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Freiheit die mich umgibt!

Prolog

Trekking durch meine Gedanken…

Ich sitze wieder zuhause an meinem Esstisch.

Das Wohnzimmer ist schön warm und aus der Leitung kommt heißes Wasser. Drücke ich auf den Lichtschalter, werde ich in helles, angenehmes Weiß gehüllt. Der Blick in mein Schlafzimmer verrät mir, dass dort ein weiches Bett mit einer großen, breiten Decke wartet. Ich schaue auf meine Daunenjacken, welche an der Garderobe zum Lüften hängen. Das Bad ist angenehm beheizt und es hat eine richtige Toilette. Das Klopapier muss ich in keinen Mülleimer werfen und eine heiße Badewanne dampft gerade vor sich hin.

Purer Luxus umgibt mich.

Das Beschriebene reicht vollkommen aus um mehr als glücklich zu sein und doch bin ich es irgendwie auch nicht. Ich sehne mich wieder nach Nepal, diesem faszinierenden Land zurück. Nach diesen beeindruckenden Menschen, nach der Ferne und Abwesenheit von sozialen Medien, Handy und Internet. Einfach in den Tag Trekken, seine Gedanken schweifen lassen, den Moment genießen. Die frische zu Luft atmen und einfach nur dankbar zu sein über diese wunderschöne Natur, in welcher wir auf dieser Erde Gast sein dürfen. Denn eines hat mir Nepal und der Himalaya gezeigt: Gegen die Natur und diese Kulisse sind wir ein Wimpernschlag in der Zeitgeschichte des Planeten Erde und ein Nichts. Wir sollten uns nicht immer so Ernst nehmen!

Ankunft in Kathmandu

Die Zugfahrt von Freiburg nach Frankfurt gestaltet sich trotz meiner 3 Taschen mit insgesamt rund 40kg recht angenehm. Dies liegt vielleicht auch daran, dass Tobi mich netterweilse zum Bahnhof gefahren hat und mich Dirk in Frankfurt abholt, mit mir noch einen Kaffee trinken geht und dann zum Flughafen kutschiert. Danke an euch!

Am Flughafen in Frankfurt treffe ich bereits Jürgen. Wir erkennen uns sofort, da ansonsten keiner am Gate nach Abu Dhabi in Bergschuhen eincheckt. Schnell sind wir im Gespräch und verstehen uns gut. Da ist das obligatorische Kennenlern-Bier aufgrund der vielen Zeit, die wir noch haben nur Formsache. Schnell finden wir uns an einer Bar wieder und genießen abends um 20 Uhr ein kühles Blondes. Beim Boarding begegnet uns dann noch Stefan, der auch zu uns gehört und damit ist die erste kleine Reisegruppe nach Kathmandu komplett. Den Rest der 11 Leute werden wir dann erst im Malla Hotel in Kathmandu kennenlernen.

Der Flug ist kurzweilig. Das übliche Programm: Essen, Dösen, Film schauen, mit Stefan Schwachsinn quatschen (und das geht mit einem Ossi mit totalem thüringer Dialekt blendend). Und dann das ganze von vorne. Mitten in der Nacht kommen wir dann in Abu Dhabi an. Nach einer unendlich langen Warterei bei der temporären Immigration gibt es dann endlich Frühstück und frischen Kaffee. Wir alle wussten noch nicht, dass das hier wohl für lange Zeit unser letzter guter Kaffee sein wird. Gegen 16 Uhr Ortszeit landen wir dann in Kathmandu. Die Organisation von Amical ist top. Schnell haben wir unsere Taschen, finden unseren Fahrer und schon 20 Minuten später checken wir im Hotel ein. Das habe ich wirklich schlimmer erwartet!

Trekking: Das Team

Im Hotel lernen wir dann neben Willi, unserem südtiroler Bergführer, auch die anderen Teilnehmer kennen. Die nächsten 3 Wochen werden wir also gemeinsam durch den Himalaya ziehen. Im Vorfeld hatte ich ja lauter alte Wanderer vermutet, die nochmal ein kleines Abenteuer suchen. Umso positiver war ich überrascht, dass unser Durchschnittsalter gar nicht so hoch war. Viele um die 30 rum waren dabei, die Jüngeren erwachsener und die Älteren junggeblieben. Das wird ein Mordsspaß und so sollte es auch sein! Zuhause habe ich mir immer ausgemalt, dass ich viel lesen werde, meinen Gedanken nachhängen und Musik hören, aber es kam ganz anders. Mit diesen Leuten musste man sich einfach unterhalten, Spaß haben, Blödsinn machen, über alles mögliche philosophieren, abends noch Trails laufen, Hörbuch hören und sich dennoch beschallen lassen. Herrlich war das! Dies war nur dank dieser sympathischen Zeitgenossen möglich:

David

Der kleinwalser Skibergsteiger und Trailrunner war mit seinen 23 Jahren nicht nur der Jüngste, sondern auch der sicher Fitteste von uns. Kurzerhand habe ich ihn einfach „Kleinwalser Machine“ getauft.

 

Ingo alias „Moses“

Der rheinländische Brückenbauingenieur und Dauerphilosoph hat uns immer wieder mit seinen Stories zum Lachen gebracht. Selbst wenn er noch so platt war, die Puste für einen flotten Spruch und eine kurze, humorvolle Bergpredigt hatte er immer noch.

 

Martin

Oldie but Goodie – unser 61 jähriger Pharmazeut konnte mehr Wörter in einer Minute raushauen als Thomas D in seinen besten Jahren. Lebenserfahrung meets Mitteilungsfreude und seine Söhne sind sein größter Stolz. Schön, so einen tollen Vater zu sehen. Im Nachhinein finde ich den Spitznamen „The Speaker“ nicht all zu unpassend.

 

Brigitte

Über Brigitte kann man viel sagen. Sie unterschätzt sich gerne, kennt sich gut mit allerhand Tieren aus und hat immer ein Lächeln parat. Sie ist vielseitig begabt und und und… eines kann man aber nicht sagen, dass sie aufgibt! Brigitte lief, egal in welcher Höhe, immer das gleiche Tempo und gefühlt ohne Pause konstant bis auf den Mera Peak. Unsere „Mutter Courage“ und einzige Frau im Team zeigte jedem Mann, was kämpfen heißt und warum man nie aufgeben sollte. Chapeau für die Motivation!

 

Willi alias „The Leader“

Unser südtiroler Bergführer war mir nicht nur deswegen so sympathisch, weil er mit einer Mainzerin und damit meiner alten Heimat verheriatet ist. Selten trifft man in den Bergen dieser Welt einen solch sympathischen und bodenständig gebliebenen Bergführer, der sich nicht all zu wichtig nimmt. Willi, du hast wirklich für eine tolle Atmosphäre gesorgt.

 

Erwin

Ein Wiener und dann noch sympathisch. Manche meiner österreichischen Freunde würden sagen, dass es das nicht gibt. Ich sage euch, das gibt es doch und so hat uns beide neben der Fotografie auch der ein oder andere gute Gesprächsstoff begleitet.

 

Markus & Severin alias „die Holzfäller“

Die zwei Jungs erinnerten mich total an die Malloy-Brüder aus Ocean 13. Beide aus der Oberpfalz und damit quasi aus meiner Heimat. Beide stabile, fitte, wilde Männer und dazu noch mehr oder weniger einen Holzfällerbart. Ohne Markus und Severin hätten wir sicher nie genau erfahren, was übermäßiger Chang-Genuss (selbstgebrautes, nepalesisches Bier) für Auswirkungen haben kann.

 

Hans-Jörg alias „der Parade-Trekker“

Hans-Jörg war immer vorbereitet. Die Sonnencreme war, im Gegensatz zu mir, immer griffbereit und auch sonstiges Trekkerquipment war stets am Mann. Auch beim Schuhwerk werden keine Kompromisse gemacht und so geht es bei Hans-Jörg, egal ob durch Kathmandu, den Dschnungel oder auch auf 5000m, immer mit den schweren D-Bergstiefeln voran. Damit legt er aber einen Trekker-Stechschritt an den Tag, der sich gewaschen hat. Zudem kennt er nahezu jeden Gipfel und die Karte des gesamten Himalaya auswendig.

 

Stefan

Ein „Quoten-Ossi“ war auch dabei. Stefan bestieg bereits einige 6000er und sieht den Mera Peak auch nur als Zwischenstopp auf dem Weg zum Everest. Stefans Dialekt und seine großartigen Sprüche sorgten oft für ein Lachen. Achtung Insider: „Vielleicht haue ich mich auch doch irgendwann vor den Konsum, wenn es mim Job nicht klappt.“ Fix und alle war er jedenfalls kurz vorm Gipfel und ließ sich seinen Magen noch zwei mal durch den Kopf gehen. Die Sache mit dem Everest muss er es sich wohl doch nochmal überlegen. Stefan, sofern du uns sponsorst, kommen David und ich mit. 😉

 

Jürgen

Unser „Veteran“, zumindest was Nepal betrifft. Bereits zum 6. Mal kam er in dieses tolle Land und hat dort mittlerweile auch einige der 6000er erfolgreich bestiegen. Ohne Jürgen hätten David und ich sicher nicht derart gute Insidertipps für das Shopping in Kathmandu erhalten. Zudem ist Jürgen, ebenso wie ich, Nikon-Fotograf und dank seiner Equipment-Leihgabe konnte ich auch den Everest im Sonnenuntergang beeindruckend aus dem Hochlager festhalten.

 

One Night in Kathmandu

Nach der Begrüßung und Zimmerzuteilung, welche mir für die nächsten Wochen „The Speaker“ zuwies, ging es in die Straßen von Thamel. Thamel ist das Touristenviertel von Kathmandu. Hier reihen sich Restaurants, Travel Agencies, Hostels, Cafes, Souvernirläden, Outdoor-Fake-Shops und Massagesalons aneinander. Zudem begann gerade das viertägige Chhath-Festival zu Ehren des hinduistischen Sonnengotts. Vor allen Häusern wurden Muster in verschiedenen Farben mit Räucherstäbchen und Kerzen aufgestellt und dem Sonnegott Chhath gehuldigt. Es war ein phänomenaler Anblick und eine tolle Stimmung, welche uns durch die Straßen in das Everest-Steakhouse begleitete.

Ein schönes Steak und Bier später gab es noch einen kleinen Absacker und dann fielen wir nach gut 36 Stunden traumlos in die Betten. Bis der Wecker uns um 7 Uhr aus dem Schlaf riss.

Umpacken war nochmal angesagt, da wir doch weniger Freigepäck hatten als erwartet. So blieb dann neben etwas Edelmetall auch noch das ein oder andere Kleidungsstück in Kathmandu.

Nature Trekking deluxe

Am Check-In in Kathmandu erfahren wir gleich einmal zuerst, dass unsere 320kg Gepäck zu viel sind. Willi und unser Sirta (Chef-Sherpa) Pemba verhandeln hart mit der Fluggesellschaft und so werden von 120kg Übergepäck 60kg wegverhandelt. Für die anderen 60kg zahlen wir dann noch humane 100 €. Der Flug nach Paphlu auf 2200m Seehöhe ist ruhig und wir sehen zum ersten Mal am Horizont den Everest und Lhotse. Die Landebahn in Paphlu ist allerdings ein echtes Abenteuer! Man stelle sich einen breiten Graskamm in einem Sacktal vor, welcher ca. 300m lang ist. Auf diesen wurde ein rund 200m langes Rollfeld betoniert. Aufgrund der Windverhältnisse wird aus dem Talende angeflogen, was eine 180Grad Drehung vorher nötig macht. Wir alle sind froh als wir wieder Boden unter den Füßen haben und unsere Taschen an die Träger übergeben sind.

Nach einem Mittagessen geht es dann endlich los. Raus in den wilden, dschungligen Himalaya. Ganz hinten am Horizont erblicken wir bereits die ersten weißen Gipfel.

Wie in einem Bilderbuch geht es vorbei an neugierigen Nepali-Familien, wilden Affen, blau-weißen Häusern (ich fühle mich gleich bayrisch d’hoam!) und verschiedenen motorisierten oder nicht motorisierten Transportgeräten.

Aufgrund der späten Uhrzeit kommen wir heute in den Sonnenuntergang und erleben gleich mal ein wundervolles Abendlicht. Unsere erste Lodge auf diesem Trekking erwartet uns dann auf gut 3000m Meereshöhe und unter einem grandiosen Sternenhimmel. Überhaupt, solche Sternenhimmel wie hier in Nepal habe ich vorher noch nicht gesehen. Es erinnert nur der Sternenhimmel daran, dass man seine Augen nicht geschlossen hat. Es existiert keine Luftverschmutzung, ist stockdunkel und man erkennt mit bloßem Auge die gesamte Milchstraße. Mir stockt immer noch der Atem, wenn ich daran denke.

Wie im Bilderbuch…

…geht es am nächsten Tag, nach dem üblichen Porridge zum Frühstück, weiter durch das Hinkutal. Unser Standardtagesablauf wird erstmals geprägt:

  • 7 Uhr Frühstück
  • 8 Uhr Abmarsch
  • ca. 10 Uhr – irgendwo eine Pause und einen Ingwertee trinken
  • ca. 12:30 Uhr Lunch
  • ca. 15 bis 16 Uhr Ankunft an der Lodge und Begrüßungstee oder Saft

Mit diesem monotonen Ablauf können wir gut leben und schnell stellt sich eine gewisse Routine ein.

Am zweiten Tag erreichen wir nach rund 2 Stunden ein kleines Klosterdorf und bekommen einen kurzen Einblick in das Leben der jungen Novizen hier oben auf 2700m Höhe. Abgeschieden von dem meisten Weltlichen erhalten die jungen Mönche hier Bildung und Verpflegung. Wie überall im Buddhismus sind die Kloster gerade für ärmere Familien der einzige Ausweg ihren Kindern Bildung zukommen zu lassen.

Dafür werden die Kinder dann auch bereits im zarten Alter von 8 Jahren über 1000km von Zuhause weggeschickt und sehen teilweise Jahre ihre Familie nicht. Wie gut es uns doch hier in Europa geht, das wird mir hier mal wieder richtig bewusst. Dennoch klagen wir hier mehr und leben oft nicht in Gemeinschaften miteinander, sondern gegeneinander. Wir sollten uns da wirklich eine Scheibe von den Nepalis und deren Ausgeglichenheit abschneiden. Nach rund 7 Stunden, meist bergab, durch dichte Dschungel und vorbei an kleinen Bächen erreichen wir am Nachmittag unser nächste Lodge in Kharikhola.

Kharikola

Kharikola liegt pittoresk zwischen grünen Hügeln im Nachbartal des Solokhumbu. Hier wohnen nahezu alle unsere Sherpas und Träger, wenn sie nicht gerade unterwegs sind. So freuen sie sich, an dem Abend mit ihren Familien das Ende des Chhath-Festes feiern zu können. David und mich zieht es noch rauf auf die Hügel und so entscheiden wir kurzerhand noch eine abendliche Trailrunningrunde zu absolvieren.

Begafft von vielen Einheimischen, die sich bestimmt denken, was wir für Irre sind, laufen wir in schönstem Abendlicht Richtung Lukla. David natürlich etwas schneller als ich und so warte ich an einem kleinen Kloster, bis er wieder zurück kommt.

Am Abend gibt es sogar eine warme (!) Dusche und nepalesische Pizza, die allerdings nicht ganz mit der italienischen Mafiatorte mithalten kann.

Nachdem wir mit Gebetsschals von unseren Lodgebesitzern verabschiedet wurden, führt uns der nächste Morgen dann direkt in das Haus von Pemba, unserem Sirta (Chef-Sherpa).

Er lebt mit seiner zweiten Frau und den vier Töchtern hier oben in einer bescheidenen Behausung. Vor dem Haus steht immer noch das große Zelt, welches der Familie ein Jahr zuvor als Unterschlupf nach dem Erdbeben gedient hat. Bereits früh morgens um 9 Uhr müssen wir dann Chang (nepalesisches, selbstgebrautes Bier) probieren. Es sieht aus wie Ziegenmilch und schmeckt wie übergärter, saurer Federweißer… na ja, was man nicht alles aus Gastfreundschaft tut. Anschließend geht es nur noch 2 Stunden bergauf zur nächsten Lodge auf 2900m, welche malerisch auf dem Berg mit freier Sicht auf die gegenüberliegenden 6000er liegt.

Phangum

Entspannt geht es nach dem Mittagessen auf einen kurzen Verdauungsspaziergang hoch zum örtlichen Kloster. Meine Beine sind von der gestrigen Laufeinheit doch etwas müde und so lasse ich die „Kleinwalser Machine“ alleine auf seine abendliche Trainingsrunde ziehen.

Ich begnüge mich dafür mit tollen Fotomotiven im Kloster und der Umgebung. Am weiteren Nachmittag erleben wir alle noch beim Lesen, Meditieren oder Wäschewaschen einen phänomenalen  Sonnenuntergang über den 6000ern vis-à-vis.

Und täglich grüßt das Trekking Schneehuhn…

Die nächsten Tage sind von dem üblichen Trekking-Ablauf geprägt. Wir arbeiten uns langsam jeden Tag etwas höher, um unsere Akklimatisierung voranzutreiben. Dabei gilt insbesondere immer die Grundregel: „Go high, sleep down“. Wir versuchen also jeden Tag etwas höher zu steigen (ca. 400hm) und dort etwas zu verweilen als wir dann letztendlich schlafen. Zur Not – falls wir nicht über einen Pass müssen – wird dann eben auf 3500m auch noch ein Nachmittagsspaziergang auf einen kleinen Buckel eingelegt. Die Tage verstreichen und wir wandern immer weiter in das hintere Hinkutal hinein. Es ist wirklich faszinierend, dass die Baumgrenze in Nepal erst auf ca. 4000m liegt und wir uns auf 3000m noch in dichtem Dschungel bewegen. Sicher waren die beiden Nächte in den zwei Jungle-Camps, wie wir sie liebevoll nannten, auch mit die prägendsten.

David durfte sogar gleich den ersten Contest bestreiten und eine Made in seiner Limo essen. 😉 Danach gab es ein Eisbad im nahe gelegenen Pool und eine kleine Bouldersession um unser Wohnhaus. Auch Meditation und Yoga standen hier in der Einsamkeit bei mir auf der Tagesordnung. Ebenso wie wieder einmal das geniale Himmelszelt und die Fotografie.

Ihr seht also, wir hatten Spaß.

Die zweite Lodge im Dschungel toppte dann nochmal alles.

Die Zimmer waren geräumig und mit feinstem Erdpakett ausgestattet. Die bequemen Boxspringbetten mit feinstem Panno pratesse bezogen und der Wohnraum mollig warm geheizt. Das Badezimmer war kurzerhand in einen Baum integriert und hatte eine Aussicht über das gesamte Tal. Gut ich gebe zu, so hätten wir es vielleicht gerne gehabt, aber wir sind ja nicht bei „Wünsch-dir-was“. Das mit dem Badezimmer war allerdings nicht gelogen, auch wenn es sich dabei lediglich um die Toilette handelte.

Khote

Am 6. Trekking-Tag erreichten wir dann die letzte größere Ortschaft namens Khote auf rund 3500m.

Dort erwartete uns, nach den zuvor zweis ehr einfachen Lodges, eine wirklich schöne Lodge in toller Umgebung. Khote ist auch der Eingang des Makalu-Baruntse-Nationalparks, wo wir nun unser Permit für die Gipfelbesteigung des Mera Peak vorlegen mussten.

Wir genossen den restlichen Tag nach der Ankunft und gönnten uns die letzte Dusche für die nächsten 9 Tage. Es war wirklich ein geniales Gefühl und sicher die innovativste Dusche, die ich bisher hatte. Für 2 Euro wurden 20 Liter Wasser warm gemacht und in einen Eimer gefüllt. Dieser war mit einem kleinen Zapfhahn versehen und wurde dann in einem Holzverschlag auf ein ca. 1,70m hohes Brett gestellt. Durch betätigen des Hahnes floss dann das fast zu heiße Nass über einen. Herrlich, und ich war fasziniert wie lange gut dosierte 20 Liter ausreichen!

Auf zur Fotosession

Am Nachmittag zog ich dann noch auf eine kleine Fotosafari durch Khote und lichtete das „Gassenleben“ ab.

Insbesondere die Kinder hupften mir bereitwillig vor die Linse. Dreckig, verrotzt, aber auch irgendwie total süß! Ich bin immer wieder fasziniert auf meinen Reisen über das herzliche Lachen von Kindern, gerade wenn man ihnen dann auch die Fotos zeigt. Es erfüllt mich immer wieder mit Freude und zeigt einem, wie schön das Leben doch eigentlich ist. Es gibt nichts Ehrlicheres und Erfüllenderes, finde ich, als in die Augen eines lachenden Kindes zu sehen.

David hatte von zuhause einige Spielzeugautos und Helikopter mitgebracht, welche hier ein neues Zuhause finden sollten. Wir zogen gemeinsam durch das Dorf und trafen zwei kleine Kinder, die ich bereits vorher fotografiert hatte. Das Mädchen strahlt überglücklich als sie das erste Spielzeuggefährt in den Händen hält. Plötzlich dann ein lautes Gebrülle von der Kleinen auf Nepalesisch und aus allen Türen strömten Kinder auf uns zu (ich nehme an es hieß sowas wie „kommt hier gibt’s was umsonst zum spielen!“). Da musste ich einfach mit der Kamera draufhalten während David sein gesamtes Spielzeug verteilte. Ein wahnsinnig schöner Moment!

Am Abend unterhalten wir uns dann noch mit dem 11 Jährigen Sohn unserer Lodgechefin. Er muss am nächsten Tag wieder in die Schule nach Lukla. Für uns werden dies auf dem Rückweg vom Mera Peak 2 Tagesetappen sein. Immerhin geht es von hier rund 1500hm hoch über einen 4750m hohen Pass und dann 2100hm runter nach Lukla und das über 25km. Er braucht dafür rund 12 Stunden, meint er. Dann wird er 5 Monate in Lukla im Internat verbringen und über die Ferien wieder zu seiner Familie zurückkehren. Ihm ist aber sehr bewusst, dass Bildung seine einzige Chance in diesem Land ist und daher freut er sich auf die High School.

Ich bin fasziniert von der erwachsenen Denkweise dieses 11 Jährigen und denke mir, dass unsere Kinder wirklich behütet aufwachsen. Unsere Generation und Gesellschaft sollte wirklich dankbar dafür sein, dass wir Bildung umsonst und im Überfluss erhalten können… über diesen Gedanken schlafe ich dann abends ein und träume von den nächsten Tagen und dem Aufstieg ins Hochlager.

To be continued…

Flo
Flo

10 Kommentare

  1. Sabrina sagt:

    Ein Traum lieber Flo! Habe schon sehnsüchtig auf den ersten Teil Deiner Beiträge gewartet! Wow – diese Bilder! Träumchen!

    Bin schon gespannt, wie es weitergeht! Bis bald, Sabrina

    • Flo sagt:

      Hey Sabrina,

      danke für die Blumen! Bei den Motiven war es nicht so schwer tolle Fotos zu machen. 😉
      Der zweite Folge kommt ganz bald, versprochen.
      Bis bald mal in den Bergen, Flo

  2. Martin - The Speaker sagt:

    Fehlen noch ein paar kurze Worte zum Fotografen und Blogger Florian, mein dreiwöchiger Zimmergenosse. Immer freundlich und fröhlich, bergerfahren und bärenstark, ein echter Kumpel! Seine Stärke hat er in unseren Dienst gestellt, die schwere Kamera und das Stativ geschleppt und ist für ein gutes Fotos immer ein paar Extraschritte gelaufen, was in großer Höhe kein Leichtes ist.
    Vielen, vielen Dank!
    Und das Beste: Er schnarcht nicht.

    • Flo sagt:

      Hey Martin,

      danke für die Komplimente. Jetzt werde ich ja fast rot. Es war mir wirklich eine Freude mit euch allen auf Tour zu sein.
      Das mit dem schnarchen kann ich nur zurückgeben, dafür haben wir andere Geräusche von uns gegeben. 😉

      LG nach Oberstdorf,
      Flo

  3. stefa stiller sagt:

    es war mir eine gosses vergnügen mit euch allen zu reisen und flo das hast du super geschrien TOP.

  4. Holger sagt:

    absolut geniale Fotos…besonders von den Kids. Diese Strecken die sie zurücklegen und Strapazen „nur“ um zur Schule zu gehen fand ich in Afrika schon enorm. Meine Tochter war schon genervt wenn sie zum Bus laufen musste (500m).
    Am coolsten fand ich aber den Prolog.

    • Flo sagt:

      Danke Holger! Ja das hat mich wirklich fasziniert, aber die Kinder wissen halt noch Bildung richtig zu schätzen.
      Hehe, der Prolog war aber auch wirklich meine Gedankenwelt. 🙂

      Bis bald mal auf den Trails!
      Lg Flo

  5. Dani sagt:

    Super! Exakt so habe ich Nepal auch noch in Planung! Gemütlich Trekken und die Seele und den Geist baumeln lassen! 🙂

    Sehr schön!

  6. […] Nach meiner Ankunft in Kathmandu ging es sofort am nächsten Tag Richtung Paphlu weiter. Das erste Mal stieg ich in einen Flieger der Black List und flog Richtung Hinkutal. Von Paphlu ging es dann die ersten 7 Tage durch Dschungellandschaften, vorbei an Klosterdörfern immer weiter hinein in das hintere Hinkutal. Nach 7 Tagen erreichten wir Khote. Den ausführlichen Bericht des ersten Teils meiner Reise findet ihr hier. […]

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