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Sturz in die Tiefe – Gedanken zu meinem Kletterunfall

Erstversorgung

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Sturz in die Tiefe – Kletterunfall mit Schutzengeln

„F… Irgendwas ist schiefgegangen!“ denke ich mir, als ich am Boden liegend wieder zu mir komme. Meine Freunde knien und sitzen neben mir, die Sorge ist ihnen sichtbar ins Gesicht geschrieben. Sie reden beruhigend auf mich ein. „Bleib liegen, beweg‘ dich nicht! Hilfe ist unterwegs!“

Sie fragen mich, ob ich mich erinnern könne, was passiert sei. So richtig klar ist mir das in diesem Moment noch nicht.

Auf meine Nachfrage hin erfahre ich, dass ich einen Kletterunfall hatte. Ich bin beim Abseilen abgestürzt. Irgendwas zwischen fünf und sechs Meter. Gelandet bin ich mehr oder weniger auf genau diesem einen Quadratmeter ebenen Geländes, den es hier oben gibt. 50 cm weiter nach links und ich hätte jede Menge spitze Steine erwischt und 50 cm weiter rechts und ich wäre den nächsten Abhang hinter gestürzt. Wenig weiter weg vom Fels und ich wäre mit dem Rücken auf einer großen Baumwurzel gelandet, die weit über den Boden hinaus ragt. Die habe ich zwar mit dem Kopf erwischt, aber hier hat mein Helm offensichttlich ganze Arbeit geleistet!
Und genau zwischen diesen „No-Go-Areas“ gibt es diesen einen Quadratmeter, auf dem man noch verhältnismäßig „gut“ aufprallen kann. Scheinbar habe ich irgendwas richtig gemacht im Leben, dass ich genau hier lande und nicht ein Stückchen weiter zu einer der anderen Seiten…

Ich horche in mich hinein. Den Umständen entsprechend geht es mir eigentlich ganz gut. Ich kann meine Fußzehen spüren und die Beine ganz vorsichtig bewegen. Auch in den Fingerspitzen ist Gefühl und ich kann sie bewegen. Mein Rücken scheint ebenfalls soweit in Ordnung zu sein. Schmerzen tut er zwar, aber ich habe nicht das Gefühl, dass es was Schlimmeres ist. Nur der Blick auf mein rechtes Handgelenk zeigt mir sehr schnell und unmissverständlich: Das ist durch! Schmerzen hab ich durch den Schock glücklicherweise nur wenig.

Nach und nach mischt sich in die Besorgnis auf den Gesichtern meiner Freunde ein Funke von Zuversicht. Es wird sogar mal kurz gelacht, als mir ein Freund erzählt, dass ich ungefähr zehn Minuten lang immer wieder das Gleiche gesagt und gefragt hätte. „Wie Dori aus Findet Nemo“ stammle ich vor mich hin.

Was mir und allen anderen zu diesem Zeitpunkt leider noch unklar ist: Was genau ist passiert? Wie kam es zu dem Kletterunfall? Warum bin ich abgestürzt? War es Materialversagen? Oder Eigenverschulden? Ich werde mir diese Frage in den nächsten Stunden noch unzählige Male stellen, bis ich die Antwort darauf bekomme.

Hilfe naht

Malteser und Feuerwehr kümmern sich um mich. Hier lässt sich bereits erahnen, wie ein Aufprall an anderer Stelle hätte ausgehen können.Dann erreichen die Sanitäter und der Notarzt der Malteser, begleitet von der Höhenrettung, den Ort meines Kletterunfalls. Sofort wird mit der Erstversorgung begonnen. Ich bekomme eine Infusion gelegt und werde von oben bis unten abgetastet und mit Fragen zu meinem Zustand gelöchert. Allen ist wohl relativ schnell klar, dass ich ein Schweineglück hatte, dass die Sache mehr als nur glimpflich abgelaufen ist. So lockert sich die Stimmung nach und nach weiter auf, was mir in diesem Moment extrem gut tut.

Ich weiß nicht mehr genau, wie lange wir noch dort oben im Morgenbachtal sind. Irgendwann jedenfalls steht die große Entscheidung an: Abtransport per Hubschrauber und Seilwinde oder bodengebunden per RTW? Letzteres würde aber bedeuten, dass ich vom Fels erst einmal per Trage nach oben zum Parkplatz und dem Krankenwagen transportiert werden muss.

Nicht, dass ich nicht mal gerne Heli fliegen würde, aber eine Frage ist mir in diesem Moment viel wichtiger: „Kann ich noch laufen?“. Also so ganz generell. Oder werde ich zukünftig an den Rollstuhl gefesselt sein? Klingt vielleicht dramatisch, aber genau diese Gedanken gingen mir in dem Moment durch den Kopf.

Also rede ich auf den Notarzt ein, dass ich es gerne versuchen würde und mich soweit gut genug fühle, dass ich mir den Fußweg zutraue. Es folgen weitere Checkt der Gliedmaßen und vor allen Dingen der Wirbelsäule. Kurz darauf willigt er ein unter der Prämisse, dass ich mich sofort hinsetze, sollte es mir schlecht werden. Zwei der anwesenden Höhenretter sichern mich vorne und hinten mit Gurten, damit ich nicht abrutschen kann. Meine Infusion lässt sich ganz prima in der Kapuze meiner Jacke transportieren. So treten wir langsam den Weg Richtung Krankenwagen an. Gehen klappt erstaunlich gut und vor allen Dingen meine eigene Stimmung hebt sich dadurch weiter.

Perfekte Versorgung während des Ausnahmezustands

Den Rest des Samstags bis in die Nacht verbringe ich in der Notaufnahme des Heilig-Geist-Hospitals in Bingen. Das Personal dort kümmert sich perfekt und immer freundlich um mich, trotz des Stresses, der an diesem Abend dort herrscht. Ich könnte mir zwar schönere Orte vorstellen, aber besser hätte ich es wohl in diesem speziellen Fall nicht erwischen können!

Als ich gegen 1 Uhr nachts auf mein Zimmer gebracht werde, lautet die Diagnose: Je ein Haarriss im ersten Lendenwirbel und der Hüfte. Der linke Ellenbogen musste genäht werden. Zahlreiche Prellungen und (Schürf-)Wunden an Rücken und Po. Das größte Problem ist mein rechter Arm. Nachdem er gerichtet und zum zweiten Mal geröntgt wurde ist klar, dass der Bruch nah am Handgelenk ist. Es muss also operiert und mit einem Implantat stabilisiert werden. Da wegen Corona am Wochenende nur lebensnotwenige Operationen durchgeführt werden, verschiebt sich meine OP mindestens auf Montag.

Zwischendurch erreichen mich Nachrichten meiner Freunde, meiner Familie und, zur Auflösung des Rätsels von oben, ein paar Bilder, die Flo nach dem Unfall gemacht hat, als klar war, dass es mir soweit gut geht. Er hat mich glücklicherweise richtig eingeschätzt, dass mich die Frage nicht loslassen würde, wie es zu dem Kletterunfall kommen konnte. Dazu aber weiter unten mehr.

Am Sonntag wird meine OP auf Dienstag verschoben, es werden weitere Untersuchungen wie ein MRT der Wirbelsäule und weitere Röntgenbilder benötigt. Danach stellt sich erneut heraus, wie viel Glück ich hatte. Außer dem Arm muss nichts gemacht werden. Die Wirbelsäule hat außer dem Haarriss nicht weiter abbekommen und auch alle anderen Verletzungen heilen im Laufe der Zeit von allein!

Den halben Sonntag verbringe ich aufgrund des, vor allem für Mitte November, viel zu warmen Wetters auf der Dachterrasse des Krankenhauses. Ich kann spazieren, Treppen steigen und mich mit relativ geringen Schmerzen vergleichsweise gut bewegen. Einzig mein rechter Arm, zu diesem Zeitpunkt noch im Gips, ist nicht benutzbar.

Die Operation am Dienstag verläuft ebenfalls gut und nach einer weiteren Nacht im Krankenhaus kann ich am Mittwoch entlassen werden. Der Gips ist einer Platte und neun Schrauben im Handgelenk gewichen. Nur noch der dick geschwollene, verbundene Arm zeugt auf den ersten Blick noch von meinem Kletterunfall.

Entlassung – nach nur vier Tagen

Besuch ist im Krankenhaus wegen Corona nicht erlaubt. Auch nicht, um abgeholt zu werden. Also verabschiede ich mich vom Personal, bedanke mich nochmals und verlasse die Station. Mit meiner Tasche über der linken Schulter stapfe ich schon relativ locker die Treppen hinunter, den Aufzug will brauche ich nicht.

Gerade einmal vier Tage nach meinem Absturz kann ich das Krankenhaus schon wieder verlassen. Auf eigenen Beinen und ohne, so sagen es die Ärzte, bleibende Schäden. Als ich aus dem Haupteingang trete und draußen meiner Mutter in die Arme falle, wird mir das zum ersten Mal so richtig, wirklich richtig klar. Minutenlang liege ich ihr weinend vor Freude und Erleichterung in den Armen.

Ich kann es kaum fassen, wie viel Glück ich hatte! Glück, überhaupt noch zu leben und Glück, dass der Absturz dermaßen glimpflich abgelaufen ist!

Wie genau kam es zu meinem Kletterunfall?

Klare Sache - Der Kletterunfall war Eigenverschulden. Ein Seilende ist durch's Abseilgerät geflutscht.Die Bilder, die Flo nach dem Unfall gemacht hat, zeigen eines ganz klar und unmissverständlich: Es war Eigenverschulden. Der Fehler ist auf meinem Mist gewachsen!

Kein ausgebrochener Haken, kein gerissenes Seil oder sonst etwas am Material. Einfach „nur“ die Kombination aus zwei wirklich sau dummen Anfängerfehlern, die um ein Haar viel schlimmer hätten ausgehen können.

1. Das Seil, an dem ich abgeseilt habe, war an einem Ende zu kurz
2. Ich habe den Knoten im Seilende vergessen

Die Routen im Morgenbachtal sind teils sehr kurz. Deshalb haben wir zwei benachbarte Touren mit einem 70 m Seil eingebaut. Soweit kein Problem.

Beim Abseilen und Abbauen jedoch habe ich das Seil nicht bis zur Mittelmarkierung durch den Abseilring gezogen. Das Seil unter mir hing teils noch in den Zwischensicherungen. Dadurch sah alles nach so viel Seil aus, dass ich mir sicher war, die beiden Seilenden zum Abseilen würden auf dem Boden liegen. Dazu kam noch eine Portion Unachtsamkeit. Normalerweise mache ich immer einen Knoten ins Seilende. Auch dann, wenn ich mir sicher bin, dass es bis auf den Boden reicht. Aber scheinbar war ich an diesem Tag gedanklich woanders, denn den Knoten habe vergessen.

Also habe ich mit dem Abseilen begonnen, unwissend, dass einer meiner beiden genutzten Seilstränge ca. fünf bis sechs Meter über dem Boden aufhört. Den Rest der Geschichte habt ihr ja oben bereits gelesen.

Es war also die Kombination aus einem zu kurzen Seil(-Strang) und dem vergessenen Sicherungsknoten im Seilende. Wie dumm kann man eigentlich sein???

Rückblick auf den Kletterunfall

Ziemlich genau vier Wochen nach dem Absturz war ich nochmals im Morgenbachtal. Ich habe mir noch mal den Unfallort angesehen. Und da wurde mir noch mal aufs Neue klar, wie viel Glück hier im Spiel war und dass ich meine Schutzengel nicht noch einmal dermaßen herausfordern will! Schaut euch die Bilder an, die sprechen glaube ich für sich.

Mein Kletterunfall und damit der Absturz sind nun ziemlich genau sechs Wochen her. Sechs Wochen und bis auf meinen rechten Arm sind mittlerweile alle Verletzungen verheilt. Aber auch der ist weiterhin auf dem Weg der Besserung. Nach fünf Wochen kompletter Sportpause habe ich nun wieder mit dem Joggen begonnen und hoffentlich kann ich auch bald wieder mit dem Radfahren anfangen. Die mindestens drei Monate Kletterpause lassen sich im Winter und während Corona noch recht gut rum bringen.

Dennoch gibt es immer wieder Momente, in denen es mich überkommt. Dann wird mir wieder einmal klar, wie unfassbar viel Glück ich an diesem 14. November hatte! Eines steht fest: In Zukunft kann ich zweimal innerhalb von nur einer Woche Geburtstag feiern.

Robert meinte in unserem ersten Telefonat nach dem Unfall zu mir, dass ich wohl einen ganz großen Griff in meinen Glückstopf gemacht hätte. Da hat er Recht. Jetzt gilt es, diesen Glückstopf irgendwie wieder aufzufüllen. Viel kann nach der Aktion eigentlich nicht mehr drin sein 😛

Fazit und Appell

Warum schreibe ich diesen Artikel eigentlich? Anderen von den eigenen Fehlern zu berichten… es gibt ja durchaus Cooleres.

Ich möchte mit diesem Artikel zum Nachdenken anregen. Zum Überdenken alter, eingespielter Muster und gefestigter Meinungen. Denkt mal darüber nach, ob es wirklich die schnelle, coole Variante sein muss, oder ob man nicht ein paar Sekunden investiert, um etwas für die eigene Sicherheit (und/oder die anderer) zu tun. Und ich möchte euch warnen davor, dass euch etwas ähnliches passiert, wie mir. Nur allzu schnell reicht eine Sekunde der Unachtsamkeit, ein kleiner Fehler, mit teils verheerenden Folgen.

Der Teil meines Freundeskreises, der ebenfalls klettert, kennt mich als einen überkorrekten und ständig auf Sicherheit bedachten Alpinisten und Ausbilder. Ein Freund erzählte mir mal mit einem Augenzwinkern, dass er bei unseren ersten gemeinsamen Trips für sich selbst dachte, ich würde es bisschen übertreiben. Der besagte Freund war während meines Kletterunfalls dabei und glücklicherweise nicht erst seitdem ist ihm klar, warum ich eigentlich so penibel bin.

Man sagt, dass die gravierenden Fehler beim Klettern meist den blutigen Anfängern passieren. Oder den alten Hasen. Außerdem besagen die Statistiken, dass man im Schnitt bei jeder 1000. Durchführung eines perfekt beherrschten Handgriffs einen Fehler macht. Das heißt, der 1000. Achterknoten sitzt nicht richtig, beim 1000. Mal Seil ins Sicherungsgerät einlegen ist etwas falsch.

Um wenigstens diese Fehlerquellen zu eliminieren, lernen wir gleich zu Beginn den Partnercheck. Der wird leider, meist von den alten Hasen, viel zu oft sträflich vernachlässigt. Häufig sehe ich den Kletterer schon am zweiten Haken, während der Sicherer noch schnell das Sicherungsgerät einbaut. „Wird schon passen.“ denkt man wohl in dem Moment. Meist tut es das auch. Bei mir ist ja zwölf Jahre lang auch alles glatt gelaufen…

Es gibt aber auch Situationen, in denen ein Partnercheck nicht möglich ist. Z. B. wenn ihr allein am Abseilpunkt steht, wie in meinem Fall. Hier solltet ihr umso mehr auf eure eigene Sicherheit achten und keinen Schritt auslassen, der für eben diese sorgen soll. Einen Knoten ins Seilende zu machen dauert nur wenige Sekunden und rettet im Zweifelsfall euer Leben! Ich selbst hätte mir damit wenigstens drei Monate Kletterpause und einiges an Schmerzen, Stress usw. erspart.

Undauch ein Kletterhelm hat seine Daseinsberechtigung! Selbst viel zu viele meiner eigenen Kletterfreunde verzichten darauf, wenn das Gelände „sicher“ ist. Egal, wie fest das Gestein sein mag, egal wie unwahrscheinlich ein Anschlagen des Kopfes am Fels. Der Sektor, in dem wir an diesem Tag klettern waren, ist bombenfest. Runterkommen wäre hier wohl eher nichts. Aber hätte ich an diesem Tag meinen Helm nicht getragen, ich will mir nicht vorstellen, was mit meinem Kopf beim Aufschlag auf die Wurzel passiert wäre!

Auch Dinge wie die nur allzu oft absichtlich weggelassene Kurzprusik beim Abseilen können Leben retten oder kosten, verzichtet man darauf! Dazu hatte ich vor gut zwei Jahren bereits den Artikel ‚Der Gipfel der Dummheit! Gedanken zu einem lebensgefährlichen „Kletterkurs“‚ geschrieben. Der wurde damals auf Facebook mehr als nur kontrovers diskutiert, inkl. privater Nachrichten, ich solle mich mal nicht so anstellen und es würde schon seit zig Jahren alles gut gehen. Einmal mehr weiß ich nun, warum ich dies Meinung vertrete, dass zum Abseilen eine Kurzprusik gehört.

Noch ein weiteres Beispiel gefällig?

Im Oktober 2019 hatten wir in meiner Stamm-Kletterhalle einen schweren Kletterunfall. Eine Kletterin ist beim in den Gurt Setzen am Umlenker ungebremst aus ca. 12 Metern Höhe abgestürzt! Gelandet ist sie teils auf ihrem Kletterpartner. Das hat ihn ebenfalls schwer verletzt, ihr aber vermutlich das Leben gerettet. Grund: Der Achterknoten war nicht vollständig zurückgeschlauft und hat sich unter Belastung geöffnet. Ein Fehler, der sich durch ein paar Sekunden aufmerksamen(!) Partnercheck beheben lässt. Die Seilschaft zählte übrigens auch schon zu den Erfahreneren. Aber ein Fehler und ein vergessener/ausgelassener Partnercheck und es ist passiert…

Danksagung

Nun, nach all dem Drama und den Belehrungen möchte ich mich gerne noch bedanken. Bei meinen drei Leuten Andrea, Aura und Flo zuallererst. Danke, dass ihr euch um mich gekümmert habt, dass ihr da wart für mich in diesen Schockminuten nach dem Kletterunfall! Danke, dass ihr mich abgelenkt und mir gleichzeitig Mut gemacht habt!

Mein zweiter Dank geht an die Freiwillige Feuerwehr Ingelheim, die Feuerwehr Verbandsgemeinde Rhein-Nahe und die Malteser in Deutschland. Danke, dass ihr mich so schnell und gut versorgt habt! Ich hätte mir keine besseren Retter wünschen können als das Team, das an diesem Tag bei mir war!!!

Und mein dritter Dank geht an das Personal im Heilig-Geist-Hospital in Bingen. Speziell die Schwestern, Pfleger und Ärzte in der Notfallambulanz, die mich unter Coronabedingungen zusammengeflickt haben. Danke, dass ihr trotz des Stresses an diesem Tag alle so gut drauf wart, das hat mir sehr geholfen! Und natürlich auch danke dem kompletten Personal auf Station 2, die sich in den darauffolgenden Tagen so gut um mich gekümmert haben!

Diskussion

Wie handhabt ihr es mit Knoten im Seilende, Helm und Kurzprusik? Ist der Partnercheck für euch, genau wie Kaffee, integratler Bestandteil des Kletterns oder verzichtet ihr darauf? Ich würde mich freuen, wenn ihr eure Meinung zu dem Thema in den Kommentaren hinterlasst.

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Dennis
Dennis
Flachlandtiroler und Bergliebhaber! Im normalen Leben IT’ler, ab und an auch Klettertrainer, aber am liebsten selbst in den Bergen unterwegs. Ob im Fels oder Eis ist eigentlich egal, Hauptsache rauf da!

30 Comments

  1. Norbert sagt:

    Da sitze ich heute Abend vor meinem Notebook und dann diese E-Mail. Eines vorweg: Du hast mehr als Glück gehabt und ich wünsche Dir natürlich eine vollständige Genesung. Als Rheingauer von der anderen Rheinseite, der das Klettergebiet und die Stelle gut kennt, weis ich von was Du da berichtest.

    Ich kann mich noch gut an Deinen Bericht im September 2018 und das Thema Prusikschlingen und unseren Gedankenaustausch hierzu erinnern.
    Fehler zu benennen und daraus zu lernen, dass nennt man Erfahrung. Somit hast Du im Nachhinein alles richtig gemacht.

    Gruß!

    Norbert

    • Dennis sagt:

      Hallo Norbert,
      danke dir für deine Wünsche und den lieben Kommentar!

      Ich hoffe, dass viele andere den Artikel ebenso sehen wie du und sich vielleicht ein paar Gedanken zu ihrer Handlungsweise machen. Nur allzu oft sehe ich, wie Kletterer mit voller Absicht, sei es aus Faulheit oder wegen der Coolness, ganz grundlegende Dinge in Sachen Sicherheit missachten. Bei mir war es dieser eine Moment, den ich nicht aufmerksam war, der für den Unfall ausgereicht hat.
      Kaum auszumalen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für die Leute ist, die ständig so agieren.

      Viele Grüße aus Mainz,
      Dennis

  2. Martin sagt:

    Wow Dennis, da hattest aber wirklich saumäßig Glück! Ich kenne es leider, man denkt sich ab und zu mal sind diese Kleinigkeiten wie Kurzprusik oder Knoten am Seilende wirklich nötig. Es ist ja jahrelang nie was passiert, ich spar mir die Minute Zeit.
    Das nehm ich für mich mit, in Zukunft wieder genauer auf die Sicherheit zu achten.

    Liebe Grüße, Martin

    • Dennis sagt:

      Hey Martin,
      ja danke, das sehe ich ganz genauso! Eigentlich verzichte ich ja auch gar nicht auf solche Dinge wie Prusik usw., aber an dem Tag war ich kopfmäßig halt einfach nicht bei der Sache. So was darf in Zukunft echt nicht mehr passieren!
      Viele Grüße, Dennis

  3. Susanne sagt:

    Spannend, vielen Dank dass du diese Erfahrung mit uns teilst.
    Gute Besserung weiterhin

  4. Andreas koch sagt:

    Hey Dennis.
    Wünsch Dir weiterhin einen guten Heilungsverlauf.
    War wirklich geschockt, das zu lesen.
    Gut, dass Du von dem Unfallhergang so genau berichtest.
    Denn es wird sicher einige wachrütteln, ihre achso vertrauten Handgriffe wieder konzentrierter zu kontrollieren.
    Gruss
    Andreas

    • Dennis sagt:

      Hey Andreas,
      danke dir und ja, das hoffe ich, dass der Artikel vielleicht den einen oder anderen Unfall vermeiden kann. Dann hätte ich mein Ziel schon mehr als erreicht!

      Viele Grüße
      Dennis

  5. Hallo Dennis,
    danke für den gandenlos ehrlichen Bericht und die Erkenntnis des Fehlers.
    Bergsteigen und (mit Abstrichen) Sportklettern bieten gewisse Risiken. Deswegen machen wir das.
    Aber es gibt bestimmte Grundregeln zu beachten, um diese zu minimieren. Deswegen wundert es mich, wenn mich Leute auslachen, nur weil ich das Seilende auch in der Halle abknote. Es müssen Automatismen sein, die man nie vergisst.
    Gute Genesung!
    Nico

    • Dennis sagt:

      Ganz genau so sehe ich das auch, Nico.
      Nur, wenn man die Automatismen bei jeder sich bietenden Gelegenheit einschleift, dann greifen sie hoffentlich auch dann, wenn es mal darauf ankommt! Bei mir wird auch in der Halle nicht ohne Knoten im Seilende geklettert. Leider war ich an diesem besagten Tag kopfmäßig irgendwie woanders.

      Viele Grüße
      Dennis

  6. Stefan sagt:

    Hallo Dennis,

    unglaubliches Glück, was du da gehabt hast! Echt super, dass es so ausgegangen ist. Wünsche dir weiterhin eine gute Genesung.

    Beim Abseilen verwende ich immer eine Kurzprusik und belaste meine Konstruktion, bevor ich meinen Stand löse. Abknoten habe ich in der Halle und an meinem Stammfelsen meistens nicht gemacht. Der Blick nach unten und beide Seilenden am Boden zu sehen reichte mir da aus. Bisher habe ich es nur gemacht, wenn ich nicht zu 1000% wusste, dass mein Seil locker auf den Boden reicht und die Mitte eindeutig klar war. Wobei ich mir da definitiv nochmal Gedanken drüber machen werde … Partnercheck gehört definitiv dazu … Immer.

    Viele Grüße

    • Dennis sagt:

      Hi Stefan,

      danke dir für deine Wünsche!
      Ja, das mache ich so ebenfalls… eigentlich. An diesem Tag nun leider nicht und genau dann ist es passiert.
      Bleib weiterhin unfallfrei und hab viel Spaß beim Klettern!

      Viele Grüße
      Dennis

  7. Thomas Hatzenbühler sagt:

    Moin Ex-Nachbar! Zunächst mal ganz persönlich meine Hochachtung vor der schnörkellosen ehrlichen und öffentlichen Auseinandersetzung mit dem eigenen Unglück! Das ist selten, aber – so wie ich dich kennengelernt habe- bin ich davon auch nicht wirklich überrascht. Schön zu wissen, dass nichts wirklich Schlimmeres passiert ist!!
    Es ist-wie so oft- die Routine der Feind. Davor ist niemand gefeit, völlig wurschd, ob du gerade so ne 4 packst, oder du nach ner 9 noch nicht schwitzt…
    Aus der Perspektive der Berwachtlers gibts dazu unzählige Geschichten…auch aus den eigenen Reihen.
    Und dann hängste da am Abseilstand in den rotblauen Einsatzklamotten, mit dem Schriftzug aufm Rücken und erzählst dir selbst -LAUT- die „Vierer-Regel“: „Seilmitte-Abseilgerät korrekt-Totmannsicherung-Seilendknoten!“ …und später in der Hütte wirste dann angequatscht, was das denn soll und wieso man denn als Bergretter sowas noch bräuchte!? Man hätte doch schließlich Routine. Ja…ganz genau.
    Alles Gute und nen guten Rutsch!! Wäre cool, dich mal an irgendeinem Stück Stein zu treffen!! Ich lach jetzt schon…😉😂

    • Dennis sagt:

      Hey Ex-Nachbar!
      Danke dir für den Kommentar!
      Ja, weder er „normalo Kletterer“, noch der Trainer, Bergführer oder Bergwachtler ist sicher davor, mal dumme Fehler zu machen. Und genau deshalb hab ich mich dazu entschieden, diesen Artikel zu schreiben. Wenn auch nur ein Kletterer da draußen lieber doch mal nen Knoten ins Seilende macht, eine Prusik, wo vorher keine war und dadurch auch nur ein Unfall verhindert werden kann, dann habe ich mein Ziel mehr als nur erreicht! 🙂
      Viele Grüße
      Dennis

  8. Roland Meier sagt:

    Fast das gleiche habe ich erlebt. Ebenso der Klassiker, Knoten im Seilende nicht gemacht. Ein Seilstrang klemmt im Autotuber und es läuft nur der andere durch. Das Seil, das eigentlich lang genug gewesen wäre hört nun etwa 8m über dem Boden auf. Absturz, Landung ebenfalls auf einem kleinen Fleckchen grün zwischen den Felsen. Ich war die ganze Zeit klar bei mir, Schmerzen im Arm und Knöchel. Nach dem Transport durch Rtw und Heli war die Diagnose eine abgerissen Achillessehne und eine komplizierte Radiuskopf- Fraktur. Viele Wochen Krankenhaus, Prothese eingesetzt und dann wegen einer Infektion wieder entfernt. Klettern ging erst nach eineinhalb Jahren wieder ganz gut.

  9. wow … 31.12.2020 und ich lese das um 8:08 Uhr – es ist Bewunderns Wert 🙂 Wie Du das hier alles schreibst und somit DIR am allermeisten hilfst. Daraus lehren und zu lernen für DEIN Leben und das der Mitleser auch. Ich bin zwar mit dem Bergradl in den Bergen und nicht an den Wänden, aber es ist ein wundervoller Impuls über Achtsamkeit, Bewusstsein und Leben. Ein gutes neues wünsch i Dir – herzliche Grüße aus dem Taubertal – Ralf

  10. Karsten sagt:

    Ich kann mich ganz gut in dich reinfühlen, denn mir ist vor 2 Jahren etwas ganz ähnliches passiert: etwa 8 m abgestürzt, nur mit den bloßen Händen am Seil bremsend heruntergerutscht (die Steigklemme hatte nicht blockiert) und außer meinen verbrannten Händen ist mir gar nichts passiert, nicht mal Abschürfungen hatte ich. Dabei hätte ich eigentlich halb oder ganz tot sein müssen, denn der Boden war ähnlich verblockt wie bei dir. Eine Kletterin, die meinen Unfall sah, stand am ganzen Körper zitternd da. Ich war wochenlang ungläubig, wieviel unfassbares Glück ich gehabt hatte. Das macht etwas mit einem, wenn in zwei Sekunden über dein Leben entschieden wird und du entgegen aller Wahrscheinlichkeit heile überlebst. Es freut mich, das auch du so viel Glück hattest und das offenbar positiv zum nachdenken nutzt.
    Gute Genesung,
    Karsten

    • Dennis sagt:

      Hey Karsten,
      uff, auch eine krasse Geschichte! Toll, dass dir nichts passiert ist! Und ja, das mit den zwei Sekunden kenne ich nun auch. Hab auch immer wieder mal Momente, in denen ich es kaum glauben kann und mich dann umso mehr freue, noch da zu sein!
      Viele Grüße
      Dennis

  11. Tine sagt:

    Hey Dennis,ich weiß nicht ob Du Dich an uns erinnern kannst. Aber wir (mein Freund und ich) waren auch vor Ort an dem Tag und hatten uns mit Dir unterhalten bis der Rettungsdienst eingetroffen ist. Hab mich schon die ganze Zeit gefragt,wie es Dir ergangen ist. Schön zu lesen,dass Du Dich gut erholt hast 👍🏻😊 und danke für Deinen Beitrag. Ganz liebe Grüße,Tine

    • Dennis sagt:

      Hey Tine,
      nein, ich erinnere mich leider nicht mehr, sorry 🙁
      Danke aber dafür, dass ihr da ward, mich unterhalten habt und, dass du hier schreibst! Ja stimmt, ich erhole mich ziemlich gut, muss zwar noch auf’s Laufen verzichten und auf alles, was den Arm zu sehr belastet, aber im Lockdown halten sich die Einschränkungen damit eh im Rahmen 🙂
      Liebe Grüße
      Dennis

  12. André sagt:

    Hallo Dennis,
    Ich bin durch Zufall auf deinen Bericht gestoßen und sehr froh zu lesen das es dir gut geht.
    Ich war mehr oder weniger dabei und habe den Aufprall gehört. Oh Gott ,da ist was schlimmes passiert und ich rannte los. Dieses Geräusch und das Bild vergesse ich nicht. Und auch nicht das du in Endlosschleife gefragt hast was passiert ist.
    Ich selbst achte auch sehr auf Sicherheit beim klettern und dennoch habe ich mir auch schon ohne Zahnpasta die Zähne geputzt. Die Angst vor den Fehlern in der Routine bleibt wohl.
    Gute Besserung und das deine Schutzengel jetzt erst mal lange Zeit frei haben.
    Gruß André

    • Dennis sagt:

      Hi André,
      danke für deinen Kommentar! Das mit der Endlosschleife haben mir jetzt schon mehrere Leute erzählt. Wenn man das so hört, klingt das sogar irgendwie witzig, auch wenn es das in der Situation natürlich vermutlich eher nicht so cool ist.
      Es ist eben niemand vor Fehlern gefeit und gerade deshalb sollten wir uns immer wieder die Basics in Sachen Sicherheit ins Gedächtnis rufen. Hätte selbst nie gedacht, dass mir mal so ein dummer Fehler passiert…
      Viele Grüße
      Dennis

  13. Waaah, Dennis! Danke für den Beitrag und danke, dass Du es so gut überstanden hast! Dammit, was für eine Aktion…
    Und ja, es ist immer wieder so wichtig (sich selbst) zu sagen, dass man immer voll aufpassen muss. Wie schnell es dann doch immer unerwartet vorbei sein kann mit der Leichtigkeit.

    Grüße ausm Pott
    Corinna

    • Dennis sagt:

      Hey Corinna,
      ja stimmt, die Aktion war schon echt überflüssig!
      Ich hätte vor dem Unfall zwar auch schon das Gleiche gesagt, aber jetzt umso mehr: Zukünftig noch mehr mit dem Kopf bei der Sache sein!!!
      Liebe Grüße
      Dennis

  14. Hannes sagt:

    Hallo Dennis, vielen Dank für Deinen sehr eindringlichen und eindrucksvollen Bericht! Du hast recht, dass es echt wichtig ist, sich immer wieder vor Augen zu führen, warum man das alles macht mit Partnercheck, Hintersicherung etc. Ich habe mich auch schon dabei ertappt, das in einigen Situation etwas großzügiger ausgelegt zu haben.

    Dir wünsche ich gute Besserung und vor allem, dass Dein Handgelenk ohne Folgeschäden verheilt.

    Schöne Grüße
    Hannes

    • Dennis sagt:

      Hey Hannes,
      danke dir für deinen Kommentar.
      Ja, Routine ist der Todfeind des Alpinisten! Mir geht’s soweit schon wieder ziemlich gut, lockeres Klettern geht schon wieder. Hoffen wir, dass ich bald wieder Vollgas geben kann 🙂
      Viele Grüße
      Dennis

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