der Südhalbkugel, also z. B. in Thailand. Eben dort habe ich vor drei Jahren die wohl beste Kletterei erlebt und eine Spielart des Kletterns ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben, nämlich das Deep Water Soloing.

Was ist Deep Water Soloing?

Deep Water Soloing, Psycho Bouldering oder auch Psicobloc ist Free Solo, also das ungesicherte Klettern über tiefem Wasser. Das Wasser dient hierbei als eine Art Bouldermatte und dämpft einen Sturz oder Sprung. Zwar sind Stürze beim Deep Water Soloing nicht auzuschließen, aber im Gegensatz zum klassischen Free Solo kann ohne Lebensgefahr und Sicherung auf einem hohen Niveau geklettert werden.

Generell gibt es beim DWS zwei Möglichkeiten:

  1. Ihr springt ins Wasser, schwimmt zu eurer Route und klettert wieder hinauf. Diese Art findet ihr z. B. oft auf Mallorca, da die Routen dort nicht ganz so hoch und vom Land aus erreichbar sind.
  2. Ihr schwimmt zu eurer Route oder fahrt per Kanu/Kajak hin, klettert hinauf und springt danach wieder runter ins Wasser. In Thailand oder Vietnam kommt dies häufig vor, da hunderte Meter hohe Felsen vor der Küste aus dem Meer ragen. Hier wird auch nicht oben ausgestiegen, sondern zwangsweise gesprungen oder gestürzt.

Was macht den Reiz aus?

Ich weiß nicht, wie es euch geht. Ich habe mir schon öfter vorgestellt wie es sein muss, ohne jegliche Sicherung zu klettern. Free Solo eben. Natürlich nur eine mir bestens bekannte Route! Der Gedanke, dass nur ich und der Fels von Bedeutung sind und ich ganz auf mich allein gestellt bin ist einfach reizvoll. Volle Konzentration und Anspannung strömen durch meinen Körper. Ich bin zu 100% fokussiert und klettere die Route clean. Keine Hilfsmittel, kein Seil, ohne Sicherung, ganz „natürlich“.

Das klingt alles ziemlich gut, aber ausprobiert habe ich es noch nicht. Denn so groß der Reiz auch sein mag und so abenteuerlich die Vorstellung ist, die Gefahr ist mir dabei einfach zu groß. Ein falscher Zug, ein falscher Tritt oder ein loser Stein könnte dein Ende sein. Das ist es mir auf der anderen Seite doch nicht Wert.

Und genau da kommt das Deep Water Soloing ins Spiel!

Natürlich könnt ihr euch auch dabei ordentlich weh tun. Aber ein Sturz ist nicht automatisch gleichbedeutend mit schlimmen Verletzungen oder gar dem Tod. Ihr habt also den Kick von ungesichertem Klettern verbunden mit einem wesentlich geringeren Risiko.

Deep Water Soloing Gebiete

Für DWS benötigt man senkrechte oder mindestens leicht überhängende Klippen. Wichtig ist auch ausreichend tiefes Wasser darunter, um nicht am Grund aufzuschlagen.

Die vermutlich bekanntesten Gebiete für’s Deep Water Soloing sind

Vereinzelt gibt es auch Deep Water Soloing Areas an Seen, z. B. über dem Kochelsee oder in den Steinbrüchen von Löbejün oder auch am Gardasee.

Ich selbst habe DWS bereits 2011 in Thailand und 2012/2013 auf Mallorca ausprobiert. Die Berichte dazu findet ihr hier bzw. hier.

Deep Water Soloing in Thailand

Wir haben damals einen DWS-Trip beim Basecamp Tonsai gebucht. Für rund 20€ bekommt ihr das volle Programm und braucht euch um nichts zu kümmern. Mit dem Longtailboat fahrt ihr durch tolle Karstformationen zum Fels, der mitten aus dem Meer ragt.

Essen und Trinken (und zwar lecker Thai-Essen), Topos vom Fels, Schuhe, Guides und für die ganz Faulen sogar der „Transfer“ mit dem Kajak vom Longtailboat zum Fels sind inklusive. Mehr Infos findet ihr auf der Webseite vom Basecamp.

Wir können diese Variante nur empfehlen, hat super viel Spaß gemacht! 🙂 Von der Kletterei her wohl mit das Beste, was ihr finden könnt und landschaftlich einfach traumhaft schön! Und auch Anfänger müssen sich keine Gedanken machen. Es ist für jeden etwas dabei (leicht und schwer) und man muss auch nicht gleich zehn Meter nach oben klettern. Wir hatten sogar zwei Jungs in der Gruppe, die vorher noch nie klettern waren und die hatten auch Spaß!

Tipp: Tastet euch langsam an die Höhe heran! Habe ich damals zwar auch getan, mir dann aber doch bei einem Sturz aus 16 oder 17 Metern Höhe eine Rippe angeknackst. Ich konnte einfach nicht genug bekommen. Jedes Mal, wenn ich wieder unten im Wasser oder auf dem Boot war hab ich eine neue, tolle Stelle ein oder zwei Meter höher entdeckt. Die musste ich dann unbedingt noch klettern und irgendwann konnte ich nicht mehr vernünftig abspringen.

Deep Water Soloing auf Mallorca

Während unseres Kletterurlaubs 2012 waren wir einen Tag zum DWS. Im Südosten der Insel findet ihr in Cala Sa Nau bei Portocolom schöne Routen in allen Schwierigkeitsgraden. Hier springt man erst einmal ins Wasser und klettert dann wieder hinauf. Teilweise könnt ihr auch ein Stückchen abklettern.

Der Fels hier (Virgin Area) ist etwa acht Meter hoch und bietet Routen von 4+ bis 7a+ im Franzosengrad. Solltet ihr die Routen nicht schaffen… kein Problem! Ihr könnt ein paar Meter weiter auch normal aus dem Wasser steigen und wieder nach oben laufen. Ihr müsst also nicht zwangsweise klettern und könntet dort auch einfach nur baden gehen.

Ganz im Norden, in Sa Calobra kann man ebenfalls gut dem Psicobloc nachgehen. Dort gibt es einen Kieselstrand und schöner Umgebung für die Nicht-Kletterer. Wer klettern will, schwimmt ein Stück hinaus und findet dort zahlreiche mögliche Routen zwischen 5+ und 7a. Im Topo sind nur fünf Touren eingezeichnet. Im Prinzip kann man dort nach Lust und Laune klettern und wieder runter springen. Es gibt mehr als genug Auswahl!

Am Es Pontàs, einem Felsentor im Südosten der Insel gibt es die derzeit schwerste DWS-Route der Welt. Erstbegangen wurde sie von Chris Sharma. Ich war selbst noch nicht dort,  das steht aber auf der ToDo-Liste. Wohl eher aber zum Gucken 😉

Bitte beachtet, dass es an der Küste von Mallorca auch Quallen geben kann. Die aktuelle Quallenkarte findet ihr hier.

Die ideale Jahreszeit

Die ideale Jahreszeit für’s DWS hängt natürlich maßgeblich vom gewählten Ort ab.

Im Mittelmeerraum (Mallorca, Malta, Kroatien) müsst ihr bedenken, dass das Meerwasser noch kalt sein kann. Auch zu Beginn des Sommers kann es einen unter Umständen frösteln im Wasser. Wir waren damals Ende Mai dort. Das Wasser war zwar noch kühl, aber man hat sich schnell daran gewöhnt. Im April würde ich vermutlich noch davon absehen. Anfang Oktober ist das Wasser noch angenehm warm.

In Südostasien (Thailand, Vietnam) seid ihr nahezu am Äquator und somit ist dort fast immer „Sommer“, auch wenn es bei uns kalt und nass wird. Wir waren Mitte Oktober zum Klettern und DWS in Railay und das Wasser war schön warm. Im November, Dezember usw. wird es dann vermutlich noch etwas wärmer.

Tipps und Tricks

Ein paar einfache Tricks erleichtern das Deep Water Soloing bzw. sorgen für mehr Spaß bei der Sache.

Der Sprung ging leider schiefSchuhe:

  • Nutzt alte Kletterschuhe! Speziell in Thailand ist der Fels teils ziemlich scharfkantig. Wenn ihr alte Schuhe nehmt ärgert ihr euch hinterher nicht, falls ihr das eine oder andere Loch drin habt.
  • Wo wir schon bei den Schuhen sind. Wenn ihr die Wahl habt, dann nutzt welche mit Schnürsenkeln. Klettverschluss geht schnell auf, wenn er nass wird. Im schlimmsten Fall müsst ihr während dem Klettern immer wieder die Schuhe schließen. Das nervt auf Dauer.
  • Nach dem Deep Water Soloing im Salzwasser: Wascht eure Schuhe hinterher gründlich mit Süßwasser aus. Lasst sie langsam im Schatten trocknen, dann überlebt auch das gute Paar Kletterschuhe den einen oder anderen DWS-Trip.

Chalk:

  • Liquid Chalk hält länger und teils sogar noch nach einem Sturz ins Wasser. Also bringt am besten welches mit.
  • Ihr könnt loses, festes Chalk in einer Tüte oder einen Chalkbag am Einstieg der Routen deponieren. Felsmulden oder Risse eigenen sich prima dafür. So könnt ihr vor dem Einstieg in eure Tour noch mal kurz chalken.
  • Reibt euch etwas Chalk auf eure Unterarme. Wenn das Chalk an den Händen langsam verschwindet, könnt ihr die Handflächen an den Unterarmen reiben und so etwas nachchalken. Das klappt erstaunlich gut!

Der richtige Dreh:

  • Tastet euch langsam an die Höhe heran! Im Eifer des Gefechts klettert ihr vielleicht höher als ihr wollt und bekommt es erst einmal mit der Angst zu tun. Also immer schön der Reihe nach und die Höhe langsam steigern.
  • Versucht für den Anfang ordentliche Sprünge statt zu stürzen. Ihr solltet gerade auf dem Wasser aufkommen, natürlich mit den Schuhen zuerst. Klingt einfach, ist es aber manchmal nicht. Gerade bei großen Höhen gerät man schnell mal in Schieflage und tut sich weh. Also übt das lieber langsam bevor ihr euch weiter rauf traut.

Sonstiges:

  • Essen und Trinken nicht vergessen! Deep Water Soloing kann ganz schön anstrengend sein. Sorgt für genug Stärkung.
  • Sonnencreme natürlich auch einpacken und regelmäßig nachcremen.
  • Packt euch ein leichtes Longsleeve ein. Am besten aus einer UV-abweisenden, dünnen Kunstfaser. Das könnt ihr auch beim Klettern anlassen und ihr verbrennt euch nicht den Rücken.
  • Tauchermaske, Schnorchel und evtl. Flossen zum Planschen zwischendurch.

Topos

Folgende Topos haben wir für’s Deep Water Soloing benutzt:

Weiterführende Links

Weitere Infos und interessante Seiten findet ihr hier:

Eure Erfahrungen und Tipps?

Habt ihr selbst auch schon DWS ausprobiert? Falls ja, wo und wie war’s für euch? Wir freuen uns über eure Ergänzungen, Tipps und Tricks. Schreibt eure Meinung dazu unten in die Kommentare.

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Dennis
Dennis
Flachlandtiroler und Bergliebhaber! Im normalen Leben IT’ler, ab und an auch Klettertrainer, aber am liebsten selbst in den Bergen unterwegs. Ob im Fels oder Eis ist eigentlich egal, Hauptsache rauf da!

1 Kommentar

  1. […] wollt mehr zum Thema Deep Water Soloing wissen? Dann lest euch unseren Artikel dazu […]

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