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Der Reiz des Abenteuers – leben am Limit

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„Oh mein Gott, das ist ja wahnsinnig gefährlich! Warum machst du so etwas nur?“ oder „Bist du bescheuert, das ist ja lebensmüde!“ Solche und ähnliche Fragen kennen wir nur allzu gut und manchmal ist es gar nicht so leicht, dem Otto-Normal-Urlauber und -Menschen oder gar dem Partner bzw. der Partnerin den Reiz zu erklären, den ein Abenteuer ausmacht.

Balanceakt auf dem Jubiläumsgrat

Was bedeutet Abenteuer für uns?

Zuerst sollten wir vielleicht einmal versuchen zu erklären, was für uns der Begriff Abenteuer bedeutet? Was macht ein Abenteuer aus, damit wir es als solches bezeichnen?

Nun, nicht jeder unserer Trips, über den wir hier auf unserem Blog schreiben, ist auch ein echtes Abenteuer. Natürlich schreiben wir auch über weniger spektakuläre Dinge als nur Hochtouren auf 4000er, welche auch nicht immer Abenteuer sind, oder Spielereien wie das Eisklettern.

Geschafft, aber glücklich auf der ZugspitzeEin echtes Abenteuer beginnt für uns dort, wo die gesellschaftlich geprägte Vorstellung des „normalen“ Urlaubs oder Trips endet. Es bedeutet für uns, aus dem für die meisten Menschen üblichen Muster herauszufallen, etwas Neues zu erleben, sich selbst kennenzulernen und teilweise eben auch Grenzerfahrungen zu sammeln. Einer unserer Lieblingssprüche lautet „Life begins at the end of your comfortzone“ (Das Leben beginnt am Ende deiner Komfortzone). Der für die meisten Menschen übliche Alltag läuft ständig innerhalb dieser besagten Komfortzone und nach dem mehr oder weniger gleichen Schema ab. Morgens aufstehen und auf die Arbeit gehen, danach nach hause und vielleicht noch ein paar Kleinigkeiten erledigen, Abendessen und ins Bett. An manchen Tagen trifft man sich mit Freunden, geht zum Training oder zum Stammtisch. Neues auszuprobieren, im Alltag etwas zu wagen oder gar neue Wege zu gehen, das ist für viele von uns unvorstellbar – auch wenn die meisten davon träumen. Versteht uns bitte nicht falsch. Wir haben daran nichts auszusetzen und möchten uns auch nicht als besonders heroisch oder mutig darstellen, nur unser Lebensschema und Motto ist dies eben nicht ganz. Wir wollen ausbrechen aus diesem Alltag, das Leben leben und zwar in vollen Zügen, wenn man so will die Glücksmomente erfahren. Unser Leben besteht nicht aus einer glücklichen Episode, sondern vielmehr aus den einzelnen Glücksmomenten. Wer erinnert sich nicht an den ersten Kuss, die Geburt des eigenen Kindes usw. Für uns eben sind dies auch Momente wie der erste Gipfel nach einem kräftezehrenden Aufstieg oder die ersten wärmenden Sonnenstahlen auf dem Gletscher nach einer eisigen Nacht. Nicht die Phase dahin ist uns in Erinnerung, sondern der Moment, in dem wir oben, an unserem Ziel ankamen, glücklich und auch etwas stolz auf unsere Leistung. Dazu bedarf es nicht immer großer und zeitaufwändiger Trips in die Berge, denn nicht umsonst etablieren sich mehr und mehr die sogenannten Microadventures. Manchmal reicht es auch, nach Feierabend mal eine neue Laufstrecke auszuprobieren als die zwei oder drei, die man sonst läuft.
Wichtig ist uns schlicht und ergreifend, neue Dinge auszuprobieren und sich selbst an die Grenzen des persönlich Machbaren zu bringen, manchmal auch darüber hinaus zu wachsen. Das ist für uns der Inbegriff eines Abenteuers.

Das Abenteuer kann beginnen

Hoch konzentriert auf dem LiskammLos geht ein Abenteuer für mich bereits mit dessen Planung. Diese Momente, in denen ich mir Fotos oder Berichte zu der angedachten Tour anschaue oder mich mit meinem Bergpartner darüber unterhalte. Das Packen des Rucksacks, die Anfahrt und eventuell der Abend, bevor unsere Tour selbst startet, gehören ebenso dazu, wie der erste reale Blick auf das Vorhaben.

Ein Beispiel: Der ein oder andere Besucher mag vielleicht unseren Artikel zur Liskamm-Überschreitung gelesen haben. Schon am Tag zuvor, als wir auf unserer eigenen, kleinen Spaghetti-Runde unterwegs waren, konnten wir fast die ganze Zeit über einen wirklich wundervollen Blick auf den geplanten Liskamm werfen. Der Gedanke daran, dass wir am kommenden Tag diesen gewaltigen Bergkamm überschreiten würden zauberte uns beiden einerseits ein freudiges Grinsen ins Gesicht, andererseits aber auch einen kalten Schauer auf den Rücken.
Sind wir dieser Herausforderung gewachsen? Sind wir beide fit genug, sowohl körperlich, als auch vor allen Dingen mental, um eine solch ausgesetzte und anspruchsvolle Tour erfolgreich meistern zu können?

Denn eines ist wichtig: Nicht nur das gegenseitige Anspornen, auch das kritische Hinterfragen der eigenen, sowie der Leistung und Verfassung des in unserem Fall Seilpartners gehört zu einem Abenteuer. Denn nur, wenn man seine Verfassung sowohl psychisch als auch physisch realistisch einzuschätzen vermag und die Risiken abwägen kann, ist man in der Lage, auch realistische Ziele bzw. Abenteuer zu planen und erfolgreich zu bestehen. Das Ziel ist es schließlich, über seine Grenzen hinaus zu wachsen und sie ein Stück weit zu verschieben, ohne sich jedoch völlig zu übernehmen und sich unnötig zu gefährden. Dies ist nicht selten ohne eine gewisse Gratwanderung möglich.

Ein fast unbeschreibliches Hochgefühl

Wie kann ich nun jemandem, der mehr oder weniger keine Abenteuer erlebt begreiflich machen, was eben den Reiz für uns daran ausmacht? Die Situation ist oftmals die gleiche, auf Familienfesten oder bei anderen Gelegenheiten kommt das Gespräch auf das Thema Hobbys. Dann erlebe ich es nur allzu oft, dass mein Gegenüber völlig verständnislos fragt, warum ich mich in solch gefährliche Situationen begebe. Warum tänzle ich auf einem schmalen Gipfelgrat (Video) herum, auf dem ein Fehltritt oder ein Sturz den Tod bedeutet könnte?

Wir bleiben beim Beispiel der Liskamm-Überschreitung.

Der darauf folgende Tag. Es ist noch früh und die Sonne noch nicht zu sehen, als wir uns auf den Weg machen. Neben der Vorfreude setzte bereits der wohl wichtigste Faktor ein, die Konzentration. Schon bevor die eigentliche Tour losgeht sind wir zwar noch ausgelassen, aber trotzdem konzentriert und fokussiert, bereiten uns mental auf das Bevorstehende vor. Während dem Aufstieg auf den Liskamm, den wir seilfrei begehen wollen, ist jeder von uns beiden auf sich selbst fokussiert. Wir reden nicht viel, wie auch bereits am Abend davor. Dennoch achten wir immer auf unseren Partner, denn die Verantwortung für den Kameraden legen wir mit dem Seil noch lange nicht ab. Mehrere Stunden wird diese Phase der Konzentration anhalten, denn während der gesamten Überschreitung darf uns kein Fehler unterlaufen. Gerade an schwierigen Stellen sind wir so hoch konzentriert, dass wir um uns herum kaum etwas anderes mitbekommen. Im Zweifelsfall sprechen wir uns etwas Mut zu, feuern uns etwas an und kurz darauf ist die brenzlige Situation auch schon gemeistert.

4527m hoch auf dem Gipfel des LiskammDie Mischung aus Adrenalin, höchster Konzentration und Glück, brennt sich allerdings in unser Gehirn ein. Es ist wie ein glasklares Foto, auf dem man noch nach Jahren sämtliche Details erkennt. Wir wissen wie die Luft in diesem Moment gerochen, der Fels oder das Eis sich angefühlt haben und erkennen die Stelle klar vor uns. Solche Momente sind selten, aber diese bedeuten das Glück in Reinform. In diesen Momenten sind wir nur bei und in uns. Wir nehmen nichts anderes wahr, das Leben besteht nur aus diesem Moment. Diese Momente bleiben aber wiederum ein Leben lang bestehen und geben uns in unserem Alltag Kraft, Ruhe und Sicherheit. So bleiben wir auch dann mal entspannt oder gelassen, wenn andere bereits ausrasten. Auch helfen uns diese Momnent, den überdimensionalen Stress zu meistern, wo andere das Gefühl haben, dem Druck nicht mehr gewachsen zu sein. Diese Momente, die von Zeit zu Zeit eben auch mal brenzlig werden können, machen für uns ein richtig großes Abenteuer aus. Es ist ein schon fast unbeschreibliches Hochgefühl, eines dieser Abenteuer gemeistert zu haben und über die eigenen Grenzen hinausgegangen zu sein, ohne dabei leichtsinnig agiert zu haben. Wir stehen auf dem Gipfel, die Welt liegt uns zu Füßen und all das haben wir aus eigener Kraft, Motivation und Können geschafft. wir haben die äußeren Umstände korrekt eingeschätzt und natürlich ganz wichtig, unsere eigene Verfassung. Hier, am Ziel zu stehen und auf das Zurückliegende zu blicken, erfüllt uns wohl gleichermaßen mit Stolz, Ehrfurcht und Freude. Gefühle, die wir jedoch nur dann hundertprozentig genießen können, wenn wir sie mit jemandem teilen können. Das sind die Momente, die sich auf ewig in unser Gedächtnis brennen, die uns niemand mehr wegnehmen kann und von denen wir noch Wochen oder gar Monate nach der Tour zehren. Und selbst jetzt, wenn ich an diese großartigen Augenblicke denke, läuft mir noch ein wohliger, kalter Schauer über den Rücken.

Ein Aufruf: Erlebt euer eigenes Abenteuer!

Auch kleinere Gipfel können ein Abenteuer seinErinnert ihr euch an eure Kindheit, an die Abenteuer, die ihr damals erlebt habt. Die Zeit, in der ihr ständig neue und aufregende Erfahrungen gesammelt habt. Sicherlich ist jedem von euch mindestens eine Situation im Gedächtnis geblieben, die seinerzeit ein Hochgefühl bei euch ausgelöst hat, auch wenn sie vielleicht nicht ganz ungefährlich war. Natürlich, als Kind denkt man über Gefahren weniger bis gar nicht nach, klettert ungesichert auf hohe Bäume und treibt allerlei anderen Schabernack, ohne darüber zu grübeln, ob die Sache gut ausgehen wird. Als Kind hat man noch keine Verantwortung anderen Menschen gegenüber und kann das Leben unbeschwerter genießen. Aber ist das wirklich ein Grund, als Erwachsener auf Abenteuer, auf diese wahnsinnig tollen Momente verzichten, an die ihr euch noch den Rest eures Lebens erinnern werdet?

Sucht euch euer eigenes, ganz persönliches Abenteuer. Ob ihr dabei tatsächlich eure Komfortzone verlasst und eure Grenzen verschiebt spielt dabei keine Rolle, aber traut euch etwas (zu)! Versucht mal etwas Neues und brecht aus, aus alten Gewohnheiten und Verhaltensweisen, aus dem üblichen und alltäglichen Trott. Für jeden Geschmack und Typ Mensch finden sich genug neue und tolle Abenteuer, ihr müsst euch nur darauf einlassen. Kämpft dafür, eure Träume zu leben!

Also geht raus vor die Tür und macht den ersten Schritt, der ja bekanntlich der schwierigste ist. Im Zweifelsfall holt euch kompetente Partner zur Hilfe oder belegt einen Kurs für etwas, das ihr schon immer einmal ausprobieren wolltet oder ganz spontan reizvoll findet. Entdeckt die Welt und das nicht nur virtuell oder in euren Träumen!

Wenn euch dieser Artikel gefallen und/oder motiviert hat, dann teilt uns doch in der Kommentarfunktion unten euer Abenteuer oder eure Meinung dazu mit. Wir freuen uns auf euer Feedback.

 

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Dennis
Dennis
Flachlandtiroler und Bergliebhaber! Im normalen Leben IT’ler, ab und an auch Klettertrainer, aber am liebsten selbst in den Bergen unterwegs. Ob im Fels oder Eis ist eigentlich egal, Hauptsache rauf da!

2 Comments

  1. Günther sagt:

    LIeber Flo, lieber Dennis,
    es beginnt wie ein altmodischer Schulaufsatz… aber bald hat Euer Text mich gefangen genommen. Er beschreibt, was keine Worte hat, er beobachtet das Unbeobachtbare. Man findet es in der Kunst, in der Religion und vielleicht, wie Ihr schreibt, im Abenteuer. Das Gegenstück ist der Trott, das Gewöhnliche, an das man sich gewöhnt hat und das keinen Erlebniswert mehr hat. Dafür kann man es zu Tode beschreiben.
    Schön, dass Ihr Eure Lis- und andere -kämme nicht bloß über den Haufen rennt, sondern über Erlebnis und Erlebtes nachdenkt als eine Würze in Eurem Leben (neben anderen Gewürzen). Nicht zu wissen, worauf man sich einlässt, macht das Geschehen zum Abenteuer. Es dennoch anzugehen und zu meistern, macht das Leben aus. Es ist wie in der Liebe…
    Schön, dass wir zusammen unterwegs waren! Auf ein Neues!
    Günther

  2. […] die unvergesslichen Momente und einmaligen Trips sind es, warum wir uns immer wieder auf die Suche nach neuen Abenteuern begeben, um mehr und mehr solcher Erinnerungen zu sammeln und in unserem Gedächtnis zu […]

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