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Mein erster 4000er – Über den Hohlaubgrat auf’s Allalinhorn

Allalinhorn

Das Allalinhorn vom Hohlaubgrat aus.

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Das Allalinhorn ist einer der leichteren 4000er der Westalpen, was ihn für uns bzw. mich als Einstieg nach meinen fünf Tagen Eiskurs mit dem DAV Summit Club, der Bericht folgt noch, umso interessanter machte. Wir fuhren also nach meinem Kurs noch eine Woche in die Schweiz zum Bergsteigen und wollten idealerweise ein paar 4000er unsicher zu machen. Für meine erste Hochtour abseits des Kurses hatte Flo sich aber nicht den völlig überfüllten Normalweg, sondern über den viel schöneren und etwas anspruchsvolleren Hohlaubgrat herausgesucht.

Aber erst mal von vorne…

Samstag, 03.08.2013 – Ab in die Schweiz

Nach Beendigung unseres Eiskurses in Tieflehn im Pitztal nahm mich Daniel, einer der anderen Kursteilnehmer netterweise noch bis nach Imst mit, wo ich mich dann in einem Café mit Flo traf. Nach einem kurzen Snack machten wir uns auf den Weg Richtung Schweiz, genauer gesagt nach Saas-Grund im schönen Wallis.  Hier gibt es 4000er wie Sand am Meer und eben auch nicht allzu anspruchsvolle Touren für Hochtourenneulinge wie mich. Nachdem wir uns für die erste Nacht in einem Hotel einquartiert und eine Dusche mit heißem Wasser genossen hatten, machten wir uns an die Nahrungsaufnahme in einer sehr netten und wirklich leckeren Pizzeria auf der Hauptstraße. Danach entspannten wir noch etwas auf dem Hotelzimmer und gingen früh schlafen, denn die nächsten beiden Tage sollten anstrengend genug werden.

Das kleine Dorf Saas-Grund
Sonntag, 04.08.2013 – Brittania Hütte

Der Wecker riss uns um halb neun aus dem Schlaf, wir machten uns fertig, wir gingen im Aufenthaltsraum des Hotels frühstücken und machten uns daran, die Rucksäcke für die bevorstehende Tour zu packen. Klamotten, Waschutensilien, Ausrüstung, von allem nur das Nötigste vom Nötigen.

Rucksäcke gepackt? Dann kann es ja losgehen. Angekommen in Saas-Fee

Mit den fertigen Rucksäcken ging es dann mit dem Bus von Saas-Grund nach Saas-Fee, einem zwar sehr touristischen, aber wunderschönen und Auto freien Dorf unterhalb eines gigantischen Gletschers der Mischabelgruppe zu Füßen der Berge Allalinhorn (4027m), Alphubel (4206m), Täschhorn (4491m), Dom (4545m) und Lenzspitze (4294m). Sobald man eine Unterkunft in Saas-Grund oder Saas-Fee hat, erhält man den sogenannten Bürgerpass, mit dem man sämtliche Busse und Lifte und Bergbahnen kostenlos nutzen darf. Da gerade Lifte und Bergbahnen verdammt teuer sind, lohnt es sich sogar, z. B. Ein Zelt einfach auf dem Campingplatz stehen zu lassen und dafür zu bezahlen, denn durch den Bürgerpass spart man dann immer noch jede Menge Geld.
Wir fuhren also mit dem Alpin-Express bis zur Felskinn-Bergstation und liefen von dort aus noch ein Stück bis zur auf 3030m gelegenen Britanniahütte. Die Hütte wird durch Schmelzwasser vom Dach und einem großen Schneeblock vor dem Haus mit Wasser (kein Trinkwasser!) versorgt und der Strom wird über eine Solaranlage auf dem Dach gewonnen. Zum Waschen und Zähneputzen muss für die Mädels und Jungs jeweils ein einziger Wasserhahn mit Tropfwasser ausreichen,  mehr als die Hände, Zähne und Gesicht wäscht man sich dort also nicht 😉

Der Herren-Waschraum auf der Britannia Der Hohlaubgrat hinauf auf das Allalinhorn

Da wir schon gegen 13 Uhr auf der Britannia angekommen waren, verbrachten wir den Rest des Tages mit Gammeln, lesen und Musik hören,  bis es um halb sieben Abendessen gab. Dabei kamen wir mit unseren beiden Tischnachbarn ins Gespräch,  man erzählte von vergangenen Touren, geplanten und tauschte sich über allerlei andere Dinge aus. Nach lustigen und anregenden Gesprächen war es aber auch schon Zeit, ins Bett zu gehen, schließlich sollte am kommenden Morgen in aller Frühe der Wecker klingeln.

Montag, 05.08.2013 – Allalinhorn

Um 03:45 Uhr wurden wir geweckt, standen auf und machten uns daran, zumindest etwas Brot, Müsli und Kaffee bzw. Tee runter zu bekommen. Auch andere Seilschaften, die den Hohlaubgrat auf’s Allalinhorn angehen wollten, saßen mit uns im Aufenthaltsraum und taten es uns gleich. Direkt nach dem Frühstück stürmten alle in den Waschraum, um sich mit ein paar Tropfen Wasser die Zähne zu putzen und das Gesicht zu waschen, um gleich danach in die Bergstiefel zu schlüpfen und im Licht der Stirnlampen die Britannia zu verlassen. Es herrschte eine leicht hektische Atmosphäre, als auch wir gewappnet für das Allalinhorn gegen kurz vor fünf den Weg durch die noch nächtliche Dunkelheit antraten.

Sonnenaufgang über den Alpen

Es dauerte keine halbe Stunde und wir befanden uns am Fuß des Hohlaubgletschers und liefen dort weiter Richtung Westen, um die Gletscherspalten zu umgehen, bis wir dann auf etwa 3325m hinüber auf den Blockgrat wechselten und auf dessen Firn weiter bergauf bis auf einen Gratbuckel auf ca. 3530m aufstiegen. Auf diesem Abschnitt erlebte ich auch einen der schönsten Sonnenaufgänge meines Lebens und natürlich nutzten wir den Moment für ein spontanes Fotoshooting.

Sonnenaufgang am Allalinhorn Sonnenaufgang am Allalinhorn

Dann ging es wieder ein Stück hinab, nur um dann wieder steil aufzusteigen. Nach einem steileren Stück erreichten wir den ca. 40 Meter hohen Felsriegel, den es zu überwinden galt. Blockkletterei im zweiten Grad mit Rucksack und Steigeisen ist zwar kein Hexenwerk, aber gewöhnen muss man sich daran schon, zumal die Südflanke des Allalinhorns gewaltige Felsabstürze zu bieten hat, die zwar eine spektakuläre Aussicht bieten, aber den Alpinisten zugleich auch mental fordern. Nach dem Stück Felsklettern, vor dem die Führung von Flo auf mich wechselte, gingen uns die letzten Höhenmeter fast wie von allein von der Hand, zumal die Spur fast eben bis hinauf auf 4027 Meter und damit auf den Gipfel führte.

Mittendrin statt nur dabei - Der Hohlaubgrat Großer Andrang am Gipfel

Dort erwarteten uns nicht nur die vor uns los gelaufenen Seilschaften aus der Britanniahütte, sondern noch weit mehr, die entweder auf eigene Faust oder in Begleitung eines Bergführers über den deutlich leichteren Normalweg aufgestiegen waren.

Flo und Dennis am Gipfelkreuz Das Matterhorn in der Ferne

Flo auf den letzten Metern zum Gipfel Dennis posiert am Gipfel

Trotz des enormen Andrangs auf dem Gipfel ließen wir es uns nicht nehmen, eine gute Stunde auf dem Gipfel zu verbringen, die Aussicht zu genießen und Fotos zu machen. Und eines kann ich euch als frisch gebackener Alpinist sagen: Die Aussicht von über 4000 Meter auf die umliegenden Gipfel und Täler ist einfach unglaublich!!! Selbst das Matterhorn sieht man noch in der Ferne.

Das Panorama vom Gipfel

Nach, wie schon erwähnt, gut einer Stunde machten wir uns an den Abstieg, diesmal über den Normalweg in Richtung Feejoch in bestens gespurtem Schnee und vorbei an diversen Seilschaften im Auf- und Abstieg hinüber zum Skizirkus, über die Pisten weiter zur Bergbahn und dann hinab ins Tal nach Saas-Fee.

 

Dennis stolz wie Oskar und im Hintergrund der Hohlaubgrat

Mein Fazit der Tour: Das Allalinhorn über den Hohlaubgrat ist eine mittelschwere, aber atemberaubend schöne Hochtour, die Flo für uns beide rausgesucht hat und ich gerate auch jetzt, zwei Tage später beim Schreiben dieses Artikels noch ins Träumen. Von mir also eine ganz klare Empfehlung, wenn man mal vom Andrang am Gipfel und dem hässlichen Sommerskigebiet absieht.

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Dennis
Dennis
Flachlandtiroler und Bergliebhaber! Im normalen Leben IT’ler, ab und an auch Klettertrainer, aber am liebsten selbst in den Bergen unterwegs. Ob im Fels oder Eis ist eigentlich egal, Hauptsache rauf da!

5 Comments

  1. Sabine sagt:

    Na du Rumtreiber und Abenteuerer,

    mal wieder ein fantastischer Artikel über Eure Abenteuer. ich kann dich gut verstehen, dass dein 4000-er ein echtes Erlebnis war.
    Bis bald wieder beim Bouldern und Sportklettern in den heimischen Gefilden. 🙂

    Eure Bine

  2. Stefan sagt:

    Hey Flo & Dennis, schön daß der Hohlaubgrad geklappt hat – freut mich füe euch!! Bei uns war auch noch einiges geboten – Nadelhorn, Stellihorn (weglos), Balfrin … Liebe Grüße von Stefan und Manfred vom Hüttenabend auf der Brittania Hütte (ihr wisst schon, der Mann ohne tragbaren Fernsprechaparat 🙂

  3. […] unserer Allalinhornbesteigung und damit meinem ersten Viertausender sollte mit dem Weissmies mehr oder weniger direkt der zweite […]

  4. […] Tal, hatten wir einen perfekten Ausblick auf die großen Gipfel wie Gran Paradiso, Mont Blanc, die Allalin– und Weismiesgruppe und den Monte Rosa. Einfach spektakulär! Danach machten wir uns auf den […]

  5. […] meine Teilnahme am Mountain Equipment Eisbiwak erreichte mich direkt nach unseren Trips auf’s Allalinhorn und das Weissmies. Wir waren gerade zurück auf dem Campingplatz und saßen das schlechte Wetter […]

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