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Weissmies über Normalweg – Eine Hochtour im Wallis

Das Weissmies

Blick auf das Weissmies mit der Schneewächte.

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Nach unserer Allalinhornbesteigung und damit meinem ersten Viertausender sollte mit dem Weissmies mehr oder weniger direkt der zweite folgen.

Montag, 05.08.2013 – Planänderung

Eigentlich hatten wir geplant, nach dem Allalinhorn eine Nacht auf dem Zeltplatz im Tal zu verbringen, um unseren müden Knochen eine kleine Pause zu gönnen, allerdings sollte uns an dieser Stelle Petrus das erste mal in den vergangenen Urlaubswochen einen Strich durch die Rechnung machen. Für den kommenden Dienstag war ab dem späten Nachmittag ein Tief vorhergesagt, welches nicht nur Regen im Tal bringen, sondern auch die Schneegrenze auf rund 3000m ü. M. absinken lassen sollte, auf rund 4000 Meter würde es also knackig kalt werden und die Lawinengefahr steigen.
Wir beschlossen also, unseren Zeitplan etwas zu straffen und noch am gleichen Tag auf die Weissmieshütte aufzusteigen, um das gute Wetter bis Dienstag Nachmittag so weit wie möglich auszunutzen.

Angekommen im Tal warfen wir unsere Tourenrucksäcke ins Auto und machten uns auf die Suche nach einem der Camping-/Zeltplätze in Saas-Grund. Schließlich checkten wir auf dem Camping Mischabel ein. Das Wurfzelt war in wenigen Minuten einsatzbereit und wurde für den Fall der Fälle mit allerlei Taschen und Klamotten beschwert, um der windigen Schlechtwetterfront möglichst das Leben schwer zu machen, falls sie es denn bis ins Tal schafft. Kurz darauf bekamen wir unseren Bürgerpass ausgehändigt, mit dem wir kostenlos alle Busse und Bergbahnen im Saas-Tal nutzen durften. Schon allein für diesen Pass rentiert es sich also, für ein leeres Zelt auf einem der Plätze zu zahlen, denn schon nach der ersten Fahrt mit einer der Bergbahnen rechnet sich die ganze Sache!

Wir machten uns also auf den Weg zur Kreuzbodenbahn und fuhren mit dieser bis auf 2400m ü. M. . Bevor wir uns an die letzten 300 Höhenmeter machten, gönnten wir uns in der dortigen Gaststätte aber noch ein Radler und eine kurze Pause, schließlich stand uns außer dem Aufstieg auf die Weissmieshütte an diesem Tag nichts mehr bevor. Auf dem Weg hatten wir dann noch ein kleines Problem zu lösen, denn der Trageriemen von Flo’s Rucksack riss plötzlich ab und so durften wir all unsere Bastelkünste aufbringen, um das Ding wieder flott zu bekommen, was uns aber selbstverständlich gelang 🙂 Auf der Hütte angekommen sortierten wir schon mal die Ausrüstung für den kommenden Tag, genossen ein weiteres Radler und die Ruhe der Alpen, bevor wir uns zum Abendessen in den Aufenthaltsraum der Hütte begaben. Nach dem Abendessen dauerte es auch nicht lange, bis sich nach und nach alle Bergsteiger Richtung der Bettenlager aufmachten und wir taten es den anderen gleich, schließlich sollte der kommende Tag anstrengend genug werden.

Ausblick auf die Mischabelgruppe Feierabendbier auf der Weissmieshütte

Dienstag, 06.08.2013 – Aufstieg auf’s Weissmies

Unser Wecker klingelte um halb fünf und nach einem kurzen Frühstück, bei dem Flo wieder alle Mühe hatte, eine Scheibe Brot hinunterzuschlingen, während ich mit Genuss Brot und Müsli aß, machten wir uns startklar und verließen die Weissmieshütte gegen kurz nach fünf. Die ersten rund 400 Höhenmeter bis zur höchsten Station der Hohsaas-Bahn mussten wir über einen schmalen Wanderweg zurücklegen, der sich scheinbar endlos in die Höhe schlängelte. Vorbei an der Hohsaashütte, die sich direkt bei der Bahn befindet und ebenfalls als Ausgangspunkt für viele Hochtourengeher dient, konnten wir im unteren Drittel des Gletschers bzw. des Schneefeldes am Weissmies auch schon diverse Seilschaften sehen, die auf der höheren Hütte übernachtet hatten und entsprechend früher in den Gletscher einsteigen konnten. Es sollte also etwas voller werden im späteren Verlauf unserer Tour, wodurch wir uns jedoch nicht entmutigen ließen und kurz darauf und nur weniger Meter weiter ebenfalls die Gletscherausrüstung anlegten und den kalten, weißen Schnee bestiegen.

Schon diverse Seilschaften auf dem Gletscher

Schon nach wenigen Metern begann eine Gletscherspaltenzone, die wir teils einfach mieden, teils mit kleineren Sprüngen über die Schneebrücken hüpften. Manche der Spalten sind so mächtig und bizarr, dass man sich schon fast vorkommt, wie in einer anderen Welt und sich fragt, wie solche Gebilde eigentlich entstehen können.

Wir mussten gewaltige Gletscherspalten passieren Flo posiert am Gletscher

Auf knapp 3400m begann dann ein steiler Firnhang durch den Gletscherbruch, der uns bis zum Frühstücksplatz auf ca. 3500m hinauf führte. Schritt für Schritt kämpften wir uns die steile Spur weiter nach oben bis auf den Westgipfel und kämpfen trifft vor allen Dingen für mich zu. Das Weissmies bzw. dessen Besteigung war meine fünfte Hochtour in acht Tagen und gerade als Novize im Hochtourengehen muss ich gestehen, dass meine Beine mich kaum mehr bergauf tragen wollten. Jeder Schritt schmerzte in den Muskeln und immer öfter stellt ich mir die Frage: „Was machst du eigentlich hier und warum gibst du dir das?“. Flo tat das, was ein Seilkamerad in solchen Fällen tun muss, auf der einen Seite trieb er mich weiter an, auf der anderen gönnte er mir meine kurzen Pausen, wenn ich meinen müden Beinen ein paar wertvolle Sekunden Pause schenkte, bevor wir uns weiter Richtung Gipfel vorarbeiteten.

Da wollen wir rauf Die anderen Seilschaften sind schon fast am Gipfel

Immer wieder richtete ich meinen Blick nach vorne bzw. eher nach oben, denn fast die Ganze Zeit über hatten wir einen atemberaubenden Blick auf den Firngrat, aber auch die anderen Seilschaften und den Weg, der noch vor uns lag.

Und wir haben noch ein Stückchen vor uns Die gewaltige Schneewächte auf dem Weg zum Gipfel

Die kurzen Pausen nutzten wir, um zu verschnaufen und den Ausblick zu genießen, denn selbst wenn man noch nicht auf dem Gipfel ist und Monte-Rosa und andere große Gipfel entdeckt, hat man die ganze Zeit einen großartigen Blick auf die Mischabelgruppe im Rücken der Tour, in der wir am Vortag über den Hohlaubgrat auf das Allalinhorn gestiegen waren und schließlich auch einen schönen Blick auf das benachbarte Lagginhorn, das wir schon mal grob für’s Jahr 2014 anvisiert haben.

Kleine Rast mit Trinkpause Steiles Stück kurz vor dem Gipfel. Im Hintergrund das Lagginhorn.

Kurze Zeit später hatten wir unser Ziel bereits vor Augen, den 4023 Meter hohen Gipfel des Weissmies und ab diesem Moment stieg auch wieder meine Laune, hatten wir es doch fast geschafft. Ganz oben angekommen waren alle Strapazen, all die Schinderei und stillen Flüche vergessen, es zählte tatsächlich nur noch der Moment und das damit verbundene Gipfelerlebnis. Nach wenigen Minuten, die wir den Gipfel tatsächlich ganz für uns allein hatten, kamen auch nachfolgende Seilschaften dort an, man gratulierte sich, tauschte ein paar nette Worte aus und jeder bat andere darum, Fotos von der eigenen Seilschaft zu machen, damit ein möglichst schönes Gipfelfoto dabei raus kommt.

Das Team abenteuersuechtig.de auf seinem zweiten 4000er

Flo legte sich übrigens ganz besonders ins Zeug, um schicke Bilder von den anderen Bergsteigern mit deren Kamera zu machen 😉

Flo spielt den rasenden Reporter für andere Seilschaften Posen für die Kamera :) Posen für die Kamera :)

Zur Verdeutlichung für alle Nicht-Bergsteiger unter unseren Lesern, wie toll die Aussicht von rund 4000m ü. M. ist, hier mal ein Panoramafoto.

Das Panorama vom Weissmies. Im rechten Drittel die Mischabelgruppe mit dem Allalinhorn.

Da es erstens immer voller und voller auf dem Gipfel wurde und zweitens die benachbarten Tälern bereits wolkenverhangen waren, verbrachten wir „nur“ rund zwanzig Minuten auf dem Gipfel, bevor wir uns wieder an den Abstieg machten. Da sich meine Beine wieder gut anfühlten, oder die Schmerzen durch den Endorphinschub nicht wirklich merklich waren, führte ich nun unsere Seilschaft an und stapfte durch den immer weicher werdenden Schnee bergab.

Im Nachbartal zieht schon schlechtes Wetter auf

Der Abstieg ging tatsächlich ganz leicht von der Hand, wir überholten diverse Seilschaften, die bereits vor uns den Gipfel wieder verlassen hatten und machten anderen Seilschaften Platz, die sich noch im immer beschwerlicher werdenden Aufstieg befanden. Beim Abstieg hingegen ist weicher Schnee eine sehr angenehme Sache, so waren wir sehr schnell unterwegs und konnten nur rund eine Stunde später wieder die Gletscherspaltenzone passieren und kurz darauf auf einem Wanderweg wieder die Hochtourenausrüstung ablegen. Von dort aus waren es dann wieder rund zehn Minuten zurück zur Hohsaasbahn, mit der wir unsere müden Knochen hinunter zum Kreuzboden beförderten, um den Gipfelerfolg mit einem Radler und einer leckeren Spinatsuppe zu feiern.
Als es dann jedoch immer windiger wurde, packten wir unsere sieben Sachen, schlüpften wieder in die Bergstiefel und fuhren erneut mit der Bahn hinunter zurück ins Tal. Dort angekommen fuhren wir mit dem Bus zurück Richtung Campingplatz. Hier wurde zuerst das Material ausgepackt und sortiert, danach gab es noch ein Festmahl vom Gaskocher und ein weiteres Siegerbier vor dem Zelt, so lange das Wetter noch mitspielte, denn die dunklen Wolken waren bereits im Anmarsch…

Ein Festmahl als Belohnung für die emsigen Bergsteiger

Der restliche Abend fand vorwiegend im Aufenthaltsraum des Campingplatzes statt, denn kaum waren wir fertig mit dem Abendessen, begann es heftig zu regnen. Wir machten es uns also mit diversen anderen Campern gemütlich und beobachteten den Wetterbericht für die nächsten Tage, denn die Hoffnung auf einen dritten Viertausender wollten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht aufgeben.

Mittwoch, 07.08.2013 – Konsequenzen

Den freien Mittwoch inklusive dem schlechten Wetter nutzten wir so gut, wie es uns möglich war und fuhren mit dem Bus von Saas-Grund aus nach Saas-Fee, um uns das kleine Dorf noch mal etwas genauer anzusehen. Saas-Fee ist autofrei, nur Elektroautos mit Ausnahme der Polizei, des Krankenwagens und der Müllabfuhr dürfen hinein.
Hier kann man noch recht viele der ursprünglichen und typischen Walliserhäuse sehen und außerdem die alten Getreidespeicher. Diese kleinen Scheunen wurden auf Holzstelzen gebaut, zwischen den Stelzen und dem eigentlichen Gebäude befindet sich der sogenannte Mäusestein, der früher die Mäuse daran gehindert hat, den Wallisern ihre Ernte wegzufuttern. Wir schlenderten zuerst einmal quer durch das Dorf, bevor wir es in einem netten Café gemütlich machten und den original Saas-Taler Kuchen probierten, den wir beide sehr empfehlen können!

Walliser Getreidespeicher

Leider, wie sich dann am Nachmittag und mit erscheinen des neuen Alpenwetterberichtes zeigen sollte, war uns Petrus nicht wohlgesonnen, denn das Wetter sollte erst frühestens Freitag Nachmittag wieder besser werden. Über Nacht hatte es in den höheren Lagen ab etwa 3000m sogar geschneit und weitere, teils heftige Niederschläge waren gemeldet. Da wir uns vorgenommen hatten, Samstag Abend wieder zu hause zu sein, um noch etwas zu entspannen, bevor wir uns montags wieder im Büro in den Arbeitsstress stürzen würden, zogen wir unsere Konsequenzen und beschlossen, im wahrsten Sinne des Wortes die Zelte abzubrechen. Wir checkten für den darauffolgenden Morgen aus, stornierten unsere Reservierung in der Domhütte und machten das Beste aus dem Tag, bevor wir donnerstags die Heimreise antraten.

Alles in allem war die Tour ins Wallis trotz des leider zu frühen Endes mehr als genial und wir werden mit Sicherheit im kommenden Jahr wieder dort sein, um weitere Projekte anzugehen!

 

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Dennis
Dennis
Flachlandtiroler und Bergliebhaber! Im normalen Leben IT’ler, ab und an auch Klettertrainer, aber am liebsten selbst in den Bergen unterwegs. Ob im Fels oder Eis ist eigentlich egal, Hauptsache rauf da!

1 Comment

  1. […] perfekten Ausblick auf die großen Gipfel wie Gran Paradiso, Mont Blanc, die Allalin– und Weismiesgruppe und den Monte Rosa. Einfach spektakulär! Danach machten wir uns auf den Weg zurück zum Vorgipfel, […]

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