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17. November 2016La Sportiva Spectre im Test: Passt Italien und Schnee zusammen?
Habt ihr auch schon mal lĂ€ngere Zeit auf Tour in unbequemen oder unpassenden Skischuhen gesteckt? Ein bequemer Tourenschuh gehört dabei zu dem wichtigsten AusrĂŒstungsgegenstand. Wer schon einmal lĂ€ngere Zeit in unbequemen oder unpassenden Schuhen in den Bergen unterwegs war weiĂ, dass ein drĂŒckender Schuh einen groĂen Schatten ĂŒber den besten Tourentag legen kann. Im aktuellen Langzeittest haben wir, in Kooperation mit den Bergfreunden, den La Sportiva Spectre genau unter die Lupe genommen.
Herstellerbeschreibung des La Sportiva Spectre
Spectre, das Ergebnis einer Neuinterpretation des vierschnalligen Skitourenschuhes.
Die am Stratos, unserem Wettkampfschuh schlechthin, angereifte Erfahrung und die Firmenvision Kraft, Kontrolle, Ausdauer und PrĂ€zision eines Abfahrtschuhes, mit ausgezeichneten Eigenschaften wie MobilitĂ€t und Leichtigkeit eines hochentwickelten Skitourenschuhes zu vereinen, hat La Sportiva dazu gebracht einen Skitourenschuh mit vier Schnallen vorzustellen, dessen Abfahrtseigenschaften mit denen eines Alpinskischuhes gleichkommt, dabei aber Komfort, Steuerbarkeit und Leichtigkeit eines zweischnalligen Skialp beibehĂ€lt. Die Schale besteht aus leichtem und resistentem Grilamid, wĂ€hrend das patentierte Vertebra Technologie Blockiersystem mit Carbonzusatz Teil der strukturellen Einheit des Schuhes ist und die KraftĂŒbertragung durch seine ausgezeichneten FlexibilitĂ€tseigenschaften â120-Flexâ bei der Abfahrt unterstĂŒtzt. Die 60° Beweglichkeit der Schale, vereint mit der akzentuierten Abrollbarkeit und dem patentiertem Bewegungssystem EZ Flex des Innenschuhes, unterstĂŒtzen die Walkeigenschaften des Produktes. Die integrale Vibram Sohle mit Doppelgummimischung und doppelter Dichte ermöglicht den Gebrauch auf technischen ĂbergĂ€ngen am Fels und auf rutschigem Untergrund. Das Beste vom La Sportiva Know How, angewandt am Vierschnallenschuh mit neuem Konzept.
Optik
Auf Bildern im Netz sieht der Schuh ja schon mal recht schick aus. Umso gröĂer war die Spannung beim Auspacken und schon beim ersten Blick auf den Skitourenstiefel funkelten meine Augen. Die Kombination aus mattem Schwarz und typischem La Sportiva Gelb gibt dem Schuh ein elegantes Gewandt und gleichzeitig schon fast etwas Martialisches. Dazu die dezent glĂ€nzenden Metallschnallen, einfach ein tolles Gesamtbild. Der erste Eindruck war schon mal perfekt und ich freute mich auf den ausgiebigen Test.
Ausstattung
Das erste Anziehen des Schuhs geht leicht von der Hand und dank des Power Strap Verschlusses am Schaft lĂ€sst sich der Schuh auch leicht fixieren. Die vier Schnallen sind schnell und individuell nach meinen BedĂŒrfnissen eingestellt und geschlossen. Das neue System der leichten und robusten Grilamid-Schnallen ist auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedĂŒrftig. Man die löchrigen Pin-Tech-Schnallen erstmal in die vorgesehenen Pins kriegen. Hier frage ich mich direkt, wie das wohl bei eisiger KĂ€lte und dicken Handschuhen funktionieren soll. Die Bedenken stellten sich glĂŒcklicherweise aber bereits bei den ersten Touren als Irrglaube heraus. Selbst im tiefsten Powder lieĂen sich die Schnallen schnell und bequem, trotz Handschuhen, schlieĂen.
Das EZ-Flex Bewegungssystem des Innenschuhs ist wirklich gut. Der Schuh lĂ€sst sich sehr komfortabel anziehen und trĂ€gt sich â insbesondere im Walk-Modus â sehr bequem. Auch ohne die Hartschale ist der Innenschuh bequem. Einzig wenn das Plastik vor dem Zelt sehr kalt wurde, ist es etwas âfummeligâ den Innenschuh wieder in die Hartschale zu bekommen. Eine SchnĂŒrung weist der Innenschuh ĂŒbrigens nicht auf. Er ist bewusst leicht und einfach gehalten.
Die fĂŒr Skitourenstiefel schon beinahe obligatorische Vibramsohle sorgt fĂŒr einen bombensicheren Halt auf glattem und felsigem Untergrund. Auch auf kleinen AbsĂ€tzen lĂ€sst sich damit noch gefĂŒhlvoll antreten. So lassen sich auch leichtere Kletterpassagen wĂ€hrend der Tour gut meistern und man steht jederzeit sicher.
Passform
Perfekt ist auch, dass der Schaft flexibel in der Neigung eingestellt und dadurch auf die individuelle, sportliche Lage wĂ€hrend der Abfahrt eingegangen werden kann. Ăberhaupt war ich sehr von den Bewegungseigenschaften des Schuhs fasziniert. Das Vertebra Technology Blockiersystem mit Carbonzusatz unterstĂŒtzt die KraftĂŒbertragung und dadurch optimal bei der Abfahrt. Selbst in steilen PowderhĂ€ngen mit ĂŒber 40 Grad konnte ich nahezu die Festigkeit und StabilitĂ€t eines Abfahrtsschuhs erreichen und fleiĂig meine âZöpfeâ flechten.
Der Schuh hat eine sehr schmale Passform, insbesondere am Knöchel. FĂŒr Leute mit einem klassischen FuĂ und einem ausgeprĂ€gten FuĂbett stellt dies sicher weniger ein Problem dar. Mit meinen âPlattfĂŒĂenâ und dem dadurch auch breiterem Knöchelansatz sah das leider anders aus. Trotz Einlagen und professionellem âWeitemâ beim SportfachhĂ€ndler war es nicht bequem und ich hatte immer Druckstellen. Schade, habe ich doch sonst weniger Probleme mit La Sportiva.
Haltbarkeit des La Sportiva Spectre
Nach der ersten Saison durch Fels, Schnee und Eis erweist sich die QualitĂ€t der Materialien, wie erwartet, als ausgezeichnet. VerschleiĂ ist bisher, auĂer den ĂŒblichen Kratzern, nicht erkennbar. Auch die Vibramsohle hat nach wie vor gutes Profil. Die 12 Tourentage hat der Schuh perfekt weggesteckt und es macht nicht den Anschein, als wĂŒrde sich das in naher Zukunft noch Ă€ndern.
Man merkt, dass La Sportiva all sein Wissen vom Skibergsteigen in diesen Schuh gelegt und ausschlieĂlich robuste und hochwertige Materialien verarbeitet hat.
Preis
Preislich bewegt sich der La Sportiva Spectre im gehobenen mittleren Segment. Mit rund 370 ⏠zahlt man die Leichtigkeit und hohe FunktionalitÀt sicher etwas mit.
Fazit
Der La Sportiva Spectre ist ein leichter, bequemer und optisch ansprechender Tourenstiefel, welcher sowohl wĂ€hrend des Aufstiegs, als auch langen Abfahrten besticht. Gerade bei letzteren kann man die Schuhe derart fest einstellen, wie man es sonst nur von Alpinschuhen kennt. Die Vibram-Sohle sorgt zudem dafĂŒr, dass man weder auf Felsplatten noch auf Schnee oder Eis Angst um sein Gleichgewicht haben muss. Zuletzt besticht der Schuh natĂŒrlich auch noch durch seine zurĂŒckhaltend elegante Optik. Es zeigt sich also: Italien und Schnee passen doch zusammen!
Leider war der Schuh mir trotz professionellem âWeitenâ beim FachsporthĂ€ndler am Knöchel zu eng und drĂŒckte auf Dauer schmerzhaft. Aus diesem Grund habe ich den Schuh zwischenzeitlich durch ein anderes Modell ersetzt. Dies liegt allerdings nur an meiner Anatomie und nicht am Spectre an sich. MĂ€nnern mit schmaleren FĂŒĂen und ohne PlattfĂŒĂe wĂŒrde ich ihn jederzeit und ohne EinschrĂ€nkung empfehlen đ
Mehr Infos zum Schuh auf der Homepage von La Sportiva.

9 Comments
Hallo Flo,
sehr interessanter Beitrag.
Am interessantesten fand ich aber, dass du (wie ich auch) Probleme mit der Passform beim Spectre hast.
Ich hab meinen auch nicht so hinbekommen, dass ich damit schmerzfrei unterwegs bin (habe einen sehr breiten FuĂ).
Darf ich daher fragen, welchen Schuh du jetzt fÀhrst?
Hey Peter,
ich antworte einfach mal fĂŒr Flo, weil der gerade auf Bergrettungslehrgang ist.
Er fĂ€hrt jetzt jedenfalls den Scarpa Maestrale. Soweit ich weiĂ, ist er mit dem zufrieden, aber das kann er ja nĂ€chste Woche noch mal selbst beantworten đ
GruĂ,
Dennis
Hi Peter,
Dennis hat absolut Recht. Gerade fahre ich den Scarpa Maestrale und fahre damit ganz gut. Der Spectre war wirklich nichts.
Der neue Schuh von Arcteryx hat mir auch gut gepasst, war aber mir dann doch zu teuer.
Viel SpaĂ bei der kommenden Saison!
Lg
Flo
Merci ihr beiden!
Den Maestrale hab ich damals anprobiert und fand ihn im Laden nicht so bequem wie den Spectre … dass es der auch nicht war hab ich dann schnell gemerkt.
Hab jetzt mal einige Zeit damit verbracht mir die Schuhe herauszusuchen, die laut Hersteller den breitesten Leisten haben um diese gezielt durchzuprobieren. Da steht der Maestrale auch drauf, dann geb ich dem auch nochmal eine Chance.
Scott Cosmos/SuperGuide, Fischer Transalp Vaccum, Dynafit Beast stehen da bisher auch noch drauf. (nur falls noch jemand am suchen ist)
Bist Du inzwischen zu einer Entscheidung gelangt?
Ich traue mich mit meiner Standard 43 bei breiterem VorderfuĂ und schmaler Ferse nicht so recht ran, hunderte von Euro zu verschieĂen, denn letztlich merkt mans halt doch erst am Berg :/
Also mit breitem VorfuĂ wĂŒrd ich den Spectre ausschlieĂen.
Ich fahre momentan einen Zero G von Tecnica. Der ist nicht so wirklich toll, meine Steigeisen passen mehr schlecht als recht, aber ich hab mit dem VerkÀufer einen kleinen Deal gemacht.
Das war der breiteste und gĂŒnstigste (war auch im Angebot) Schuh, den er auch gut anpassen konnte.
Bevor ich also nochmal viel Geld verschieĂ, war der Deal ich kauf den, er passt ihn mir fĂŒr lau so oft an, wie ich will/brauch und wenn wir den Tecnica hinbekommen, verkauft er mir, wenn ich dann noch will, mit min. 20% einen „besseren“ der er auch so hinbekommt.
Ich war jetzt bestimmt schon 3-4 mal dort um noch was an der Schale ziehen zu lassen. Mal sehn was das wird am Ende.
Schau dir ansonsten mal den Fischer Vakuum an, den fand ich eigentlich ziemlich gut, wollte nur nicht gleich wieder Geld verpulvern.
Super, danke – das hilft mir weiter!
… hmm, wenn man sich mal die beiden Berichte durchliest, fallen einem doch einige wortgenaue Passagen auf. Ein Schelm wer hier was Böses denkt…
https://www.skiinfo.de/news/a/588414/der-la-sportiva-sparkle-im-test–was-kann-der-italienische-skitourenschuh-
Hallo Herbie,
ja ich habe unter einem Pseudonym auch einmal fĂŒr diese Seite den La Sportiva Sparkle getestet und konnte mein Wissen ĂŒber die Produktserie zwei Jahre spĂ€ter in den Test des Spectre einbringen.
Ich finde es gut, dass du ausgiebig vor dem eventuellen Kauf eines Skitourenstiefels recherchierst.
Kann ich dir noch Fragen zu dem Tourenstiefel beantworten?
Viele GrĂŒĂe, Florian