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6. Mai 2016

Skihochtour zum Monte Rosa: Sind wir gescheitert?

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Ich sitze wieder im heimischen Wohnzimmer auf der warmen Couch, meine Füße in eine warme Decke gehüllt und der Kamin flackert. Es ist kaum vorstellbar, dass ich vor wenigen Tagen noch nachts bei -12 Grad in einem Zelt auf 3000 Meter Höhe im Monte Rosa Gebiet lag und mich tief im Daunenschlafsack verkrochen habe. Die Anstrengungen, die damit verbunden waren und die Enthaltsamkeit der für uns so liebgewonnenen, alltäglichen Selbstverständlichkeiten, scheinen nahezu bereits wieder vergessen. Das menschliche Gehirn hat zum Glück das Talent, Schmerzen und Qualen zu vergessen und sich nur die schönen Momente zu bewahren.

Dennoch denke ich heute immer noch an den phänomenalen Ausblick unseres Zelt-Biwak-Platzes. Da stand sie vor uns, die Walliser Prominenz: Matterhorn, Obergabelhorn, Zinalrothorn, Weisshorn, um nur einige zu nennen. Links neben uns bereits bestiegene Berge wie das Breithorn, der Pollux, der Castor oder auch der Liskamm. Hinter uns die Dufourspitze, ein wahnsinnig toller Berg, der unser eigentliches Ziel dieser Tour sein sollte.

Walliser Bergpanorama Liskamm in der Abendsonne

 

Ich sitze auf einer Isomatte und schaue müde und etwas erschöpft in die abendliche Sonne, welche gerade hinter dem Matterhorn zu verschwinden droht. Es war ein anstrengender Tag und ich habe gnadenlos unterschätzt, wie herausfordernd es doch ist mit gut 25kg Gepäck im Rucksack auf Skiern 12 km und 1200 hm bis auf 3000 Meter aufzusteigen. Wir alle sind ziemlich k.o., nur Thomas hat offensichtlich noch etwas Power. Kein Wunder, war er doch erst vor zwei Wochen in der Monte Rosa Ostwand unterwegs und ist daher halbwegs akklimatisiert. Dennoch lässt dieser Ausblick und die Einsamkeit sowie die Tatsache, gute Freunde an seiner Seite zu wissen und die Aussicht auf Spaghetti mit Schinken-Sahnesauce und Parmesan einiges der Strapazen der vergangenen Stunden vergessen.

Beste Aussicht ever von unserem Biwakplatz Blaue Stunde am Matterhorn

 

Freitag: Anfahrt ins Mattertal

Thomas, Kay und Dennis treffen nahezu parallel um 18 Uhr bei mir in Freiburg ein. Schnell ist das Auto von Thomas gepackt und es geht noch für ein kurzes Abendessen zur lokalen Dönerbude um die Ecke. Das Eis als Nachtisch darf natürlich nicht fehlen. Wir fahren erst mit zwei Autos bis Egerkingen, wo Kay sein Auto abstellt und wir dann gemeinsam mit Thomas gen Visp aufbrechen. Nachdem es eine halbe Stunde vor Visp doch schon bereits 22 Uhr ist und wir immer noch unterwegs sind, kommt Kay auf die Idee in dem Hotel Bergfreunde einzuchecken, damit wir nachts im Schnee nicht noch das Zelt aufbauen müssen. Dankenswerterweise übernimmt er auch einen Großteil der Rechnung und damit waren wir auch alle überzeugt. Die Nacht gestaltete sich ruhig, auch wenn der Schnee immer wieder auf das Dachfenster rieselte und ich mir immer wieder denke, dass das Spurenmorgen ein Spaß werden wird.

Dennis und Thomas noch frisch

Samstag: Schleppen, quälen, zelten – Aufstieg zum Monte Rosa

Das Frühstück im Hotel Bergfreunde ist wahrlich gut und Rosi, die Chefin, auch ein echtes Unikat. Frisch gestärkt geht es dann mittels Transfer-Taxi nach Zermatt. Dort angekommen werden wir von diversen Touristenscharen mit großen Augen beäugt, da wir doch untypischerweise für diese Jahreszeit mit Zelt, Schlafsack und Isomatte stark bepackt waren.

Aufbruch ins Ungewisse

Wir wurden nach dem Tourenziel interviewt und uns wurde Erfolg gewünscht. „Gemütlich“ ging es dann mit gut 25 Kilo auf dem Rücken durch Zermatt. Unter einem Stadtbummel stelle ich mir allerdings etwas anderes vor. Vielmehr waren wir alle damit beschäftigt, in unseren Skisachen, den Skischuhen und den schweren Rucksäcken bei rund 18 Grad nicht zu zerfließen.
 
Stadtbummel durch Zermatt
 
An der Talstation des Liftes nach Furi wurden schnell 4 Tickets gelöst und es ging die knapp 300 Höhenmeter bis nach Furi mittels Gondelbahn hoch. Als Tipp: Wenn man an der Kasse sagt, dass man Tourengeher ist, dann gibt es einen kleinen Rabatt.

Thomas kannte den Weg von Furi Richtung Monte Rosa Hütte bereits von seiner Tour vor zwei Wochen, ich kannte zumindest den Anfang des Weges von meiner Tour um das Matterhorn, welche ich mit meinen Eltern 2014 unternommen habe. Schnell war über die Piste die Abbiegung erreicht, an der es zur markanten Hängebrücke abging.

Thomas spurt los Auf dem Weg zur Hängebrücke

 

Über Nacht gab es 30 cm Pulver, so dass hier unsere Spurarbeit begann. Das erste große Stück spurte Thomas bevor ich dann etwas Spurarbeit leisten musste. Wie man sich vorstellen kann, ist dies mit einem derartigen schweren Rucksack keinen falls vergnügungssteuerpflichtig.

Kay auf der Hängebrücke Spuren mit Gepäck, nicht gerade das was man sich wünscht

Kurz vor dem Gletschertor wurden wir dann von einer „light and fast“ Gruppe eingeholt und diese übernahmen ab sofort die Spurarbeit, was uns ganz recht war. Die Rampe zum Gletschertor gestaltete sich auf gefrorenem Holz mit einer Auflage aus lockerem Pulverschnee nicht gerade einfach, wurde aber dann doch zügig gemeistert.
 
 
Danach öffnet sich das Tal und der unendlich lange Monte Rosa Gletscher kommt zum Vorschein.
 
Langsam schreiten wir dahin
 
Die nächsten Stunden waren dann geprägt von schnaufen, laufen, trinken und wieder schnaufen, laufen. Die Kilometeranzeige meiner Berguhr hatte das Tempo wie eine bekiffte Galapagosschildkröte und nahezu kaum Höhenmeter wurden angezeigt. Das kann ja ein Spaß werden, dachte ich mir. Nach gefühlt eine Ewigkeit kamen wir dann am Gletscherbruch an, durch welchen zum Glück eine gute Spur führte und damit das Spaltenlabyrinth halbwegs durchdringbar war.
 
 Fast wie im Himalaya ;)
Am Ende des Gelterbruchs geht es dann nochmals einen Steilhang bergauf Richtung Monte Rosa Hütte, wo wir letztendlich erst nach 8 Stunden ankamen. Geplant waren 5…

Wir alle waren schon recht k.o. und legten daher eine kurze Pause zum Aufwärmen vor der Hütte ein. Danach gingen Kay und Thomas bereits schon einmal vor, um ungefähr 100 bis 150 Höhenmeter über der Hütte, direktes Zelten an der Hütte ist verboten, einen Platz für unser Basecamp zu suchen. Als Dennis und ich fünf Minuten später folgten, erlebten wir ein Naturspektakel, das uns beide kurzzeitig sprachlos werden ließ. Die Wolkendecke brach auf und enthüllte die umliegenden Berge in der Abendsonne.

Abendstimmung auf den letzten Metern Wahnsinns Stimmung, die Walliser Prominenz feuert uns an

 
Es schien, als ob uns die ganze Walliser Prominenz nochmal zum großen Finale anfeuern wollte. Mit dieser Motivation waren wir dann schnell am Biwakplatz, welcher dann auch zügig frei geschippt war. So standen gegen 19:30 Uhr unsere Zelte und es wurde reichlich Schnee geschmolzen, um unsere Wasservorräte wieder aufzufüllen. Ein beeindruckendes Abendessen mit einem Panorama, wie ich es selten erlebt habe, entschädigte dann für alles und so krochen wir dann etwas müde aber doch sehr glücklich gegen 21:30 Uhr in unsere warmen Schlafsäcke

Abendstimmung am Matterhorn Traumbiwakplatz

 

Sonntag: Cima di Jazzi (3803m)

Der Wecker klingelt wieder mal um 7 Uhr. Nicht allzu frühe für eine Skihochtour. Es war allerdings wunderschönes Wetter vorhergesagt, lang genug hell und wir waren hoch genug, um ständig unter der Null-Grad-Grenze zu sein. Heute sollte es zur Akklimatisation auf die Cima die Jazzi gehen. Auf der Karte sah es nach einer ganz schönen, langen Tour aus. Die Krux war wohl ziemlich am Anfang ein Felsriegel, welcher vom Monte Rosa Gletscher nach unten zieht und den es zu überschreiten galt, um auf der anderen Seite wieder auf den weitläufigen Gletscher zu gelangen. Nachdem wir morgens mit Schnee schmelzen, Müsli-Zubereitung und aus dem warmen Schlafsäcken kriechen, doch einige Zeit verplemperten, marschierten wir erst gegen 9 Uhr los. Die Sonnenstrahlen kitzelten auf unserer Haut und erwärmten langsam unsere steifen Glieder. Es wurde angenehm warm und wir krempelten unsere Shirts hoch, was uns später zum Verhängnis werden sollte. Mancher von uns sah am Ende des Tages aus wie ein gekochter Hummer. Man darf die Höhengletschersonne einfach echt nicht unterschätzen, liebe Kinder da draußen!

Liskamm Panorama

Zügig erreichten wir durch eine lange Querung den Felsriegel, welcher durch Fixseile und Stahlstifte entschärft und so auch mit Skiern auf dem Rücken leicht machbar war.
 
 
Die andere Seite gestaltete sich schon lustiger. An einem Fixseil, welches am oberen Rand einer 45 Grad steilen Rinne angebracht war, mussten wir uns abseilen. Wir sicherten uns kurz mittels Prusik und waren dann schnell und wohlbehalten auf der anderen Seite, wo wir unsere Gletscherwanderung fortsetzten. Ein ebener Gletscher ist so eine Sache. Der eine freut sich darüber, dass es nicht so steil hinauf geht und weniger anstrengend ist. Zudem gibt es auch viel weniger Spalten. Oder aber man ärgert sich wie ein Rohrspatz, dass man hier nicht abfahren kann und wieder alles inklusive der Gegenanstiege zurücklatschen muss.
 
Auf dem Weg zur Cima di Jazzi
 
Irgendwann, nach fünf Stunden, erreichten wir dann endlich auch den Gipfel der Cima di Jazzi (3803m), nachdem es am Schluss tatsächlich nochmal einen steileren Hang mit 350hm nach oben ging.
 
 
Dennis war doch etwas k.o. vom Vortag, so dass er leider kurz unter dem Gipfel warten musste und nur Kay, Thomas und ich die letzten Höhenmeter in Angriff nahmen. Thomas realisierte glaube ich erst hier oben bei einem Blick in die Monte Rosa Ostwand, was er vor zwei Wochen hier mit Steffen geleistet hatte. Aus der Wand sieht die Cima di Jazzi übrigens auch rassig aus, von unserer Seite war es eher eine Schneekuppe. 😉
 
IMG-20160408-WA0002
 
 Die Aussicht von hier oben war in der Tat gigantisch. Alle hohen Westalpengipfel reihten sich stolz auf. Einige waren bereits erstiegen, andere galt es für mich noch zu meistern. Da war die gesamte Walliser Prominenz von Liskamm über Castor und Pollux bis zum Nordend und der Dufourspitze. Das Matterhorn funkelte im Hintergrund und ganz am Horizont zeigte sich sogar der Monarch, der Mont Blanc, welchen wir 2015 bestiegen hatten.
 
Mont Blanc, Matterhorn, Monte Rosa - Aussicht von der Cima di Jazzi
 
Der Anblick war einfach atemberaubend! Nach einer kurzen Pause fellten wir ab und erreichten dann in einer schönen Abfahrt Dennis. Die weitere Abfahrt war dann doch recht hart, nicht mehr so schön zu fahren und die letzten acht Kilometer über den Gletscher legten wir mehr schiebend als fahrend zurück. Wir alle beschlossen, dass das nicht gerade eine wunderschöne Traumtour war, als wir die steile Firnrinne des Morgens hochpickelten.
 
Abenteuersuechtig Matterhorn
 
Auf der anderen Seite wurde dann der letzte Kilometer zu den Zelten auf den Fellen abgerutscht.
 
Biwakplatz
 
An den Zelten genossen wir die wunderbare Nachmittagssonne. Wir waren alle müde von dem sehr langen Hatsch, so chillten wir erstmal vor den Zelten im Schnee und füllten mit einer riesen Menge Tee und diversen Schokoladen unsere Speicher wieder auf.
 
 
Ich kann es nicht oft genug sagen, aber die Aussicht von unserem Zeltplatz war echt ein Privileg und absolut phänomenal! Es war ein perfekter Tag mit einer noch besseren Kulisse und so entschieden wir uns zum Abendessen diesmal für eine gute Portion gefriergetrocknetes Kartoffelpüree und Beef Stroganoff. Mit reichlich Parmesan und etwas Speck wurde das ganze nachgewürzt. Dazu überraschte uns dann Thomas stilecht mit einem guten Rotwein, welchen er dankenswerterweise auf dem Berg geschleppt hatte. Auf meiner Packliste stand der nämlich nicht. 😉
 
 
Ein Dinner in einem 3 Sterne Restaurant hätte nicht besser sein können und mit DIESER Aussicht war es bei uns sicherlich einmalig, da kann wohl kein Luxushotel der Welt mithalten. Müde und wohl gesättigt krochen wir dann allerdings bereits gegen 9 Uhr in die Schlafsäcke. Wir schliefen alle fest und weinten uns etwas in den Schlaf, hatten wir doch bereits nach dem Abendessen beschlossen, dass aufgrund unserer langsamen Geschwindigkeit am heutigen Tag und der mangelnden Fitness, sowie der noch nicht optimalen Akklimatisation und der schlechten Wetterprognose ab dem frühen Montagnachmittag, die Besteigung der Dufourspitze wohl dieses Mal nicht das vernünftigste wäre.

Eine derartige Entscheidung zu treffen fiel uns allen sehr schwer. Ich war sehr enttäuscht und musste damit erstmal umgehen lernen. Für mich war es die erste Tour, welche ich abbrechen musste bevor ich sie gestartet habe. Dennoch habe ich mal wieder einiges über Vernunft am Berg, Entscheidungen im Team und mich gelernt. Unsere Vorbereitungen waren einfach nicht genug durchdacht gewesen und wir haben zu viele Planungsfehler gemacht. Mit derart schwerem Gepäck gleich 12km und 1200hm ohne Akklimatisation aufsteigen zu wollen hat einfach zu viel Kraft gekostet. Hier wäre wohl die Hälfte besser gewesen. Dazu hatten wir viel zu viel Essen und Snacks sowie Gas dabei, auch da muss nächstes Mal eine noch genauere Planung und Abstimmung erfolgen. Letztendlich waren wir dann auch noch ausgerüstet für alle erdenklichen Touren da oben, was dann doch zu einer exakteren Tourenplanung führen sollte, sodass echt nur das notwendige Gear dabei ist.

Im Nachhinein bin ich allerdings nicht böse um diese Erfahrung und die Enttäuschung ist mittlerweile auch vergangen. Die Berge stehen auch noch in vielen Jahren und Jahrhunderten. Besser man hat einmal zu früh auf sein Bauchgefühl als einmal zu spät gehört. Für unsere Expedition nächstes Jahr konnten wir dadurch auch viel mitnehmen und lernen.

Jede Erfahrung auf dem Weg des Lebens macht einen weiser und reicher, denn das Ziel ist nicht ein Gipfel sondern das Leben.

K2 Werbefoto ;)

 

Montag: Eine schwierige Entscheidung – Abschied vom Monte Rosa

Als ich gegen 7 Uhr aus dem Zelt das Matterhorn erblicke, sind die Gedanken des Vorabends fast verflogen. Die Nacht war recht windig und das Zelt wurde das ein oder andere Mal von Böen, welche den Wetterumschwung ankündigten, gerüttelt.
Langsam waren wir eingespielt und so war schnell Wasser geschmolzen, der Frühstücksbrei zubereitet und parallel unser Biwak aufgelöst. Gut eine Stunde nach dem Aufstehen standen wir dann auch wieder mit den nicht mehr ganz so schweren, aber dennoch heftigen Rucksäcken auf den Skiern. Die Abfahrt bei zerfahrenem gefrorenem Firn und mit dem Gepäck machte mäßig Spaß und wir waren alle froh als wir durch den Gletscherbruch durch waren.

Thomas im Gletscherbruch Kay und Dennis im Gletscherbruch

Das Gletschertor war diesmal verhältnismäßig schnell erreicht und so standen wir dann drei Stunden später wieder auf der Piste Richtung Zermatt. Bei Rösti und Bier ließen wir die Tour nochmal Revue passieren und entschieden uns dazu, heute noch zum Simplonpass aufzubrechen, um dort noch etwas zu machen.

Der Weg durch Zermatt bis zum Bahnhof und weiter zu unserem Auto zog sich dann doch noch, aber gegen 15 Uhr saßen wir dann auch wieder im fahrbaren Untersatz. Was für drei Tage an diesem tollen Massiv. Wir mussten alle das Geschehene für uns nochmal durchdenken, sodass im Auto die Stimmung doch recht ruhig war.

Das Glück ist mit den Tüchtigen und fragen kostet nichts und so durften wir dann am Simplonpass unsere Zelte im Hintergarten eines alten Bauerngehöftes an einem Bach aufstellen. Der örtliche Bauer brachte uns sogar noch eine Kanne heißen Kaffee für den nächsten Morgen. Wir waren überwältig von der Schweizer Gastfreundschaft. Hier kommen wir gerne wieder her.

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Dienstag: Breithorn (3438m)

Die ganze Nacht prasselte der Regen auf das Zelt. Als der Wecker das erste Mal klingelte und Petrus uns immer noch mit einer Dusche segnete beschlossen wir, uns nochmal in den Schlafsäcken umzudrehen. Schließlich starteten wir dann doch eine Stunde später, nach einem gemütlichen Frühstück mit warmen Kaffee, in den Tag. Per Auto ging es wieder hoch auf die Simplonpasshöhe. Am dortigen Hospiz wurde das Auto geparkt und schnell legten wir mit einer anderen Gruppe unsere ersten Spuren durch den vom Regen aufgeweichten Schnee. Die Wolken hingen noch tief in den Hängen, aber erste Aufhellungen versprachen einen doch halbwegs guten Tag.

Thomas auf dem Weg zum Breithorn

Anfangs ging es durch das kleine Almdorf auf einen Lawinenschutzwall und von dort in einer Linksquerung Richtung der steilen Nordwand des Hübschhorns. Diese quert man dann ziemlich direkt unterhalb der felsigen Abbrüche auf einer 40 Grad steilen Flanke in nordöstliche Richtung, sodass hier definitiv die Lawinensituation genau betrachtet werden sollte.
 
 
Bei uns waren am Vortrag bereits die Lawinen abgegangen und eine gute Spur sichtbar, sodass sich die Gefahr in Grenzen hielt. Dennoch querten wir dann mit viel Sicherheitsabstand diese Crux der Tour. Der Aufstieg folgte über sanfte Hänge, jetzt in genug Abstand zu der Nordwand des Hübschhorns, weiter über den Homattugletscher bis zum Breithornpass (P3345). Heute waren wir mit leichtem Gepäck, gut akklimatisiert und etwas ausgeruht auch wieder wesentlich zügiger unterwegs und so schoben wir nach gut drei Stunden unsere Ski durch die mächtige Wechte auf den Breithornpass.
 
Wechte am Breithornpass
 
Von dort waren es dann noch knapp zwanzig Minuten auf den Hauptgipfel. Die Aussicht war leider nur partiell vorhanden, teilweise hüllten uns dicke Wolkenschwaden ein und zogen wie märchenhafte Gestalten an uns vorbei.
 
 
Nach einer kurzen Rast schnallten wir unsere Skier an und machten uns auf eine grandiose Abfahrt entlang der Aufstiegsroute. Der Schnee war mittlerweile durch die Sonne etwas weicher und wir genossen im oberen Teil breite, unverspurte Pulverhänge. Wir waren mittlerweile allein am Berg unterwegs und so durchschnitten unsere Jubelschreie das ein oder andere Mal die Stille.
 
 
Es war einfach grandios! Im unteren Teil ab ca. 2300m sulzte der Schnee dann doch sehr auf, sodass das Fahren weniger Spaß bereitete. Glücklich, versöhnt mit den Strapazen der Vortage und zufrieden genossen wir dann im Restaurant am Simplonpass gegen 13 Uhr unseren Cappuccino. Was ein Ausklang dieser Tage!

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Da die Wettervorhersage für den nächsten Tag nicht wirklich prickelnd klang, entschlossen wir uns im wahrsten Sinne des Wortes heute schon unsere Zelte abzubrechen und gen Heimat zu fahren.

Fazit

Seit mich Günther dankenswerterweise 2012 das erste Mal ins Wallis mitgenommen hat, stelle ich immer wieder fest, dass mich dieses nicht mehr loslässt. Die Berge hier sind schon wirklich atemberaubend und ich war sicher nicht das letzte Mal dort.
Das Wetter hat wirklich mitgespielt und es waren grandiose Tourentage, welche durchaus als Expeditionsvorbereitung geeignet waren. Leider musste gerade Martin krankheitsbedingt absagen und auch Christian lag mit Grippe flach, sodass das Team nur partiell dabei war. Auch Erika hat leider kurzfristig absagen müssen. Viel gelernt habe ich über Vorbereitung, Planung und Krafteinteilung. Diese Fehler werde ich sicher nicht mehr machen und dann gibt es vielleicht doch noch eine realistische Chance auf die Dufourspitze. Der Sack hängt jetzt auf jeden Fall mal da oben. 😉 Jetzt freue ich mich aber erstmal auf ein paar sommerliche Klettertouren mit den Jungs!

Umzukehren und abzusteigen ist eine der schwierigsten Entscheidungen in den Bergen. Vielleicht die schwierigste überhaupt. Ich habe lange gebraucht, bis ich das gelernt habe. [Hans Kammerlander]

 

Flo am Biwakplatz Lagerromantik Feuerstelle Tragepassage auf dem Weg zur Piste Kay der Sonnenverbrannte Gott

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Flo
Flo

11 Kommentare

  1. Sabrina sagt:

    Also liebe Jungs,

    diese Entscheidung gehört leider zum wirklichen Bergsteigen dazu. Darum Daumen hoch, dass ihr sie treffen habt können. Das ist bereits eine starke Leistung! Und die beiden Touren klingen doch trotzdem super! Und man lernt ja so oder so immer bei jeden Mal etwas dazu!

    Also alles richtig gemacht!

    Tolle Bilder natürlich auch! Super!

    LG Sabrina

    • Flo sagt:

      Liebe Sabrina, da hast du wohl recht. In dem Ausmaß war es nur das erste Mal. 🙂
      Mittlerweile freuen wir uns aber schon über die nächsten Touren (auch mit euch). 🙂
      LG
      Flo

      • Sabrina sagt:

        Ja das kann ich wie gesagt gut nachvollziehen! Unser Rückzug am Lenin hat auch sehr lange geschmerzt, auch wenn die Vernunft Dir ständig sagt, das es besser so war. Aber das geht vorbei!

        Es warten neue Abenteuer! Freuen uns auch auf die nächsten Touren mit Euch!

  2. Norbert sagt:

    Nach dem Lesen der Kommentare im Blog zu den Skitouren im Sellrain, hatte ich auf den Monte Rosa getippt.
    Na, da lag ich ja richtig! Sehr schöne Bilder, welche die Atmosphäre rund um den Gornergletscher gut eingefangen haben. Die Dufourspitze ist übrigens der Gipfel, während dessen Besteigung das Matterhorn immer kleiner wird und zum Schluss schaut man auf es herab. 🙂 Zumindest war dies mein Empfinden und eine völlig neue Perspektive.
    Nichts gegen Chamonix und die Mont Blanc-Gruppe, aber die Berge rund um Zermatt sind einfach einzigartig und abwechslungsreicher. Wie ein großes Hufeisen reihen sich die Gipfel der Mischabel-Gruppe, des Monte Rosa, Lyskamm, Breithorn, Matterhorn, Dent Blanche und Weisshorn um dem Talschluss.
    Besten Dank für den Bericht und weiterhin alles Gute und Grüße aus dem Rheingau!
    Vielleicht schaffen wir es ja dieses Jahr mal auf ein Weizenbier, natürlich alkoholfrei! 🙂

    • Dennis sagt:

      Gerne doch, Norbert!
      Es freut uns zu sehen, dass wir solch treue Leser haben, da macht das Schreiben gleich noch mal so viel Spaß. Das mit dem Weizenbier steht, allerdings müsste dafür, um Vollständigkeit zu gewährleisten, Flo mal wieder in Mainz sein 🙂

      Viele Grüße
      Dennis

  3. Norbert sagt:

    Einfach per e-mail melden!
    Da ich aus den 80ern nur einige Dia habe, hier noch ein Bild mit dem Blick von da oben runter aufs Matterhorn.
    Schon eine ungewohnte, aber grandiose Perspektive! 🙂 http://f.hikr.org/files/151993l.jpg

  4. Norbert sagt:

    Und ohne die Wolkendecke wäre umgekehrt der Blick frei nach Osten über Grand Combin, Matterhorn zum Monte Rosa.
    Der macht übrigens bei Sonnenaufgang vom Mailänder Flughafen auch eine gute Figur:
    https://pbs.twimg.com/media/B8XmP3wIAAAvfCn.jpg:large

  5. Norbert sagt:

    Hier noch ein historisches Panorama von Monte Rosa und Co. , aufgenommen vom Gornergrat so um 1920.
    http://www.alpen-panoramen.de/panorama.php?pid=29130&srch=Matterhorn
    Was fasst hundert Jahre bei Gletschern doch so ausmachen …

  6. […] eben Tribut zollen und einsehen, dass es nicht läuft. Diese Erfahrung mussten wir ja bereits vor ein paar Wochen im Monte Rosa Massiv machen und genau so ging es mir beim Gutenberg Marathon 2016 in […]

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