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Das erste Mal – Unser Tandem-Gleitschirmflug im Montafon

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Der große Traum vom Fliegen

Frei wie ein Vogel durch die Luft zu schweben, das war schon immer einer der ganz großen Träume der Menschen.

Vor ein paar Jahren habe ich schon einen Tandem-Fallschirmsprung gemacht und durfte erleben, wie gigantisch der Adrenalin-Kick während dem freien Fall ist. Gleitschirmfliegen ist im Gegensatz dazu schon etwas Anderes. Es geht gemächlich zu. Man springt aus keinem Flugzeug, sondern startet an einem geeigneten Hang, meist in den Bergen und mit einer tollen Aussicht. Klingt gar nicht mal so schlecht und daher hat mich die Idee schon länger gereizt.

Robert hat schon häufiger versucht, mir den Mund wässrig zu machen mit seinen Fallschirmsprüngen und den Gleitschirmflügen. Bisher habe ich es aber immer geschafft, standhaft zu bleiben. Zu vernünftig war ich und habe immer argumentiert: „Ich hab‘ schon genug teure und zeitaufwändige Hobbies, da kann ich nicht noch ein weiteres gebrauchen!“

Letztendlich hat er’s doch geschafft! Mit einem Video vom Klettersteiggehen. Ok, erst mal nichts Besonderes, aber es endet damit, dass der Protagonist nicht zurück ins Tal wandert, sondern fliegt! Oben am Gipfel packt er seinen Gleitschirm aus und fliegt einfach zurück ins Tal. Wie geil ist das denn? Das Video findet ihr hier.

Nägel mit Köpfen machen – unser Tandem-Gleitschirmflug im Montafon

Na gut, der Mund war wässrig, die Finger feucht und so wurde mir eines ganz klar: Ich muss dringend Gleitschirmfliegen. Ein Tandem-Gleitschirmflug wäre doch ein guter Start!

Der Zeitpunkt hätte nicht besser passen können! Da ich eh gerade dabei war, den Pärchenurlaub in den Alpen zu planen bot es sich an, den Flug gleich mit einzubauen. Zwischen unserem Besuch auf der OutDoor in Friedrichshafen und unserer Begehung des Mindelheimer Klettersteiges sollte es passieren: Wir würden uns, hängend an jeweils einem Tandem-Master mit einem großen Gleitschirm, trauen und sanft der Erde entgegen gleiten. Geografisch am besten gelegen war das Montafon, also buchte ich spontan beim Tandem Kurt zwei Gleitschirmflüge. Die vorab wichtigen Dinge waren schnell und einfach geklärt, also mussten wir nur noch auf unseren Termin warten.

Das klingt so kompliziert…

Am vereinbaren Tag standen wir pünktlich und ganz schön aufgeregt, aber voller Vorfreude am Treffpunkt. Wenige Minuten nach uns kamen unsere beiden Tandem-Guides an, die wir auf Anhieb einfach nur super sympathisch fanden. Basti und Jan kamen gleich mit frechen und doofen Sprüchen auf uns zu, da waren sie natürlich an genau der richtigen Adresse . Jan meinte noch „Wer will mit dem Anfänger fliegen? Hab erst gestern meine Lizenz bestanden.“ 🙂

Während unserer Fahrt mit dem letzten Lift Richtung Bergstation quatschen wir noch dummes Zeug um die Wette und legten fest: Elena fliegt mit Basti, ich fliege mit Jan. Direkt nachdem wir aus dem Lift gestiegen waren wurde dieser abgeschaltet, runter ging es also nur noch per Gleitschirm. Ok, wir hätten auch laufen können, aber das will ja auch keiner mit den schweren Rucksäcken…

Über eine leicht verschneite Skipiste stapften wir etwas den Hang hinab bis zu einem geeigneten Startplatz. Dort bekamen wir unsere Einweisung. Das hatte was von: „Wenn der Wind von hinten kommt und ich es sage, dann läufst du ganz schnell an, so lange bis du keinen Zug mehr auf dem Gurtzeug spürst. Wenn der Zug nachlässt, dann machst du noch mal zwei schnelle Schritte und setzt dich rein…“ und ich dacht‘ mir nur, dass das doch unmöglich so kompliziert sein kann. Am End‘ war’s aber ganz easy! Irgendwann rief Jan nur „Jetzt, renn, renn, renn!“ und ich rannte los. Komisch, nach ein paar schnellen Schritten ging’s irgendwie nicht mehr weiter. Meine Füße berührten den Boden gar nicht mehr. Wir werden doch wohl nicht… Doch tatsächlich, wir fliegen schon!

Frei wie ein Vogel

„Das war ja einfach!“ denke ich mir noch, während ich es mir im Gurtzeug gemütlich mache. Sitzen wie auf ’nem Sofa soll ich, wenn es unbequem ist, dann sitze ich falsch, hieß es. Also schön nach hinten legen und die Beine baumeln lassen.

Die ersten Minuten kann ich es kaum glauben, dass wir wirklich fliegen. Ich sitze in meinem Gurtzeug und genieße den Ausblick auf die verschneiten Berggipfel um uns herum. Elena und Basti fliegen nicht weit entfernt von uns und wir alle genießen das perfekte Wetter und den beinahe kalten Wind um die Nase.

Langsam lässt Jan unseren Gleitschirm durch die Thermik immer weiter steigen und unter uns wird alles ganz klein. Fast tauchen wir von unten in eine graue Wolke ein. Ich selbst merke es erst gar nicht, aber die Wolke ist geformt wie eine Käseglocke. So können wir quasi von unten in die Glocke fliegen, immer noch im klaren Himmel, während es um uns herum schon grau ist. Der Ausblick ist einfach gigantisch und meine Füße baumeln schwerelos in der Luft.

Einmal krachen lassen, bitte. Mit allen Konsequenzen.

Auf die Frage, ob wir es krachen lassen oder lieber langsam angehen sollen hätte ich wohl lieber mal „Einmal den goldenen Mittelweg.“ geantwortet. Aber so weit denkst du natürlich nicht, wenn du voller Vorfreude am Startplatz stehst und das volle Programm willst. Stattdessen habe ich so was wie „Gib ruhig Gas. Zeig mal, was du kannst.“ rausposaunt. Das ließ sich Jan selbstverständlich nicht zwei mal sagen.

Als wir in der besagten Käseglocke-Wolke angekommen sind mussten wir natürlich wieder Höhe abbauen. Also begann Jan, den Schirm ins Pendeln zu bringen und leitete dadurch eine Steilspriale ein. Die sollte mir leider zum Verhängnis werden. Nach sieben Umdrehungen (ja, ich habe nachgezählt 😉 ) pendelten wir uns zwar wieder aus, aber dafür drehte sich noch mein Magen und zwar um sich selbst. Etwas flau wurde es mir, mein Körper kam damit nicht so ganz klar. Es ließ sich aber noch aushalten und als wir wieder auf einer Höhe mit Elena und Basti waren haben die beiden Jungs sogar noch ein kleines Rendevouz hingelegt. Die beiden Außenkanten der Schirme sich quasi „geküsst“. Schon cool, so Flügel an Flügel dahinzugleiten, auch wenn ich dabei sehen konnte, dass es Elena ebenfalls nicht sonderlich rosig ging. Wir drehten etwas ab und ich durfte für einen Moment das Steuer übernehmen. Mal nach links und mal nach rechts pendeln, während sich Jan darum kümmerte, mich mit der Kamera ordentlich einzufangen.

Wenn der Magen was anderes will, als der Kopf

Ich dachte noch, dass mein Magen schon wieder werden würde, schließlich war unser Flug jetzt schön ruhig. Aber plötzlich ging’s einfach nicht mehr! Boah war mir auf einmal schlecht!  Vor dem Start meinte Jan noch, wenn ich kotzen müsste, sollte ich ihm Bescheid geben und mich weit nach rechts rauslehnen. Da dachte ich noch, er übertreibt maßlos. Doch plötzlich schien mir dieses Szenario gar nicht mehr so unwahrscheinlich. Eine Warnung konnte ich gerade noch absetzen, bevor ich meinen Oberkörper nach vorne und den Kopf nach rechts warf. Was danach passierte, beschreibe ich wohl lieber nicht en detail 🙂

Nach knapp zwei Minuten ging es mir jedenfalls wieder besser. In gemächlichem Tempo und ohne allzu steile Kurven steuerten wir dem Erdboden entgegen. Nachdem Jan bemerkt hatte, dass die anderen beiden schnell an Höhe abnahmen und meinte, dass da wohl was nicht stimmt. Also machten auch wir uns zügig auf den Weg zum Landeplatz. Über die immer größer werdenden Hausdächer hinweg flogen wir zu einem leeren Parkplatz, auf dem wir sanft landeten. Knapp 30 Minuten nach unserem Start waren wir also wieder heil aber völlig fertig am Boden.

Ich war offensichtlich nicht der Einzige, der den Flug nicht ganz unbeschadet überstanden hat, wohl aber derjenige mit einem käseweißen Gesicht 🙂

Siegerbier, Pommes und das beste Video der Welt

Unser Tandem-Gleitschirmflug war der letzte des Tages für die beiden Jungs und so entschieden sie kurzerhand, dem nahe gelegenen Biergarten einen Besuch abzustatten. Da wir außer dem Aufbau unseres Zeltes eh nichts mehr geplant hatten ließen wir uns nicht lange bitten. Dort angekommen schnappte ich mir die drei Actionscams, die wir während unseres Fluges dabei hatten und zog mir die Videos direkt mal auf’s Notebook.

Was sich uns dann bot war wohl eines der lustigsten Videos, die ich je gesehen habe! Ich hatte nämlich vor meiner Erleichterung  keine Gelegenheit mehr, die Kamera auszuschalten, die ich an einem Selfiestick vor mir positioniert hatte. Was man auf dem Video sehen konnte war eine mehr als lustige Veränderung. Los ging es mit einem überglücklichen und vielleicht zu motivierten Dennis. Dann folgte einer mit ganz plötzlich dicken Backen und großen Augen, bis hin zu einem, dem eine braune Soße aus Mund und Nase spritzt 😀

Die anderen Gäste des Biergartens mussten denken, wir wären alle bekloppt, denn vor Lachkrämpfen mussten wir uns die Bäuche halten, hatten Tränen in den Augen und beinahe wäre ich noch vom Stuhl gefallen! Nun ja, nachdem wir uns das Video drei, vier oder fünf Mal angesehen hatten packte ich das Notebook mal wieder weg, wir genossen noch unsere Siegerbiere und Pommes, bevor wir beide uns verabschiedeten und Richtung Zeltplatz aufbrachen.

× Nach dem Gleitschirm-Tandemflug beim verdienten Bierchen

Fazit zu unserem Tandem-Gleitschirmflug

Wer hätte gedacht, dass ein Tandem-Gleitschirmflug auf der einen Seite so geil ist und einen auf der anderen gleichzeitig so fertig machen kann? Ich jedenfalls nicht, bin ich doch sonst auch nicht gerade zimperlich. Aber ein paar schnelle Spiralen haben gereicht um mir zu zeigen, dass dem so ist.

Aber trotz dem unschönen Gefühl, sich zu übergeben, war der Flug einfach genial! Und gerade das dabei entstandene Video bringt mich heute noch zum Lachen…

Natürlich wäre es mit weniger coolen Piloten vermutlich nur halb so toll gewesen und gerade deshalb bin ich froh, dass wir an Basti und Jan geraten sind! Die beiden kann ich nur wärmstens empfehlen, falls ihr mal im Montafon seid und an einen Tandem-Gleitschirmflug denkt.

Ich persönlich fand den Flug so toll, dass ich gerade ernsthaft mit dem Gedanken spiele, 2017 selbst meinen Gleitschirmschein zu machen. Mal gucken, was sich so ergibt…

Ach ja, zum Schluss noch ein kleiner Tipp: Packt euch richtig(!) warm ein! Unser Flug war im Juli und wir haben beide ganz schön gefroren da oben. Also sicherheitshalber lieber mal noch eine lange Unterhose, die dicke Jacke und ein paar Handschuhe mitnehmen.

Video

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Dennis
Dennis
Flachlandtiroler und Bergliebhaber! Im normalen Leben IT’ler, ab und an auch Klettertrainer, aber am liebsten selbst in den Bergen unterwegs. Ob im Fels oder Eis ist eigentlich egal, Hauptsache rauf da!

2 Kommentare

  1. Martin sagt:

    Hey Dennis,

    witzig, meine Freundin hat für nächsten Sommer auch einen Gutschein fürs Tandemfliegen beim Kurt. Dein Video zeige ich ihr wohl lieber nicht, sonst springt sie noch ab 😀 😀 sieht ziemlich geil aus, überleg auch schon ewig ob ich mal einen Gleitschirmkurs mache, beim Wandern vom Gipfel runterfliegen wäre natürlich schon genial!

    • Dennis sagt:

      Hey Martin,

      ist ja lustig, auch zwei Freunde von mir waren schon mit ihm unterwegs.
      Ob mit oder ohne Kotzerei, ich würd’s jederzeit wieder machen! Und ich hab es ja auch herausgefordert 😉
      Die Sache mit dem Gleitschirmkurs habe ich mir auch überlegt, aber so lange ich noch in Mainz wohne, bringt mir das glaub ich nicht so viel. Hier gibt’s einfach zu wenige Gipfel, um zu starten 🙁 Aber sollte es mich mal nach Süden verschlagen, wäre das definitiv ne coole Sache!

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