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Gimpel – Mal wieder klettern im Tannheimer Tal

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Eine Tour auf den zweit höchsten Gipfel des Tannheimer Tals, den Gimpel (2173m).

Seit langem war für das letzte Augustwochenende ein Wochenende mit Max zum Mehrseillängen Klettern im Tannheimer Tal  in unseren Kalendern geblockt worden. Nachdem Dennis dieses kurzfristig absagen musste, um als Bouldertrainer seiner Verpflichtung nachzukommen, wollte ich Max natürlich nicht hängen lassen. Nach einem kurzen Telefonat am Mittwochabend war das organisatorische besprochen, ein Lagerplatz reserviert und der Rucksack nach jahrelanger Routine schnell gepackt.

Samstag, 31. August 2013 – Neue Südostkante am Gimpel

Nachdem ich am Freitagabend noch einen wichtigen beruflichen Termin wahrnehmen musste, konnte ich erst Samstag in aller früh losfahren. Nach einer kurzen Nacht klingelte der Wecker um 4 Uhr. Gegen 5 Uhr saß ich mit einem großen Pott heißem Kaffee und einem Müsliriegel zum Frühstück im Auto gen Süden. Der Vorteil dieser frühen Fahrten ist immer, dass wenn sich nicht gerade ein betrunkener Feierwütiger auf der Autobahn vergnügt , diese entsprechend frei ist. An diesem Samstagmorgen schliefen wohl die meisten noch und so war ich pünktlich um 7 Uhr an unserem Treffpunkt bei Stuttgart. Hier wechselte ich den fahrbaren Untersatz und gönnte mir bei Max im Auto noch eine Mütze Schlaf. Gegen 9:30 Uhr kamen wir dann auch bereits in Nesselwängle im Tannheimer Tal an. Gewohnt steuerten wir unseren üblichen Parkplatz  an, um dann festzustellen, dass dieser aufgrund einer großen Hochzeit – wie wir später erfahren sollten – auf dem Gimpelhaus (man bemerke die Hütte liegt rund 500 Höhenmeter höher!) total überfüllt war. Es musste also die Wiese von einem der örtlichen Rinderzüchter herhalten.

Anschließend ging es mit dem zweiten Frühstück in der Backe und gewohnt kurzweiligen Gesprächen in üblichem „Eilschritt“ in einer knappen Stunde zum Gimpelhaus. Hier wurde kurz das Lager angemeldet, unsere Sachen verstaut und bei einem Kaffee die Rucksäcke umgepackt. Anschließend ging es mit Tourengepäck zum Einstieg in die Gimpel-Südwand. Unser Ziel war die Neue Südostkante. Eine 10 Seillängentour mit 300 Metern im homogenen 6ten Grad , welche ich bereits seit längerem einmal gehen wollte.

Routenverlauf inklusive Abstieg

Am Fuße des Gimpel mussten wir allerdings feststellen, dass sich zwei Seilschaften vor uns sich bereit machten. Die eine Seilschaft stieg zum Glück in den Südostkamin weiter rechts ein, die andere hingegen wählte genau unsere Tour. Wir ließen den beiden etwas Vorsprung und stiegen gegen 12:30 Uhr in die Tour ein.

Max voller Vorfreude Max in der 1. SL der Neuen Südostkante

Nachdem der Nachsteiger der Seilschaft vor uns – wie wir später erfuhren – blutiger Alpinanfänger war (was auch immer so jemand in so einer Route zu suchen hat!), hatten wir die selbige auch am 4. Standplatz eingeholt und ab dann hieß es anstehen.

Flo am Standplatz der 5. SL, Max kommt nach

Zwischenzeitlich beobachteten wir die Helikopterbergung eines Kletterers, der an der gegenüberliegenden Zwerchwand rund 20 Meter abgestürzt war. Nach der 6ten Seillänge war dann der Circus infernale perfekt. Wir liefen auf eine dritte noch viel langsamere Seilschaft auf. Dies hatte zu Folge, dass wir uns nur noch im Schneckentempo bewegen konnten und ich zwischenzeitlich am Standplatz mal 15 Minuten geschlafen habe. Schließlich war ich ja schon länger wach. 😉

Immer wieder warten...

Gegen 17 Uhr erreichten wir dann nach viel zu langen 5 Stunden dennoch glücklich und zufrieden den Gipfel. Die schöne Bergwelt und die homogene, mittellange Tour entlohnten aber für das ständige warten. Nach einer kurzen Gipfelrast inklusive dem obligatorischen Gipfelfoto, machten wir uns an den mühsamen Abstieg.

Am Gipfel des Gimpel

Dieser ist allerdings alles andere als schön, geht er doch erst am etwas brüchigen Grat des Gimpels entlang und dann durch steiles Schrofengelände über Schotter und leichte Kletterei im II. Grad zum Einstieg zurück.

Über diesen Grat da musst du gehen

Gegen 18:30 Uhr kamen wir dann auch auf der Tannheimer Hütte an. Hier wollten wir eigentlich nur eine Suppe essen und ein Bier trinken, aber Marion und Thomas hielten uns mal wieder viel länger auf und erzählten uns zugleich die traurige Botschaft, dass sie als Hüttenwarte (aufgrund des nunmehr doch durchgesetzten Neubaus) aufhören und auf die Ehrenbichler Alm wechseln würden. Schade, geht doch sicher damit das sehr gemütliche Flair dieser kleinen Hütte und auch eine der warmherzigsten Hüttenwirtinnen, die ich bisher in meinen Bergjahren kennenlernen durfte, für diese Hütte verloren. Ich muss wohl nun Stammgast zum Skitouren gehen auf der Ehrenbichler Alm werden. 😉

Sonntag, 1. September 2013

Ich wachte morgens gegen 7 Uhr auf und dachte mir im Halbschlaf, welcher Depp pinkelt hier neben mir gegen das Bett. Schnell stellte ich fest, dass ich direkt neben dem offenen Fenster lag und es draußen regnete. Ein Blick vor die Hütte lieferte die traurige Gewissheit. 20 Meter Sicht, tiefster Nebel, 5 Grad, ständiger mittelstarker Nieselregen…das sind nicht gerade die Zutaten für ein schönes Klettererlebnis.

Miserables Wetter, dennoch gute Stimmung

Und nachdem Dennis und ich dies bereits einmal in den Tannheimer Bergen hatten und Max hier nicht sonderlich scharf drauf war, entschlossen wir uns schweren Herzens nach nur einem Tag das Bergwochenende als beendet zu erklären. Zügig stiegen wir in einer „Schauerlücke“  ins Tal ab und kamen noch gerade rechtzeitig, bevor es in strömen schüttete, am Auto an. Es wurde dann letztendlich noch ein Abstecher zu Lisa nach Kempten gemacht, wo wir uns noch kulinarisch stärken konnten bevor es für Max nach Tübingen und mich nach Mainz zurück ging.

Im Fazit war es dennoch ein wunderschönes und abwechslungsreiches Kletterwochenende mit einer schönen längeren Tour auf den Gimpel, die mir gezeigt hat, dass man auch öfter mal für einen Tag zum klettern von Mainz in die Alpen fahren kann, wenn man nur bereit ist um 4 Uhr aufzustehen.

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Flo
Flo

1 Kommentar

  1. Peter sagt:

    Alle Achtung, danke für den spannenden Bericht, ihr habt wirklich Mut!!!! Ich habe die Route auf der Website von Klettern im Allgäu angesehen und muss sagen, ich trau mich nicht drüber…. naja jetzt noch nicht 😉 Ich würde es auch nie schaffen zuerst 4-5 Stunden zu fahren… lieber eines der Hotels im Tannheimertal nehmen und dann in aller Ruhe den Tag beginnen 😉 Aber vielleicht denk ich halt nur so weil ich der gemütlichere Typ bin 😉

    Danke nochmals, lg, Peter

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