Wegkreuz am Draugstein
(Werbung) Das Grossarltal – Wandern im Tal der Almen
6. August 2018
Auckland Skyline 2
Reiseplanung Neuseeland
1. November 2018

Der Gipfel der Dummheit! Gedanken zu einem lebensgefährlichen „Kletterkurs“

Flo seilt sich ab

Gefällt dir dieser Beitrag? Dann like oder teile ihn.

Ich möchte eines vorab ganz klar sagen:
Fehler passieren jedem(!) von uns! Wir sind schließlich nur Menschen und nicht perfekt. Wir lernen aus unseren Fehlern und machen es beim nächsten Mal besser. Zumindest sollte das so sein… 

Das, was ich an einem herrlichen Klettertag in der Pfalz miterleben musste, lässt mich an dieser Theorie allerdings mehr als zweifeln. Aber in Zeiten von Fake News drehen sich ja viele die Dinge, wie sie es gerade brauchen. Wie aus einem Kletterkurs mit „Freunden“ schnell ein Desaster werden könnte (zum Glück aber nicht geworden ist) lest ihr hier.

Die Vorgeschichte

Ein schöner Klettertag am Hochstein in der PfalzIch bin mit einer größeren Gruppe zum Klettern am Hochstein bei Dahn. Der Tag beginnt, wie ein perfekter Klettertag laufen sollte. Bestes Wetter und noch schönere Touren. Einfach mit den Freunden draußen am Fels sein und Spaß haben.

Nachdem wir in aller Ruhe und mit Genuss mit dem „Lochweg (5-)“ gestartet sind wollen wir in die „Graue Wand (4+)“ einsteigen. Leider ist die Tour noch durch eine Dreierseilschaft belegt, die seeehr langsam unterwegs ist. Er, scheinbar erfahrener und routinierter, so um die Ende 40 steigt vor und sichert die beiden jungen Damen (vielleicht Anfang 20) im Nachstieg zum ersten Standplatz. „Sieht ein wenig aus wie ein privater Kletterkurs“, denke ich mir noch, da er immer wieder etwas zu erklären scheint.

Also ist warten angesagt. Aber was soll’s, der Fels ist schließlich für alle da und auch wir haben irgendwann mal angefangen 🙂 Also steige ich zwischenzeitlich eins weiter links in die „Solaris (6+)“ ein, sodass wir die „Graue Wand“ gut im Blick behalten und bei nächster Gelegenheit dort losklettern können.

Als Kletterin Nr. 2 den ersten Standplatz verlässt steigen wir ein. Die ersten Meter sind schnell überwunden und so stehen wir nur wenig später am Standplatz. Von dort zieht die zweite Seillänge mit einem Riss gerade nach oben. Ich sichere Andreas und Sina nach und wir machen uns bereit für die zweite Seillänge, nachdem die Seilschaft vor uns auf dem Felsköpfel ausgestiegen sind.

Gerade als ich losklettern will, kommt das erste der beiden Mädels wieder runter. Sie seilt sich über die Route ab und versucht, gut zwei Meter über uns noch einen Cam aus dem Riss zu holen. Den hat sie, laut eigener Aussage, beim Klettern nicht raus bekommen. Ich hole ihr das Material aus der Wand und steige weiter. Während ich die zweite Seillänge vorsteige, kommt das zweite Mädel an mir vorbei abgeseilt. Ich frage mich noch, ob das wirklich sein muss, über die Route abzuseilen, klettere aber weiter.

Uneinsichtigkeit die Erste

Als ich oben am Ausstieg ankomme sitzt der Vorsteiger der Dreier-Seilschaft noch dort. Er macht sich gerade für’s Abseilen fertig. Ich spreche ihn freundlich an und sage, dass es nicht die Feine Englische ist, direkt über die Route abzuseilen. Vor allen Dingen, wenn man die Route schon eine gute Dreiviertelstunde zum Klettern belegt hat und nachfolgende Seilschaften bereits unterwegs sind.

Um ehrlich zu sein habe ich mit so etwas gerechnet wie „Sorry, haben wir nicht bedacht.“. Stattdessen kommt nur ein Kommentar, dass er den beiden Mädels ja schließlich das Abseilen beibringen wolle. Auch mein Hinweis, dass es genug andere Stellen gibt, an denen man während des Abseilens niemand sonst stört, interessiert ihn nicht. Mit einem leicht süffisanten Grinsen legt er sein Abseilgerät ein und verschwindet.

Das große Staunen – ein lebensgefährlicher Kletterkurs

Ich bin, aufgrund seiner Art, schon etwas überrascht. Das große Staunen kommt allerdings erst ein paar Minuten später. Als Andreas und Sina bei mir ankommen erzähle ich den beiden von dem kurzen Gespräch. Was ich vorhin gar nicht bemerkt habe, mir aber Andreas berichtetet ist, dass die beiden Mädels ohne eine Hintersicherung durch eine Kurzprusik abgeseilt haben! Und überhaupt sind die beiden Mädels heute das erste Mal am Fels.

Für die Nicht-Kletterer unter euch: Stellt euch einfach mal vor, ihr fahrt das erste Mal nach der Führerscheinprüfung Auto, jemand setzt euch in einen Ferrari, schaltet ABS und Airbag aus und sagt, dass ihr den Sicherheitsgurt auch nicht braucht. Und dann ab auf die Autobahn und Vollgas. Kann gut gehen, muss es aber nicht!

Beim Abseilen heißt das: Seil loslassen = Absturz!

Gerade das erste der beiden Mädels hat ja während des Abseilens noch versucht, Material aus der Wand zu holen. Einmal kurz nicht aufgepasst, einmal kurz das Seil nicht wirklich 100%ig in der Hand gehalten während sie versucht, ein Stück Metall aus der Wand zu zerren, dann wäre sie so etwa 15 Meter weit nach unten gestürzt! Ein Steinchen auf den Kopf, einmal kurz erschrecken, Absturz! So wird aus einem Kletterkurs schnell ein Desaster…

In mir beginnt es echt zu brodeln! Wir kann man nur so dumm sein, so leichtsinnig? Wie kann man zwei Mädels mit an den Fels nehmen, denen was beibringen wollen und solch essentielle Dinge wie die Lebensversicherung beim Abseilen nicht mit schulen?

Uneinsichtigkeit die Zweite – der Gipfel der Dummheit und Ignoranz!

Nachdem wir drei wieder am Boden sind, mache ich mich auf den Weg zurück Richtung „Lochweg“. Erstens sind die drei anderen in diese Richtung gegangen und zweitens liegt doch eh noch unser Material. Als wir dort ankommen will der „Kletterlehrer“ gerade in die nächste Tour einsteigen.

Nett und freundlich habe ich ja vorhin schon versucht, jetzt bin ich tatsächlich auf 180! Ich frage ihn, ob er eigentlich noch ganz normal ist, zwei Mädels das Abseilen beizubringen und solche wichtigen Dinge wie die Hintersicherung auszulassen. Seine Antwort schlägt dem Fass echt den Boden aus… Beim Abseilen mit Prusik „hakt’s“ ihm zu sehr, dann läuft das nicht so geschmeidig, deshalb lässt er die immer weg.

Selbst jetzt, während ich diese Zeilen schreibe, schwillt mir immer noch der Kamm über so viel Dummheit und Ignoranz!

Alle Hinweise, wie gefährlich das Abseilen ohne Kurzprusik sein kann, interessieren ihn nicht. Er mache das schon seit 20 Jahren so, fährt damit gut und überhaupt läuft es ja, wie gesagt, mit Hintersicherung nicht so geschmeidig. Die beiden Mädels stehen etwas teilnahmslos daneben. Ich mein‘, was sollen die auch machen? Erstens wissen sie überhaupt nicht richtig, um was es gerade geht, zweitens kennen sie den Typen vermutlich schon länger und können/wollen ihm keine Szene machen.

Ich entschuldige mich bei den beiden, dass ich sie gerade in eine so unangenehme Lage bringe, die Sache aber wirklich wichtig ist und sie sich ernsthaft hätten verletzen können – oder schlimmeres! Der Typ ist und bleibt uneinsichtig und beschwert sich noch, was ich mich da einmischen würde, es wäre ja jetzt auch mal gut.

Netterweise schaltet sich noch die sichernde Dame einer weiteren Seilschaft mit ein und redet den Mädels ins Gewissen. Die sind immer noch völlig überfahren von der Situation, während ihr „Kletterlehrer“ auch weiterhin total uneinsichtig bleibt. Prusik ist doof, Prusik braucht kein Mensch, Prusik muss er den beiden nicht beibringen. Basta!

Eine kleine Schimpftirade kann ich mir leider nicht verkneifen. Ich finde sein Verhalten einfach dermaßen unverantwortlich, gefährlich und ignorant, das muss einfach noch sein, bevor ich meine Sachen schnappe und die Heimreise antrete.

Das Problem: Als Anfänger hat man überhaupt keine Kontrolle darüber, ob man im Kletterkurs oder beim Klettern mit Freunden all die Dinge gelehrt bekommt, die sinnvoll und notwendig sind. Wenn man verantwortungsbewusste Freunde hat, prima! Die können einen mitnehmen und man lernt direkt beim Klettern mit den Freunden, wie’s funktioniert. Aber was, wenn die Freunde das Thema Sicherheit nicht so ernst nehmen oder schlicht und einfach was vergessen? Dann kann dieser schöne Sport schnell gefährlich werden.

Ein Appell: Seid kritischer! Sucht das klärende Gespräch!

Mein Appell an euch: Seid kritischer! Klar, wie oben schon erwähnt, habt ihr als eventuell blutige Anfänger noch keine Kontrolle über die Vollständigkeit der Inhalte im Kletterkurs mit Freunden als Lehrer. Spätestens dann, wenn sich andere einklinken und auf Fehler aufmerksam machen, solltet ihr aber äußerst hellhörig werden!

Leider sehen wir es auch viel zu häufig, dass gerade die alten, erfahrenen Hasen gravierende Fehler (siehe auch die 9 fiesesten Sicherungsfehler, die wir miterlebt haben) machen. Gleichzeitig sind genau die oftmals dermaßen beratungsresistent, dass sie ihre Fehler überhaupt nicht wahrnehmen geschweige denn annehmen wollen. Auch nicht, wenn sie freundlich aber bestimmt darauf hingewiesen werden.

Und gerade als Anfänger oder wenn ein Verwandschaftsverhältnis oder Freundschaft besteht, scheut man sich oft davor, nach einem Hinweis durch andere das Gespräch zu suchen.

Macht das nicht! Scheut euch nicht! Wenn ihr Bedenken habt, dass euer „Kletterlehrer“ oder regulärer Sicherungspartner keinen vernünftigen Job macht, dann sprecht das an! Fragt, was das Problem ist, besprecht die Sache und habt keine Angst vor einer Diskussion. Es ist schließlich euer Leben, das dort oben am Seil hängt, da hilft es auch nicht, den Konflikt meiden zu wollen!

Natürlich wisst ihr auch während eines offiziellen Kletterkurs (hier findet ihr Infos zu unseren Kursen) nicht, ob alle wichtigen Inhalte gelehrt werden. Allerdings hat der Trainer eine entsprechende Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und sollte sein Handwerk daher korrekt und vollständig beherrschen.

Und noch mal: Versteht mich bitte nicht falsch! Ich möchte weder auf Anfängern rumhacken, noch behaupten, ich wäre der beste Klettertrainer oder unfehlbar! Auch will ich nicht sagen, dass ihr unbedingt kommerzielle Kletterkurse buchen sollt, auch wenn wir die selbst anbieten. Seid und bleibt einfach aufmerksam und kritisch! Achtet darauf, was eure Partner tun und spätestens, wenn sich ein Dritter einschaltet und euren Partner auf gravierende Fehler aufmerksam macht, sprecht miteinander und klärt die Sache!

Gefällt dir dieser Beitrag? Dann like oder teile ihn.

Dennis
Dennis
Flachlandtiroler und Bergliebhaber! Im normalen Leben IT’ler, ab und an auch Klettertrainer, aber am liebsten selbst in den Bergen unterwegs. Ob im Fels oder Eis ist eigentlich egal, Hauptsache rauf da!

15 Kommentare

  1. Franz Troger sagt:

    Also das klingt echt Fahrlässig. Sicher vor 20-30 Jahren ist der Prusik nicht für eine Sicherung beim abseilen verwendet worden.Wurde auch leicht kein Knoten am Seiende gemacht.ich habe leider schon mit eigenen Augen mitterlebt: Seil reicht nicht bis zu Stand, kein Knoten sm Seilende, Absturz 200m Fertig. Also wenn mehr als eine Seillänge abzuseilen ist: Prusik und am Ende vom Seil einen sicheren Knoten. Danke für den Artikel, ich hoffe dass der“ Bergfüher“ doch noch Einsichtig wurde.

    • Dennis sagt:

      Hallo Franz,

      danke für deinen Kommentar!
      Ja, ich hoffe auch, dass der „Lehrer“ ihn vielleicht sieht und zur Vernunft kommt, oder es vielleicht schon zwischenzeitlich dazu gekommen ist.
      Zumindest hoffe ich, Teilnehmer eines solchen privaten Kurses ein bisschen sensibilisieren zu können. Die sollten nicht einfach alles, was der alte Hase sagt, als Gesetz nehmen und ebenfalls so praktizieren.

      Grüße,
      Dennis

  2. Franz Troger sagt:

    Also das klingt echt Fahrlässig. Sicher vor 20-30 Jahren ist der Prusik nicht für eine Sicherung beim abseilen verwendet worden.Wurde auch leicht kein Knoten am Seiende gemacht.ich habe leider schon mit eigenen Augen mitterlebt: Seil reicht nicht bis zu Stand, kein Knoten am Seilende, Absturz 200m Fertig. Also wenn mehr als eine Seillänge abzuseilen ist: Prusik und am Ende vom Seil einen sicheren Knoten. Danke für den Artikel, ich hoffe dass der“ Bergfüher“ doch noch Einsichtig wurde.

  3. Tom sagt:

    Kommentar von meinem Kumpel ist ins solchen Fällen immer: „Wenn er runterfällt, schlägt halt Darwin wieder zu“ In diesem Fall ist es echt doof, weil die Mädels ja keine Ahnung haben.

    • Dennis sagt:

      Genau das ist eben der Punkt!
      Hätte der Typ nur selbst ohne Prusik abgeseilt, hätte ich gar nicht erst was gesagt 🙂 Ist ja jedermanns eigene Entscheidung. Aber das Leben von Unwissenden auf’s Spiel zu setzen…

  4. Fabian sagt:

    Über die „richtige“ Abseilmethode lässt sich sicherlich recht lange diskutieren. Ebenso über die Frage, wieviel Sinn ein Kurzprusik macht, wenn mittels Doppeltube im Sicherungsring abgeseilt wird – viele Kletterer aus dem Ausland verdrehen hier die Augen. Das Abseilen mit Tube ohne Prusik als Abseilsicherung ist letztlich vom Gefährdungspotential vergleichbar wie wenn ein Kletterer vom Sicherungspartner mit einem Tube gesichert und abgelassen wird: Beim Loslassen der Bremshand kommt es zum freien Fall. Aber würdet ihr einen Tube-Sicherer deshalb ansprechen und als fahrlässig bezeichnen?

    Wie auch immer, Anfänger ohne Kletterkurs lasse ich beim Felsklettern grundsätzlich ab. Abseilen lernt man am besten im Kurs in niedriger Höhe und am Anfang immer mit Abseilsicherung (Kurzprusik oder Zugsicherung).

  5. Michael sagt:

    Am Tuber stecke ich beim Abseilen fest, wenn ich ihn loslasse. Also Tuber+Prusik=Kaka! Mit dem Knoten unten dran hast du natürlich recht.

    • Dennis sagt:

      Kannst du mir noch mal erläutern, was genau du meinst?
      Wenn du mit Tube und ohne Prusik abseilst und das Seil dabei loslässt, dann gehst du fliegen. Insofern würde ich das „Tuber+Prusik=Kaka“ definitiv NICHT unterschreiben! Da hilft eben auch kein Knoten am Seilende, sondern wenn überhaupt jemand, der unten das Seil festhält und im Falle des Loslassens an eben diesem zieht. Das war hier aber nicht der Fall.

  6. Norbert sagt:

    Zum Thema Abseilen zitiere ich hier mal aus den Publikationen des SAC: „Der Einsatz einer Prusikschlinge ist zwingend.“
    https://www.skitouring.ch/sites/default/files/downloads/knotenkurs/sac-uto_abseilen_merkblatt.pdf

    Fehler werden bei dem Thema leider genug gemacht:
    https://vdbs.de/wp-content/uploads/2015/03/S076_klettern_9_14.pdf

    • Dennis sagt:

      Recht hast du, Norbert!
      Dann schau‘ dir aber mal die Diskussionen in den einschlägigen Facebook-Gruppen an, in denen ich den Artikel geteilt habe. Es gibt immer noch viel zu viele coole und beinharte Jungs, die entweder selbst keine Prusik verwenden oder sie sogar für völlig unnötig halten.

      • Norbert sagt:

        Das ist übrigens ein Nachteil der sozialen Medien ala Facebook, Twitter, instagram und Co.. Fast jeder meint, er müsse sein „Wissen“ dort preis geben.
        Poste da doch mal dieses Video hier: https://www.youtube.com/watch?v=x_blMJIPix4
        Vielleicht bringt es ja was! Ich verlasse mich da lieber auf die Erfahrung von Bergführern und Sachverständigen … und auf meine eigene.
        Übrigens:
        Coole und harte Jungs habe ich in den letzten 35 Jahren schon viele in den Alpen gesehen.
        Einige von Ihnen hingen jedoch unter den Helikoptern der Air Zermatt und der Rega !

  7. gustl sagt:

    die Wand ist ca. 30 bis 40 Meter hoch.
    1 mal abseilen quasi ohne objektive Gefahren.

    wovon redet ihr hier, das ist doch totaler unsinnig hier einen Prusik zu verwenden. Wenn man der Person die abseilt nicht zutraut für einmal abseilen die Hand nicht am Seil zu lassen, wer hat denn dann gesichert.
    wenn Sichern klappt sollte das wohl kein Problem sein.

    man traut ja auch den leuten im strassenverkehr zu das lenkrad bedienen zu können und nicht jede minute zu sterben.

    so ein blödsinn der artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.