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Endlich Sommer! Alpines Sportklettern im Tannheimer Tal

Klettern im Tannheimer Tal

Klettern im Tannheimer Tal

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Wir hatten uns diverse Wochenenden freigehalten, um mal wieder in die Alpen bzw. das Tannheimer Tal zu fahren und uns dort wieder ein bisschen aufeinander einzustimmen, was das Mehrseillängen-Klettern angeht. Da uns der lange und harte Winter bzw. der nasse Frühling jedes Mal wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht haben, sind wir letztendlich erst am 14.06.2013 dazu gekommen. Direkt von der Arbeit aus fuhren wir los und mit einem kurzen Zwischenstopp und diversen Staus erreichten wir Nesselwängle gegen 21 Uhr. Schnell schnappten wir uns unsere Rucksäcke, tauschten die normalen Klamotten gegen bergtaugliche und machten uns an den Aufstieg, schließlich lagen rund 600 Höhenmeter vor uns.
Die fortgeschrittene Uhrzeit und der einsetzende Regen trieben uns noch mal ordentlich an, sodass wir den Aufstieg in ziemlich genau einer Stunde bewältigten, statt der angegebenen anderthalb. Um kurz nach zehn betraten wir die Stube der Tannheimer Hütte, bezogen schnell unser Lager und genehmigten uns noch ein alkoholfreies Weizen, bevor wir in unsere Hüttenschlafsäcke schlüpften.

Samstag, 15.06.2013 – Tannheimer Tal Klappe die erste

Es hatte mehr oder weniger die ganze Nacht durch geregnet, was unsere Hoffnung auf bekletterbaren und vor allen Dingen trockenen Fels nicht unbedingt wachsen ließ. Daher drehten wir uns beim Klingeln des Weckers um sieben noch mal im Schlafsack herum und schliefen noch mal eine halbe Stunde. Danach gab es erst mal Frühstück und wir packten unsere Rucksäcke mit dem benötigten Equipment und machten uns in aller Ruhe auf den Weg zum Fels.

Der Ausblick vom Wanfuß! Flo und Dennis kurz vorm Einstieg

Für den Samstag hatten wir uns zuerst die Tour „Wirklich oben bist du nie“ (6+) ausgesucht. Ich bin diese Route bereits während meines Mehrseillängen-Kurses letztes Jahr geklettert und hab Flo so oft davon erzählt, dass er sie auch mal klettern wollte. Als wir am Gimpel-Südostvorbau ankamen stieg eine weitere Seilschaft gerade in die erste Seillänge ein. Einer der ersten Sätze nach dem „Hallo“ war: „Habt ihr’s eilig? Wir nämlich nicht.“ Da wir keine Lust hatten, uns oder die anderen Kletterer zu stressen, sagten wir ihnen, dass sie sich Zeit lassen sollen, nahmen am Wandfuß Platz und aßen noch eine Kleinigkeit. Schon kam die nächste Seilschaft an und gesellte sich zu uns. Kaum war der Standplatz am Ende der ersten Seillänge frei, kletterte ich los. Die ersten fünf Meter kam ich mir vor, als würde ich in einem Wasserfall klettern, denn der Fels war schlicht und ergreifend klatsch nass. Danach wurde es aber schlagartig besser und der Rest der Seillänge ging prima von der Hand. Flo stieg nach und wir wechselten die Führung, so auch während dem Rest der Route.

Flo zieht locker an Und immer für ein Späßchen zu haben Das Wandbuch in der Wirklich oben bist du nie Dennis studiert die Topo Fotoshooting am Fels :)

Die sechs Seillängen kletterten sich mal wieder einfach super und nach rund drei Stunden standen wir oben auf dem Gipfel, also zumindest fast, denn der Name ist Programm und man kommt eben nicht ganz oben raus. Dies tut dem Genuss der Tour aber keinen Abbruch und so legten wir glücklich und ein wenig stolz eine knapp einstündige „Gipfelrast“ ein. Wir aßen unsere „Powerriegel, tranken Wasser und genossen die grandiose Aussicht auf den etwa 2000 Meter über dem Meeresspiegel.

Was für ein Gesichtsausdruck :) Zwei Kletterer auf dem Gipfel der Zwerchwand Dennis im Tannheimer Tal Und Gesellschaft hatten wir auch Blau blau blau blüht der Enzian Nach den sechs Seillängen erst mal ausruhen

Danach bewegten wir uns rund 30 Meter bergab Richtung Fixseil und Abseilpiste. Auch hier mussten wir wieder ein wenig warten, da noch eine andere Seilschaft vor uns am Standplatz war und einer der Kletterer wohl noch etwas unerfahren war, was das Abseilen anging. Aber wir sind ja schließlich nicht im Stress, also warteten wir und seilten dann ab, als die Piste frei wurde.

Flo am Fixseil zur Abseilstelle Gleich geht's runter. Dennis an der Abseilpiste

Da es langsam wolkiger um die Gipfel wurde und wir keine Lust hatten, in einer Mehrseillänge nass zu werden bzw. vom eventuell aufziehenden Gewitter überrascht zu werden, machten wir uns auf den Weg zurück zur Hütte. Davon abgesehen wollten sich an diesem Tag noch Lisa, Resi und Hubi zu uns gesellen. Flos Schwester macht nämlich derzeit ihr PJ in Kempten und von dort aus sind es für sie und ihren Kommilitonen Hubi nur rund 30 Minuten Autofahrt ins Tannheimer Tal. Zu den beiden gesellte sich dann noch spontan Resi, die aus München angereist war, um ein Wochenende lang mit den beiden zu wandern und Klettersteige zu gehen. Also bezogen wir schon morgens vor den Aufbruch das Notlager der Hütte, um mit den drei in Ruhe schlafen zu können, denn im normalen Bettenlager wäre nicht mehr genug Platz gewesen. Zurück auf der Tannheimer Hütte erwarteten uns die drei bereits draußen auf der Terrasse der Hütte. Flo und ich hatten uns in der prallen Sonne der Südwand ordentlich den Nacken und die Unterarme verbrannt, also nahmen wir unter einem der Sonnenschirme Platz, bestellten unser Siegerweizen und die heiß ersehnten Käsespätzle, der Nachmittag versprach, lustig zu werden.

Der Gimpel-Südostvorbau. Da oben waren wir. Der Rückweg zur Hütte hatte schon fast etwas Meditatives Die Alphornbläser auf der Tannheimer Hütte Lecker Käsespätzle

Marion, die Hüttenwirtin, erzählte uns bereits morgens, dass sich für nachmittags ein paar Alphornbläser angekündigt hatten und prompt bauten diese kurz darauf alles auf und begannen mit einem kleinen Konzert. Einzig die Tatsache, dass die Jungs wohl schon leicht angetrunken waren – es gibt nämlich hervorragenden Schnaps auf der Tannheimer Hütte – ließ die Fähigkeiten beim Alphornspielen wohl etwas schwinden, was der Stimmung jedoch keinen Abbruch tat. Nach rund einer oder anderthalb Stunden zogen tatsächlich auch um die Hütte dunkle Wolken auf und es begann, heftig zu regnen, weshalb sich alle Gäste, die nicht eh schon abgestiegen waren, in die kleine Stube der Hütte zurückzogen. Es würde also ein kuscheliger, aber lustiger Abend zu werden…

Das Wetter wird schlechter vlnr: Hubi, Lisa, Resi und Flo in der Stube

In der Hütte wurde es dann tatsächlich richtig voll! Die erste Stunde musste ich auf der äußersten Ecke einer Bank Platz nehmen, sodass gerade noch meine linke Pobacke Platz fand, gemütlich ist anders 😉 Dennoch wurde es ein richtig toller Abend, an dem wir mit anderen Gruppen ins Gespräch kamen, lachten, dem Gesang einer Gruppe Damen aus dem Schwabenländle lauschten und jede Menge Spaß hatten. Leider wurde der Abend mit dem leckeren Weizen und den guten Schnäppsen etwas zu feuchtfröhlich, weshalb es mir später im Bett gar nicht mal so gut ging.

Sonntag, 16.06.2013

Es hatte schon wieder fast die ganze Nacht durch geregnet und als ich um fünf Uhr das erste Mal wach wurde und die Wetterlage draußen begutachtete, sah es so aus, als hätte es vor gerade einmal zwei Minuten damit aufgehört. Also ging ich mit einem etwas unguten Gefühl wieder zurück ins Notlager und legte mich noch mal hin. Der Wecker klingelte zweieinhalb Stunden später und selbst beim Frühstück ging es mir noch nicht wieder wirklich gut. Flo und ich, die anderen lagen noch in ihren Betten, ließen uns Zeit beim Frühstück, da wir komplett im Nebel lagen und die Gipfel nicht einmal ansatzweise zu erkennen waren. Das hatte sich jedoch auch bis nach dem Frühstück bzw. unserem Abmarsch nicht geändert, jedoch hatten wir die Hoffnung, dass es weiter oben aufklaren würde, wenn erst mal die Sonne um die Gipfel herum und ins Tannheimer Tal kommen würde.

Blick auf den Gimpel - wo ist er denn?

Diese Hoffnung wurde dann glücklicherweise nicht nur bestätigt, sondern sogar noch übertroffen! Kaum waren wir an der Hütte los gelaufen, begannen sich die Wolken zu lichten und die ersten Sonnenstrahlen brachen durch sie hindurch. Der Aufstieg zum Südostvorbau des Gumpel hatte schon fast etwas Mystisches.

Aufstieg im Nebel Da ist er, der Gimpel-Südostvorbau im Tannheimer Tal

Noch mal rund fünfzehn Minuten später, als wir den Gimpel-Südostvorbau vor uns sahen, waren die weißen Wolken nur noch im Tal zu sehen und weitere zehn Minuten später war selbst dort schönstes Sommerwetter. So schnell kann es gehen mit einem Wetterumschwung in den Bergen, im positiven, wie aber leider auch im negativen Sinne, was sich später zeigen sollte.
Unser Plan für den zweiten Tag waren die beiden Routen „Paradies“ (6+) und „Morgenstund“ (5+). Angekommen am Fels stellten wir fest, dass die „Morgenstund“ bereits belegt war, also suchten wir den Einstieg der „Paradies“ und nach einem kleinen Tipp durch einen anderen Kletterer, der sich aber später als falsch herausstellen sollte, stiegen wir auch in die falsche Tour ein. Die erste Seillänge, die Flo vorstieg, passte sowohl vom Routenverlauf, als auch der Schwierigkeit zur „Paradies“, allerdings war mehr oder weniger jeder zweite Griff oder Tritt locker und ständig musste man aufpassen, dem Sichernden unten keine Steine auf den Kopf zu werfen. Als ich dann noch in der zweiten Seillänge plötzlich unterhalb einer Wand ohne jegliche Haken stand, beschlossen wir nach Minuten langem Suchen abzubrechen und in die „Morgenstund“ einzusteigen, die mittlerweile wieder frei war. Gesagt, getan, ich opferte ein Kettenglied, Flo ließ mich zu einem passenden Haken mit Abseilring ab und wir seilten ab. Etwas verärgert wechselten wir also zur Nachbarroute und stiegen dort ein. Die „Morgenstund“ kannte ich selbst noch nicht, es handelt sich hierbei um eine wirklich tolle Tour im oberen fünften Grad, mit abwechslungsreicher Kletterei in sieben Seillängen, die ich nur jedem empfehlen kann.

Flo im Nachstieg Dennis im Nachstieg

Während wir kletterten und immer höher kamen, konnten wir sehen, dass im Nachbartal bereits wieder dichter Nebel lag, der teils leicht über die Gipfel ins Tannheimer Tal herüber schwappte und kurz darauf hörten und sahen wir den Helikopter der Bergrettung, der zuerst die Wände auf unserer Seite abflog, wohl auf der Suche nach hilfebedürftigen Kletterern. Nachdem sich niemand bemerkbar machte, stieg er weiter auf und stieß dann durch zwei kleinere Gipfel in die Nebelschwaden des Nachbartals hinab. Eigentlich ein atemberaubendes Flugmanöver, der bittere Beigeschmack bei einer solchen Rettungsaktion bleibt immer.
Wir stiegen höher, Seillänge für Seillänge und am Ausstieg angekommen gönnten wir uns ein paar Minuten Ruhe, bevor wir uns auf den Weg zur Abseilpiste machten, die Seile durch den Abseilring fädelten und den Weg nach unten antraten.

Gipfelfoto

Zurück auf der Tannheimer Hütte begannen wir während eines alkoholfreien Siegerweizen, die Rucksäcke für den Abstieg zu packen, verabschiedeten uns vom Team der Tannheimer Hütte und machten uns auf den Weg zurück ins Tal.

Feierabendbier auf der Tannheimer Hütte

Wir rannten mehr oder weniger die kompletten 600 Höhenmeter zurück ins Tal und angekommen am Auto ging es auch sogleich ab auf die Straße und auf den Heimweg Richtung Mainz. Um halb elf hatten wir es dann geschafft und konnten nach rund 48 Stunden, 3000 Höhenmetern, zwei Mehrseillängentouren und zwei lustigen Abenden und Nächten auf der Tannheimer Hütte endlich wieder duschen, im eigenen Bett schlafen und den Luxus der eigenen Wohnung genießen.
Es war mal wieder toll im Tannheimer Tal und mit Sicherheit nicht das letzte mal, dass wir dort waren. Nicht umsonst nennt man es eines der schönsten Hochtale der Welt und es gibt dort noch unzählige Touren, die noch von uns begangen werden wollen.
Also dann, bis zum nächsten Mal.

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Dennis
Dennis
Flachlandtiroler und Bergliebhaber! Im normalen Leben IT’ler, ab und an auch Klettertrainer, aber am liebsten selbst in den Bergen unterwegs. Ob im Fels oder Eis ist eigentlich egal, Hauptsache rauf da!

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