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Hochtour auf den Castor

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Petrus war uns scheinbar immer noch nicht wohlgesonnen, deshalb mussten wir erneut umplanen. Nach den Ersatzgipfeln Breithorn und Pollux hatten wir uns, weil wir keine Lust hatten, extra das Tal zu wechseln, nach zwei Pausentagen in der Sauna und Therme in Leukerbad für den 4223 Meter hohen Castor entschieden. Wir wechselten also wieder zurück nach Täsch, um von dort schnell und einfach auf dem Berg zu kommen.

Freitag, 01.08.2014 – Nationalfeiertag in der Schweiz und unsere Besteigung des Castor

Unser Wecker klingelte, für einen Bergsteiger eine völlig normale Zeit, um halb fünf. Wir brauchten schließlich noch genug Zeit für ein knappes Frühstück, bestehend aus Käsebrot und Milchreis, einen Kaffee und den Weg zum Zug. Der Bahnhof von Täsch, von dem aus die Züge nach Zermatt fahren, lag glücklicherweise nur wenige Gehminuten von unserem Zeltplatz entfernt. Die erste Bahn fährt um 6:00 Uhr und diese wollten wir unbedingt erwischen. Der Hintergrund war, dass wir uns für die Variante mit Bergbahn entschieden hatten. Von Zermatt aus nahmen wir die erste Gondel hoch auf’s Klein Matterhorn (3883m), um von dort den Weg zum Castor anzutreten. Schon unten in der Talstation erwartete uns das, was wir befürchtet hatten. Auf dem Gletscher rund um das Klein Matterhorn gibt es das Sommerskigebiet Zermatt, in dem nicht nur ganzjährig die Elite des Skisports trainiert, sondern auch der eine oder andere Schneefan mitten im Sommer auf Brettern den Berg hinab gleiten will. Dazu kamen dann noch die zahlreichen Bergsteiger, die ebenfalls aus dem Tal direkt einen Gipfel besteigen wollten, es gab also ein ganz ordentliches Gedränge in den Gondeln und entsprechende Hektik bei der Ankunft in der Bergstation auf 3820 Metern.

Da wir keine Lust hatten, uns draußen in der Kälte fertig zu machen, gingen wir zuerst mal ins Panorama-Restaurant auf dem Klein Matterhorn und zogen Gamaschen, Klettergurte usw. an. Danach ging es nach draußen in die weiße Suppe, die schon wieder über den Berggipfeln hing… warum sollte es an diesem Tag auch anders sein?

Ausnahmsweise mal Aussicht auf dem Weg zum CastorNur wenige Minuten von der Bergstation beginnt auch schon der Mezzalama-Gletscher. Zwar muss man zumindest im ersten Teil eher nicht mit Gletscherspalten rechnen, aber sicher ist sicher, also zogen wir nicht nur unsere Steigeisen an, sondern seilten uns auch an. Unser Weg führte uns über das Breithornplateau immer entlang des Breithorns, kaum vorstellbar, wie lange man immer an seinem Fuß entlang läuft. Ab- und wieder aufwärts führte uns die Spur, vorbei an den beiden Breithorn-Zwillingen und Richtung Pollux, den wir ja erst wenige Tage zuvor bestiegen hatten. Castor und Pollux werden auch gerne als Zwillinge bezeichnet, leider konnten wir, als wir quasi um das Breithorn herum kamen, keinen von beiden sehen, denn der Nebel war immer noch so dicht, dass wir meist mit Sichtweiten von fünf bis zwanzig Metern klar kommen mussten. Glücklicherweise lag bereits eine gute Spur, der wir folgen konnten, so kamen wir um die Kompass- und GPS-Navigation herum und konnten uns einfach auf das Laufen konzentrieren. Die Sicht war zeitweise so schlecht, dass wir sogar unsere Abzweigung Richtung Castor verpassten. Die Hauptspur führt nämlich Richtung Rifugio Guide della Val d’Ayas, aber bis wir bemerkt hatten, dass wir zu weit gelaufen sind, mussten wir rund 100 Meter wieder aufsteigen, eine unglaubliche Anstrengung, wenn man bei jedem dritten Schritt bis zum Knie im Schnee einsinkt und sich dann wieder nach oben kämpfen muss!Was für 'ne Suppe...

Als wir die richtige Spur gefunden hatten, führte uns diese dann auch schnurstracks Richtung Castor. Die Sicht war leider immer noch quasi null, als wir den Gipfelanstieg erreichten und uns an die letzten Höhenmeter machten. Hin und wieder konnten wir vor uns eine weitere Seilschaft sehen, die dann aber auch direkt wieder im Nebel verschwand. Der Spur folgend stiegen wir weiter auf, immer im Zick-Zack-Kurs den steiler werdenden Berg hinauf. Die letzten Höhenmeter Richtung Gipfelgrat führt die Spur uns direkt und gerade nach oben, es wird also noch mal richtig anstrengend. Wenige Meter unter dem Gipfelgrat kam uns die besagte andere Seilschaft entgegen. Es handelte sich um einen netten Bergführer mit seinen beiden Gästen. Wir tauschten uns kurz mit ihnen aus, um sich sonderlich viel zu erzählen waren wir aber erstens eh viel zu platt und zweitens zu der fortgeschrittenen Stunde  auch zu sehr in „Eile“. Also stiegen wir auf den Gipfelgrat und staunten nicht schlecht. Der Grat war an seiner schmalsten Stelle knapp 50cm breit, rechts und links gingen die Schnee- und Eisflanken steil hinunter in die weiße Tiefe, denn auch hier hatten wir nur rund zehn Meter Sicht. Sicht gleich null auf dem GipfelgratWir sammelten also noch mal alle Konzentration und liefen langsam und vorsichtig die letzten Meter Richtung Gipfel auf dieser „Himmelsleiter“. Es pfiff zwar ganz ordentlich dort oben, dennoch waren wir beide voll und ganz auf die Strecke vor uns fokussiert und erreichten nach etwa drei oder vier Minuten den Gipfel. Dort standen bereits zwei andere Bergsteiger, die von der anderen Seite aus aufgestiegen waren. Wir gaben uns alle gegenseitig ein freundschaftliches „Hi-Five“ und kamen selbstverständliche auch ins Gespräch. Die beiden Jungs waren aus Tschechien und es war ihre erste Akklimatisationstour für den Alpenurlaub.Flo fast am Gipfel

Viel Zeit auf dem Gipfel hatten wir nicht, was aber auch kein Problem darstellen sollte, denn sonderlich gemütlich war es bei Nebel und Schneeregen hier oben dann doch nicht. Wir verabschiedeten uns also von den beiden und traten den Weg zurück über den Schneegrat zum Abstieg an. Dieser gestaltete sich zuerst sogar relativ gut, da durch den vielen Neuschnee gute und tiefe Spuren im Schnee lagen. An manchen Stellen war der Abstieg aber schon fast etwas heikel, da manche Spuren schon fast verweht waren und wir aufpassen mussten, ordentlich im Firn zu stehen, denn abrutschen wollten wir hier beide nicht. Nach einer Weile waren wir wieder unten und durften uns wieder mit Spuren beschäftigen. Auf Dauer fand ich das dermaßen anstrengend, dass ich, je weiter wir liefen, immer müder und langsamer wurde. Schließlich übernahm Flo wieder die Führung und wir navigierten aufgrund der schlechten Sicht teilweise sogar nur mit GPS zurück Richtung Breithornplateau. Fast den gleichen Weg waren wir ja auch schon während unserer Hochtour auf den Pollux gelaufen, aber diesmal kam er mir mindestens doppelt, wenn nicht sogar drei mal so lang vor 😉 Bei jeden Gegenanstieg hoffte ich inständig, dass es der letzte vor dem Plateau war, aber Pustekuchen, es kam noch mindestens ein weiterer…

Spaß muss seinIrgendwann hatten wir es dann tatsächlich geschafft und liefen über das Breithornplateau das letzte Stück zurück zum Klein Matterhorn und unserer Bahn zurück ins Tal. Da wir zeitlich noch etwas Luft hatten und beide relativ ausgelaugt waren, entschieden wir uns dazu, im Restaurant auf dem Klein Matterhorn noch einen Kleinigkeit zu trinken. Die Cola, die ich mir gönnte war wohl die beste und teuerste zugleich, denn für 0,5L bezahlte ich einfach mal schlappe 7 Franken, was derzeit genau 5,75€ entspricht. Direkt nachdem wir ausgetrunken hatten, liefen wir hinüber zum Lift und machten uns auf den Weg zurück ins Tal. Da das Wetter, wie sollte es auch anders sein, aufklarte, als wir wieder vom Berg hinunter waren, machten wir einen kurzen Zwischenstopp auf der Station Schwarzsee, die eine schöne Sonnenterrasse und einen unverschämt tollen Ausblick auf das Matterhorn hat. Nach einem schnellen Kaffee und diversen Panoramafotos vom Breithornmassiv, dem Matterhorn und der Aussicht ins Tal mussten wir uns noch beeilen, mit der letzten Bahn wieder zurück nach Zermatt zu kommen.

Das Matterhorn mal nur leicht mit Wolken verhangen Blick auf das Breithornmassiv

 

Zermatt hübsch geschmücktDort angekommen traf uns fast der Schlag. Wir wussten zwar, dass der erste August in der Schweiz ein Nationalfeiertag ist, an dem deren Gründung gefeiert wird, hatten das aber vor lauter Gedanken am Berg schon fast vergessen. Umso überraschter waren wir, als komplett Zermatt mit hunderten Flaggen usw. geschmückt war. Viele Bergsteiger hatten sich zu dieser Zeit zwar nicht mehr dorthin verirrt, aber die einzigen waren wir glücklicherweise doch nicht. Schließlich sahen wir mehr als nur fertig aus, bepackt mit großen und schweren Rucksäcken und mehr schlurfend als gehend. Wir schauten uns etwas um und blieben dann spontan an einem Stand stehen, an dem es original Schweizer Käsefondue gab. Da konnten wir einfach nicht nein sagen, also nahmen wir Platz, bestellten zwei Mal Fondue und zwei große Bier und warteten ungeduldig auf unser Essen. Umso mehr freuten wir uns, als es endlich kam und wir genossen jeden Bissen davon. Einige Zeit und eine nette Unterhaltung mit einem älteren, Hamburger Ehepaar später machten wir uns auf den Weg zurück nach Täsch, wo wir später am Abend auch noch mal auf dem Dorffest zum 1. August vorbei schauen würden, um dem Regen bzw. dessen Aussitzen auf dem Zeltplatz zu entgehen.

Alles in allem hatten wir einen unglaublich anstrengenden, abwechslungsreichen und sehr, sehr lustigen 1. August, an dem wir nicht nur einen Berg bestiegen, sondern sogar ein bisschen mit den Schweizern gefeiert haben.

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Dennis
Dennis
Flachlandtiroler und Bergliebhaber! Im normalen Leben IT’ler, ab und an auch Klettertrainer, aber am liebsten selbst in den Bergen unterwegs. Ob im Fels oder Eis ist eigentlich egal, Hauptsache rauf da!

3 Kommentare

  1. […] wir am Morgen nach unserer Castor-Besteigung aus dem Zelt gekrochen kommen hat es zumindest aufgehört zu regnen. Also trocknen wir unser […]

  2. […] nur einige zu nennen. Links neben uns bereits bestiegene Berge wie das Breithorn, der Pollux, der Castor oder auch der Liskamm. Hinter uns die Dufourspitze, ein wahnsinnig toller Berg, der unser […]

  3. […] und eigentliche Spaghetti-Tour kam für uns dieses Jahr nicht in Frage, denn wir hatten z. B. den Castor ja schon in unserer ersten Hochtourenwoche bestiegen. Über den Monte Rosa-Gletscher wollten wir daher die „light“-Variante gehen, bei der […]

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