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Die Rückkehr in die Zivilisation nach Lukla

Lightwritting in Kothe

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Was bisher passierte…

Den Beginn der Reise könnt ihr hier nachlesen. Wie es dann weiterging ins Hochlager, hier.

Schießlich standen wir am 11.11.16 um 8 Uhr auf dem 6.476m hohen Mera Peak, bevor unser mühsamer Abstieg nach Lukla folgte.

Am Morgen nach der Gipfelbesteigung wachen wir ein letztes Mal am Fuße des Mera Peaks in Khare auf 4800 Metern auf. Mein Atem gefriert fast in der Luft, so kalt ist das unisolierte Zimmer. Meine Uhr zeigt -4 Grad Raumtemperatur um 7 Uhr. Mühmsam quäle ich mich aus meinem warmen Daunenschlafsack und ziehe mich sofort dick an. Das Frühstück ist wie gewohnt. Dünner Kaffee, eigentlich Wasser mit brauner Farbe, und dazu frittiertes Brot und Marmelade. Dennoch ist etwas anders. Jeder hat ein breites Grinsen, ist introvertiert, zu Recht stolz auf das Geleistete und auch etwas kaputter als sonst. Gerade mal 24 Stunden ist es her, dass wir auf dem Gipfel des Mera Peak standen.

Dieser Morgen ist definitiv anders.

Auf nach Lukla

Gewohnt starten wir gegen 8 Uhr Richtung Khote. Ab jetzt kennen wir fast den ganzen Weg. David, Hans-Jörg und ich rennen nach der ersten Teepause vor. Eigentlich wollen wir noch 1000 Höhenmeter in ein Hochtal an einen wundervollen See aufsteigen. Trotz zwei stündiger Suche am Ufer des reißenden Gebirgsbaches finden wir keinen Übergang über diesen und einen Weg in das Seitental. Geknickt, entnervt und etwas erschöpft von dem Geröllgehupfe brechen wir die Suche irgendwann ab. Wir treffen gerade rechtzeitig mit den anderen in Khote ein. Der restliche Tag ist dann dem Teetrinken und Erholen gewimdet und dank einer 100MB Wifi-Karte für 5 € gibt es nach fast 14 Tagen ein erstes Lebenszeichen von mir. Früh liegen wir alle in den Federn.

Trekkingwege soweit das Auge reicht

Heute geht es nochmal steil bergauf, bis wir an der uns bekannten Wegkreuzung den Weiterweg über weitere 800hm Richtung Lodge Thuli Kharka auf 4200m suchen. Ein Trekkingtag wie er im Buche steht. Schöne Trails, gutes Wetter, unbeschwerte Gesellschaft. Dazu Pembas bestes „Backlunch“ (eine Vespertüte voll mit Schokolade, Keksen und Riegeln für jeden von uns). Es geht über die Wolken zu einem phänomenalen Aussichts- und Rastpunkt quer durch Millionen von Rododendronbüschen. Wie muss das hier wohl erst im Frühling zur Blütezeit aussehen…

Am Nachmittag kommen wir pünktlich zum Tee an der Lodge an. Martin ist total begeistert von ihr. Sie hat sogar einen richtigen Türschließmechanismus (bestehend aus einem Seilzug mit PET Flasche) und isolierte Fenster. Dafür allerdings kein elektrisches Licht und nur ein schlechtes Solarpanel auf dem Dach, sodass ab 18 Uhr ohne Stirnlampe in der Hütte gar nichts mehr geht.

Wir nutzen die tolle Aussicht von hier, genießen und fotografieren alle einen tollen Sonnenuntergang und im Anschluss einen gigantschen Vollmond und Sternenhimmel. Es gibt ein letztes Dhal Bhaat.

Zatra La Pass

Nach einem letzten Frühstück abseits der Zivilisation geht es steile 400 Höhenmeter aufwärs Richtung Zatra La Pass. Von hier sehen wir letztmals einen 8000er, den Cho Oyo.

Ab nun geht es wirklich steil bergab, im wahrsten Sinne des Wortes. Über Treppen, natürliche Stufen, Geröll, Sand und schöne Wanderwege. Wir finden unsere Knie, nach zwei Teepausen und 2000 Höhenmeter tiefer, irgendwo wackelnd in Lukla. Als wir über die lange Hängebrücke schreiten und die ersten Häuser der Stadt passieren, kommen auch langsam wieder unsere Gedanken etwas im Hier und Jetzt und der Zivilisation an. Wir freuen uns nach 14 Tagen in einfachsten Lodges nun auf ein kleines Hotel, die Mountain View Lodge. Hier soll uns eine heiße Dusche erwarten und in Lukla der erste richtige Kaffee. Letzteren finden wir, die Dusche mit heißem Wasser bleibt uns allerdings verwehrt. Kalt duschen wollen wir dann aber doch nicht. Dann stinken wir lieber noch etwas.

Party all Night long

Nachdem wir’s uns in den Zimmern bequem gemacht haben, gehen David und ich noch etwas Lukla unsicher machen. Wir landen im „Fake Starbucks“ und sitzen im Wintergarten bei einem leckeren Capuccino. Den Autogrammen und Bildern zu entnehmen saßen hier auch schon die ganz Großen. Etwas ehrfürchtig sind wir beide dann schon, als wir realisieren, dass auf den gleichen Sitzkissen schon Ueli Steck, Simone Moro, Meßner, Buhl, Pappert, David Lama etc. gesessen sind.

Abends gibt es dann unsere Tombola, in welcher alle Träger und Sherpas feierlich ihr Trinkgeld überreicht bekommen und zudem die Träger an einer Verlosung der von uns gesponserten Ausrüstung teilnehmen. Wenn ihr also zukünftig in Nepal ein Abenteuersuechtig Tshirt und eine Cap rumlaufen seht, dann wisst ihr Bescheid. 🙂

Danach gibt es ein sehr leckeres 3 Gänge Menu und ein Teil von uns zieht noch in das Irish Pub. Wir trinken in ausgelassener Stimmung und nachdem wir auch nach kurzer Zeit den Mischpult übernommen haben und Martin und ich DJ spielen, geht die Party richtig los. Gegen 2 Uhr werden wir zum Zapfenstreich recht betrunken herausgekehrt. In 3 Stunden klingelt dann auch wieder der Wecker für unseren Flieger…

Das kann ja was werden auf dem gefährlichsten Flughafen der Welt…

Zurück in Kathmandu

Noch immer angetrunken und mit ziemlich mulmigen Magen geht es mit unserem Gepäck zum Flughafen. Hier in Lukla wird tatsächlich auch noch alles per pedes getragen und so sind dankenswerterweise unsere Träger noch ein letztes Mal bereit, unser Gepäck zu schleppen. Angekommen am Flughafen herrscht erstmal Chaos.

Zuerst ist wieder verhandeln wegen unseres Übergepäcks angesagt, aber Pemba beweist auch hier wieder seine Stärke.

Nachdem hier auf dem steilen Rollfeld, welches nach 500 Meter im Abgrund endet und auf der anderen Seite in einer Felswand, die Flieger nur auf Sicht starten und landen können, gingen gestern aufgrund des Nebels keine Flüge heraus. Heute heißt es damit also doppelt soviele Passagiere aus der Stadt zu bekommen. Es ist keine Seltenheit, dass hier Touristen teilweise bis zu vier Tage stranden. 

Auf einmal muss es plötzlich ganz schnell gehen und innerhlab von 10 Minuten sitzen wir im Flieger. Wir heben quasi während die Tür geschlossen wird auch schon ab. Ich sag euch, der Start war wirklich abenteuerlich. Voller Schub und auf die Bremse und dann plötzlich alles lösen und in den Abgrund in der Hoffnung, dann auch zu fliegen…

Es ging alles gut, sonst würdet ihr das hier nicht lesen und gut eine Stunde später landen wir in unser kleinen Maschine in Kathmandu.

Kathmandu – Shoppen und Sightseeing

Nachdem wir bereits vormittags im Hotel ankommen, schlafen wir nunmehr erstmal den restlichen Kater aus. Gut, die laaannnnnggeee heiße Dusche hat sicherlich auch dazu beigetragen.

David und ich genießen danach erstmal noch Apfelkuchen und Kaffee im Himalayan Coffee, dem Starbucks von Nepal. Anschließend wird halb Thamel leer geshoppt. Gebetsfahnen, Klangschalen, Klamotten, Schals, Tee, Xie-Ketten… die Rücksäcke werden immer schwerer und der Geldbeutel leerer.

Am Abend geht es dann zum Mountain Steak House. Endlich wieder richtiges Fleisch! Der Weg dorthin ist allerdings ein Abenteuer für sich. Mit zwei Autos durch den dichten Verkehr von Kathmandu in immer schmalere Straßen direkt durch einen Markt, wo unser Auto wirklich gerade so durchpasst, bis wir vor einem schicken Restaurant stehen. Es war wirklich eines der besten Steaks in meinem Leben bisher.

Der nächste Tag ist mit Sightseeing verbunden: Pashupatitempel, Pashupatinath (die heilige Verbrennungsstätte), Bodnath. Damit sind wir von dem heiligsten hinduistischen Platz, die Mehrheit der Nepalesen sind Hindus, zum heiligsten buddhisten Platz gereist. Es ist immer wieder interessant, sich mit den Bräuchen anderer Religionen zu befassen und manchmal auch wirklich inspirierend.

Zu Mittag gibt es unsere letzten Momos (nepalesische Maultaschen). Danach geht es für Markus, David und mich nach Thamel zur Massage. Nach 90 Minuten Trekkermassage fühlt sich unser Körper endlich wieder etwas fitter. Zu Abend wird dann im La Sherpa luxoriös dinniert. Die Einladung kam direkt von Thamserku (unserer Agentur), zu denen das Restaurant gehört. Wir speisen wirklich vorzüglich.

Abreise

Der Tag beginnt mit einem leckeren Frühstück, bevor David und ich noch etwas Kathmandu unsicher machen und den Durban Square erkunden. Hier sieht man wirklich noch viel von dem Erdbeben vor einem Jahr. Nahezu jedes Gebäude was noch steht ist einsturzgefährdert. Auf dem Rückweg verirren wir uns etwas in den Gassen von Kathmandu und schaffen es dann nur noch knapp, gerade rechtzeitig, zu den anderen in die Pizzeria. Am Nachmittag chillen wir dann in der Lobby und warten auf den Pickup. Jeder hängt so seinen Gedanken nach und eine schwebende Melancholie liegt im Raum.

Aus 10 einzelnen Menschen ist in den letzten Wochen ein Team geworden. Wenn man über 21 Tage ständig auf einander hängt, lernt man den anderen kennen, ob man will oder nicht. Wir hatten alle wahrlich Glück, dass wir uns so gut verstanden haben. Jeder hatte Schwächen aber auch Stärken und als man sich erstmal etwas an die Eigenheiten gewohnt hatte, hatte man auch seinen Umgang damit gefunden.

Ich jedenfalls bin sehr stolz auf uns alle und werde diese Zeit in meinem Leben immer in Erinnerung behalten.

Die Reise hat mir persönlich gezeigt, dass mich trotz der ganzen Umstände das Höhenbergsteigen reizt. Es ist dann doch ein ganzheitliches, langsames erschließen eines Gipfelziels, auf dessen Weg man sich aber immer sagen sollte, dass der Weg das Ziel ist und nicht der Gipfel. Zuviele äußere Einflüsse beeinflussen den Gipfelerfolg in diesen Höhen und es muss dann eben alles stimmen, so wie bei uns am 11.11.16.

Ich habe aber auch gelernt, wieder die einfachen Dinge im Leben zu schätzen. Ein warmes Bett mit Bettdecke (!), ein geheiztes Wohnzimmer, eine heiße Dusche und auch ganz banal Strom. Vielmehr braucht man nicht, um glücklich zu sein. Oft ist es die Einfachheit im Leben, die unser größter Lehrmeister ist. Nehmen wir uns alle nicht so ernst, sind wir doch gegen diese Berge, gegen diese Natur nur ein Atemhauch im eisigen Wind.

– The End –

Abschließend möchte ich noch LOWA für die Unterstützung und treue Begleitung durch meinen 6000er Stiefel danken. Ohne euch hätte ich sicher nicht so warme Füße gehabt.

Meine Ausrüstung

Hier sehr ihr einen Teil meiner Ausrüstung, die ich während meiner Mera Peak Besteigung dabei hatte.

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Flo
Flo

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