Wandern im Hochschwarzwald – über und um den Belchen
3. August 2019

Obergurgl – ein Traum für jeden Bergliebhaber

Nach den ersten Höhenmetern erhaschen wir endlich einen Blick auf die Hochwilde

Gefällt dir dieser Beitrag? Dann like oder teile ihn.

Früher, also vor 15 Jahren, als mein Wohnort noch Fürth war, verschlug es mich immer wieder mal ins Ötztal, nach Sölden oder Obergurgl. Von Freiburg aus ist das eher eine weitere Strecke und so sind in den letzten Jahren die Ostalpen, einfach aufgrund der Distanz, für mich etwas in Vergessenheit geraten. Zuletzt war Dennis mit dem Mountain Equipment Eiswand Biwak dort und ich auf einer Blogger Skitour auf der Amberger Hütte.

Doch dank der Einladung der Tourismusregion Obergurgl wurde ich wieder auf diesen wundervollen Flecken Erde in Österreich aufmerksam.

Die Anreise nach Obergurgl

Die Anreise nach Obergurgl gestaltet sich immer wieder schön. Von der Inntalautobahn kommend erschließt man sich das Ötztal von Beginn an. Zuerst breit und zahm, wird es nach gut 30 Kilometern Richtung Talschluss immer enger und steiler. Irgendwann passiert man das insbesondere unter Wintersportfans berühmte Sölden. Ab hier wird das Tal gefühlt etwas einsamer. Nach weiteren ca. 10 Kilometern erreicht man endlich das kleine Dorf Obergurgl, welches derzeit aufgrund der Großbaustelle des neuen Kongresszentrums von Kränen gesäumt ist. Laut aktueller Auskunft der Tourismusregion und deren Planung soll der Neubau allerdings schon Ende dieses Jahres fertiggestellt sein.

Schnell finden wir das für uns gebuchte Hotel Enzian und checken ein.

Zirbenwald Klettersteig Obergurgl

Der Nachmittag ist noch jung und so entschließen wir uns nach einem Kaffee (oder wie Dennis lernen musste: einem Verlängerten), noch den Zirbenwald Klettersteig anzugehen. Dennis kannte diesen bereits vom Vorjahr und so konnten wir im Zustieg auf sein Vorwissen vertrauen. Gut, den Einstieg zu finden ist auch nicht sonderlich schwer. Man folgt von Obergurgl aus dem Wanderweg Richtung Zirbenalm bzw. Klettersteig Obergurgel. Keine 20 Minuten später erreicht man den „Informationsweg Zirbenwald“, auf den man rechts abbiegt. Wer mag, kann wenige Meter vom Klettersteig entfernt noch eine Stärkung in der Zirbenalm zu sich nehmen. Auf dem Informationsweg sind es nur noch wenige Meter und man steht am Einstieg einer langen Nepalbrücke. Diese verlangt vom geneigten Klettersteiggeher bereits die erste Überwindung ab.

Der Klettersteig zieht sich gekonnt über mehrere Steilstufen bis hin zum Schwierigkeitsgrad D durch den Fels. Dabei müssen mehrere weitere Seilbrücken überwunden werden. Immer wieder gibt es schöne, leicht ausgesetzte Stellen, die einen guten Tiefblick auf die unter uns fließende Gurgler Ache ermöglichen. Alle schwierigen Stellen können dabei übrigens umgangen werden. Auch diverse Notausstiege existieren, falls einen doch die Kraft oder der Mut verlässt oder das Wetter umschlägt.

Nach gut 200 Höhenmetern ist der Spaß leider auch schon vorbei, wir stehen am Ausstieg. Dort bietet sich mit einer Bank noch mal ein schöner Pausenplatz an, der einen herrlichen Ausblick auf den Rotmoosferner und Richtung Hinterer Seelenkogel bietet. Pünktlich setzt jetzt auch der Regen ein, daher verzichten wir auf eine Pause und beeilen uns, zügig im Laufschritt Richtung Hotel zu kommen.  Ein leichter Wanderweg führt uns wieder zurück ins Tal und nach Obergurgl.

Alles in allem ist der Zirbenwald Klettersteig in Obergurgl perfekt für den Einstieg ins Klettersteiggehen: Nicht zu lang, landschaftlich schön und mit der Möglichkeit, über diverse Notausstiege jederzeit abzubrechen, falls man sich überfordert fühlt.

Hochtour auf die Hohe Wilde

Leider ist uns der Wettergott nicht wirklich wohlgesonnen. Für Mittwoch ist ein nur kleines Zeitfenster von etwa fünf Stunden mit ausreichend gutem Wetter für unsere geplante Hochtour auf die Hohe Wilde gemeldet.

Die Hohe Wilde oder auch Hochwilde ist ein 3.458 m hoher Felsgipfel ganz am Ende des Talschluss von Obergurgl. Die Hochwilde-Hütte ist aufgrund des sich auflösenden Permafrostbodens und der damit verbundenen Einsturzgefahr leider geschlossen. So bleibt nur noch die Langentalereck Hütte auf gut 2.350 m Höhe. Wir nutzen unsere Gästekarte, die die Nutzung der Bergbahnen erlaubt und entfliehen dem strömenden Regen. Von Obergurgl aus fahren wir deshalb mit der Hohe Mut Bahn hinauf zur Bergstation Hohe Mut. Nach einer heißen Schoki machen wir uns auf den Weg Richtung Langentalereck Hütte. Endlich kommt das Gore-Tex-Zeug mal so richtig zum Einsatz, denn von oben bis unten verpacken wir uns, um nicht komplett nass zu werden. Das Wasser läuft trotzdem in die Schuhe und wir kommen etwas durchnässt nach 1,5 Stunden an der Hütte an.

Die Hütte selbst ist recht gemütlich und der Hüttenwirt großartig! Den verregneten Nachmittag verbringen wir dann mit Kartenspielen und ich nutze ein kurzes Wetterfenster von 30 Minuten, um mir den Weg für morgen sowie den Gletscher anzuschauen. Soviel vorweg, der Gletscher ist nahezu nicht mehr vorhanden und sieht sehr aper aus. Am Abend werden wir noch fürstlich versorgt, ein so reichhaltiges und leckeres Essen auf einer Berghütte hatten wir bisher nicht allzu oft. Allein die Auswahl auf dem Salatbuffet war schon super.

Hochwilde – los geht’s

Der ursprüngliche Plan war, vom Hochwilde Gipfel einen längeren Grat zurück Richtung Hütte zu überschreiten. Bei einer Wettervorhersage mit Regen und Gewitter ist das leider nun echt keine Option mehr. Der Morgen ist zwar frisch, aber regenfrei und so starten wir um 5:30 Uhr Richtung Hochwilde.

Von der Hütte aus folgen wir dem gut sichtbaren und markierten Wanderweg fast acht Kilometer mit nur wenig Höhengewinn bis auf den ersten Firn. Langsam aber sicher sehen wir die Hochwilde näher kommen und doch kommt uns der Weg unendlich lang vor. Anders als gedacht finden wir ganz akzeptablen Trittfirn am orthographisch linken Teil des Gletschers vor und können daher schnell Meter machen. Nachdem sich die Spaltensturzgefahr hier absolut in Grenzen hält, entschließen wir uns, seilfrei zu gehen.

Dennis gibt mir den für die ersten Höhenmeter ein fieses Rätsel auf und ich bin erstmal mit nachdenken beschäftigt. So läuft es sich auch viel schneller. 🙂

Nach einiger Zeit erreichen wir das Hochwildejoch, von dem aus noch durch verblocktes Gelände knapp 100 Höhenmeter auf den Gipfel sind. Leider zieht es bereits zu und der Gipfel ist schon in Nebelschwaden gehüllt. 

Schnell machen wir ohne Rucksäcke die letzten Meter zum Gipfel. Der sieht aus der Ferne recht brüchig und abweisend aus, entpuppt sich aber bei genauerem Hinsehen als bestens markierter und eingerichteter Weg mit Eisenklammern an den schwierigeren Stellen. Sogar Bohrhaken zum Nachsichern schwächerer Seilpartner sind gesetzt!

Am Horizont ziehen die Vorboten des gemeldeten Gewitters auf und so schauen wir, dass wir zügig wieder vom Berg runter und in Richtung der Hütte kommen. Leider waren da ja wieder diese 8 Kilometer, ein echter „Hatscher“ halt. Pünktlich zur Mittagszeit sind wir wieder auf der Hütte. Kurz darauf setzt das Gewitter ein.

Die Hochtour auf die Hochwilde / Hohe Wilde ist landschaftlich schön und der Gipfel wider Erwarten schön und gut zu erklimmen. Einzig der sehr lange Zustieg von der Hütte macht diese Tour etwas anstrengend. Davon abgesehen ist sie für Hochtoureneinsteiger aber perfekt geeignet.

GPS-Track zur Hochtour auf die Hohe Wilde

Herunterladen

Traillauf / Wanderung auf Archäologischen Rundwanderweg Obergurgl

Viel zu schnell sind sie rum, unsere drei Tage in Obergurgl. Den Abreisetag wollen wir aber noch nutzen, um einen Wanderweg in Ortsnähe zu erkunden. Hierfür bietet sich der sehr schöne Archäologische Rundwanderweg Obergurgl an. Über knapp 900 Höhenmeter und 13 Kilometer verläuft dieser mit Start und Ziel im Dorf.

Zuerst zieht sich der Wanderweg steil bis auf 2.600 Meter in vielen Serpentinen hinauf. Dort erreicht man eine Hochebene mit einem schönen kleinen See. Der Platz lädt zum Pausieren förmlich ein, aber da wir ohne Jause und dafür mit Trailrunningschuhen unterwegs sind, verzichten wir auf eine größere Pause und laufen weiter. Von hier aus zieht sich der Weg mit fantastischen Ausblicken auf die Öztaler Gletscherwelt und die umliegenden Seitentäler entlang der Höhenlinie über gut 5 Kilometer. Wir passieren kleine Bäche und werden immer wieder mit kürzeren, abschüssigen Teilstücken belohnt.

Auf Höhe des Zirbenwald Klettersteigs, der weit unter uns liegt, wartet der finale Downhill auf uns. Ein steiler, schmaler Singletrail führt uns durch schöne, bunte, blumige Almwiesen. Wir rennen, als wäre der leibhaftige Teufel hinter uns her, aber wir grinsen dabei bis über beide Ohren! Zum Schluss wird es nochmals flacher, bevor wir unweit des Einstiegs in den Klettersteig die Gurgler Ache überqueren. Von hier aus folgen wir dem bereits bekannten Wanderweg zurück nach Obergurgl.

Während der Wanderung selbst gibt es keine Möglichkeit zur Einkehr, dafür gibt es aber viele tolle Picknickplätze. Ganz zum Schluss passieren wir die Zirbenalm, hier lässt es sich zur Stärkung einkehren, bevor man zurück ins Dort geht. Für Familien mit konditionsstarken Kindern ist der Archäoligische Rundwanderweg gut als Tageswanderung machbar, sehr schön und abwechslungsreich. Bergerfahrene Hunde können hier problemlos mitgenommen werden. Selbstredend sollten sie in den Weidegebieten an die Leine genommen werden.

GPS-Track Archäologischer Rundwanderweg

Den Track gibt es unten zum Download oder auf Outdooractive.

Herunterladen

Fazit – Sommer in Obergurgl

Die Region Obergurgl bietet sich sowhl im Sommer als auch im Winter sehr gut für alle Bergliebhaber an. Im Sommer ist hier wirklich Abwechslung geboten. Von diversen Klettersteigen, Hochtouren, Wanderungen (viele Themenwanderwege), Klettertouren oder auch Trailruns bis hin zu schönen gemütlichen Hütten und Liften, die einen auf über 3.000 Meter bringen. Mit der Ötztal Card, die man bei vielen Hotelübernachtungen kostenfrei dazu erhält, kann man im Sommer auch viele Lifte kostenfrei nutzen und erhält diverse andere Vergünstigungen.

Obergurgl ist auch gerade aufgrund der sehr guten Erschlossenheit und moderaten Wanderungen gerade für Familien oder Bergnovizen eine Option. Anders als in den Westalpen kann man hier noch gemütlich erste Bergerfahrungen sammeln. Aber auch der versierte Bergsteiger kommt bei den vielen langen Graten auf seine Kosten. Schaut hierzu doch gerne mal bei den Bloggerkolleginnen Erika und Marlies vorbei, die besseres Wetter erwischt haben, als wir.

Disclaimer

Auf die Reise nach Obergurgl wurden wir vom Tourismusverband Obergurgl-Hochgurgl eingeladen. Die Tourenauswahl erfolgte durch uns und die Beschreibungen spiegeln unsere eigenen Ansichten und Erlebnisse wider.

Wir bedanken uns herzlich für die Einladung von der Tourismusregion Obergurgl!

Gefällt dir dieser Beitrag? Dann like oder teile ihn.

Flo
Flo

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Folge uns auf Facebookschliessen
oeffnen