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Elsass und Vogesen auf dem Motorrad

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…oder ein Col jagt den nächsten. Dieses Jahr wollte ich endlich mal mit dem Motorrad den Elsass und die Vogesen erkunden. In dieser Gegend schwärmt man ja nur so vom Essen (angeblich soll es hier die meisten Sternerestaurants pro Einwohner geben) und von den sogenannten Col’s. Hier in Frankreich heißen nämlich kurvige Straßen nicht Pässe sondern Col und ebendiese gibt es zu hunderten zu erkunden.

Freitag, 27.09.2013 – Aus dem Rhein-Main-Gebiet bis nach Straßburg

Mein bester Kumpel Bazi war bereits am Donnerstagabend von Nürnberg nach Mainz angereist. Mittlerweile hat es sich fast eingebürgert, dass wir einmal im Jahr gemeinsam eine Motorradtour machen. Die diesjährige Tour sollte uns von Mainz bis nach Straßburg führen. Gegen 9 Uhr brachen wir bei mir in Mainz auf. Unspannend ging es erst mal auf der Autobahn nach Alzey, bis wir aus dem gröbsten Stadtverkehr heraus waren. Ab jetzt begann der Spaß! Über zahlreiche Kurven und Höhenmeter schlängelten wir uns durch die Pfalz und den Pfälzer Wald.

Pfälzer Sandsteinidylle

Nachdem das Navi den Geist aufgegeben hatte und wir via Karte navigieren mussten, was heutzutage ja eine größere Kunst als Stricken ist ;-), verfuhren wir uns dann doch ab und zu; aber beim Motorradfahren ist ja schließlich der Weg das Ziel. Gegen 14 Uhr rebellierten unsere knurrenden Biker-Mägen und wir entschlossen uns kurzerhand in einem kleinen Restaurant irgendwo in der Pfalz Mittag zu machen.

Bazi am cruisen

Der schöne Garten lud zum essen und verweilen ein und beim Blick in die Karte stellten wir fest, dass wir uns ganz Motorradfahrer atypisch in einem Bio-Restaurant befanden. Das Geschnetztelte mit Spätzle war dennoch grandios und gestärkt ging es weiter auf den unendlich vielen Kurven Richtung deutsch-französischem Grenzgebiet.

Wunderschön kurvige Waldstrecke auf dem Weg in die Vogesen

Kurz legten wir noch am Teufelstisch einen Stopp ein. Diese monströse Felsplatte, welche auf einer Sandsteinsäule balanciert klingt allerdings beeindruckender, als sie dann wirklich war.

Teufelstisch

Als wir dann eine halbe Stunde später durch das deutsch-französische Grenzgebiet tuckerten, waren wir verwundert, wie trostlos und verlassen hier durch alles wirkte. Wir passierten z.B. das riesige Camp Bitche, ein teilweise verlassenes französisches Militärcamp.

Camp Bitch(e)

Hier reihen sich 2-3 kilometerlang an der Straße alte Militärkomplexe, welche im 2. Weltkrieg und danach, sicher ihre Bedeutung hatten und auf der anderen Straßenseite werden eifrig Truppenübungen absolviert.  Die letzten rund 70km von Bitche führten uns dann durch die nördlichen Vogesen bis nach Straßburg, wo wir dann nach 9 Stunden, in unserem kleinen Hotel mitten in der Stadt ankamen. Straßburg ist eine wirklich sehenswerte Stadt und gerade die nächtliche Altstadt, rund um die Gegend „Petite France“, hat mit ihren hunderten Fachwerkhäusern und Gässchen, ihren Charme.

Straßburg at nightEines der vielen Restaurants in Petite FranceStraßburg riverside

In einem der unzähligen Restaurants da, gab es auch einen der besten Flammkuchen, den ich bisher essen durfte.

Lecker Flammkuchen

Hier noch der GPS-Track zur Ansicht:

Download

Samstag, 28.09.2013 Von Straßburg durch den Elsass und die südlichen Vogesen

Voller Vorfreude – schließlich standen heute unzählige Cols (zu deutsch Pässe) auf dem Programm – störte uns nicht einmal der Klang des Weckers um kurz vor 7 Uhr und wir sprangen sofort aus unseren Betten. Nachdem die Mopedtaschen wieder gepackt waren, entschieden wir uns die morgendliche Stimmung zu nutzen und noch einen kurzen Bummel zum Münster von Straßburg zu machen. Schließlich ließ sich das perfekt mit der Suche nach ein paar Pane au chocolate und einem Cafe aut lait verbinden.

Guten Morgen StraßburgFachwerkhaus in Straßburg

Nach einer einsamen Münsterbesichtigung, welches wunderschön ist und wir uns nur mit ein paar Gläubigen teilen mussten, schwangen wir uns auf unsere Motorräder und schauten zu, dass wir möglichst schnell aus dem Großraum Straßburg, in Richtung der Einsamkeit des Elsass kamen.

Straßburger Münster

Leider war das Wetter heute in den unteren Lagen stark bewölkt und neblig. Ich vermutete allerdings, dass wir heute – typisch für diese Herbstzeit – eine Inversionswetterlage hatten. Mein Hoffen wurde nicht enttäuscht und bereits auf dem ersten höheren Col kurvten wir durch ein Wattemeer aus Wolken, um schließlich aus diesen aufzutauchen und über ihnen zu sein.

Über den Wolken...

Dies ist immer wieder ein wahnsinnig tolles Gefühl, egal ob in den Bergen oder auf dem Bike! Langsam wurde es allerdings Zeit sich wieder um etwas essbares zu bemühen. In einem kleinen Dorf entdeckten wir einen kleinen Markt mit Käsestand und entschlossen kurzerhand verschiedene Käsesorten und Baguette einzukaufen. Leider war dies zu meinem Leidwesen, denn ich durfte den Einkauf in meinen Koffern transportieren und die stinken heute noch etwas nach gutem, herzhaften Münsterkäse 😉 Als Rastplatz sollte uns nichts weniger als eine schöne Wiese an der Straße, auf einem der Pässe über den Wolken dienen. Satt und nach einem kurzen Power-Nap ausgeruht, ging es weiter über die, bei Motorradfahrern berüchtigte, Steige und Richtung Ribeauville.

Touristisch aber schön - Ribeauville

Dieses kleine Dörfchen hat mir 2012 Günther nach unserer Hochtourenwoche gezeigt und ich war damals schon begeistert. Es ist der Inbegriff eines elsässischen Fachwerkdörfchens und man kann sich während man in einem der kleinen Konditoreien bei Kaffee und Kuchen sitzt, perfekt vorstellen, wie hier im späten Mittelalter das Treiben in den Gässchen von statten ging. Die Zeit war leider schon etwas fortgeschritten, wir hatten noch knapp 200 Kilometer Passstraßen vor uns und so mussten wir diesmal, nach einem kurzen Besuch, wieder weiter. Es folgten unendlich viele tolle Kurven bei bestem Straßenbelag und nahezu keinem Verkehr.

Wieder ein Col gemeistert, Bazi

Gegen 18:30 Uhr und noch immer 70 Kilometer vor unserem eigentlichen Ziel entschloßen wir uns, nur noch 30 Kilometer zu fahren und dann nach einer Bleibe für die Nacht Ausschau zu halten, um nicht in die Dunkelheit zu kommen. Im Dunkeln macht nämlich das Gekurve auf unbekannten, einsamen Landstraßen dann wirklich keinen Spaß mehr. Ständig plagen dann einen Gedanken wie „Liegt da etwa etwas in der Kurve?“ oder „Springt mir gleich das nächste Reh vor das Bike?“. Mit dem La Moraine du Lac fanden wir eine wundervolle Herberge, für gerade mal 62 € mit Frühstück, welches sich am nächsten Morgen, mit den selbst gemachten Marmeladen und frischem Brot, als äußerst luxuriös herausstellte. Auch das Zimmer war in dunklem Holz gehalten, sauber und geräumig. Ebenso war das Bad absolut neuwertig und fast wie in einem Wellnessbereich eingerichtet. Von meiner Seite also eine klare Empfehlung für diese Herberge direkt an dem schönen Lac du Wildenstein!

Auberge @ Lac du Wildenstein

Bei Wein und einem französischen Drei-Gänge-Menü, ließen wir den kurvigen Tag Revue passieren und selbst nachts, in unseren Träumen, brummten wir eifrig die Motorengeräusche nach. 😉

Hier noch der GPS-Track zur Ansicht:

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Sonntag, 29.09.2013 Höhepunkt der Tour: der Grand Ballon

Gestärkt von dem leckeren Frühstück verließen wir zeitig gegen 8:30 Uhr unser Nachtquartier und fuhren uns auf den Kurven nach Saint Maurice sur Mosselle ein.

Mirror in the eyes with Bazi

Hier wollten wir eigentlich gestern übernachten und nachdem wir das Dorf passiert hatten, waren wir froh, dass wir die schöne Herberge am Lac du Wildenstein vorgezogen hatten.  Allerdings freuten wir uns trotzdem hier zu sein, denn von hier geht es auf den Ballon d’Alsace, welcher mit 1247m, einer der höchsten Berge des Elsass und der südlichen Vogesen ist. Erst kurvt man durch Wälder, welche sich schnell lichten, um dann schließlich auf einer Hochebene, mit weidenden Kühen, wieder über den Wolken zu stehen.

Ballon d'Alsace, yeah!

Von so einer Colhöhe begibt man sich ungern herunter, um erneut in den nassen Nebel einzutauchen. Doch schnell wich diese Stimmung der erneuten Vorfreude. Es lagen schließlich noch einige kleinere Cols vor uns, welche dann zu dem Höhepunkt der Tour – dem Grand Ballon d’Alsace oder auch Großer Belchen genannt – gipfelten. Der Grand Ballon d’Alsace ist mit 1424m der höchste Berg der Vogesen und von hier oben hat man bei schönem Wetter eine Aussicht bis in die Westalpen.

Aussicht vom Grand Ballon d'Alsace

Wir hatten nicht ganz das Glück und konnten aufgrund des diesigen Wetters nur rund 50 bis 70 Kilometer weit schauen.

Gipfel Grand Ballon d'Alsace

Wir parkten oben die Mopeds und liefen die letzten 100 Höhenmeter auf den Gipfel, um dort den restlichen Käse des Vortages in einer windigen Heidelandschaft zu verspeisen.

Lunch at the top of Grand Ballon d'Alsace

Der Gipfel und die Rast waren auch leider nahezu der Abschluss unserer diesjährigen Motorradtour und nachdem die letzten Kurven des Grand Ballon d’Alsace hinunter, an stillgelegten Skiliften vorbei, die voller Erwartung auf den Winter warteten, erfolgreich gemeistert waren, ging es unspektakulär bis nach Colmar weiter. Hier genehmigten wir uns in der schönen Innenstadt noch einen letzten Kaffee und verabschiedeten uns dann, nach drei tollen Tagen in den Vogesen, in die Heimat. Für Bazi ging es auf der Autobahn Richtung Nürnberg und für mich nach Mainz zurück, wo ich nach gut 350 km Autobahn, einem zerdrückten Hinterteil und etwas müde, aber glücklich gegen 18 Uhr ankam.

Hier noch der GPS-Track zur Ansicht:

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Fazit:

Die Tour durch die Pfalz, die Vogesen und den Elsass kombiniert nicht nur berühmte europäische Weingegenden, sondert bietet auch richtig abwechslungsreiche kurvige Strecken. Mal geht es durch Wälder, mal durch Heidelandschaft, mal an Almwiesen vorbei und dann wieder durch urbane oder dörfliche Fachwerksiedlungen. Insgesamt waren es rund 1300km in 3 Tagen und ettliche Höhenmeter auf unzählige Cols hoch. Einzig die lange Heimfahrt auf der Autobahn würde ich wenn ich mehr Zeit gehabt hätte das nächste mal mit 1-2 weiteren Tagen durch den Schwarzwald und Odenwald kombinieren, um ein stimmiges Gesamtkonstrukt zu schaffen. Viel Spaß beim Nachfahren! Die GPX-Files gibt es bei uns im Tourenbuch.

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Flo
Flo

2 Kommentare

  1. Bou sagt:

    Vielen Dank für Deinen Post.

    Es ist schon interessant auch Altbekanntes unter einem völlig neuen Blickwinkel zu sehen.

    Pässe, Ort und Landschaften sind natürlich wohlbekannt, über die Eigenschaften zum
    Befahren hatte ich mir nie groß Gedanken gemacht. Man lernt eben immer wieder Neues dazu.
    Danke für die schönen Landschaftsbilder.

    • Flo sagt:

      Hallo Bou,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Es freut mich, dass ich dir eine andere Perspektive auf die offensichtlich gut bekannte Landschaft geben konnte.
      Es freut mich, dass dir die Bilder gefallen. Vielen Dank!

      It’s great out there! 🙂
      Viele Grüße
      Flo

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