Alpenurlaub 2014 – Hochtouren und Wandern
31. Juli 2014
Hochtour auf den Castor
4. August 2014

Hochtouren auf das Breithorn und den Pollux

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Eigentlich hatten wir ja das Zinalrothorn über den Rothorngrat als erste Hochtour 2014 geplant, aber wie es im Leben so ist, kommt es manchmal völlig anders, als man denkt. Das Italien-Tief, das Europa derzeit fest im Griff hat, hatte so viel Schnee auf den Rothorngrat abgeworfen, dass eine Begehung leider nicht möglich war. Also hatten wir umgeplant, die Rothornhütte storniert und waren stattdessen auf die Rifugio Testa Grigia aufgestiegen.
 

Sonntag,  27.07.2014 – Im Nebel auf den Castor, oder doch nicht?!

Am Vorabend hatten wir hin und her überlegt, was wir tun sollten. Der Wetterbericht sagte halbwegs gutes und stabiles Wetter voraus, also entschieden wir und für den 4228 Meter hohen Castor. Wir gingen zeitig ins Bett, um für die Tour fit zu sein, aber es sollte ganz anders kommen…

Schlechtes Wetter auf der Testa GrigiaMeine Güte, war das eine Nacht… Nach einer Übernachtung auf der Schönbielhütte auf 2694 Meter waren wir im Refugio Testa Grigia nun auf 3480 Meter und das habe ich als Flachlandtiroler gemerkt. Zwar bin ich gut eingeschlafen, aber als ich gegen halb zwölf wach wurde, war es mehr oder weniger vorbei mit dem Schlaf. Ich konnte quasi kein Auge mehr zu machen, weil ich erstens unheimliche Kopfschmerzen von der Höhe hatte, es zweitens aber auch tierisch laut war auf der Hütte. Der Fahnenmast oder sonst etwas hat im Wind unglaublich laut geknallt und beides zusammen ließ mich irgendwie nicht mehr einschlafen. Zumindest kam es mir so vor, als hätte ich die restliche Nacht wach gelegen. Als um vier Uhr der Wecker klingelte, war ich fast erleichtert, dass ich nicht mehr nur noch dazuliegen brauchte. Wir quälten uns aus unseren Betten und hinunter in die Stube der Hütte, wo wir für 4:15 Uhr unser Frühstück bestellt hatten. Für mich gab es zum Brot, Müsli und Kaffee erst mal zwei Ibuprofen, ich hätte sonst nicht gewusst, wie ich den Tag bzw. vor alle  Dingen unsere Tour hätte überstehen sollen.
Das Problem war nur, dass wir nach dem Frühstück nicht los konnten, denn das Wetter draußen war dermaßen schlecht, dass uns nichts anderes übrig blieb, als uns in Geduld zu üben und wortwörtlich auf besseres Wetter zu warten. Unser Abmarsch Richtung Castor war für fünf Uhr geplant, aber wir und auch ein paar andere Seilschaften mussten wohl oder übel warten, ob sich der Nebel draußen noch legen würde, denn bei der aktuellen Witterung war eine Hochtour quasi undenkbar.

Der Mont-Blanc im MorgenrotAls das Wetter um ziemlich genau sieben Uhr schlagartig besser wurde, war es leider zu spät für den Castor,  also mussten wir spontan umplanen und entschieden uns für das leichtere und vor allen Dingen näher gelegene Breithorn. Wir schlüpften also in unsere Bergstiefel, schulterten unsere Rucksäcke und liefen los. Die erste Stunde verlief unsere Route über die Skipiste nach oben und dann hinüber Richtung Klein-Matterhorn.
Menschenschlange am BreithornDort oben auf 3800 Meter angekommen traf uns fast der Schlag, denn nicht nur wir und ein paar andere Seilschaften von der Testa Grigia aus waren auf dem Weg Richtung Breithorn. Zeitgleich mit uns kam auch die erste Gondel auf’s Klein-Matterhorn an und hinaus sprangen gefühlt 100 Seilschaften, private wie auch welche mit Bergführer. Scheinbar hatten sich so ziemlich alle Seilschaften, die an diesem Tag eine Tour unternehmen wollten, wie auch wir für das relativ leicht und schnell zu besteigende Breithorn entschieden. Direkt nach dem Betreten des Gletschers reihten wir uns also in die endlos erscheinende Kette aus Menschen ein und machten uns auf, den Berg über den Normalweg zu besteigen. Wir kamen sehr gut voran und ich merkte, dass die beiden Kopfschmerztabletten Wirkung zeigten, zum Glück. Nach und nach überholten wir einige Seilschaften und waren nur noch etwa 50 oder 100 Meter unterhalb des Gipfels, als wir auf drei italienische Gruppen aufschlossen. Ein paar Minuten liefen wir hinter ihnen her, aber irgendwann setzten wir zum Überholmanöver an, weil sie nicht nur deutlich langsamer waren als wir, sondern auch ständig stehen blieben, um z. B. Fotos zu machen. Dass alle nachfolgenden Seilschaften dabei warten mussten schien, sie nicht wirklich zu interessieren. Eine weitere Seilschaft mit vier Personen, die von einer zweiten Spur aus auf unsere wechseln wollte versuchte noch, sich zwischen uns beide zu drängen,  bis wir sie freundlich darauf hinwiesen, dass sie doch bitte warten sollen, bis wir vorbei sind. Sachen gibt’s…
Flo auf dem Gipfel des BreithornsDennis am Gipfel des BreithornsNachdem wir an den anderen Bergsteigern vorbei waren, dauerte es nicht mehr lange und wir erreichten den 4164 Meter hohen Westgipfel des Breithorns. Stolz umarmten wir uns im dichten Nebel, denn leider war es zwischenzeitlich wieder extrem zugezogen, so dass wir nur immer mal wieder für wenige Sekunden den wunderschönen Ausblick auf die umliegenden Gipfel wie das Matterhorn, das Zinalrothorn oder das Weißhorn erhaschen konnten. Gerade dieser atemberaubende Blick auf das Zinalrothorn und seinen Rothorngrat schmerzte schon fast etwas, wollten wir es ja eigentlich über den Rothorngrat besteigen. Diese Tour müssen wir dann eben in einem anderen Urlaub gehen, denn das wäre einfach zu gefährlich gewesen.
Ein kurzer Augenblick mit perfekter AussichtTrotz des Nebels wollten wir es uns aber nicht nehmen lassen, den schmalen und ziemlich ausgesetzten Gipfelgrat Richtung Zentralgipfel zu gehen, um dort eine kurze Gipfelrast einzulegen, bevor wir den Heimweg antreten würden. Links und rechts des Grates pfiff es ganz schön steil hinunter, weshalb hier noch mal volle Konzentration gefordert wurde. Nach ein paar Minuten auf dem Zentralgipfel stiegen wir über diesen wieder ab, um den nachfolgenden Seilschaften auf dem schmalen Schneegrat nicht entgegen laufen zu müssen.
Und selbst als wir zu fortgeschrittener Stunde wieder zurück Richtung Klein-Matterhorn liefen, kamen uns noch diverse Seilschaften entgegen, die auf dem Weg zum Gipfel waren. Schön zu laufen war es in dem schon jetzt weichen Schnee jedenfalls nicht mehr… nicht einmal bergab.Mischabelkette und Nadelgrat
Durch’s Sommer-Skigebiet stiegen wir dann weiter ab bis auf knapp 3500 Meter uns zurück zur Hütte. Dort angekommen gönnten wir uns zuerst ein leckeres Radler und machten ein kurzes Nickerchen,  bevor gegen Nachmittag Flo’s Kollege Günther auch auf der Testa Grigia eintreffen würde, mit dem wir für den kommenden Dienstag eine anstrengende und anspruchsvolle Tour auf den 4092 Meter hohen Pollux geplant hatten.
Nachdem Günther dann auch auf der Hütte angekommen war, fachsimpelten wir noch über allerlei Dinge zum Thema Berge und machten uns einen wirklich netten und lustigen Abend auf der Hütte. Der witzige und super freundliche Hüttenwirt trug dazu sicher bei, wenn er teilweise wild gestikulierend durch die Stube flitzte und alle Anwesenden bediente und belustigte.
 

Montag, 28. Juli 2014 – Pollux, einen kleinen Zwilling hart erkämpft

Wieder einmal klingelte der Wecker um 4 Uhr morgens und nachdem wir gestern recht pünktlich in die Betten sind, waren wir auch halbwegs wach. Wie immer um diese Uhrzeit habe ich recht wenig des leckeren Frühstückbuffets (derartig umfangreiches Frühstück würde man auf 3500m nicht erwarten) hinunter bekommen. Dennis und Günther ging es diesmal allerdings ähnlich. Ein Blick aus der Hüttentür sorgte zudem für ein etwas mulmiges Bauchgefühl, war doch immer noch Schneeregen und Nebel zu sehen. Dennoch entschieden wir uns nach einer kurzen Lagebesprechung gegen 5:30 Uhr für den Aufstieg über die sicheren Pisten des Sommerskigebiets auf das Breithornplateau. Dort oben wollten wir dann  entscheiden, je nach Wetter, wie es weitergehen sollte. Als wir gegen kurz vor 7 auf dem Plateau ankamen riss es auf und wir hatten eine recht gute Sicht. Daher entschlossen wir uns quasi einstimmig und nahezu wortlos, den Pollux zu versuchen. Eine gefühlte Ewigkeit latschten wir über eine gute Spur das Breithornplateau entlang, hinunter und auf der anderen Seite wieder Richtung Zwillingsjoch hinauf. Ich dachte mir nur, dass der Gegenanstieg von knapp 200hm beim Rückweg ja „klasse“ werden wird. Da freut sich das Bergsteigerherz.
GletscherromantikDer Weg führt über einen spaltigen und beeindruckend großen Gletscher, durch einen Lawinenkegel immer mit ausreichend Sicherheitsabstand unterhalb der Bruchzone der Breithorngipfel bis in das Gletscherbecken vor dem 4094m hohen Pollux, wo wir gegen 9:30 Uhr ankommen. Nachdem bereits drei Führerseilschaften mit teilweise recht unfähigen Japanern vor uns sind, entschließen wir uns eine kurze Rast zu machen und die Kohlenhydrat und Wasservorräte aufzufüllen, bevor es an den kräftezehrenden Anstieg über die letzten 350 hm geht. Die Route führt dieses Jahr nicht gleich auf den felsigen Südwestgrat sondern erst einmal gut 100 Höhenmeter eine bis zu 45 Grad steile Rinne hoch, welche nach oben hin aufsteilt und enger wird bevor sie auf den Felsgrat trifft. Langsam aber stetig steigen wir in gutem Trittfirn diese Rinne hoch, abrutschen möchte man hier jedoch nicht.
GletscherbruchEs ist also höchste Konzentration angesagt, insbesondere solange man sich zudem in einer gewissen Fallliniendistanz zu der vorausgehenden Seilschaft befindet. Angekommen am felsigen Grat wird kurz der Weiterweg begutachtet und Günther geht langsam voran. So erklettert man im Blockgelände verhältnismäßig einfach den Grat bis zur Schlüsselstelle – eine recht glatte Platte, welche in einer Verschneidung aufsteigend zur Schulter des Pollux führt. Die Platte ist allerdings mit Tauen gut abgesichert und kann zudem durch das legen von 3-4 Exen noch entschärft bzw. gut abgesichert werden. Nachdem für Günther hier der Vorstieg im oberen 3er-Gelände mit Steigeisen als Nichtkletterer etwas zu schwer wäre, wurde die Seilschaft schnell umgebaut und Dennis und ich flankierten Günther in der Mitte.
Schlüsselstelle am PolluxLeider mussten wir bis zu unserem Einstieg allerdings noch 45 Minuten warten, da an dieser Schlüsselstelle nahezu immer Stau herrscht. Hier gehen Führerseilschaften langsam hoch, gleichzeitig kommen die ersten runter und damit ist das verstopfte Nadelöhr perfekt. Als wir dann endlich einsteigen konnten, waren die 30 hm auch schnell geklettert und selbst Günther bekamen wir mit etwas ziehen zur Madonna auf der Schulter hoch. 😉 Oben angekommen war es bereits recht spät, was mir nicht gerade ein Gefühl der Entspannung verschaffte, mussten wir doch noch den ganzen Weg zurück und das Wetter wurde nicht besser.
Gipfelgrat am Pollux - Sicht quasi nullWir beeilten uns also, den Firngrat hoch auf den Gipfel zu marschieren und Günther spürte nun doch langsam etwas seine noch nicht perfekte Akklimatisation, oder war es das Alter 😉 Gegen 11:30 Uhr waren wir dann nach 6 Stunden auch auf dem Gipfel und bereits jetzt hatte ich insgeheim bereits damit abgeschlossen, dass Dennis und ich heute noch ins Tal kommen werden. Auf dem Gipfel war die Sicht leider nicht vorhanden. Wir standen mitten im Nebel und konnten nur erahnen, welches grandiose Panorama hier oben uns erwartet hätte, als es kurz einmal aufriss und wir den Castor sehen konnten. Also verschwendeten wir nicht viel Zeit hier oben und stiegen zügig wieder zur Madonna ab, wo wir nochmal kurz Rast machten und abwarteten, bis die letzte Seilschaft vor uns durch die Schlüsselstelle abgeseilt hatte. Dann konnten Dennis und ich eines unserer eingespielten Abseilmanöver nutzen und Günther wurde kurzerhand via HMS abgelassen, bevor kurz danach Dennis und ich folgten. So hatten wir alle drei in 20 Minuten die Schlüsselstelle hinter uns und konnten uns auf den restlichen Abstieg durch den Blockgrat und die steile Firnrinne machen. Letztere war dank des fortgeschrittenen Tages bereits schön weich und so konnten wir diese richtig toll „abfahren“ was ich sehr genoss. 🙂

Flo und Dennis am PolluxAm Fuss des Grates wieder angekommen, war die Erleichterung bei uns allen zu spüren und wir konnten es doch noch nicht ganz fassen, dass wir trotz des etwas bescheidenen Wetters diesen schönen Gipfel erreicht hatten. Sicher für Dennis und mich die bisher kompletteste und schwierigste Hochtour, welche aber viel Lust auf mehr machte.

Der Rückweg über den Gletscher gestaltete sich aufgrund Günthers bedächtiger Langsamkeit etwas langwierig, aber wir nutzten die Zeit zum Schauen und Tour Revue passieren lassen. Auf dem Breithornplateau angekommen standen wir dann auch noch passend schön im Whiteout, glücklicherweise war auf die Spur und mein GPS absolut Verlass und so kamen wir nach knapp 11 Stunden müde und glücklich wieder auf der Testa Grigia an, wo wir nun doch eine dritte Nacht verblieben und die Tour schön feierten.Zurück in Zermatt

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Dennis
Dennis
Flachlandtiroler und Bergliebhaber! Im normalen Leben IT’ler, ab und an auch Klettertrainer, aber am liebsten selbst in den Bergen unterwegs. Ob im Fels oder Eis ist eigentlich egal, Hauptsache rauf da!

2 Comments

  1. […] Zinalrothorn, Weisshorn, um nur einige zu nennen. Links neben uns bereits bestiegene Berge wie das Breithorn, der Pollux, der Castor oder auch der Liskamm. Hinter uns die Dufourspitze, ein wahnsinnig toller Berg, der […]

  2. […] immer noch nicht wohlgesonnen, deshalb mussten wir erneut umplanen. Nach den Ersatzgipfeln Breithorn und Pollux hatten wir uns, weil wir keine Lust hatten, extra das Tal zu wechseln, nach zwei Pausentagen in der […]

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